Archiv für die Kategorie ‘Spiegel’

Spiegel zerstört Existenzen

Donnerstag, 01. Juli 2010

Wenn der Spiegel mit seinen Prophezeiungen zu Al Gore und Kachelmann ähnlich erfolgreich ist wie mit seinem sturmgeschützigen “Aufhören!”- und “Der bessere Präsident”-Titeln soll’s gut sein.
Ansonsten ist die permanente Beschwörung, die eigene Verdachtsberichterstattung zerstöre Menschenleben, reichlich perfide. Zum Fall Kachelmann hieß es im Print-Spiegel:

“Ohne einen Freispruch erster Klasse, wegen erwiesener Unschuld, wird er wohl nie wieder auftreten können. [...] Es geht also um Existenzen.”

Heute wissen die Online-Kollegen über Al Gore:

“Der Nobelpreisträger dementiert heftig – sein Ruf dürfte trotzdem ruiniert sein.”

Mit dieser Zwangsläufigkeit argumentieren schon sehr erfolgreich die Zensuranwälte und verhindern Verdachts- und Ermittlungsberichterstattung. Dabei haben es die Medien sehr wohl in der Hand dafür zu sorgen, dass nicht immer und automatisch “etwas hängen bleibt”. Dass dieser Eindruck häufig besteht, liegt schlicht an der Tatsache, dass Fälle eben oft nicht vollständig geklärt werden können. Dann ist es manchmal SChicksal, manchmal auch nur recht und billig, wenn man sich an diese ungeklärten Geschichten auch später noch erinnert. Gegen wen aber Vorwürfe zu unrecht erhoben wurden, der muss zumindest von den Medien natürlich vollständig rehabilitiert werden. Und genau das haben sie in der Hand.

Lesebeute: Def. Medienjournalismus

Mittwoch, 26. Mai 2010

“Medienjournalismus.  Schon das Wort belustigt Begriffsstutze wie Henryk M. Broder, weil sie so tun, als wäre es analog zu Zeitungs-, Fernseh- und Onlinejournalismus gebildet und stelle also eigentlich einen Pleonasmus dar. Dabei steht es in einer Reihe mit Sport-, Politik- oder Wirtschaftsjournalismus; der erste Wortteil bezeichnet nicht das Medium, sondern seinen Gegenstand.

Doch die scheinbare Doppeldeutigkeit des Wortes zeigt auch das Spezielle an der Arbeit als Medienjournalist, das Dilemma beim Schreiben in den Medien über die Medien. Fast jeder Text ist zwangsläufig ein Text über ehemalige oder potentielle zukünftige Auftrag- oder Arbeitgeber, über direkte Kollegen oder Konkurrenten. Fast jeder medienjournalistische Text steht somit unter dem Generalverdacht einer Interessenskollision, eines Kalküls jenseits journalistischer Kriterien.

Ich nehme an, dass diese Situation auch den Medienjournalisten beim „Spiegel” nicht fremd ist. Was ihnen aber offenbar fremd ist: Dass ein journalistisches Leben außerhalb der „Spiegel”-Redaktion existiert. Dass es Journalisten gibt, sogar Medienjournalisten, die nicht angestellte Redakteure sind, mit festem Gehalt und Einbindung in eine Hierarchie, sondern frei arbeiten, und das sogar freiwillig, nicht aus Not.”  (Stefan Niggemeier, anlässlich einer rätselhaften SPIEGEL-Meldung)

Schwatzbudenjournalismus

Sonntag, 21. Februar 2010

Die Medien haben es mal wieder geschafft. Wie immer. Sie bekommen ihre Sendungen und Seiten voll, und erschreckenderweise interessiert sich immer noch jemand dafür.

Nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zu den Hartz-IV-Regelsätzen hatte Guido Westerwelle am 11. Februar in der Welt einige  Aschermittwoch-Parolen abgesonders: Die Jugend müsse lernen, “dass Leistung keine Körperverletzung ist” und: “Die Diskussion nach der Karlsruher Hartz-IV-Entscheidung hat sozialistische Züge.”

Die Medien haben daraus eine Fortsetzungs-Story gebastelt, die ihren Höhepunkt im Spiegel-Titel von morgen findet. Um es höflich zu formulieren: Habt ihr noch alle Tassen im Schrank?

Ein journalistisches Thema?

Dass sich ein Berufspolitiker äußert, ist nun wahrlich nicht ungewöhnlich – es ist ja quasi das einzige, was er überhaupt macht. Manchmal mag er auch irgendwem zuhören, ganz selten auch etwas zu versehen bemüht sein, aber in aller erster Linie sondert er ab – und konfrontiert damit auch (und oft ausschließlich) den Medienbetrieb.

Es gibt viele Begriffe für sogenannte “Nachrichtenkriterien”, aber letztlich lassen sich alle wesentlichen unter einer Frage zusammenfassen: Ist das, was es zu berichten geben könnte, relevant? (Auch die vermeintlich eigenständigen Kriterien wie etwa Neuigkeit, Kuriosität oder Unterhaltungswert müssen immer ihre Relevanz behaupten, wenn bei der Nachrichtenproduktion nicht schlicht das Zufallsprinzip herrschen soll – was auch ein durchaus spannender, aber bisher öffentlich nicht vertretender Ansatz wäre.)
Jedenfalls wird man unabhängig von eigener Parteipräferenz, unabhängig von Alter, Geschlecht und Schwere des Dachschadens kaum Anzeichen von Relevanz in Westerwelles Beitrag finden können. Den Verwertungsorganen des Springer-Verlags sei die ökonomische Relevanz zugestanden, in kleinen Meldungen darauf zu verweisen, der FDP-König habe in der Welt etwas vom Stapel gelassen. Damit sollte es aber dann auch gut sein. Weil:
- In Westerwelles Text steht nichts Neues.
- Westerwelle bringt keinerlei Kompetenz für das Thema mit, weder originäre noch formelle.
- Sein Wortgetöse sollte ihm schon ein mittelprächtig talentierter Redaktions-Praktikant um die Ohren hauen können (aber es eben wegen mangelnder Relevanz beim Vermögen belassen): dass ausgerechnet einer der ganz fetten “Bezieher von Steuergeld” beklagt, es gebe “niemanden, der das alles erarbeitet” und als hauptberuflicher Leistungsverweigerer von lohnender Leistung schwadroniert, mag einen Schmunzeln oder Kopfschütteln machen, in jedem Fall aber nicht auf die Spur bringen, hier habe gerade ein heller Kopf Erhellendes zur Lage der Nation gesagt.
Westerwelles Beitrag wird selbstredend auch nicht dadurch relevanter, dass sich in der Folge dutzende andere berufliche Sprachabsonderer nach vorne drängeln. Für all dies gibt es eine aus (oder mit, wie uns zunehmend dünkt) Steuergeldern gut beheizte Einrichtung, die man bei Welt-Online nicht “Schwatzbude” nennen darf.
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Lesebeute: Warum Verlagsleiter Christian Schlottau den Spiegel verlässt

Montag, 14. Dezember 2009

Der Spiegel hatte am Freitag in einer Pressemitteilung geschrieben:  “Christian Schlottau, 52, als Verlagsleiter zuständig für alle Verlagsobjekte der SPIEGEL-Gruppe mit den Bereichen Anzeigenvermarktung, Onlinevermarktung, Vertrieb, Marketing-Services und Werbung, wird das Unternehmen zum 31. Dezember 2009 in bestem Einvernehmen und aller Freundschaft verlassen.”

Die Fachzeitung Horizont sieht neben der formalen Umstrukturierung, die der Spiegel als Begründung für den Weggang Schlottaus angibt, auch andere Motive und schreibt u.a.: ” Die wahre Erklärung für Schlottaus scheinbar plötzlichen Abgang dürfte im Inneren des „Spiegel” liegen: Die neue, fusionierte Vermarktungssparte Spiegel QC, die seit September am Start ist, läuft dem vielfachen Vernehmen nach nicht richtig rund. “

Lesebeute: Spiegel-Kritik von links

Sonntag, 13. September 2009

* Im August hatte Bild.de mehr Visits als Spiegel-Online, das bisher führende Nachrichtenmagazin im Web (dwdl).

* Scharfe Kritik von links gibt es an dem Spiegel-Artikel “Die Feuer der Hölle” (35/2009, S. 118-122), der für den Kulturteil beworben wurde mit “Mythen: Der Heldenkult um den schwarzen Todeskandidaten Mumia Abu-Jamal” .

* Bei Spiegel-Online war am Wahltag 30. August die Linke kurzzeitig wieder zur PDS mutiert.

* Bild und Spiegel sind sich mal wieder einig – und machen gemeinsam mit bei der etwas undurchsichtigen Kampagne “Zeit der Entscheidung”, einer Wahl-Werbe-Soap. Bei Bild – bei Spiegel-Online.

* Die Spiegel Mitarbeiter KG hat eine neue Satzung.

* Der Spiegel als Förderer einer Islamophobie? Die NRhZ über das neue Buch von  Kay Sokolowsky: “Feindbild Moslem”

* Spiegelfechter Jens Berger stellt – auf seine Weise – vier prominente Spiegel-Mitarbeiter vor:
“Wenn man den Niedergang des SPIEGELs an Personen festmachen will, so fallen immer wieder die Namen Claus Christian Malzahn, Henryk M. Broder, Gabor Steingart und Reinhard Mohr.” Titel der Betrachtung: “Die vier Konvertiten”.

Und noch folgende Hinweise:

* Am 2. Oktober gibt es in Berlin eine interessante Tagung zum Google-Book-Settlement. (via iRights.info/Arbeit 2.0)

* Eine Übersicht der bisher veröffentlichten Stellungnahmen zu einem möglichen “dritten Korb”, also weiteren Änderungen des Urheberrechtsgesetzes insbesondere im Hinblick auf digitale Nutzung und Bearbeitung, gibt es bei www.iuwis.de

Spiegel bringt Farbe in 2. Weltkrieg

Donnerstag, 27. August 2009

Foto-Deklarationen sind beim Spiegel so eine Sache, der wir bei Gelegenheit einmal einen genaueren Blick schenken wollen. Heute nur der Hinweis, dass das Cover-Foto der aktuellen Ausgabe (37/2009) nachträglich coloriert worden ist, ohne dass darauf hingewiesen wird. Laut Bild will die Redaktion auf dieses Versäumnis in der nächsten Ausgabe hinweisen.

Lesbeute: Rotzige Spiegel-Leute

Donnerstag, 06. August 2009

+Über den “rotzigen Ton” eines Spiegel-Interviews mit Ministerpräsident Günther Oettinger, das mehr über die Fragesteller als den Befragten aussage, mokiert sich im Südkurier Gabriele Renz: ” Meist aber spielt Oettinger mit wie ein Schaf, das ohne Murren zur Schlachtbank geführt wird. Er steht nicht auf und verlässt das Gespräch, bemüht sich, anders als sein Gegenüber, um Sachlichkeit. Forsch sei gefragt worden, und er habe ‘sportlich reagiert’, sagt Günther Oettinger, darauf in der Regierungspressekonferenz angesprochen.
Im Inhaltsverzeichnis ist nachzulesen, worum es den Fragestellern offenbar ging: den ‘politischen Abstieg’ des Interviewpartners.”
+Die ARD ist Deutschlands zweitgrößter Medienbetrieb – nach Bertelsmann und lange vor Axel Springer.

+Den Verzicht auf eine Urhebernennung von Filmmaterial in SpiegelTV kritisiert Stefan Niggemeier.

Lesebeute: Leserreporter suchen behinderte Zeitbomben

Mittwoch, 08. Juli 2009

+ Der aktuelle Spiegel-Titel (28/2009) mit der Unterzeile “Warum auf den Ersten Weltkrieg ein zweiter folgen musste” lädt nicht gerade zum Lesen ein. Arno Widmann hat es aber womöglich getan und muss sich in der FR sehr aufregen.

+ Schon im Editorial des Spiegel 26/2009 wird auf einen recht merkwürdigen Beitrag hingeweisen (“Wie bayerische eltern mit einem behinderten Kind leben, das sie abtreiben lassen wollten”).
Bei Oliver Tolmein, der u.a. auf journalistische Fehler hinweist, gibt es eine Diskussion dazu

+ Süddeutsche.de vermutet hinter dem großen Bauer-Interview im Spiegel 27/2009  – obwohl bzw. wohl ob es gähnend langweilig ist – einen Deal, mit dem eine eigene, bereits zu Pfingsten fertige Geschichte verhindert werden sollte. Wer sich für Spekulationen interessiert, hier.

+ Auch der Spiegel muss sparen und wird Stellen streichen, berichtet das Hamburger Abendblatt.

+ Der vorherige Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust moderiert mit Sabine Christiansen einen Talk und soll für die WAZ neue Print-Konzepte entwickeln, weiß u.a. meedia.

+ Zum Beitrag von Reinhard Mohr über “Deutsche Linke und Iran” gibt es viele Kommentare. Wir verweisen mal auf Spiegelblog und Nachdenkseiten, die noch einen interessanten Hinweis auf Jürgen Elsässer veröffentlichen.

+ Patrick Beser wundert sich, dass Spiegel-Mobil auch Leser-Reporter sucht.

Lesebeute: Investigatives Monitor-Watching

Dienstag, 21. April 2009

+ Ab Sommer soll es “Spiegel Geschichte” auch als TV-Sendung bei Premiere geben.

+ Auch Spiegel-Online hielt ein Plakat des Satire-Magazins Extra3 (NDR) zunächst für echten SPD-Wahlkampf, sagt der NDR.

+ Der Spiegel zerlegt sein Ressort “Deutsche Politik” in der Hamburger Zentrale. Die 10 (Abendblatt) bis 13 (Tagesspiegel) Redakteure sollen entweder in Hamburg bleiben und ins Ressort “Deutschland” oder nach Berlin ins Hauptstadtressort wechseln. Die Zukunft des bisherigen Ressortleiters Hans-Ulrich Stoldt, der zugleich Sprecher der Redaktion ist und an guten Tagen sogar Anfragen von Spiegelkritik beantwortet hat, ist offenbar noch unklar.

+ Der Spiegel-Bericht vom “Finanzgipfel in London” (“Ich übernehme die Verantwortung”, 15/2009, S. 24-29) erweckt den Eindruck, “die Reporter des Blattes säßen unter dem Verhandlungstisch und protokollierten jedes Wort inklusive der Speisefolge in der Mittagspause (“Leberkäse und Gemüsestrudel”)”, meint das Hamburger Abendblatt, das zu berichten weiß, wie der Spiegel dieses Mal an die Detail-Infos gekommen ist: “Den Spiegel-Reportern gelang es, in einem Raum, der Delegationsmitgliedern der beteiligten Staaten vorbehalten war, via Monitor die vertraulichen Gespräche zu verfolgen.”

+ Dass der Intelligenz-Quotient eine relative Größe ist, hat der Spiegel offenbar übersehen, als er schrieb “Der Anteil der Hochbegabten mit einem IQ von über 130 liegt konstant bei etwa zwei Prozent.”, wie das Bildblog für alle anmerkt.

+ “Eigentümlich frei” ist ein Magazin für Menschen mit einem sehr eigentümlichen Freiheitsbegriff, doch André Lichtschlags kritsicher Kommentar zum Spiegel-Titel über den „lebensgefährlichen Unsinn privater Schusswaffen“ sei hier mal erwähnt.

Lesebeute: Kriminal-Studie verzerrend dargestellt

Sonntag, 22. März 2009
  • Heftige Kritik an der journalistischen Präsentation einer Studie des medial hyperpräsenten Christian Pfeiffer äußert die Neue Zürcher Zeitung. «Jugendliche in Deutschland als Opfer und Täter von Gewalt» heißt das Werk des Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen. Wer Studie und Berichterstattung (sowie 2 und 3) vergleiche,  “wird Anlass zum Erschrecken finden, weil das Medienecho nicht nur den Schwerpunkt der Studie grob verzerrt wiedergibt, sondern auch eine völlige Kritiklosigkeit gegenüber den methodischen Fragwürdigkeiten des Unternehmens erkennen lässt.”
  • Die Initative Nachrichtenaufklärung hat die vernachlässigten Top-Themen 2008 präsentiert.
  • SpOn-chef Büchner wird Chefredakteur der Deutschen Presseagentur (dpa).
  • Zu Büchners Online-Plänen derzeit beim Spiegel gibts ein Kress-Interview.
  • Auch der Spiegel hat mit Anzeigenrückgang zu kämpfen.
  • Die Galle hoch kam Joachim Müller-Jung, weil Spiegel-Online embryonalen und fötale neuronale Stammzellen verwechselt hat. Ist aber korrigiert.
  • Mit Buzzriders.com will Robert Basic “Spiegel Online und Heise angreifen”, sagt er im Meedia-Interview.
  • Dass Spiegel-Online die Pinneberger für die schlechtesten Autofahrer hält, sorgt bei den Betroffenen für Unmut, der im Abendblatt gelüftet wird.

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