Archiv für die Kategorie ‘Spiegel Online’

Lesebeute: Leserreporter suchen behinderte Zeitbomben

Mittwoch, 08. Juli 2009

+ Der aktuelle Spiegel-Titel (28/2009) mit der Unterzeile “Warum auf den Ersten Weltkrieg ein zweiter folgen musste” lädt nicht gerade zum Lesen ein. Arno Widmann hat es aber womöglich getan und muss sich in der FR sehr aufregen.

+ Schon im Editorial des Spiegel 26/2009 wird auf einen recht merkwürdigen Beitrag hingeweisen (“Wie bayerische eltern mit einem behinderten Kind leben, das sie abtreiben lassen wollten”).
Bei Oliver Tolmein, der u.a. auf journalistische Fehler hinweist, gibt es eine Diskussion dazu

+ Süddeutsche.de vermutet hinter dem großen Bauer-Interview im Spiegel 27/2009  – obwohl bzw. wohl ob es gähnend langweilig ist – einen Deal, mit dem eine eigene, bereits zu Pfingsten fertige Geschichte verhindert werden sollte. Wer sich für Spekulationen interessiert, hier.

+ Auch der Spiegel muss sparen und wird Stellen streichen, berichtet das Hamburger Abendblatt.

+ Der vorherige Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust moderiert mit Sabine Christiansen einen Talk und soll für die WAZ neue Print-Konzepte entwickeln, weiß u.a. meedia.

+ Zum Beitrag von Reinhard Mohr über “Deutsche Linke und Iran” gibt es viele Kommentare. Wir verweisen mal auf Spiegelblog und Nachdenkseiten, die noch einen interessanten Hinweis auf Jürgen Elsässer veröffentlichen.

+ Patrick Beser wundert sich, dass Spiegel-Mobil auch Leser-Reporter sucht.

Korinthe (74): Pinguin-Begegnung

Montag, 29. Juni 2009

nordpol-pinguin

BU: “Im April 2006 nahm Albert II. an einer Nordpolexpedition teil, die anlässlich des 100. Jahrestages der Arktisexpedition seines Ururgroßvaters, Fürst Albert I., veranstaltet wurde.”

Darüber hatte Spiegel-Online bereits am 16. April 2006 berichtet (damals und bis heute dort allerdings Albert I. zum Großvater heranverwandtschaftet). Pinguinen begegnete Altert II aber wohl eher 2009  auf der anderen Seite am Südpol (wie es auch zahlreiche Medien zu diesem Foto schreiben).

Horizontale Vielfalt

Montag, 22. Juni 2009

Das Wall Street Journal berichtete am Montag, dass der Iran zur Kontrolle der Kommunikation des Landes auf technischen Support aus Europasetzt (Iran’s Web Spying Aided By Western Technology):

“The Iranian regime has developed, with the assistance of European telecommunications companies, one of the world’s most sophisticated mechanisms for controlling and censoring the Internet, allowing it to examine the content of individual online communications on a massive scale.”

Ausführlich greift das die Süddeutsche auf, zunächst online (“Deutsche Technik für iranische Spitzel?”), dann auch print (“Überwachung made in Germany”, u.a. mit Bluthund Hans Leyendecker). Auch die Welt legt nach einer ausführlichen, mit dpa gekennzeichneten Meldung über Zensur im Iran (“Neda gibt Widerstand im Iran trauriges Gesicht”) nach (“Nokia Siemens soll Iran bei Zensur geholfen haben”). Das Agenturmaterial findet sich auch an anderen Stellen, etwa in der Kölnischen Rundschau, FR-online und anderen.

Nur beim Marktführer Spiegel-Online wird man derzeit noch nicht fündig. Dort wird stattdessen Siemens “grüne Revolution” beworben.

Grüne Revolution mit Siemens
Mit Dank an Alex D.

Korinthe (73): Interpretationsspielräume

Sonntag, 07. Juni 2009
SPD auf historischem Tief?

SPD auf historischem Tief?

So dramatisiert man: während die SPD mit 0,2 Prozentpunkten weniger als bei der letzten Europawahl “noch schwächer” geworden ist und damit auf einem “historischen Tief” gelandet ist, sind die Grünen mit einem Plus von 0,4 Prozentpunkten für Spiegel-Online “nahezu unverändert geblieben”.

Korinthe (72): geordnete Insolvenzen

Donnerstag, 28. Mai 2009

Während Klaus Franz, Gesamtbetriebsratsvorsitzender von Opel, noch hofft, die “geordnete Insolvenz” werde das Unwort des Jahres und Spiegel-Online dieses für die deutsche Politik (gemeint ist der Bundeswirtschaftsminister) noch apostrophiert, ist die Sache in den USA für die  Berichterstattung schon beschlossen:

“Barack Obamas Experten planen für GM eine Radikalsanierung – der Autoriese soll in die geordnete Insolvenz.”

Geordnete Insolvenz als Unwort des Jahres

Geordnete Insolvenz als Unwort des Jahres

Ausgelassene Heiterkeit am Freitagabend

Samstag, 09. Mai 2009

Schade, es war doch kein Anflug von mehr Sprachehrlichkeit – dem Kohl sein Artikel ist wieder weg. (Mit Dank an Philipp)

der-kohl

Lesebeute: Kriminal-Studie verzerrend dargestellt

Sonntag, 22. März 2009
  • Heftige Kritik an der journalistischen Präsentation einer Studie des medial hyperpräsenten Christian Pfeiffer äußert die Neue Zürcher Zeitung. «Jugendliche in Deutschland als Opfer und Täter von Gewalt» heißt das Werk des Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen. Wer Studie und Berichterstattung (sowie 2 und 3) vergleiche,  “wird Anlass zum Erschrecken finden, weil das Medienecho nicht nur den Schwerpunkt der Studie grob verzerrt wiedergibt, sondern auch eine völlige Kritiklosigkeit gegenüber den methodischen Fragwürdigkeiten des Unternehmens erkennen lässt.”
  • Die Initative Nachrichtenaufklärung hat die vernachlässigten Top-Themen 2008 präsentiert.
  • SpOn-chef Büchner wird Chefredakteur der Deutschen Presseagentur (dpa).
  • Zu Büchners Online-Plänen derzeit beim Spiegel gibts ein Kress-Interview.
  • Auch der Spiegel hat mit Anzeigenrückgang zu kämpfen.
  • Die Galle hoch kam Joachim Müller-Jung, weil Spiegel-Online embryonalen und fötale neuronale Stammzellen verwechselt hat. Ist aber korrigiert.
  • Mit Buzzriders.com will Robert Basic “Spiegel Online und Heise angreifen”, sagt er im Meedia-Interview.
  • Dass Spiegel-Online die Pinneberger für die schlechtesten Autofahrer hält, sorgt bei den Betroffenen für Unmut, der im Abendblatt gelüftet wird.
  • Korinthe (71): Theoretische Bahnfahrt

    Sonntag, 15. März 2009

    Etwas ungeschickt ist es, einen (werbenden) Reisebericht zu veröffentlichen, wenn die Reise derzeit gar nicht möglich ist. Über den  Bernina-Express “auf einer der steilsten Eisenbahnstrecken der Welt” schreibt Spiegel-Online:

    In Brusio schraubt sich der Zug auf einem kreisrunden Viadukt ins Tal – anders wäre der große Höhenunterschied nicht zu meistern.

    Doch bis Gründonnerstag schraubt sich da wohl kein Zug hinauf oder hinab – denn nach einem Steinschlag im Dezember ist die Strecke gesperrt.

    Schon dumm, findet Sebastian Lisken, der uns mit seinem dankenswerten Hinweis zu einem Lebenszeichen von den Reparaturarbeiten nötigt.

    bahnstoerung

    Warum wir keine Zeile über Wilhelm verlieren

    Mittwoch, 11. Februar 2009

    Die BILD hatte ihn als Aufmacher auf der Titelseite, die Süddeutsche plauderte ihn so vertraut aus, als liebkose man sich täglich damit, und auch der deutsche Bürge für Qualitätsjournalismus war sich seiner sicher. Doch der Wilhelm war erfunden. Der neue Wirtschaftsminister heißt nämlich gar nicht Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Wilhelm Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg. Er heißt Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg. Angeblich.

    Viele Medien nehmen das zum Anlass, mal wieder über die Glaubwürdigkeit einer journalistischen Prima-Quelle zu sinnieren: Darf man Politikervornamen aus Wikipedia abschreiben? Kann überhaupt stimmen, was in so einem offenen Lexikon behauptet wird? Ist nicht alles Erfindung?

    Ein Thema für die Watchblogger. Es geht ums digitale Vaterland, um Ehre, um Recht. Und wir stehen wie immer doof in der Ecke rum, popeln und spielen nicht mit. Warum?

    Weil erstens so ein Freiherr von und zu Wilhelm heißen muss. Sollten seine Eltern da wirklich einen Fehler gemacht haben – bis zum urkundlichen Beweis wollen wir davon aber nicht ausgehen – dann ist es heute Bürgerpflicht, dem Mann aus seiner Pein zu helfen. An der aufgeregten Diskussion ist doch deutlich zu erkennen: Guttenberg war ohne Wilhelm irgendwie unbedeutend.
    .
    Und zweitens machen wir da nicht mit, weil es nun wirklich absurd ist, anhand eines möglichen zehnten Vornamens die Qualität einer Enzyklopädie und die Qualität journalistischer Berichterstattung diskutieren zu wollen. Solang sich nicht jemand als Wilhelmianer ausgibt und schwerpunktmäßig über diesen Wilhelm fachsimpelt, ohne hinreichend Simpel zu sein.

    Deshalb steht hier keine Zeile zu dieser Korinthe.

    Korinthe (70): Spritschlucker im Nordosten

    Donnerstag, 22. Januar 2009

    Auf drei externe Blogeinträge wollen wir hinweisen:
    Delenkgal wundert sich über die Illustration eines SpOn-Artikels, in dem

    “ein Vorschlag der deutschen Bundesregierung mit einem Bild versehen wird, das allem Anschein nach in Amerika aufgenommen wurde”.

    Und Bluelectric diskutiert “Qualitätsjournalismus” anhand der Himmelsrichtungen im Spiegel-Artikel “Der Held vom Hudson” (4/2009, 112-114), die durch die Drehung einer Google-Earth-Karte um etwa 90 Grad verrutscht sind.

    Schon vor einigen Tagen sezierte Bewegdeinherz einen SpOn-Bericht über die Hessenwahl, der den Eindruck erweckt, die vier “SPD-Abweichler” hätten ihre Mandate an die CDU verloren, wobei sie gar nicht zur Wahl angetreten waren.


    WP SlimStat