Leberwurst-Journalismus

Nachdem es einige Leberwurst-Journalisten mit ihrer Erregung über Til Schweiger mal wieder (via dpa) bis in meine Provinzzeitung gebracht haben, sollten wir doch mal kurz über die Aufgabe von Kunst- und Medienkritik nachdenken.

Das Grundproblem der Schweiger-Kritiker dürfte sein, was etwa Spiegel-Online in einem Nachrichtenversuch so beschreibt:

„Das Verhältnis zwischen Til Schweiger und Film- und Fernsehkritikern ist angespannt. Der Regisseur und Schauspieler verzichtet oft darauf, seine Filme zu regulären Pressevorführungen vor dem Start zugänglich zu machen.“

Das klingt, als gäbe es einen Anspruch der Presse, Filme für Besprechungen sehen zu dürfen. Dem ist natürlich nicht so, und Schweigers Umgang mit der Presse dürfte bei professionellen Autoren keinerlei Auswirkungen auf die Werkkritik haben. Davon sind allerdings viele, viele Artikel über Til Schweiger weit entfernt.

Was die beiden aktuellen Folgen „Der große Schmerz“ und „Fegefeuer“ sowie die Rezeption eines Facebook-Postings von Schweiger dazu anbelangt, machen die Leberwurst-Journalisten mal wieder keine gute Figur:

– Die beiden Folgen waren ohne Zweifel sehr gut inszeniert. Das Ergebnis muss niemandem gefallen (so wie auch niemand sehr guten Brokkoli mögen muss), aber was Schweiger an die Adresse des Regisseurs Christian Alvart schreibt, wird man cineastisch nicht beanstanden können.

– Dass eine „schlechte“ Fernseh-Quote von rund 20% (7,69 Millionen Zuschauer) Beleg für eine schlechte Sendung sein soll („kein Erfolg„), kann kein Kritiker ernst meinen. Sonst ist eben doch „BILD“ die beste Tageszeitung der Republik. Wenn sich für einen Münster-Tatort mehr Zuschauer finden, sagt das doch nicht das Mindeste über die Qualität des Hamburg-Tatorts. Muss man daran erinnern, was die meistverkaufte deutsche Fernsehserie ist? Soll das der Benchmark sein?

– Eine völlige Unsitte ist es, angeblich journalistische Produkte mit Beschreibungen von anderen Webseiten zu füllen (siehe Kritik 2011), insbesondere mit dem Widerkäuen von Facebook und Twitter. Die Beiträge werden für die dortige Leserschaft geschrieben („Community“), und sie sind öffentlich für jeden Interessierten. Dort kann man sie auch diskutieren oder sich gegenseitig bewerfen – es ist vollkommen überflüssig, das als „Nachricht“ verkleidet auf Papier zu bringen.

– Aber wenn man dann schon als Leberwurst-Journalist+#_in berichten will, was alle auf Facebook lesen können, sollte man es wenigstens verstehen, weil sonst jede Umformung (mehr Eigenleistung ist ja nicht zu erbringen) zu neuer Dichtung wird. (Und wer das schafft, wird im Schweiger-Posting nicht mehr viel Echauffierstoff finden – er ist belanglos.)

Wer die journalistische Leistung der deutschen Fernsehkritik bewerten will, solle sich ihren Umgang mit Til Schweiger anschauen, nicht nur im aktuellen Tatort-Fall. Das dürfte aufschlussreich sein.

5 PS:
Wir haben schon einige schöne Journalismen hier gekürt. Verwiesen sei auf
Zirkusjournalismus,
Seitenfülljournalismus,
Gagajournalismus,
Popeljournalismus und
Phantasiejournalismus.

Mehr PS:
Irgendwo muss man mal die vielen „Journalismen“ sammeln. Aktuell:
Erziehungsjournalismus“ (Jan Fleischhauer)
Eifersuchtsjournalismus“ („Profi-Journalisten vs. YouTuber…“)
Kikeriki-Journalismus“ (Heribert Prantl über die Angst vor Bloggern)
Sensorjournalismus“ (>>SUPERKÜHE ist die erste Auskopplung der Sensorstory, die erste Auskopplung der Sensorstory, die die Reporter Björn Erichsen, Jakob Vicari und Bertram Weiß zusammen mit Chapter One und dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) entwickelt haben. Ein völlig neues journalistisches Format: Sensordaten füttern einen Textroboter, der vernetzten Tieren und Dingen um uns herum zu uns sprechen lässt.<< re:publica)

 

Ampelmännchen vom Hörensagen

Journalisten schreiben gerne von einander ab. Manche (Internet-)Magazine füllen sich gar überwiegend mit Wiedergaben dessen, was andere irgendwo geschrieben haben. Dass dabei wirklich jede eigene Recherche vermieden wird, ist oft genug penibel korrekt dokumentiert. So etwa beim Deutschlandfunk in der Causa „WDR-Zensur“*:

Nach Angaben der „Bild“ machte sich Plasberg in der Sendung zum Beispiel darüber lustig, dass es in Deutschland 190 Professoren für Geschlechterforschung gebe, 180 davon weiblich. Zudem habe er sich darüber mokiert, dass die Umbenennung eines „Studentenwerks“ in „Studierenden-Werk“ eine Million Euro gekostet habe.

Als Informationsquelle für Zitate aus einer Sendung dient nicht etwa die Sendung (die ja bisher u.a. auf Youtube gut zu finden ist und einem ÖRR-Journalisten auch sonst zugänglich sein sollte), sondern die BILD-Zeitung.

Eine Sendung, über die ein halbes Jahr nach der Ausstrahlung nun ein Bohei gemacht wird, selbst anzuschauen, bevor man darüber berichtet, ist offenbar nicht selbstverständlich. Einfacher als in drei Minuten die Stellen (1 und 2) im Video zu suchen, an der sich Plasberg laut BILD über die Geschlechterforschung lustig gemacht haben soll, ist es natürlich, die BILD abzuschreiben.

*): Um was geht es? Gegen die „Hart aber fair“-Sendung „Nieder mit den Ampelmännchen – Deutschland im Gleichheitswahn?“ am 2. März 2015 hatte u.a. die „Landesarbeitsgemeinschaft der Gleichstellungbeauftragten in NRW“ Programmbeschwerde beim WDR eingereicht. „Die Auswahl der Gäste** (war nicht dazu geeignet, eine faire Diskussion über Geschlechterforschung zu führen“, heißt es darin. Moderator Frank Plasberg habe manipulative Fragen gestellt. „Es handelt sich um einen ungeheuerlichen Machtmissbrauch des ‚Moderators‘, die neutrale Position zu verlassen und auf diese Art und Weise ZuschauerInnen manipulieren zu wollen. Es schien so, als solle der ‚gesunde Menschenverstand‘ beschworen und bedient werden, der sich seit Monaten montags auf der Straße zeigt.“
Auf Vorschlag des WDR-Rundfunkrat Programmrats war laut WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn kurz vor der Sitzung des Rundfunkrats am 18. August die Sendung aus der Mediathek genommen worden. Damit wurde die alte Sendung nun nochmal zu einem viel diskutierten Thema. Laut Meedia kündigte der WDR an, in Kürze eine neue Hart-aber-Fair-Sendung „zum Gender-Thema“ auszustrahlen.

**): Gäste der Sendung waren Anton Hofreiter (B’90/Grüne, Fraktionsvorsitzender) Birgit Kelle (Publizistin), Wolfgang Kubicki (FDP, stellv. Bundesvorsitzender), Sophia Thomalla (Schauspielerin), Anne Wizorek (feministische Bloggerin, #Aufschrei).

 

Aufregung im Herzen – Ein Pfarrer, Ehe für alle und journalistische Relevanz

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„Pfarrer vergleicht Homosexuelle mit Sodomiten“ betitelt die Süddeutsche ein Stück aus Oberfranken – und der Medienkritiker geht in Habachtstellung: schließlich hatten wir gerade erst die Behauptung, Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer vergleiche „Homo-Ehe mit Inzest und Polygamie“, was man leider guten oder schlechten Gewissens als journalistische Fehlleistung bezeichnen musste.

Im Lead fasst Olaf Przybilla, Leiter des SZ-Büros Franken in Nürnberg und Wächterpreisträger, den Eklat so zusammen:

>>In einem Schreiben hat ein evangelischer Pfarrer in Oberfranken gleichgeschlechtliche Ehen mit Beziehungen zwischen Mensch und Tier in Verbindung gebracht.<<

Bei dem Schreiben handelt es sich um den „Kirchenboten“ der Evangelischen Kirchengemeinde Nemmersdorf (Goldkronach), in der Ortspfarrer Günter Weigel einleitend ein „geistliches Wort“ geschrieben hat, wie es in fast allen Gemeindebriefen üblich ist – hier „Andacht“ genannt. Die Zusammenfassung in der Süddeutschen Zeitung:


>>“Nachdem die Homo-Ehe praktisch vom Staat eingeführt und legalisiert wurde, wurde kürzlich die weitergehende Forderung laut, die ,Ehe für alle‘ einzuführen.“
Dies sei abzulehnen, findet der Pfarrer: „Die ,Ehe für alle‘ würde in der Konsequenz nämlich in der Tat bedeuten, dass auch die Ehe unter nahen Verwandten (z. B. zwischen Eltern und Kindern oder Geschwistern) dann ebenfalls möglich wäre; oder auch die ,Ehe‘ zwischen einem Menschen und seinem geliebten (Haus-)Tier (z.B. mit seinem Hund, seiner Katze, seinem Pferd, seinem Schaf, seiner Kuh usw.).“ Er frage sich deshalb: „Wie dekadent und pervers müssen einzelne Vertreter unserer Politik und Gesellschaft eigentlich sein, um auf solche Ideen und Forderungen zu kommen?“ Der Pfarrer ist sich sicher: „Die Verwirrung auf diesem Gebiet wird immer größer.“<<

Hat Pfarrer Weigel nach diesen Zitaten nun Homosexuelle mit Sodomiten verglichen? Wer dies herauszulesen imstande ist, möge das Ergebnis des Vergleichs benennen. Aufmerksame Leser werden sich zudem fragen, was denn bei diesem Zitat weggelassen wurde, an das Weigel mit „in der Tat“ anknüpft.

Das nicht nur von Stefan Niggemeier für seine Kompetenz immer wieder gefeierte Blog „focus.de“ genügte jedenfalls der Artikel in der Süddeutschen, um sehr rechercheökonomisch zu verdichten:

>>Homo-Ehe gleich Sodomie? Pfarrer mahnt in bizarrem Kirchenbrief: „Ehe für alle“ ermöglicht Sex mit Tieren<<

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Fangen wir also mal ganz vorne an und lesen den inkriminierten Text komplett (§ 51 UrhG).

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>>Nachdem die Homo-Ehe praktisch vom Staat eingeführt und legalisiert wurde, wurde kürzlich die weitergehende Forderung laut, die „Ehe für alle“ einzuführen. Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer hat sich dagegen ausgesprochen. Dafür wurde sie heftig gescholten. Zu Unrecht, wie ich meine. Die „Ehe für alle“ würde in der Konsequenz nämlich in der Tat bedeuten, dass auch die Ehe unter nahen Verwandten (z. B. zwischen Eltern und Kindern oder Geschwistern) dann ebenfalls möglich wäre; oder auch die „Ehe“ zwischen einem Menschen und seinem geliebten (Haus-)Tier (z. B. mit seinem Hund, seiner Katze, seinem Pferd, seinem Schaf, seiner Kuh . usw.). Auch der Mehrehe wäre dann Tür und Tor geöffnet, wie sie z. B. schon seit alters her im Islam, aber auch in christlichen Sekten in den USA und anderswo praktiziert wird.
Wundern Sie sich also nicht, wenn ich mir demnächst einen Harem mit mindestens 365 Ehefrauen zulege (für jeden Tag des Jahres eine). Achtung: Nur Spaß – ich hoffe, Sie verstehen Humor!
Wie dekadent und pervers müssen einzelne Vertreter unserer Politik und Gesellschaft eigentlich sein, um auf solche Ideen und Forderungen zu kommen? Die Verwirrung auf diesem Gebiet wird immer größer.
Auch hier kann uns die Bibel Orientierung und Wegweisung geben. Schauen wir uns deshalb einmal genauer an, wie Jesus sich die Ehe gedacht hat. Über die Gemeinschaft in der Ehe sagt Jesus im Matthäus-Evangelium Kapitel 19, Vers 4 – 6:
„Gott, der im Anfang den Menschen geschaffen hat, schuf sie als Mann und Frau und sprach: ,Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein.‘ So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden‘!“
Diese Verse aus dem Matthäus-Evangelium werden bei jeder kirchlichen Trauung vorgelesen. Was können wir ihnen entnehmen? Wie hat sich Jesus die Ehe nach seinem Willen vorgestellt? – Er will keinesfalls eine „Ehe für alle“! Ehe nach dem Willen Jesu ist:
1. die engste Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau.
2. Die Ehe ist prinzipiell auf leibliche Nachkommenschaft hin angelegt.
3. Die Ehe ist grundsätzlich unauflöslich. Sie soll Bestand haben, solange die Ehepartner leben.
Menschen, die „Ja“ zu diesen Grundprinzipien der Ehe sagen, segnet Gott. Alles andere ist keine Ehe, weder im Sinne des Grundgesetzes, und schon gar keine christliche Ehe.
Eine „Ehe für alle“ widerspricht dem ausdrücklichen Willen Jesu und steht nicht unter dem Segen Gottes.

Mit sommerlich-sonnigen Grüßen,
Ihr Pfarrer Dr. Günter Weigel<<

Es juckt natürlich in den Fingern, als erstes zu kommentieren, über die Qualität des Beitrags könne man sicherlich streiten – um Distanz aufzubauen. Doch genau da liegt schon ein Fehler: Ist es Aufgabe von (weltlichen) Journalisten, intellektuelle oder geistliche Tiefgründigkeit einer Kurzpredigt zu bewerten? Und ist das eigene Verständnis eines solchen Textes dafür die geeignete Richtskala?

Versuchen wir es also mal, was den reinen Text angeht, systematisch:

a) Pfarrer Weigel wendet sich gegen eine „Ehe für alle“ – die er einer „praktisch vom Staat eingeführt[en] und legalisiert[en]“ „Homo-Ehe“ gegenüberstellt. Das mag sehr tricky oder ein Versehen sein, jedenfalls bezieht sich alles in dem Artikel auf die nicht näher bestimmte „Ehe für alle“, nicht auf die „Homo-Ehe“.

b) Weigel knüpft an die Aufregung um das Interview mit Kramp-Karrenbauer in der Saarbrücker Zeitung an und pflichtet der CDU-Frau bei, einer ersten Öffnung der Ehe werden weitere folgen. Das darf man für Dummzeug halten, juristisch ist aber die willkürliche Begrenzung viel schwieriger zu rechtfertigen. Und mit der von leitenden Protestanten vorgetragenen Position, auf Dauer angelegten Liebesbeziehungen wolle man den Segen nicht verwehren, ist die Beschränkung auf Paare auch schwierig zu begründen. So oder so: Es gab die Diskussion schon, intensiv-medial, auf diese hat Weigel Bezug genommen. Diese Information darf in einem Bericht über Weigels Text nicht fehlen.

c) Die Verwandtenheirat ist so abwegig nicht, außerhalb der geraden Blutslinie ist sie in Deutschland sogar erlaubt. Die Sinnhaftigkeit des strafrechtlichen Inzestverbots wird tatsächlich von namhaften Denkern bezweifelt, eine Korrektur des noch bestehenden Eheverbots (§ 1307 BGB) wäre dann vermutlich folgerichtig.
Dass Weigel diese Verwandtenehen nicht möchte, sollte ihm nicht nur als Meinungsfreiheit zugestanden werden: als jemand, der kirchliche Trauungen vollzieht, dürfte man ihm sogar eine besondere Kompetenz zusprechen – und zwar gerade unabhängig davon, ob einem das Ergebnis passt.

d) Die Ehe zwischen Mensch und Tier steht derzeit tatsächlich nicht besonders aufdringlich im Raum, wie Moritz Kircher vom Nordbayerischen Kurier recherchiert hat.*)
Aber: Hat das Weigel behauptet? Er prognostiziert diese Möglichkeit als Konsequenz einer radikalen „Ehe für alle“, und es sollte für Sprachwesen exegetisch ein Leichtes sein, dies für eine satirische Überspitzung zu halten. Darauf deutet nicht nur die konkrete Benennung einzelner Tierarten, sondern auch die nachfolgende Aufklärung, man solle sich nicht wundern, „wenn ich mir demnächst einen Harem mit mindestens 365 Ehefrauen zulege“. Weigel setzt nur in diesem tierlichen Zusammenhang „Ehe“ in Anführungszeichen. Nicht ganz so bedeutsam, aber der Vollständigkeit halber zu erwähnen: der Autor selbst behauptet, genau diese satirische Überspitzung intendiert zu haben.
Aber selbst, wer dieser Hermeneutik nicht folgen mag, sollte sich in einer Erregungspause fragen, wen oder was eine nicht-satirische Warnung vor der Ehe zwischen Menschenfrau und Katzenkater diskriminieren oder intellektuell beleidigen sollte.
Was hat denn eine homosexuelle Paarbeziehung mit Zoophilie zu tun? Nichts, eben. Beides wird hier auch nicht verglichen oder miteinander in Bezug gesetzt. Weigel denkt nur das Rechtsinstitut Ehe weiter (das, es sei ob der inzwischen vielen wirklich „bizarren“ Überschriften zu dem Thema betont, nichts mit Sex zu tun haben muss). Und da sollen mal gerade Protestanten nicht so verstört gucken, schließlich hat ihr Luther den bekannten Satz geprägt: Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott. Wenn also schon ein Auto oder Beruf zu Gott werden können…
Der schnöde Ehe-Text des BGB (§ 1353) jedenfalls ließe sich für allerhand Veralberungen nutzen.

e) Einzelne politische Forderungen hat Weigel nicht genannt und zugeordnet, weshalb seine Entrüstung vielleicht etwas überraschend kommt:

„Wie dekadent und pervers müssen einzelne Vertreter unserer Politik und Gesellschaft eigentlich sein, um auf solche Ideen und Forderungen zu kommen?“

Aber sein Text ist auch recht kurz, und wer sich nur mal in Erinnerung ruft, welch wechselhafte Rechtsgeschichte die Sodomie durchlaufen hat, wird allerhand zum Staunen finden, eben auch aus dem Politikbetrieb.

f) Wer meint, Weigel werfe hier alles durcheinander, seine Gedanken seien „bizarr“ oder verworren, der wird dann zwangsläufig seiner Feststellung zustimmen müssen: „Die Verwirrung auf diesem Gebiet wird immer größer.“ Das ist rhetorisch ein toller Kniff.

g) Danach folgt eine biblische Begründung Weigels Ablehnung einer „Ehe für alle“. Daran wird man nichts auszusetzen finden, entsprechende Diskussionen sind ja auch hunderttausendfach geführt worden. Es gibt halt solche und solche Ansichten.

Was also war jetzt der Aufreger? Was hat diesen „Leitartikel“ in einem kleinen Gemeindebrief zu einem nationalen Problem erhoben? Im Focus-Blog liegt die Relevanz allein darin begründet, dass die Süddeutsche Zeitung etwas geschrieben hat, was man daher dringend ab- und umschreiben musste. In der SZ klingt eine andere Legitimation an: nicht die Pfarrerrede gegen eine „Ehe für alle“ an sich weckte den journalistischen Jagdtrieb, sondern die Beschwerde eines homosexuellen Paares aus der Gemeinde, das sich an die bayerische Kirchenleitung als oberste Pfarreraufsicht gewandt hat. Aber ist das ein Relevanzkriterium – eine Beschwerde?

Wird nicht sonst gerne gefordert, Kirchenleute sollten sich mutiger bekennen und für ihre Werte eintreten? Muss nicht jedes deutliche Wort, wenn es nicht belanglos sein soll, irgendwen vor den Kopf stoßen? Predigt der Pfarrer gegen die Ausbeutung der tierischen Mitgeschöpfe, beschweren sich die Bauern (passiert regelmäßig, deshalb sagen auch prominente Kirchenvertreter nichts Interessantes zur Landwirtschaft). Ruft der Pfarrer zum Autofasten auf, fühlen sich Berufspendler diskriminiert und zu unrecht als Umweltsünder gebrandmarkt. Fordert er mehr (finanzielle) Anerkennung für Kindergärtnerinnen, steigt ihm der Bürgermeister aufs Dach etc.

Was also war jetzt der Aufreger? Wagen wir einen Schnellcheck einiger journalistischen Qualitätskriterien für den SZ-Bericht (in simplen drei Stufen):
Aktualität: Ja
Ausgewogenheit: Ja
Ethik: unklar (Was die Berichterstattung auslöst, ist noch unbekannt)
Neuigkeit (Investigation): Nein (der konkrete Fall schon, aber ähnliche Überlegungen sind schon zigfach publiziert worden, prominent etwa von Bischof Stefan Oster)
Objektivität: Ja
Relevanz: Nein
Richtigkeit: Ja (soweit von uns – richtig – geprüft)
Transparenz: Nein (es fehlt ein Hinweis auf das Zustandekommen der Geschichte, was uns evtl. wichtiges zur Motivlage sagen könnte)
Vollständigkeit: mittelprächtig (Auszug des kritisierten Textes zu kurz; Anspielung auf eine frühere Kritik Weigels völlig unnachvollziehbar – es ging um den PR-Film „Eine Tür ist genug„)

Eine Sache verdiente dann allerdings doch noch genauere Beachtung, wo die Geschichte schon mal auf dem Tisch ist: das Verhalten der Landeskirche.
Derart klare, gegen einen Pfarrer gerichtete Worte wie nun von Michael Mädler (Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit/Publizistik im Landeskirchenamt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern) gibt es äußerst selten. Und dass man in der Oberverwaltung einer Landeskirche, deren Bischof derzeit auch EKD-Ratsvorsitzender ist, mit der Interpretation eines theologischen Textes „unsere Juristen“  beschäftigt, lässt richtig Schreckliches ahnen.

Ceterum censeo: „Medienblogger und Medienjournalisten jammern vorwiegend darüber, dass bestimmte Medien ihre politischen Ansichten nicht teilen. Und sie ignorieren Fehlleistungen, wenn die Beiträge ihrer eigenen politischen Meinung entsprechen.“ (Markus Reiter, Deutschlandradio)

Update 12. August:

1) Neue Variante der Interpretationskunst: Nun hat Weigel „Ehe für alle“ mit Kindesmissbrauch verglichen. Der Text auf infranken.de  ist vom epd, die Überschrift hoffentlich nicht. Kleiner Tipp vom Biologen: „Eltern“ und „Kind“ bezeichnet hier Verwandtschaft, kein Alter. Aber das merken sicherlich spätestens „die Juristen der bayerischen Landeskirche“.

in-franken-epd-nemmersdorf-sodomie-kindesmissbrauch

2) Dank n24 werden wir aufgeklärt, dass es Inzest zwischen Mensch und Tier gibt. Linné, Darwin – da müsst ihr wohl noch etwas nachbessern.

n24-inzest-mit-tieren>>Dr. Günter Weigel, Pfarrer der ländlichen evangelischen Kirchengemeinde Nemmersdorf in Oberfranken, hat in seinem Gemeindebrief die Ehe für schwule Paare mit inzestuösen Beziehungen zwischen Mensch und Tier verglichen.<<

3) Weder der Sprecher der evangelischen Landeskirche noch die dortigen Juristen haben übrigens bisher von Pfarrer Weigel eine Stellungnahme haben wollen (wie bisher die meisten „Berichterstatter“). Wozu sonst hat man in der Schule die werkimmanente Interpretation geübt?!!

4) Rosenheim.

5) Einen Überblick der Social-Media-Kommentare bei rivva.

6) Der Qualitätsfunk meldet sich zu Wort. Unbelievable. Soviel Unverstand ist doch schon strafbar (in anderen Zusammenhängen wird da gerne von Volksverhetzung gesprochen). Der Bayerische Rundfunk schreibt: „Die gleichgeschlechtliche Ehe sei wie eine Ehe zwischen Mensch und Tier: Dieser bizarre Vergleich des Pfarrers aus Nemmersdorf (Lkr. Bayreuth) beschäftigt nun die evangelische Landeskirche. Sie prüft juristische Konsequenzen.“ Man beachte auch die tolle Karriere des Adjektivs „bizarr“, hoffentlich bekommt Mädler dafür Tantiemen.
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*) = Investigativ-Hinweis: Die Geschichte ausgegraben hat Moritz Kircher, im Nordbayern-Kurier veröffentlicht am 8. August 2015. In seinem Artikel kommt u.a. auch jemand aus dem Kirchenvorstand zu Wort. Von Kircher stammt auch der Verweis auf eine frühere Andacht Weigels im Gemeindebrief; darüber hatte Kircher im Mai 2014 geschrieben: Pfarrer Weigel nahm damals Anstoß an einem PR-Video der EKD. Im Kirchenboten Mai-Juli 2014 hieß es damals:

>>Seit Ende Februar hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) die Aktion gestartet: „Eine Tür ist genug“. In dieser Aktion möchte sie deutlich  machen, dass Menschen in allen Beziehungsformen in der Kirche willkommen sind. Vorgestellt werden Menschen, die als Hetero-, Homo- oder Intersexuelle leben. Auf der Internetseite der EKD heißt es: „Eine Tür ist genug – alle gehören dazu“;  Frauen und Männer, vom anderen oder vom gleichen Geschlecht angezogen, in Paarbeziehung lebend oder alleinstehend, Männer, die sich als Frauen fühlen, Frauen, die sich als Männer fühlen, Menschen mit ganz individueller Geschlechtsidentität. Zu sehen ist bei dieser Aktion ein Video, in dem sich Menschen mit unterschiedlichen sexuellen Identitäten, in oder vor der Toilette begegnen.  Die EKD setzt sich also dafür ein, die Toilettentüren für beide Geschlechter abzuschaffen und nur durch eine Tür zu ersetzen.
Diese Aktion ist für mich ein Skandal. Gott, der Schöpfer, hat nur zwei Geschlechter geschaffen: Mann und Frau. Das Video wurde aus Kirchensteuermitteln finanziert. Ist eine solche Aktion Aufgabe der Kirche? Wie geht die EKD mit Kirchensteuergeldern um? Spenden unsere Gemeindeglieder für so einen Schwachsinn? Im Kirchenvorstand überlegen wir, ob wir künftig keine Kollekten mehr an die EKD überweisen. Kritische Stimmen zu diesem Video wurden nicht veröffentlicht und unterdrückt. Die EKD gleicht damit einer totalitären Organisation, die andere Meinungen zensiert, so wie wir es in totalitären Regimen vorfinden. Ich kann mich davon nur aufs Schärfste distanzieren.<<

Es folgten Überlegungen zum Bibelwort „Jesus Christus spricht: Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden.“ Damals hatte sich laut Kircher Dekan Hans-Martin Lechner schützend vor Weigel gestellt: Eine Andacht solle immer zum Nachdenken anregen und „über diese Andacht kann man eben trefflich streiten“. Eine „theologisch schwachbrüstige Argumentation“, wie sie die byerische Kirchenverwaltung nun im aktuellen Fall Weigel vorwirft, diagnostizierte damals niemand. Die EKD-Kampagne war tatsächlich hoch-umstritten, über nicht-veröffentliche Kommentare gab es viele Beschwerden.

Investigative Ahnungslosigkeit

Investigativer Journalismus ist, wenn Journalisten jede Frage in der gewünschten Weise beantwortet wird. Investigativ ist ansonsten auch noch, wenn man beklagen muss, dass Fragen nicht in der gewünschten Weise beantwortet wurden („investigativer Schmoll“). Als wenigstens noch behelfs-investigativ gilt, als Ersatz für die verwehrten Wunschantworten einen Darsteller des Vertrauens ins Fernsehbild zu setzen und ihn spekulieren zu lassen („investigative Flipchart“).
Was man sich jedoch nach Genuss der beiden investigativen Kirchenfinanz-Reportagen „Vergelt’s Gott – Der verborgene Reichtum der katholischen Kirche“ (ARD) und „Glaube, Liebe, Kapital – Die katholische Kirche und ihre Finanzen“ (ZDF) als Zuschauer fragen darf: Was wollen Journalisten eigentlich mit Haushaltszahlen der Kirchen, wenn sie nicht im geringsten in der Lage sind, diese Zahlen einzuordnen? Wo beginnt beispielsweise „Prunk“, wenn einem egal ist, ob etwas einen Euro oder eintausend Euro kostet?
Natürlich kann es jedem passieren, dass er eine Tabelle beim schnellen Überfliegen falsch liest, weil dabei die Legende ignoriert wurde. Aber was soll man von einem Film halten, in den es trotz einer – vor allem aus dem Blickwinkel freie Print-Journalisten – oppulenten Mitarbeiterschar (Autoren: Nina Behlendorf, Nicolai Piechota; redaktionelle Mitarbeit: Stella Könemann, Redaktion: Annette Uhlenhut, Beate Höbermann; Produktion: Denise Bischoff, Delia Gruber; Leitung der Sendung: Claudia Ruete) folgende Behauptung schafft:

„Im bislang geheimen Bischöflichen Stuhl stecken 92 Millionen Euro. Das ist 500-mal mehr, als Limburg an Kirchensteuern kassiert.“

Wie wenig Ahnung von Kirche und Finanzen muss man haben, um an dieser Stelle nicht aus dem Halbschlaf geschreckt zu rufen: Das kann doch wohl nicht sein! Nämlich sowohl, dass das 500-Fache der jährlichen Mitgliedereinnahmen auf der hohen Kante liegt (woher soll das Geld kommen?) als auch, dass ein ganzes katholisches Bistum nur ein Fünfhundertstel von 92 Millionen Euro jährlich an Mitgliedsbeiträgen bekommt? Wo doch schon der gescholtene „Protzbau“ zu Limburg über 30 Millionen Euro gekostet hat?

Leider musste man noch nicht einmal so investigativ sein, die Haushaltszahlen des Bistums selbst zu erfragen. Es reicht, die Reportage von ZDF-Zoom eine Minute zurückzuspulen, um den Fehler zu finden:

ZDF-Zoom-Fehler-Kirchensteuer

Wie üblich wurden in den Tabellen aus Gründen der Übersichtlichkeit ein paar Nuller weggelassen. Drei jeweils, wie der Legende zu entnehmen ist: „Angaben in T€“. Denn natürlich erhält das Bistum Limburg nicht nur 180.257 Euro Kirchensteuer pro Jahr, sondern 180 Millionen – und damit umfasst das ausgewiesene Vermögen des Bischöflichen Stuhls nicht mehr das 500-Fache, sondern nur noch die Hälfte der jährlichen Kirchensteuer.
Und jedes Kirchenmitglied zahlt im Schnitt nicht nur 28 Cent pro Jahr für seinen Verband, sondern – Achtung, komplizierte Verschiebung des Kommas um drei Stellen nach rechts – 280 Euro.

Update 16. Oktober:
Auf eine Anfrage von uns teilt die Redaktion mit: „Der von Ihnen angesprochenen Zahlenpatzer ist von uns ärgerlicherweise erst nach Ausstrahlung entdeckt worden – inzwischen haben wir die Korrektur-Version gefertigt.“
Zur eigenen Transparenz verweist ZDFzoom auf eine entsprechende Veröffentlichung. Danach kostet eine ZDFzoom-Produktion je nach Länge (30 oder 45 Minuten) zwischen 90.000 Euro und 130.000 Euro pro Ausgabe.

Ins Leere gelinkt – 5 Jahre Drei-Stufen-Test

Vor fünf Jahren wurden mit den 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag (RÄStV) die Online-Aktivitäten von ARD und ZDF deutlich begrenzt. Unzählige Angeboten wurden aus dem Netz genommen, neue oder veränderte müssen einen sogenannten Drei-Stufen-Test durchlaufen. Wie erfolgreich ist dieses deutsche Modell? Timo Rieg ist verschiedenen Links gefolgt.

Die Rundfunkgebühr als Subvention
Wer sich mit der Internetpräsenz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland beschäftigt, muss sich zunächst klar werden, warum es die entsprechenden Regelungen seit 1. Juni 2009 überhaupt gibt. Auslöser waren nämlich u.a. eine Beschwerde des „Verbands Privater Rundfunk und Telemedien“ (VPRT) im Jahr 2003, dass bestimmte Web-Angebote nicht unter den öffentlichrechtlichen Auftrag fielen und damit zu Wettbewerbsverzerrungen führten. Daraufhin stufte die EU-Kommission die deutsche Rundfunkgebühr als staatliche Beihilfe (=Subvention) ein – obwohl man sich viel Mühe gegeben hatte, mit GEZ, KEF, Rundfunkräten und anderem mehr genügend Staatsferne zu schaffen. Insbesondere in den Online-Aktivitäten der Sendeanstalten sah die EU eine Benachteiligung des privaten Rundfunks und der – immer schon privatwirtschaftlich organisierten – Presse, wobei sie das duale Rundfunksystem nicht grundsätzlich infrage stellt, sondern weiterhin „ein vielfältiges und ausgewogenes Medienangebot öffentlicher und privater Rundfunkveranstalter“ wünscht.
Nach einigem Hin und Her versprach die Bundesregierung gegenüber der EU-Kommission Veränderungen, die mit dem 12. RÄStV eingeführt wurden. Der Drei-Stufen-Test und die damit verbundene deutliche Beschränkung der öffentlich-rechtlichen Onlineangebote steht im Zentrum dieser Änderungen.
„Es ging nicht um die Zuschauer, es ging nicht um Journalismus, sondern es ging ausschließlich um marktwirtschaftlichen Wettbewerb“, konstatiert Benno H. Pöppelmann, Justitiar beim Deutschen Journalistenverband (DJV).  Weiterlesen

Anstaltsmedienkompetenz

„Die WAZ entlässt die Redaktion der ‚Westfälischen Rundschau‘, Lokalsender wie center.tv müssen ihr Programm an manchen Standorten reduzieren. ‚Lokal‘ refinanziert sich nur schlecht. Aber es geht auch anders: 3.000 Kilometer von Nordrhein-Westfalen entfernt, in Nordskandinavien, wird zur gleichen Zeit darüber beraten, wie das Rundfunkprogramm für die indigene Gruppe der Sami ausgebaut werden kann. Das funkfenster mit einem Porträt eines ungewöhnlichen TV-Formats.“

So bewirbt die „Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen“ (LfM) einen Artikel. Dass Westfälische Rundschau und center.tv vom Verkauf ihrer Produkte leben müssen, das „ungewöhnliche TV-Format“ für die Sami jedoch öffentlich-rechtlich finanziert wird, scheint der NRW-Anstalt, die sich überwiegend aus dem Rundfunkbeitrag finanziert, schnuppe.

Medienpolitik der Länder ohne jede Idee

Der Seidl hätte es bringen können. Große Bühne – die größte in diesem Konferenzzentrum, und das mitten im gegnerischen Feld. Die Programmankündigung lässt großes ahnen: Seidl will den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abschaffen. Der Feuilleton-Chef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung wird sich ganz weit aus dem Fenster hängen, und sein Kontrahent, Duzfreund Jakob Augstein, wird lachen und weinen und den Kopf schütteln über soviel kulturellen Unverstand. Das Publikum wird toben und zwischenrufen – viele NDR-Mitarbeiter sind darunter -, aber dieses öffentliche Streitgespräch wird eine Diskussion in Gang setzen, die endlich einmal wegkommt vom “Das ist halt so” und “Das hat das Bundesverfassungsgericht eben so vorgegeben”. Eine Diskussion wird beginnen, in der die Bürger vorkommen, in der sie sagen, was sie wollen und wie sie es wollen. Und dann könnte sich tatsächlich einmal etwas bewegen – in welche Richtung auch immer.

Doch der Seidl bringt es nicht. [weiter bei Tg]