Bundesamt für Witzzulassungen

Von Rassismus kann man gut leben. Also von Rassismusvorwürfen. Denn nur mit ihnen kann man sich selbst als Antirassist abgrenzen. Psychologen haben für dieses Abgrenzen allerhand Erklärungen parat, aber es ist vor allem simple Ethologie: der Mensch als Familientier braucht ein paar Artgenossen um sich herum, mit denen er sich gegen den Rest der Welt verbündet und für seine Sippschaft sorgt (gerne auch beliebig auf Kosten anderer). Wo das mit Familien und kleinen Dörfern nicht mehr geht, bilden sich Ersatz-Clans auch ohne jede Verwandtschaft – eine Schulklasse hält für gewöhnlich gegen andere Klassen zusammen, auch eine Bundeswehrstube, eine Fußballfanuniform oder eine Twitter-Jüngerschaft schaffen neue Sozialverbände, die sich jeweils durch Abgrenzung von allen anderen definieren.

Es ist daher überhaupt nichts Besonderes, wenn irgendwelche Twitterwesen zu einer Karikatur der BILD über deutsche Politiker lauthals herausposaunen, es handele sich dabei um „rassistische Scheiße“. Man sollte es da auf gar keinen Fall mit Argumentation versuchen, mit Fakten oder Logik – es ist auch egal, ob sich Leute empören, die vor zweieinhalb Jahren noch Charlie waren, denn auch Charlie war ja nur eine temporäre Ersatzfamilie, die billigst mögliche Abgrenzung gegen Terroristen und ein Gute-Laune-Macher (wir stehen zusammen auf der richtigen Seite).

Nicht ganz so belanglos ist es, wenn Journalisten oder reichweitenstarke Journalismuskritiker ihre Peergroup-Fahne auch im Job hochhalten und darüber ein paar Tugenden guter Berichterstattung vergessen.  Weiterlesen