„Dein Schutz im Web“ – Jugendkontrollportal

Die Landesmedienanstalten bauen sich weiter als Internet-Kontrollbehörde aus. Nachdem mit dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag nicht nur sprachlich, sondern auch juristisch der Grundstein für eine Katastrophe gelegt worden ist, gerieren sich die Landesmedienanstalten vor allem unter dem Label der Prävention als Horte der Medienpädagogik und als unabhängige Institute für Medienpolitik.

Dabei sind sie einst geschaffen worden, um den nicht-gebührenfinanzierten Rundfunk zu kontrollieren – und weil das beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk so gut geklappt hat, hat man sie zu Anstalten des öffentlichen Rechts gemacht, womit sie zwar herrschaftlich tätig werden, aber per definitionem nicht staatlich sind (was wegen der Rundfunkfreiheit nach Art. 5 Grundgesetz so doof wirken würde wie es nunmal ist); alles Unterbinden, Ver- und Untersagen einer Landesmedienanstalt ist daher auch niemals nicht Zensur (sondern irgendeine Form von Digitalhygiene, Ordnungspolitiksendung oder Bildungsschutz).

Nun haben sich vier Kontrollbehörden zusammengetan – Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM), Bremische Landesmedienanstalt (brema), Medienanstalt Hamburg Schleswig-Holstein (MAHSH) und Landesrundfunkzentrale Mecklenburg-Vorpommern (LRZ) – und eine angebliche Jugendplattform gegen Mobbing, Porno und Ekel geschaffen: www.juuuport.de

Dort sollen Jugendliche mit ihren Handy- und Internet-Ängsten Rat von anderen, engagierten Jugendlichen bekommen, den Blockscouts. “ juuuport wird von Jugendlichen gemacht. Natürlich werden wir von Erwachsenen und Experten dabei unterstützt. Aber inhaltlich sind wir selbst aktiv. Wir sehen auf juuuport nach dem Rechten, beraten dich und leiten Beschwerden weiter.“ Für diese Tätigkeit wurden die Selbsthilfescouts „extra von erwachsenen Experten ausgebildet“. Drei sind es bisher, ganze drei Scouts, hinter denen der ein oder andere erwachsene Strippenzieher stehen dürfte.

Es ist ja nicht so, dass es keine Probleme mit Internet, Handyfoto etc. gäbe, auch für Jugendliche. Aber es gibt auch schon jede Mengen Initiativen und vor allem jede Menge Kompetenz, in den Jugendverbänden, bei Schülerzeitungen, Jugendvertretungen, Kinder- und Jugendparlamenten u.v.m.

Wenn Erwachsene – zu dem auch noch beruflich, also gegen Geld – etwas von Jugendlichen wollen, dann sollten sie sich nicht hinter Pappkameraden verstecken. Das durchschaut – auch dank selbst erworbener Medienkompetenz – heute fast jeder.

Wer aber Jugendliche durch Jugendliche ansprechen will, der muss sie das selbst machen lassen – anders wird das nichts. Der kann sich nur als Partner, Unterstützer, Referent, Finanzier oder sonstwas anbieten – wenn er denn etwas anzubieten hat (außer der Idee, irgendetwas tun zu wollen).

Man könnte natürlich sagen: Egal. Projekte wie juuuport.de sind Totgeburten, da wird nie viel passieren, weil es niemand braucht und es kaum einen interessieren wird. Nur: die Interpretation der Betreiber, der erwachsenen Profis im Hintergrund, könnte – wie so oft bei solchen Projekten – eine ganz andere sein. Die demokratischen Defizite der Medienpolitik in Deutschland werden weiter wachsen.

3 Gedanken zu „„Dein Schutz im Web“ – Jugendkontrollportal

  1. Ob Juuuport von den Jugendlichen angenommen wird, werden wir wohl in den nächsten Tagen und Wochen sehen.
    Einige Sachen müssen jedoch an dieser Stelle berichtigt werden:

    So stehen hinter juuuport derzeit etwa 15 ehrenamtliche Jugendliche, die sich um die Anfragen kümmern.
    Die restlichen Fotos und Beschreibungen auf der Seite werden wohl demnächst noch nachgeliefert.

    Die genannte „Rückfrage an Experten“ soll der absolute Ausnahmefall sein. Die Jugendlichen können selbst entscheiden, ob sie sich bei den Erwachsenen in besonders schwierigen Fällen „rückversichern“.
    Das System sieht es übrigens nicht vor, dass die „Experten“ die Anfragen zu Gesicht bekommen.
    Ausschließlich die Jugendlichen werden über die Beratung mit den Juuuport-Nutzern in Kontakt treten. Die Antworten werden auf keinen Fall gespeichert; eine Kontrolle findet also nicht statt.

  2. Bezeichnend, Herr oder Frau Eingeweide, ist aber, dass die Replik natürlich nicht von Jugendlichen kommt (wie das „etwa 15“ sein können, ist uns übrigens auch schleierhaft), sondern von denen, die gepannt nach der Medienresonanz ihres gebührenfinanzierten Projektes googlen.
    Sei’s drum. Selbsthilfe entsteht von selbst – nicht durch Inszenierung von außen.

  3. Eingeweide ist eine interessante Anrede, jedoch wäre die Rechtfertigung informativer ohne Lächerliche Namensänderung.
    Interessant ist, dass die Jugendlichen mit einem neuen Gefühl „gepannt“nach der Medienresonanz „ihres“ Projektes googlen.
    Diese Übertreibung und Gehässigkeit lässt mich persönlich schon an Ihnen zweifeln.

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