Mit ‘Fotojournalismus’ getaggte Artikel

Die tendenziösen Nicht-Bilder

Sonntag, 04. November 2012

Nachrichtenfilm zur Beschneidung bei der Süddeutschen Zeitung

Auch Monate nach Beginn der “Beschneidungs-Debatte” glänzt der Journalismus in Deutschland mit Fehlinformationen. Bilder von Beschneidungen gibt es nämlich nicht. Nur so kann weiterhin von einem kleinen, unbedeutenden Eingriff gesprochen werden. Die ganze Peinlichkeit fasst ein Reuters-Video (hier bei sueddeutsche.de): auch bei Beschneidung gibt es im Politikjournalismus nur Laber-Laber-Rhabarber. In zwei Micorozenen wird eine OP im Krankenhaus gezeigt, und man mag erahnen, dass eine Schwester mit OP-Besteck einen Penis gleich einer Lakritzschnecke in die Länge zieht. Aber man sieht eigentlich nichts. Kein Kind (Säugling, Knabe, Jüngling?), keine Vorhaut, keinen Schnitt, – stattdessen viele Politiker.

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Das Barschel-Foto war Journalistenpflicht

Freitag, 12. Oktober 2012

[Stuttgarter Zeitung:] Sie sind nicht sofort rausgelaufen, um Hilfe zu holen – sondern zückten den Fotoapparat, um Bilder eines Toten zu machen. Schämen Sie sich heute für diese Reaktion?

[Sebastian Knauer:] Für eine solche Situation hat man ja kein Betriebshandbuch. Ich sah den leblosen Körper, aber ich wusste nicht, ob Barschel tot war. Dass ich dann fotografiert habe, kann man mir vorwerfen. Es war ein journalistischer Reflex, auch diese Situation zu dokumentieren.

Seit 25 Jahren nun schon wird das bekannte Barschel-Foto für voyeuristischen Journalismus gehalten, gilt als Paradebeispiel für Grenzüberschreitung. Und seit 25 Jahren finde ich das völlig albern, ja inakzeptabel. Diese “Situation” zu fotografieren, für die Öffentlichkeit zu dokumentieren, zumindest erstmal festzuhalten, muss eine absolute Selbstverständlichkeit sein. Vom lebenden Barschel hätte es vermutlich abertausende Fotos nicht gebraucht.


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