Lesebeute: Halbschwul

16. Juli 2010

“Im aktuellen Spiegel lässt Reporter Alexander Osang den Ballack-Berater Michael Becker über eine »Schwulen-Combo« in der Nationalelf lästern. Ohne Belege, ohne Sinn, ohne Anstand.” (Philipp Köster, 11 Freunde)

Kleines Abmahnlexikon

07. Juli 2010

Abmahnung: Freundlicher Hinweis, dass man etwas falsch gemacht habe und dieses künftig zu unterlassen sei. Verbunden ist die Abmahnung meist mit der Aufforderung, eine “strafbewehrte Unterlassungserklärung” zu unterschreiben. Kommt die Abmahnung von einem Rechtsanwalt und ist sie berechtigt, kostet sie etwas Geld.

Unterlassungserklärung / Verpflichtungserklärung: Versprechen, etwas nicht mehr zu tun oder gerade zu tun. Typischer Fall: man verpflichtet sich, eine bestimmte Sache nicht mehr zu behaupten oder ein Bild nicht mehr zu veröffentlichen. Die Verpflichtung kann zusätzlich eine Richtigstellung umfassen. Damit das Versprechen auch rechtswirksam wird, muss es auch die Zahlung eine Strafe enthalten für den Fall, dass man sich nicht daran hält. Die Höhe kann direkt benannt werden (“5.000 Euro für jeden Fall der Zuwiderhandlung”) oder offen bleiben und dann im Einzelfall festgesetzt werden (“eine in das billige Ermessen der Unterlassungsgläubigerin gestellte, ggf. vom zuständigen Gericht zu überprüfende Vertragsstrafe”).
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Essen und Fernsehen von entzückender Bescheidenheit

02. Juli 2010

Darf man vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk erwarten, dass er auch bei einem auf den ersten Blick simplen Termin-Bericht ein wenig rechts und links des Weges bzw. hinter die Inszenierungs-Kulissen schaut? Wohl schon, wenn andernfalls das Ergebniss eine arge Verzerrung zu dem ist, was alle anderen wahrgenommen haben.

Der simple Termin: Fernsehkoch Johann Lafer kommt in ein Schul-Bistro, um medienwirksam ein von ihm beschirmherrschaftetes Verpflegungs-Konzept zu begutachten.

Die Inszenierungs-Kulisse: leckeres Essen, attraktive Preise, freundliche Mitarbeiter, begeisterte Schüler.

Der Haken: Es braucht eine Jugendredaktion der ortsansässigen Lokalzeitung, um mit vier Monaten Verspätung aufzuklären, wie es tatsächlich um Qualität, Vielfalt und Preise der Schulverpflegung steht.
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FAQ zum Leistungsschutzrecht für Presseverleger

02. Juli 2010

Ein “Leistungsschutzrecht für Verlage” ist in den letzten Monaten zum spannenden, wenn auch langweilig klingenden Stichwort in der Mediendebatte geworden. Es geht dabei möglicherweise um viel Geld – aber auch um viel Verwaltung und letztlich eine Veränderung der Netzkultur.

Aktuelles Update: ausführlicher Artikel auf journalist.de

Was ist ein Leistungsschutzrecht?

Das Urheberrechtsgesetz setzt neben den Rechten der Urheber – also denen, die Texte schreiben, Fotos machen oder Filme drehen, – auch sehr umfangreich “verwandte Schutzrechte”. Damit sollen Leistungen derjenigen vor beliebiger kostenfreier Nutzung geschützt werden, die an der Vermittlung von Werken arbeiten. Diese “Werkmittler” bilden die Brücke zwischen Urheber – also dem Schöpfer eines Werkes – und dem Publikum. So hat ein Musiker zwar Anspruch auf eine Bezahlung, wenn seine Musik im Radio läuft, doch der “Werkmittler”, also die Plattenfirma als Lieferant, hat Anspruch auf Beteiligung. Denn ohne sie gelänge die Musik nicht bis zur Radiostation und könnte nicht für den Künstler Gewinn bringend gesendet werden.

Welche Leistung erbringt der Inhaber eines Leistungsschutzrechtes?

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Spiegel zerstört Existenzen

01. Juli 2010

Wenn der Spiegel mit seinen Prophezeiungen zu Al Gore und Kachelmann ähnlich erfolgreich ist wie mit seinem sturmgeschützigen “Aufhören!”- und “Der bessere Präsident”-Titeln soll’s gut sein.
Ansonsten ist die permanente Beschwörung, die eigene Verdachtsberichterstattung zerstöre Menschenleben, reichlich perfide. Zum Fall Kachelmann hieß es im Print-Spiegel:

“Ohne einen Freispruch erster Klasse, wegen erwiesener Unschuld, wird er wohl nie wieder auftreten können. [...] Es geht also um Existenzen.”

Heute wissen die Online-Kollegen über Al Gore:

“Der Nobelpreisträger dementiert heftig – sein Ruf dürfte trotzdem ruiniert sein.”

Mit dieser Zwangsläufigkeit argumentieren schon sehr erfolgreich die Zensuranwälte und verhindern Verdachts- und Ermittlungsberichterstattung. Dabei haben es die Medien sehr wohl in der Hand dafür zu sorgen, dass nicht immer und automatisch “etwas hängen bleibt”. Dass dieser Eindruck häufig besteht, liegt schlicht an der Tatsache, dass Fälle eben oft nicht vollständig geklärt werden können. Dann ist es manchmal SChicksal, manchmal auch nur recht und billig, wenn man sich an diese ungeklärten Geschichten auch später noch erinnert. Gegen wen aber Vorwürfe zu unrecht erhoben wurden, der muss zumindest von den Medien natürlich vollständig rehabilitiert werden. Und genau das haben sie in der Hand.

ARD-Intelligenzquotient 29

25. Juni 2010

Turi2 verweist gestern Nachmittag auf einen DWDL-Bericht mit den Worten:

ARD mit neuer Traumquote: 29,19 Mio Zuschauer verfolgten gestern den Sieg der Nationalmannschaft gegen Ghana – das ist die beste Quote, die jemals bei einem Vorrundenspiel gemessen wurde.

Traumquote, beste Quote? Wenn der Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks darin besteht, möglichst viele Menschen zum Fußballspielgucken zu bringen, sollte die ARD auf den anderen Schmonses verzichten, wenigstens aber nicht parallel noch verbundintern für Ablenkung sorgen (An der Werra goldenen Ufern, Bloch: Tod eines Freundes usw.).

Bauernfänger

12. Juni 2010

mutter-theresa

Stimmt schon, die bekannte, vor 13 Jahren gestorbene Mutter schreibt sich ohne “h” – dennoch setzt die Überschrift bei Spiegel-Online natürlich auf die Verwechslung. Hat man doch schon imemr gewusst, dass diese Friedensnobelpreisträgerin eine ganz Ausgekochte war.

Lesebeute: Aggressive Anwälte

11. Juni 2010

Das Medienmagazin “journalist” hat gerade die Abmahnrepublik zum Thema. Erhellend dazu ist auch eine Einschätzung von ZAPP-Abteilungsleiter Steffen Eßbach:

“Wir haben zunehmend damit zu kämpfen, mit sehr aggressiv agierenden  Anwälten – sei es, wenn wir über Prominente berichten oder über verschiedene Medien. Da steigen Anwälte sehr stark ein und ziehen sich ganz oft an Bagatellen hoch, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen. Entweder weil sie die Beschwerde mehrmals über den Rundfunkrat spielen oder wir mit Gegendarstellungen und juristischen Feinheiten zu kämpfen haben. [...] Das ist eine Tendenz, die wir mit Sorge beobachten. Wenn sie an den Kern der Berichterstattung nicht rankommen, dann setzen sie eine sehr kurze Frist oder nehmen eine Randbemerkung und setzen die so hoch, dass sie einen Redakteur schon mal einen ganzen Tag beschäftigen kann.”

(Interview auf meedia)

Süße Gurke des Monats

27. Mai 2010

Es ist ja nett, dass Christoph Süß selbst fragt, was er denn auf dem Bayern-Kanal mache, quasi dem Youtube-Staatsfernsehen. Aber eine Antwort gibt der Moderator von “quer” leider nicht.

Es ist auch nett, dass sich Horst Seehofer als Ministerpräsident in dem Clip ein wenig selbst auf die Schippe nimmt.  Doch das Maß an Verkumpelung zwischen Journalismus und Politik ist in diesem Falle schon – eklig.

PS: In einigen Sequenzen schaut der Horst, der Horst hoast, wie Otti in die Welt.

Lesebeute: Def. Medienjournalismus

26. Mai 2010

“Medienjournalismus.  Schon das Wort belustigt Begriffsstutze wie Henryk M. Broder, weil sie so tun, als wäre es analog zu Zeitungs-, Fernseh- und Onlinejournalismus gebildet und stelle also eigentlich einen Pleonasmus dar. Dabei steht es in einer Reihe mit Sport-, Politik- oder Wirtschaftsjournalismus; der erste Wortteil bezeichnet nicht das Medium, sondern seinen Gegenstand.

Doch die scheinbare Doppeldeutigkeit des Wortes zeigt auch das Spezielle an der Arbeit als Medienjournalist, das Dilemma beim Schreiben in den Medien über die Medien. Fast jeder Text ist zwangsläufig ein Text über ehemalige oder potentielle zukünftige Auftrag- oder Arbeitgeber, über direkte Kollegen oder Konkurrenten. Fast jeder medienjournalistische Text steht somit unter dem Generalverdacht einer Interessenskollision, eines Kalküls jenseits journalistischer Kriterien.

Ich nehme an, dass diese Situation auch den Medienjournalisten beim „Spiegel” nicht fremd ist. Was ihnen aber offenbar fremd ist: Dass ein journalistisches Leben außerhalb der „Spiegel”-Redaktion existiert. Dass es Journalisten gibt, sogar Medienjournalisten, die nicht angestellte Redakteure sind, mit festem Gehalt und Einbindung in eine Hierarchie, sondern frei arbeiten, und das sogar freiwillig, nicht aus Not.”  (Stefan Niggemeier, anlässlich einer rätselhaften SPIEGEL-Meldung)


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