Schiefes Bild: Verkehrsschlagader

Vor allem die Lokalredaktionen bezeichnen gerne jede stark befahrene Straße in ihrem Revier als „Schlagader“.

Kölner Straße ist die Schlagader des Südens (WAZ)

Schlagader des Reviers steht still (KStA)

Schlagader Alsfelds für 2,2 Millionen ausgebaut (AAZ)

Dabei ist „Schlagader“ ein politideologischer Begriff, der keineswegs nur beschreibt, was ist, sondern was man interpretiert.
Eine Schlagader führt vom Herz in die Periferie. Sie ist in der Tat lebensnotwendig, bereits eine kurzfristige Unterbrechung führt zum Tot des Organismus‘. In ihr fließt es nicht gleichmäßig vor sich hin, sondern es pulsiert eben – und natürlich nur in eine Richtung. Pulsierenden Verkehr auf einer großen „Verkehrsader“ wird man wohl nur im Trickfilm hinbekommen.

Die meisten „Verkehrsschlagadern“ dürften keineswegs lebensnotwendig sein (wie sich zeigt, wenn sie für Bauarbeiten mal komplett abgeklemmt werden), sondern lebensbedrohendes, auch Leben vernichtendes Übel – politisch für notwendig gehalten. Es sind eben Straßen, mit allen Vor- und Nachteilen, über die man – anders als bei Schlagadern – diskutieren kann.

Der bundesweite Buske

Rechtsanwälte schreiben gerne mal Dinge in ihre Pressemitteilungen, mit denen sich gut der nächste Prozess führen lässt. Aber auch nicht gerichtsfesten Schmonses jubeln sie den Redaktionen so gerne unter. So lernten wir heute, dass „die Pressekammer des Hamburger Landgerichts“ „bundesweit anerkannt für Ihre Rechtsprechung im Presserecht“ ist. Dieses Enzyklopädie-Wissen verdanken wir Rechtsanwalt Theo Paeffgen, der nur
anderes an seiner Mitteilung zu korrigieren hatte.