30. April 2011
Journalisten und ihre Reflexe. Zu McDonalds kommt ihnen nie “lecker” in den Sinn (nichtmals über die Ecke: finden offenbar andere, sonst gäb’s ja nicht so viele davon), sondern “fette, faule Vielfraße”. Und so illustriert man die Meldung, dass McDonald’s in den USA 62.000 Mitarbeiter eingestellt hat, informationshalber so:

Das Bild ist allerdings schon sehr abgenutzt. Unser Vorschlag (auch an die Welt, die eine andere Wirtschaftsmeldung zu McDonald’s mit einer sehr hübschen Darbietung sichtlich kalten, zerdrückten FastFoods illustriert): zeigt zerrissene Ohrläppchen. Bringt noch mehr Traffic und passt genauso gut.
Tags: Bildjournalismus, Chrissy Lee Polis, Fast Food, Illustration
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17. April 2011
Relevanz ist deshalb ein Lieblings-Kriterium bei der Ermittlung von Nachrichtenwert, weil die Auswahl eines Beitrags bzw. Themas immer auch viel über darüber aussagt, was eine Redaktion alles für unwichtig hält.

Spiegel-Online musste dann aber doch in der Überschrift wieder bouevardesk übertreiben, um sich wohlzufühlen mit dem Wolf im Wolfspelz. Laut Headline “attakieren” die Wölfe eine Mutter mit Kind (und man sieht wilde Kampfszenen vor Augen), laut Text aber haben sich die Wölfe ohne jede Beuteberührung getrollt – von dem “kleinen Hund” abgesehen, den sie verspeist haben.
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17. April 2011
(Aus dem Archiv, von August 2008) Das Internet hat inzwischen den meisten Redaktionen Angebote zur Nutzerbeteiligung abgenötigt. Gelingende Kommunikation ist damit allerdings noch nicht garantiert. Ob Diskussionsforen oder Leserbriefe, Bürgersendungen oder Leserbeiräte – wer als Journalist mit seinen Kunden kommuniziert, muss Kritik vertragen und bereit sein, darauf öffentlich zu reagieren.
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Tags: Leserbrief, Rezipienten-Kommunikation, User generated content
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15. April 2011
Die Sache mit der Perspektive im Journalismus, man könnte sie jeden Tag beklagen. Politikberichterstattung nimmt fast ausschließlich die Sicht der Parteien und Parteiakteure ein. Bürger wählen nicht, Parteien siegen, verlieren, erleben Debakel, Desaster und Triumphe. “Hauptstadtjournalismus” beschäftigt sich nicht mit Politik (also: der Gestaltung von Gesellschaft), sondern mit Performance. Niemand nimmt Anstoß daran, wenn – kleines Beispiel – der FDP-Abgeordnete Mario Döweling in einem Interview am 6. April fordert: “Der neue Parteivorsitzende [da war noch offen: Rösler oder Lindner, jetzt ist das ja klar, ohne Wahl] braucht eine Möglichkeit zur Profilierung, es kann deshalb sein, dass Westerwelle auch hier seine persönlichen Interessen zurückstellen muss” [und, das meint Döweling, dem "Neuen" das Außenministerium überlässt]. Bei der Außenpolitik Deutschlands geht es also nicht um die Privatinteressen von Guido Westerwelle als Außenminister, sondern um die Privatinteressen eines designierten FDP-Vorsitzenden als Nicht-Außenminister.
Wildunfälle werden nicht von Autos, sondern – natürlich – vom Wild verursacht (sonst hießen sie vermutlich Menschunfälle).
Und turi2 meint heute: “Google enttäuscht Analysten”. Die Idee, dass die Analysten mit ihrem Kaffeesatzlesen etwas daneben gelegen haben, ist völlig abwegig. Google macht weniger Gewinn, um die Analysten zu ärgern. Willkommen im Zirkusjournalismus.
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12. April 2011
Leserbrief von Nico Nissen
Zum Kommentar “Komm, wir schottern die Verfassung!” von Jan Fleischhauer im “Schwarzen Kanal”.
Darin behauptet Fleischhauer, die Grünen wollten die Verfassung ändern, damit in einem Volksentscheid das Ergebnis herauskommt, das sie sich im Bezug auf Stuttgart 21 wünschen, und macht ihnen den Vorwurf, sie würden den Begriff “Mehrheit” neu definieren. Der Kommentar ist voller Fehler:
- Der Volksentscheid heißt in der Verfassung des Landes Baden-Württemberg “Volksabstimmung”. Die Begriffe sind synonym, aber Fleischhauers Fehler zeigt, dass er im Zuge seiner Recherchen wohl nie einen Blick in die Landesverfassung geworfen hat.
- * Grüne und SPD haben gemeinsam und schon lange vor den Koalitionsverhandlungen eine Abschaffung des Quorums für einfache Gesetze vorgeschlagen. Es waren also nicht nur die Grünen, sondern auch die SPD, die Stuttgart 21 befürwortet. Drucksache 14/6866 vom 30. August 2010
- Das Quorum soll nicht etwa auf 25 Prozent gesenkt werden, wie Fleischhauer behauptet, sondern ganz abgeschafft werden. Dies ist überhaupt eine Voraussetzung dafür, dass die Mehrheit entscheiden kann – also das genaue Gegenteil von dem, was Fleischhauer behauptet. Würde das Quorum bestehen bleiben, könnte nämlich die Minderheit gegen die Mehrheit gewinnen, was in Deutschland wegen der Quoren auch meistens der Fall ist. Denn Quoren kehren logisch betrachtet das Ergebnis einer Volksabstimmung um, indem sie Enthaltungen als Gegenstimmen werten.
- Das Senken des Quorums auf 25 Prozent bezieht sich lediglich auf verfassungsändernde Volksabstimmungen. Dieses Quorum ist zwar ebenfalls undemokratisch, aber aus juristischen Gründen notwendig, weil deutsche Verfassungsrichter gegen alle Gesetze der Logik und Prinzipien der Demokratie der Ansicht sind, dass für verfassungsändernde Volksentscheide höhere Hürden gelten müssten als für einfache Gesetze.
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07. April 2011
Das waren natürlich noch schöne Zeiten, als man im Lokalteil der Tageszeitung einfach nacherzählen konnte, was man in seinem heimischen Lexikon gefunden hat. Oder war in einer Pressemitteilung stand, die ja sonst niemand kannte – niemand von den zahlenden Zeitungslesern jedenfalls.
Diese Zeiten sind aber vorbei. Heute ist es nicht mehr nötig, dass eine Tageszeitung – nennen wir sie Spiegel-Online – nacherzählt, was in einem anderen Blatt steht, das sicher niemand selbst im Briefkansten hat, – nennen wir es Sueddeutsche.de. Heute kann man darauf einfach verlinken und damit den eigenen Leser zum Fremdleser machen. Klingt ein bisschen doof und unsexy, ist aber doch eines der Prinzipien in diesem Internet.
Tags: Europapolitik, Habermas
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04. April 2011
Beim Spiegel gibt es keine Schleichwerbung. Jedenfalls kann man sie nicht einfach mit einer Scheinfirma platzieren. Das ist jetzt nicht allzu verwunderlich, aber wenn es doch der geschätzte Kollege, Spiegelkritik-Mitbegründer und heutige taz-Redakteur Sebastian Heiser herausgefunden hat, muss das hier wenigstens notiert werden.
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14. März 2011
ist das, was Sie hier anbieten. Es ist weder old-school Leserbeteiligung noch Web 2.0 – weil die hier Angesprochenen zurecht verlangen werden, dass Sie ihnen einfach in der Vergangenheit mal zugehört hätten.

Atomenergie ist nie demokratisch mehrheitsfähig gewesen. Und sie war auch nach Minimalstandards der “Generationengerechtigkeit” nie politisch verantwortbar, weil eine heutige Nutzung – auch ohne Katastrophe – hunderte von Folgegenerationen belastet (Stichwort: “Atommüll”).
Wenn man das journalistisch korrekt darstellt, braucht es keinerlei Gesinnung, um das Verhalten des Parlaments (nicht der Regierung!) für – wie sagen wir es in dieser Bananenrepublik straffrei? – undemokratisch zu halten.
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10. März 2011
“Hiesige Medien haben nie Krisenjournalisten ausgebildet. Das wird der Bundeswehr überlassen. In Hammelburg erzieht die Armee beim Sicherheitstraining aber Kriegsberichtserstatter in ihrem Sinne. Dies wäre jedoch Kernaufgabe der Medien. Außerdem fehlt in vielen Häusern ein Team, das den Kollegen vor Ort über das Gesamtbild informiert. Öffentlich-rechtliche Sender haben entsprechende Konzepte in den Schubladen verschwinden lassen.”
Christoph Maria Fröhder in einem sehr interessanten Interview mit der Frankfurter Rundschau
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