Krieg? What Krieg?

30. August 2011

Vom People-Magazin Spiegel (das ja eigentlich nur eine Zeitschrift ist,  aber Erzählchef Georg Mascolo wird gemütskrank, wenn man sein Blatt mit dem allgemeinen Publikations-Genre bezeichnet, nun denn), von dem ist man ja nichts anderes gewohnt als Personalblabla das Deutschlandressort rauf und runter, Woche um Woche.

Aber weshalb kapitulieren jetzt auch wieder die Tageszeitungen? Sollte nicht Journalismus das sein, womit sie sich am Markt halten wollen (was doch gut und wichtig wäre, weil, so hören wir immer wieder, ohne sie ja die Demokratie – nein, nicht etwa Einzug nähme in unserem Land, sondern zusammenbräche)?

Westerwelle, ich kann den Namen nicht mehr hören, schon lange nicht. Und ja, natürlich wird er in Kürze von der bildfläche verschwinden, und dann werden die Boulevardmedien, die ihn ja einst großgeschrieben haben, den Mister 18 Prozent, die werden erst nachtreten und dann nachheulen wie immer – geschenkt. Aber könnte irgendwo auch mal Journalismus stattfinden?

Es geht doch angeblich um Libyen. Und um den Krieg der Reichen und Guten dort, mal wieder. Die Bundesregierung wollte da nicht mitmachen. Und das soll sie nun – personalfixiert am Außenminister – bedauern, weil die westlichen Mörderbanden erfolgreicher waren als die östlichen Gaddafi-Schutztruppen (wobei ich möglicherweise gerade die Sprachregelung durcheinander bringe)?

Könnte mal jemand klären, was “Deutschland” wollte und will? Wer soll und muss unbedingt tot gemacht werden? Wer auf keinen Fall? Und wo sollen es einfach andere erledigen? Wieviele Menschen hat die heldenhafte Nato-Allianz nun totgebombt oder – oft tragischer – verkrüppelt, verwaist, verwittwet? Woran misst sich ein militärischer Erfolg? Nur an Sieg und Niederlage? An erfolgreich ausgeschalteten Weichzielen und eigenen Vaterlandsopfern, oder an der Fahne, die am Ende auf dem Palast der Pseudodemokratie weht?

Das alles hat erstmal gar nichts mit Westerwelle zu tun. Es geht um Politik. Da ist einiges zu klären, da müsste man einiges wissen.

Und wenn es dann irgendwann um Personen geht: Warum fordern ausgerechnet die Grünen den Rücktritt von Westerwelle wegen seiner Libyen-Haltung? Ist er diesen Ex-Linken nicht militaristisch genug? (Und an die Journalisten gefragt: muss man eigentlich jede Rücktrittsforderung von politischen Gewerbebetrieben via Medienverstärker in die Welt posaunen, oder sollten die Forderer nicht mal selbst für die Verbreitung ihrer wichtigen botschaften engagieren? – Ich stelle mir gerade Claudia Roth als Sandwich-Man vor, das wäre doch eine sozialverträgliche Verwendungsform für sie.)

“Westerwelle weist Gerüchte über einen Rücktritt zurück”, “Geh mit Gott, aber geh … endlich!“, “Bahr stärkt Westerwelle den Rücken“, “Juli-Vorsitzender fordert Ende der FDP-Personaldebatte“, …. – ja, der People-Journalismus blüht in Deutschland, – das ist schön für diejenigen, die es interessiert, die gibt es ja vermutlich, so wie Briefmarkensammler und Zwerkkaninchenzüchter. Was man vergebens sucht, ist hingegen Politikberichterstattung.

Qualitätsoffensive: Mit Hirn oder Schweigegeld

07. August 2011

Ist es zuviel verlangt, dass Redaktionen einmal keinen Aufreger basteln, wenn es inhaltlich nicht gerechtfertigt ist, auch wenn es so schön einfach ginge? Offenbar schon. Von BILD (“Perverses Urteil“) bis Sz (Heribert Prantl: “Falsche Genugtuung für den Kindermörder“) erregt sich die Journaille über die Entschädigung für Magnus Gäfgen. Dabei ist sie völlig logisch und eher bedenklich niedrig.

Dass den Bauchjournalisten dabei viele Fakten durchgehen, fällt in dem ganzen Bohai schon gar nicht mehr auf. Konnte sich Torsten Krauel von der Welt etwa wirklich nicht vorstellen, dass der Erpresser Gäfgen gar kein Millionär, sondern ein Schuldner ist, der von der Entschädigungszahlung nicht einen Cent sehen wird? Krauel schwadroniert:

“Was Magnus Gäfgen betrifft, sollte er die Entschädigung nun einem Opferverband spenden und es ihm überlassen, ob er das Blutgeld annähme. Zu befürchten ist allerdings, dass ein solcher Gedanke zu viel Mitgefühl für andere voraussetzt, um bei Magnus Gäfgen Wirklichkeit zu werden.”

Im Gegensatz zu Freien werden Redakteure doch auch bezahlt, wenn sie einfach mal den Rand halten – warum fällt ihnen das so schwer?

Mehr Fehler und mehr Kommentar bei Timo Rieg.

Schuld und Unschuld haben Gesichter

04. August 2011

Einzelfälle können in Gesetzen kaum geregelt werden, und Sinn von Gerichtsverfahren ist auch abzuwägen zwischen den verschiedenen Interessen. Aber deutsche Richter haben in vielen Bereichen einen unglaublich großen, einen undemokratischen Ermessens- und Entscheidungsspielraum. Das inzwischen vollständig justizkapitalisierte “Allgemeine Persönlichkeitsrecht” ist das Paradebeispiel dafür. Aus einer völlig abstrakten, alten und inhaltsarmen Formulierung leiten Gerichte landauf landab alles mögliche her. Beim Standardkonflikt “Pressebild” kommt noch das recht irrsinnige “Recht am eigenen Bild” hinzu, eine Regelung, völlig unpassend vor 100 Jahren in ein “Gesetz betreffend das Urheberrecht an Werken der bildenden Künste und der Photographie” gepackt.
Auf dieser Grundlage und verstärkt durch seine “Sitzungspolizei”-Kompetenz hat der Vorsitzende Richter am Landgericht Potsdam nun ein komplettes Fotografierverbot in einem Prozess verhängt.

Weiterlesen »

Lesebeute: “Respektlose Arbeitsweise”

01. August 2011

Eine Lesebeute wörtlicher Art machte Spiegel-Online – beim Handeslblatt und erzählte eine eine Geschichte wenig kreativ nach. Was wir natürlich nicht machen.

Auch Medien verdienen eine kritische Presse

19. Juli 2011

Dass Medienjournalisten etwas von Medien wissen wollen, kommt vor. Dass die befragten Medien mit diesen Anliegen  machen, was sie wollen, ist eine traurig bekannte Tatsache. Dass die ARD aber kritische Journalistenanfragen routinemäßig an ihre Medienredaktion(en) weiterleitet, ist doch befremdlich.

Das Ignorieren von Journalistenanfragen nervt bei Medien ganz immens, denn es ist weit verbreitet. Ich bin schon lange dafür, den Auskunftsanspruch der Presse nach den Landespressegesetzen auch auf die juristischen Personen auszudehnen, die keine Behörden sind. Gekoppelt mit einer bindenden Frist für die Beantwortung könnte die Interpretation, was unter den Auskunftsanspruch fällt und was nicht, ruhig weich verlaufen: Wenn Unternehmen wenigstens irgendwie antworten müssen (anstatt sich nur privat auf die durch die Anfrage offenbar gewordene anstehende Berichterstattung vorzubereiten) ginge vieles einfacher und schneller.  (Tg)

Qualitäts-Treiber Recherche: Impressionen von der NR-Jahreskonferenz

04. Juli 2011

Das Netzwerk Recherche (nr) hat seine Jahreskonferenz ausgerichtet – wie immer beim NDR in Hamburg. Die Berichterstattung wird derzeit stark von Interna geprägt. Einige Spotlights zu den Konferenzthemen:

Kachelmann & Co – Wenn Journalisten zu Richtern werden

Sabine Rückert (Die Zeit) gab sich keine große Mühe, sympathisch rüber zu kommen – eigentlich redet sie auch gar nicht mit Journalisten, meinte sie – “was soll man auch reden?”. Dabei sind ihre Innenansichten deutscher Gerichtsberichterstattung wirklich stark. Sie kennt die Wirkung ihrer Texte – “ich überlege mir jeden Satz” -, sie reduziert Journalisten nicht auf Kolportierer, sondern verlangt von ihnen zu verstehen und Unrecht zu verhindern (weshalb sie kein Problem darin sieht, Kachelmanns ersten Anwalt Reinhard Birkenstock den Tipp gegeben zu haben, Rechtsanwalt Johann Schwenn ins Boot zu holen, weil er Experte für Falschbeschuldigungen sei), und sie ist mit ihrer Arbeit schlicht zufrieden (“ich wusste ja alles” – nach eigener Aussage lagen ihr die gesamten Prozessakten vor).

Sabine Rückert sprach sich deutlich für die Öffentlichkeit von Prozessen aus. Die Medienberichterstattung habe dem Prozess unterm Strich genutzt und nicht geschadet – denn das Gericht habe sich in eine Idee verrannt. Dass ein Verfahren mit einem Freispruch ende sei eine Seltenheit, schließlich müsse dazu das Gericht über seinen eigenen Schatten springen, denn mit dem Eröffnungsbeschluss – der Zulassung der Anklage – habe es ja eine Prognose gestellt, die es dann revidieren müsse (Freisprüche gebe es nur in 3% dieser Verfahren, meinte Rückert). Ohne die breite Berichterstattung wäre das Verfahren wohl anders ausgegangen.

Ganz anderer Ansicht natürlich Kachelmanns “Medienanwalt” Ralf Höcker. Für ihn wird in einer idealen Welt über solche Prozesse gar nicht berichtet, zumindest nicht unter Namensnennung von Beteiligten. Am Anfang die Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft, dass ein Moderator wegen des Verdachts einer Sexualstraftat verhaftet worden ist, dann die Mitteilung des Prozessbeginns, und am Ende darf das Urteil verkündet werden – fertig. “Journalisten haben in einem Verfahrne per se nichts zu suchen” sagte Höcker, womit er wohl nur deren Kommentierung, nicht ihre Anwesenheit meinte, so kann man jedenfalls seine Reaktion auf eine Nachfrage zu interpretieren. Er liegt da – wenig verwunderlich – auf Linie aller “Promi-Anwälte”, die im Auftrag ihrer Mandanten jede missliebige Berichterstattung zu unterbinden suchen (über 100 Einstweilige Verfügungen hat er nach eigenen Angaben im Zusammenhang mit dem Kachelmann-Prozess erstritten – heißt: Veröffentlichungen in der Versenkung verschwinden lassen). Denn wann reden Promis mit Journalisten? -: Wenn es nicht mehr anders geht. So war auch seien Strategie im Kachelmann-Prozess. Anfragen wurden in den ersten Monaten nicht beantwortet, Höcker versuchte das Schweigen zu organisieren – “was nicht ganz gelungen ist”, wie er schmunzelnd einräumt.

Journalisten als Richter? Das traf wohl nur auf einzelne Kommentatorinnen zu. Rückert: “Frau Schwarzer ist keine Journalistin, sie ist Agitatorin, Demagogin.” Dass allerdings auch das parteiische Kommentieren Aufgabe des Journalismus ist – gerade auch während laufender Verfahren – wurde nicht weiter vertieft. Höcker sieht Einstweilige Verfügungen als notwendiges Instrument der Disziplinierung von Journalisten – und Rückert stimmte dem zu, ohne allerdings klar zu machen, welche Berichte sie weggeklagt sehen will oder nicht – aber es sei die einzig sinnvolle Maßnahme gegen Auswüchse – “Appelle bringen gar nichts”.

Was dürfen Reporter – Zur Unterscheidung zwischen Erfahrenem und Erlebtem

Natürlich musste es auch irgendwo halbwegs klar benannt um René Pfister und die Henri-Nannen-Preis-Verleihung 2011 gehen (zur Sprache kam die Sache an allen Ecken und Enden).

Peter-Matthias Gaede (Chefredakteur GEO) hält die Einbeziehung von Informationen, die nicht aus eigener Anschauung stammen, für zwingend notwendig – “Wie wollen Sie sonst über ein Atomkraftwerk berichten, nur aus der eigenen Besichtigung” fragte er (sinngemäß).

Cordt Schnibben vom Spiegel blieb vage, wenn es um Textpassagen ging, die Moderator Andreas Wolfers (Leiter Henri-Nannen-Schule) ein ums andere Mal vorlas. Letztlich hätte er den Pfister-Text gar nicht ausgewählt, und jeder Ressortleiter hätte die  ersten Sätzen als szenische Rekonstruktion erkannt – denn es sei nicht die Sprache einer Reportage, “sonst müsste man sagen: schreib nie wieder eine Reportage”. (Ach so, die ersten Sätze:

Ein paarmal im Jahr steigt Horst Seehofer in den Keller seines Ferienhauses in Schamhaupten, Weihnachten und Ostern, auch jetzt im Sommer, wenn er ein paar Tage frei hat. Dort unten steht seine Eisenbahn, es ist eine Märklin H0 im Maßstab 1:87, er baut seit Jahren daran. Die Eisenbahn ist ein Modell von Seehofers Leben.

Es gibt den Nachbau des Bahnhofs von Bonn, der Stadt, in der Seehofers Karriere begann. Nach dem Jahr 2004, als er wegen des Streits um die Gesundheitspolitik sein wichtigstes Amt verlor, baute er einen “Schattenbahnhof”, so nennt er ihn, ein Gleis, das hinab ins Dunkel führt.

Seit neuestem hat auch Angela Merkel einen Platz in Seehofers Keller. Er hat lange überlegt, wohin er die Kanzlerin stellen soll. Vor ein paar Monaten dann schnitt er ihr Porträtfoto aus und kopierte es klein, dann klebte er es auf eine Plastikfigur und setzte sie in eine Diesellok. Seither dreht auch die Kanzlerin auf Seehofers Eisenbahn ihre Runden.

Seehofer hat sich in Schamhaupten eine Welt nach seinem Willen geformt, er steht dort am Stellpult, und die Figuren in den Zügen setzen sich in Bewegung, wenn er den Befehl dazu erteilt. Es ist ein Ort, wo sich Seehofers Spieltrieb mit seiner Lust am Herrschen paart. Beides ergibt bei ihm keine glückliche Verbindung. )

Wenn Seehofer tausende Kilometer von zuhause entfernt in einem Gespräch von seiner Modelleisenbahn schwärmt, dann müsse man eben das erzählen – “das ist doch die viel stärkere Szene”.

Ines Pohl (taz-Chefredakteurin), die für die Aberkennung des Preises gestimmt hatte, blieb ebenfalls vage. Ihr ginge es um die Diskussion, die nun in Gang gekommen sei. Anders als Schnibben ist sie der Ansicht, das jeder die Einstiegsszene des Pfister-Textes für authentisch erlebt halte.

Ansonsten könnte man noch über die Kategorien streiten, vielleicht war das ganze ja auch mehr eine Dokumentation, da ist weniger Erlebtes gefordert – die Ausgangsfrage wurde nicht klar beantwortet, aber immerhin haben sich 3 Text-Chefs streiten können, und das ist ja auch ein interessantes Zeichen: so einfach, wie dein Chef es darstellt, ist es auf alle Fälle nicht.

Relevanz oder Firlefanz? Was bestimmt die Schlagzeilen?

Eigentlich sollte es in diesem Panel auch um eine Studie von Fritz Wolf gehen – “Wa(h)re Information – interessant geht vor relevant”, immerhin wurde die Publikation bei der Tagung breit gestreut, aber irgendwie kam es fast nicht dazu. Moderatorin Eva-Maria Schnurr (sehr gut!) hatte im Wesentlichen mit dem ARD-aktuell-Chef Kai Gniffke und dem dpa-Chefredakteur (und ehemaligen SpOn-ler) Wolfgang Büchner zu tun.

Beide waren sich einig, dass Relevanz das entscheidende Nachrichtenkriterium sei. Und woran misst man Relevanz? Gniffke:

* Wieviele Leute betrifft es?
* Wie einflussreich sind die handelnden Akteure?
* Welche Auswirkungen wird das Ereignis haben?

Büchner findet es mehr als Gniffke okay, dass sich das “Interessante” weiter vordrängelt: “Eine Gesellschaft, die keine existenziellen Probleme hat, darf sich auch mit nicht-existenziellen Fragen beschäftigen.” So sei auch schon immer das menschliche Interesse gewesen. “Schon die Minnesänger haben Nachrichten und Firlefanz transportiert. Am Lagerfeuer wollte man wissen: Wer hat die Schlacht gewonnen und wer hat was mit wem.”

Gniffke sieht in seinem Laden hingegen keinen Trend zum Boulevard (“An unserem Lagerfeuer werden vor allem Geschichten von den Schlachten erzählt”) . Die Tagesschau sei vor 20 Jahren nicht anders gewesen als heute. Allerdings werde seine Redaktion gelegentlich getrieben. Wenn man etwas nicht für ein Tagesschau-Thema halte, es aber in allen anderen Medien durchgenudelt werde, dann könne man sich da nach ein oder zwei Tagen auch nicht mehr entziehen – der Tagesschau-Zuschauer soll nicht der einzig Doofe im Land bleiben (und die Tagesschau hat im Schnitt immernoch 9 Millionen Zuschauer).

Büchner: “Ich glaube ja nicht, dass Google und Facebook eine Gefahr für den Journalismus sind, sondern Arroganz und Bequemlichkeit.”

dpa nutzt laut Büchner die Social Media für drei Dinge:
* Recherche (Fragen an die User / Follower)
* Themen-Scouting (Was läuft gerade, was wird diskutiert?)
* Korrektiv / Rückkanal für die Leser (Fehlermeldungen und anderes)

(Übirgens hat dpa für seine Kunden einen eigenen Rückkanal: jeder Beitrag, jedes Bild kann vom Kunden mit den erprobten 140 Zeichen kommentiert werden und Büchner verspricht eine Reaktion binnen 15 Minuten)

Büchner / Gniffke über Firlefanz und Relevanz:
http://140z.de/2011/dpa-chef-wbuechner-sieht-social-media-als-mogliches-korrektiv-die-nr11-twitterer-freuts/

Und sonst?

Wer Spiegel-Chefredakteur Georg Mascolo künftig ärgern will, sollte dessen Blatt schlicht “Zeitschrift” nennen. Denn genau das verbat er sich gegenüber Moderator Tom Schimmeck: “Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie es ein Magazin nennen könnten”. Großer Hybris-Faktor.

Frank A. Meyer (Chefpublizist Ringier): “Was ist das Mantra des nr, des Thomas Leif, für den ich ja um die Welt reisen würde, wenn er mich anruft? -: die Recherche.”

Das Streitgespräch zwischen Jakob Augstein und Claudius Seidel: “Abschaffen oder retten?” über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk war ganz unterhaltsam, revolutionäre Ideen kamen aber leider nicht – das Thema werden wir hier daher nochmal aufgreifen.

Leyendecker: Der letzte Mensch, der mich “Obermoralisierer” genannt hat, war Dr. Helmut Kohl.

Verleihung der Verschlossenen Auster:
Laudatio Prantl
Gegenrede Knott (E.on)
http://www.wwwagner.tv/?p=8632
Verschlossene Auster fürs Netzwerk?

Weitere Links:
Selbstvermarktung von Journalisten (Folien)

Journalisten machen keine PR – wie schade

03. Juli 2011

Der Journalisten-Verein “Netzwerk Recherche” erlebte auf seiner Jahrestagung an diesem Wochenende im NDR Hamburg zum 10-jährigen Jubiläum einen PR-GAU. Der Vorsitzende Thomas Leif legte sein Amt nieder. Was als Zeichen von Größe gedacht war, geriet zur Peinlickeit für alle Beteiligten.

Fachleute waren zahlreich vor Ort, unter ihnen der perfekt selbstinzenierte, wahnsinnig unterhaltungswerthaltige Klaus Kocks – aber gute Journalisten machen ja einen Bogen um PR-Leute.
Gescriptet war für den Tag wohl einiges, so Dankworte schwanger eröffnete Kuno Haberbusch die Jahrestagung des Netzwerk Recherche am Freitag, aber am Ende des Tages waren Regisseur, Dramaturg und Autoren stiften gegangen, im großen Saal unterhielt der Poetry-Slamer Marc Uwe Kling ein kleines, begeistertes Publikum im Rahmen der großen 10-Jahres-Fete, während sich der Manager des gesamten Jahrzehnt-Werks Thomas Leif gedemütigt vom Acker schlich. Es war ein Abend großer Tragik in diesem kleinen, aber wirkmächtigen Verein. Es war aber auch eine Lehrstunde für Journalisten, die gerne die Welt erklären, aber sich selbst nur selten fragen, was sie eigentlich so machen. Weiterlesen »

Lesebeute: Spiegel ohne Hitler-Titel

22. Juni 2011

Spiegel-Online expandiert weiter und will neue Mitarbeiter einstellen – für “mehr Reportagen und mehr Hintergrund, mehr Meinung und mehr Originalität”.Martin Eiermann hält es da mehr mit Jeff Jarvis (dem er unnötigerweise als Guru huldigt): “Do what you do best, and link to the rest.”

Das bedeutet im Fall des Boulevards ganz konkret, Axel Springer einfach mal machen zu lassen. Angst, Hass, Titten und den Wetterbericht gibt es seit 1952 bei der BILD und in den zahllosen anderen Blättchen, die den deutschen Kiosken Geld in die Kassen und den deutschen Kioskblattlesern Unsinn zwischen die Ohren spülen. SPON kann sich mühen und winden – das Race to the Bottom wird Hamburg nicht gewinnen. (Mehr bei: The European)

“Henri” und die Lächerlichkeit

08. Juni 2011

“Wenn die Jury zurücktritt, mach sie sich lächerlich. Wer sich bei dieser Jury noch einmal bewirbt, macht sich lächerlich. Der einzig positive effekt ist, dass der Preis irrelevant wird. [...5 Seiten später...] Wenn diese Henri-Nannen-Preis-Jury mit ihrem Chefredakteursproporz zerbräche, wäre es ein Dienst für den Journalismus.”

Claudius Seidl, unterhaltsamer Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS), im journalist-Interview (Heft 6/2011) über den Henri-Nannen-Preis nach René Pfister.

Spiegel-Männer sprechen über Masturbation

03. Juni 2011

Beworben hatte Spiegel-Online die Veranstaltung, einen Bericht gab es anscheinend nicht: in einer Campus-Plauerreihe interviewte Thomas Tuma in Mainz Hape Kerkeling. Die Lokalzeitung zumindest war von diesem öffentlichen Spiegel-Gespräch nicht begeistert. Und wenn Spiegel-Redakteur Tuma Kerkelings Sexleben so wie dargestellt zum Thema gemacht hat, dann möchte man ihm in entfernter Anlehnung an ein sehr kluges Wort von Stephan Wahl raten, zunächst einmal sein eigenes, vielleicht heterosexuelles, vielleicht auch asexuelles Geschlechtsleben öffentlich zu diskutieren.


WP SlimStat