Bundesamt für Witzzulassungen

Von Rassismus kann man gut leben. Also von Rassismusvorwürfen. Denn nur mit ihnen kann man sich selbst als Antirassist abgrenzen. Psychologen haben für dieses Abgrenzen allerhand Erklärungen parat, aber es ist vor allem simple Ethologie: der Mensch als Familientier braucht ein paar Artgenossen um sich herum, mit denen er sich gegen den Rest der Welt verbündet und für seine Sippschaft sorgt (gerne auch beliebig auf Kosten anderer). Wo das mit Familien und kleinen Dörfern nicht mehr geht, bilden sich Ersatz-Clans auch ohne jede Verwandtschaft – eine Schulklasse hält für gewöhnlich gegen andere Klassen zusammen, auch eine Bundeswehrstube, eine Fußballfanuniform oder eine Twitter-Jüngerschaft schaffen neue Sozialverbände, die sich jeweils durch Abgrenzung von allen anderen definieren.

Es ist daher überhaupt nichts Besonderes, wenn irgendwelche Twitterwesen zu einer Karikatur der BILD über deutsche Politiker lauthals herausposaunen, es handele sich dabei um „rassistische Scheiße“. Man sollte es da auf gar keinen Fall mit Argumentation versuchen, mit Fakten oder Logik – es ist auch egal, ob sich Leute empören, die vor zweieinhalb Jahren noch Charlie waren, denn auch Charlie war ja nur eine temporäre Ersatzfamilie, die billigst mögliche Abgrenzung gegen Terroristen und ein Gute-Laune-Macher (wir stehen zusammen auf der richtigen Seite).

Nicht ganz so belanglos ist es, wenn Journalisten oder reichweitenstarke Journalismuskritiker ihre Peergroup-Fahne auch im Job hochhalten und darüber ein paar Tugenden guter Berichterstattung vergessen.  Weiterlesen

Profi-Tamtam um nichts

Man muss es wohl für folgerichtig halten, dass die Medien in ihrem Böhmermann-Zirkus jetzt nochmal Sondervorstellungen geben, bevor der Gaul dann doch totgeritten ist.

Die Staatsanwaltschaft Mainz stellt also die Ermittlungen gegen Jan Böhmermann ein, es wird keine Anklage geben.* Welche Sensation! Also für Journalisten, die ihren Kunden zuvor ausgemalt haben, der kindsköpfige Comedian könne bald für Jahre im Gefängnis verschwinden.

focus.de

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Den deutschen Journalismus kennzeichnet derzeit, dass er Recherche durch Gefühl ersetzt hat. Es sollte uns also nicht wundern, dass Journalisten, die es  im April für gut möglich hielten, Jan Böhmermann werde für seinen Scherz (oder seine Satire) mit Freiheitsentzug büßen müssen, die Einstellung des Ermittlungsverfahrens mit Unverständnis vermelden. Beispielhaft Chefchecker Lorenz Maroldt vom Tagesspiegel, der sich heute Morgen ob der staatsanwaltschaftlichen Einschätzung,

ein „ernstlicher Angriff auf den personalen oder sozialen Achtungs- und Geltungsanspruch“ Erdogans sei nicht zu belegen, die „absurde Anhäufung vollkommen übertriebener, abwegig anmutender Zuschreibungen negativ bewerteter Eigenschaften und Verhaltensweisen“ bleibe ohne Bezug zu den Tatsachen,

oral bepisst haben muss vor Lachen, was er denn auch seinem Publikum anriet:

(Regieanweisung: Publikum dreht sich prustend zur Seite und schaut sich auf dem Smartphone das vom ZDF aus der Mediathek genommene Original an.)

Was wissen diese Paragraphenreiter schon von der Welt? Haben die überhaupt gefühlte Meinungen, die sich tapfer gegen jeden Fakt behaupten können?

(Fred Steinhauer)

* Für die Hype-Verweigerer: Böhmermann hatte in seiner Sendung „Neo Magazin Royale“ am 31. März 2016 als Performance zum Unterschied zwischen Satire und Schmähkritik ein Gedicht namens „Schmähkritik“ über den türkischen Präsidenten Erdogan vorgetragen.Anlass war Erdogans Empörung über eine Satire der NDR-Sendung Extra3. Böhmermanns Sender ZDF hatte die Sendung aus der Mediathek gelöscht und damit wohl wesentlich zu deren Verbreitung beigetragen. Der Medienhype machte die kurze Nummer zu einer Staatsaffäre, in der sich selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Wort meldete – und diese bis heute vorgeworfen bekommt. Und das alles, weil kein Journalist fähige war kurz und bündig zu recherchieren, dass dies alles gar kein Thema ist, sondern nur Kerzennebel.

Checkpoint hat den Durchblick

Checkpoint hat den Durchblick

Updates und Ergänzungen zum Thema:

+ Jan Böhmermanns Statement vom 5. Oktober 2016 (Video)
+ Jan Böhmermann spricht darin selbst von einem Witz, nicht von Satire. Das war zu befürchten.

+ Michael Hanfeld, FAZ, gibt natürlich auch keine Ruhe. Schließlich hatte er  bereits am 1. April 2016 unter der Überschrift „Dümmer als das Presserecht erlaubt“ Böhmermann als „Deppen“ bezeichnet, der mit seinem Arsch irgendwie gute Satire kaputt macht, und geschlaumeiert: „Wer jemanden auf das Übelste verunglimpft, jemandem perverse Neigungen nachsagt, gar Verbrechen unterstellt, muss damit rechnen, dass er damit spätestens vor Gericht nicht mehr durchkommt.“
Nun konnte man mit etwas Medienrechtskenntnis erwarten, dass das Hamburger Landgericht zivilrechtlich einige Passagen verbieten würde (weil dort die Benimmkammer Deutschlands ansässig ist), strafrechtlich die Sache aber vollkommen irrelevant ist (andernfalls die Sorge um dieses Land wirklich groß werden müsste). Als nun Hanfeld und andere Feuilletonhygieniker mit ihren wohl recherchierten Fakten von der Justiz eine lange Nase gezeigt bekamen, fragt Hanfeld seine Leser, ob sich Jan Böhmermann „mit seinem Gedicht immer noch für den King of Kotelett der deutschen Satireszene“ halte und bäbäbät: „Die strafrechtliche Würdigung des Schmähgedichts hätte übrigens auch ganz anders ausfallen können.“ Was man so lesen darf: „Die Staatsanwaltschaft Mainz hat einfach keine Ahnung, warum lesen die nicht wenigstens Hanfelds komprimierte Weisheiten?“

+ Verständnisprobleme lässt schon erkennen, wer – gar wiederholt – von „Böhmermanns Schmähkritik“ oder „dem Schmähgedicht“ spricht. Es ist in diesem Fall keine Korinte gekackt, wenn mandie korrekte Bezeichnungen verlangt: die vorgetragenev Verse trugen den Titel „Schmähkritik“, eine solche liegt aber in der Gesamtperformance (und nur um die kann es gehen) gerade nicht vor. Wie schon einmal erläutert: Wenn ein Schauspieler auf der Bühne oder im Fernsehen sagt: „Fick dich, du Hurensohn“, dann ist das auch keine Beleidigung. (Tatort-Tote sind übrigens meist auch nicht wirklich tot.)

 

Böhmermahn

Schuld sind wie immer die Journalisten. Also noch. Bis die Sozialen-Medien mit ihrer reinen Ich-Kommunikation sie irgendwann ganz in die Bedeutungslosigkeit gedrängt haben werden. Aber noch sind immer die Journalisten schuld. Weil sie niemals Wichtiges von Unwichtigem scheiden, weil sie nur selten spannende Fragen beantworten, Probleme lösen, Orientierung geben wollen, sondern weil sie schlicht Aufmerksamkeit suchen – Einschaltquoten, Auflage, Klicks, Follower.

Jan Böhmermanns Gedicht „Schmähkritik“. Hatten die freiwilligen Zuschauer, hatte das leidenschaftliche Publikum, hatten diejenigen, für die „Neo Royal Magazin“ gemacht wird, ein Problem mit der Sendung? Und bedurften sie journalistischen Beistands? Brauchten sie Welterklärer und Moralverbesserer an ihrer Seite?

Ein großer Teil des Medientratsches dreht sich nur noch um Dinge, von denen man nie etwas wissen wollte. Es geht nicht um investigative Recherchen, nicht um die Aufdeckung des zu unrecht Verborgenen, sondern um die Skandalisierung von Fragmenten aus Nischenereignissen. Das, was erfolgreich separiert war, nachdem es mehr als ein Fernsehprogramm und eine Staatszeitung in Deutschland gibt, was Angebote und Interessenten nach Interessen zusammenbrachte, wird vom Journalismus wieder zusammengepanscht und zum „general interest“ erhoben, auf dass jeder eine Meinung dazu habe (nicht entwickle!) und der deutsche Smalltalk gleichgeschaltet sei.

Dass selbst dröge Familienzeitungen und die außerhalb ihrer Sendung weniger dröge wirkende Anne Will den türkischen Affentanz zu einer Liedparodie von extra3 und zu einem Beitrag in der vorletzten Böhmermann-Sendung zum nationalen Problem erheben, zeigt den Geisteszustand dieses Landes deutlich, vor allem das völlig gestörte Verhältnis zur Freiheit.

Böhmermann hat den türkischen Präsidenten Erdogan nicht beleidigt (mal abgesehen davon, dass er dies jederzeit versuchen dürfen sollte und für den Erfolg allein der Sichbeleidigtfühlende verantwortlich wäre –> Grundrecht Beleidigungsfreiheit)! Er hat eine Satire-Show aufgezeichnet, in der auch der Name Erdogan fiel. „Tötet Merkel“ von Till Reiners ist auch kein Mordaufruf. (Schönster Satz übrigens: „Ich glaube nicht, dass sich Merkel privat für Politik interessiert.“)  Weiterlesen

Was darf die Satire? Falsche Frage

Wenn halb Deutschland auf dem Sofa sitzt und übel nimmt, dann hat das nicht die Satire zu verantworten. Es ist die Sache jedes einzelnen Sofasitzers. Soviel emotionale Autonomie sollten wir uns schon attestieren.

Seit dem Attentat auf Mitarbeiter der französischen Satirezeitung „Charlie Hebdo“ am 7. Januar 2015 wird die Kanäle rauf und runter wieder diskutiert, was „die Satire“ darf. Es wird überlegt, wie viel Verletzung Menschen um der Meinungsäußerungsfreiheit willen aushalten müssen, wo gesetzliche und wo moralische Grenzen des Zumutbaren liegen.

Dabei ist dieser Blickwinkel grundlegend falsch. Er unterstellt, der Schöpfer einer Satire sei dafür verantwortlich, was sein Werk bei beliebigen Rezipienten an Gefühlen auslöst. Aber das ist grotesk – und eine Entmündigung des Publikums zu Reaktionsrobotern. (Weiter auf freitag.de)

SPIEGEL wirbt weiter für Klamauk-Partei

Sonneborn ist klug, Sonneborn kann satirisch sein, Sonneborn ist der langweiligste Politik-Kabarettist Deutschlands. So. Nachdem wir ihn mit dem K-Wort maximal beleidigt haben dürften (wobei: vielleicht ) die Frage ans Publikum:

Könnte es sein, dass angesichts der tatsächlich möglichen Finanzgeschäfte Sonneborns Partei (sorry, für ihn natürlich mit extra Apostroph: Sonneborn’s) nicht mehr ganz so ungestüm auf Spiegel.de für sich werben dürfen sollte? Denn ganz gleich, welches Kasperle-Theater er oder seine Getreuen mit Abgeordnetenmandat und Vergütung machen wollen – diese Ressourcen stehen dann anderen Komikern nicht mehr zur Verfügung.

Weder der Spiegel-Verlag noch eine der Parteien wollte sich dazu zeitnah äußern.

Spam-Partei-1
Davon ganz ab ist es aber schon traurig zu sehen, wie der Partei-Klamauk Satire entpolitisiert hat. Als Sonneborn und Konsorten vor 10 Jahren mit ihrer Idee loslegten, konnte man das noch als Frontalkritik am Parteienwahnsinn verstehen: Inhaltsleere, Karrieregeilheit, Medieninszenierungen, Führer- und Untergebenenstrukturen…

Aber heute, da Martin Sonneborn eben unter anderem bei Spiegel.de volles Rohr seine Parteienkomödie spielen darf, während der Rest der Nachrichtenwebsite ungerührt weiter der Politiker Speichel leckt und jedwede „Systemkritik“ in bester Nachäffung der namengebenden Zeitschrift ignoriert, wird wohl niemand mehr politische Satire in der Spam-Partei sehen können. Es ist Klamauk, eben gerade nicht ernst zu nehmen: lustig, lustig, trallallallala.
Allein für den Dusseljournalismus  ist zu wünschen, dass Sonneborn durch wundersame Fügung (oder gerne auch wieder mal: Bestechung) die nötigen Stimmen bekommt (gut, bei der letzten Bundestagswahl waren es nur 39.388, also deutlich weniger als Käufer der Illustrierten „Titanic“), um ins Europaparlament einzuziehen. Nicht nur die BILD wird sich dann ganz furchtbar aufregen über diesen Missbrauch demokratischer Rechte, die Verhohnepipelung eines Parlaments (oder einer Quatschbude, je nach Stimmungslage), die Verschwendung von Steuergeldern…

Update 26. Mai 2014:
Wir hatten die Pressesprecher der Parteien CDU, SPD, FDP, Grüne, Linke, Piraten und AfD dazu befragt, was sie von dieser satirischen Werbung für eine reale Satirepartei halten. Die FDP teilte nach 5 Tagen mit: „Die FDP konzentriert sich auf ihren Wahlkampfendspurt und wird dazu deshalb keine Stellungnahme abgeben.“ Die andeeren Parteien machten das offenbar ebenso – ohne es mitzuteilen.

Spiegel.de bezeichnete am Tag vor der Wahl „Die PARTEI“ noch als Spaß. Sechs Stunden nach der Wahl heißt es bei der tagesschau.de: „Es ist zwar knapp – aber nach jetzigem Stand der Hochrechnung von infratest dimap könnte die politsatirische „Die Partei“ von Frontmann Martin Sonneborn ins Parlament mit einem Sitz einziehen.“

 

Satire-Spiegel

Weil das Stichwort gerade an mehreren Stellen auftaucht, kurze Verweise:

* Satiriker treffen sich zum 75. Geburtstag von Klaus Staeck. Es berichtet Heiko Werning, der selbst manch tollen Satiretext veröffentlicht hat.
Ob die Satire Grenzen habe? „Martin Sonntag: ‚Selbstverständlich. Die Grenzen der Satire liegen dort, wo die Titanic sie setzt.'“

* Sind die Titanic-Titel mit Papst Satire? Sie sind belanglos, und darum ärgerlich, findet Timo Rieg.

* Die Guttenberg-Satire nächste Woche auf SAT 1 (12. März, 20:15 h) lohnt nicht, meint die taz.

Nackte Königin ist nur ein Witz

Der zentrale Unterschied zwischen Comedy und Satire ist, dass Satire eine aufklärerische, meinungsschwangere Botschaft hat, während Comedy völlig wertfrei Lachen macht. (Deshalb ist Harald Schmidt auch kein Satiriker – wie es fast konsequent behauptet wird – sondern ein Comedian, denn er hat keine Botschaft, er klärt nichts auf, er stochert nur nach Lachern – und spricht ja auch selbst nur von „Gags“, die er mache.)

Wie wichtig diese Unterscheidung in der Rezeption ist, kann man derzeit in den Niederlanden beobachten.

Weil Königin Beatrix bei ihrem Besuch einer Moschee in Abu Dhabi ein – locker über den Hut geworfenes – Kopftuch trug, erregen sich die Islam-Hasser. Und als künstlerische Reaktion gibt es u.a. einen Filmbeitrag (Lucky TV), der das niederländische Königspaar in Adaption kultureller Gebräuche auf Papua-Neuguinea zeigt – nackt.

Als Comedy deklariert ist das ein guter Scherz. Als Satire aber kritisiert es den Repekt vor anderen Kulturen und Religionen. Fascho-Satire. Kann man machen, muss man aber nicht drüber lachen. Weil es eine perfide Forderung impliziert: dass nämlich der westliche Imperialismus selbstverständlich weltweit nach seinen Maßstäben durchs fremde Land trampeln darf. Der Witz ist ja gerade, dass ein Geert Wilders, der das Kopftuch auf dem Königshaupt in einem islamischen Land eine unerträgliche Anbiederung findet, im Umkehrschluss überhaupt nichts gegen die Burka in Den Haag haben kann, weil der Verzicht auf sie eine furchtbare Anbiederung an die alten Oranien-Kolonialherren wäre.

Und zur Frage der Nacktheit auf Papua-Neuguinea: Ich kenne die dortigen Gepflogenheiten nicht, aber wo man sich die Hände wäscht vor einer Mahlzeit, da sollte man dies auch als Gast tun, und wo man die Straßenschuhe vor der Tür lässt, betritt man das Haus barfuß – oder man bleibt draußen.

SPAM – Ein Ausfall mit Kollateralschaden

Spiegel-Online könnte Satire vertragen, dieser unserer Meinung schließt sich nun auch Martin Sonneborn von der SPAM-Abteilung bei Spiegel-Online an. In einem Interview mit der Frankfurter Rundschau sagt er:

Für meinen Geschmack sind Satire und Berichterstattung noch viel zu klar getrennt. Ich hätte noch größeren Spaß, wenn die Dinge mehr vermischt würden, und die Leser mit Satire konfrontiert werden, ohne es vorher zu wissen. Das ist ja das Problem der Titanic: Sie rennt immer offene Scheunentore ein, weil sie Leute bedient, die genau das lesen wollen und geschult sind im Umgang mit Satire. Der Reiz an „Spam“ ist, dass Leute vor den Kopf gestoßen werden, die darauf gar nicht gefasst sind.

Dass er dies zur Zeit nicht darf, haben wir bereits bedauert. Dass er allerdings auch kaum noch Diskussionsvorlagen produziert, mit denen man einen Chefredakteur auf den Geschmack bringen könnte, ist eine aktuelle Klage.

Denn vieles, was SPAM präsentiert, ist allenfalls akzeptabler Käse, aber weit ab von der beanspruchten professionellen Satire.  Weiterlesen

SPAM – ein hoffnungsvoller Anfang unter schwerem Beschuss

Pimmel werden wir wohl beim Spiegel weiterhin vermissen. Auf den – oft preisgekrönten – Covern des altehrwürdigen Prints ebenso wie im schnelllebigen, inzwischen auch oft bewegten Onliner.
Martin Sonneborn hatte es versucht. Im Rahmen der neuen Freiheit bei Spiegel-Online, für die es seit 31. Oktober die Satire-Rubrik „SPAM“ gibt. In einer guten Bilderstrecke ließ ein „Soldat“ „seinen“ Pimmel allerhand verrichten, was definitiv keine Leichenschändung in Afghanistan war – entspannte Pause bei der Mülltrennung inklusive.
Das war ein guter Beginn für politische Satire, – zu einem Thema, das die taz als einzige Zeitung mit täglicher Satire-Seite mit einem soliden, aber wenig satirischen Cartoon kommentierte.

Doch der Spaß mit dem Plastik-Lümmel währte nicht lange – und die Bilderstrecke verschwand im SpOn-Orkus. Wieso, weshalb, warum? „Kein Kommentar“ hieß es abgestimmt bei den Hamburger SpOn-Verantwortlichen und der freien, hauptstadtnahen SPAM-Redaktion. Die Grenze dessen, was die wertvolle Marke „Spiegel“ für verkaufbar hielt, war überschritten.
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