Keine Pflicht zur Erstattung einer Strafanzeige (Korinthe 82)

Vermutlich ist es nur unsere – schon lange brach liegende, nur selten erwachende – Korinthenkackerei, wenn wir über einen lapidaren Satz im Spiegel Morning-Briefing stolpern, aber weil wir so oft ähnliches lesen, hören, „vernehmen“, sei es doch kritisiert. Der Satz lautet:

Gegen den 16-Jährigen werde wegen Nichtanzeigens einer Straftat ermittelt, hieß es.<<

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Zu ergänzen ist nur ein Partizip: „geplant“, also „wegen Nichtanzeigens einer geplanten Straftat“.

Der Unterschied?

Ausgeführte, begangene Straftaten müssen in Deutschland glücklicherweise bisher nicht angezeigt werden – der Blockwart ist noch nicht institutionalisiert! Nur bestimmte, schwere geplante Straftaten müssen angezeigt werden, wenn dadurch „die Ausführung oder der Erfolg noch abgewendet werden kann„. Es geht also um Prävention, nicht um Bestrafung. Sicherlich war dies im Spiegel-Briefing gemeint – nur leider wurde es nicht gesagt. Ob die Strafbestimmung auf den 16-Jährigen zutrifft, ist nämlich eine ganz andere Sache. Die Nicht-Anzeige einer begangenen Straftat ist keine „Strafvereitelung„.

 

Cumhuriyet & Facebook – Was zu löschen ist

Anmerkungen zu zwei Preisen des Netzwerk Recherche

Im Rahmen seiner Jahrestagung 2016 hat der Verein „Netzwerk Recherche“ (nr) wieder zwei Preise verliehen: den positiven „Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen“ und den Negativpreis „verschlossene Auster„. Zu beiden kann man Medienkritisches anmerken.

Mit dem Leuchtturm ausgezeichnet wurde Can Dündar, Chefredakteur der türkischen Tageszeitung „Cumhuriyet“ (derzeit beurlaubt). Die Preisvergabe an @candundaradasi findet in der Branche sicherlich große Anerkennung, auch ohne exakte Kenntnis seiner journalistischen Beiträge. Er leitet eine der letzten unabhängigen Zeitungen in der Türkei und ist, nach mehrmonatiger Untersuchungshaft, am 6. Mai 2016 wegen der Enthüllung geheimer Waffenlieferungen („Veröffentlichung von Staatsgeheimnissen“) in erster Instanz zu fast sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden. Can Dündar wirkte von der Preisverleihung sehr gerührt und seine Dankesrede in Hamburg war äußerst sympathisch.

Kritisch zu sehen ist hingegen der Laudator: Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments.

So kategorisch das Netzwerk Recherche seit 15 Jahren jede journalistische Nähe zur Public Relations ablehnt, so wenig Berührungsängste hat es zur Politik. Bei der Jahrestagung 2004 etwa ließ der damalige Vorsitzende Thomas Leif Bundespräsident Johannes Rau einfliegen und der Branche die Leviten lesen – die brav, ja geradezu begeistert aufnahm, was der oberste politische Repräsentant der Bundesrepublik Deutschland (und ehemalige freie Journalist und Verleger) „für guten Journalismus“ hielt.

Ist es nicht peinlich, wenn sich Journalisten von Politikern ihre Funktion erklären oder sich von denen, die sie kritisch und distanziert zu befragen haben, belobigen lassen?

Die Rede von Martin Schulz konnte man gut finden oder nicht, aber sie war politisch, letztlich auch parteipolitisch; sie enthielt zahlreiche Axiome – und sie war teilweise stark pathetisch aufgeladen, wie man es von Politikern eben kennt: jeder Angriff auf einen Journalisten ist ein Angriff auf die westliche Wertemodell und so… (mit anderen Vorzeichen reklamiert das wohl auch Recep Tayyip Erdogan für seine Politik).

Wer Politiker für geeignet hält, hervorragende Journalisten zu identifizieren (auch wenn Schulz nur die Laudatio hielt, er war nicht die Jury), muss ihnen auch zugestehen, die schlechten ins Kröpfchen zu verschlucken – und dann sind wir wieder bei Erdogan (ohne dass dies, wie so oft von Journalisten falsch verstanden, ein Vergleich oder eine Gleichsetzung von Schulz und Erdogan ist!).

Nein, Politiker gehören nicht ins „journalistische System“, und mit ihnen gemein machen darf sich „ein guter Journalist“ sicherlich tatsächlich nie. Die Nähe von Politikjournalisten zu den Akteuren ihrer Berichterstattung wird letztlich auch auf den Jahrestagungen des Netzwerk Recherche kontinuierlich angeprangert.

Der Negativpreis „verschlossene Auster“ ging an Facebook (Deutschland) als Informationsblockierer des Jahres – doch die Begründung geriet reichlich schwammig und war deshalb letztlich nicht überzeugend. Sowohl in der kurzen Bekanntgabe durch Kuno Haberbusch (nr-Vorstand, NDR), vor allem aber in der Laudatio von Thilo Weichert, (2004 bis 2015 Datenschutzbeauftragter Schleswig-Holsteins, nicht mehr aber aktuell, was Spiegel.de noch nicht zur Kenntnis genommen hat*) standen die „Hasskommentare“ auf Facebook im Mittelpunkt, die nicht richtig, nicht konsequent und nicht transparent gelöscht werden. Facebook sei ein „Katalysator für den Hass“ sagte Weichert – doch was soll das mit Blockade von Journalismus zu tun haben? Natürlich können einzelne Journalisten gegen „Hate Speech“ anschreiben – aber dass ausgerechnet Netzwerk Recherche jetzt die Löschung von Beiträgen für die erste Recherchepflicht hält, verwundert doch. Man kann gut gegen jede Löschung argumentieren, die möglicherweise strafbaren Fälle einer Staatsanwaltschaft überlassen und ansonsten mit Information, aber nicht mit PC gegenhalten. Was die vorgeworfene Informationsverweigerung der Firma betrifft war die „Beweislage“ äußerst dünn. Und wer den Maßstab anlegt, ein Unternehmen mit großer öffentlicher Bedeutung sei, wenn schon nicht gesetzlich, so doch moralisch zur Auskunft verpflichtet, könnte bestens großen Medienhäusern die „verschlossene Auster“ verleihen – öffentlich-rechtliche Sender eingeschlossen (hier bereits vorgeschlagen 2010 und 2011). Das würde auch deutlich mutiger wirken als in das Horn zu blasen, welches derzeit pausenlos von der kulturellen Meinungsführerschaft gespielt wird.

Die verlesene schriftliche Entgegnung der namentlich in Hamburg nicht genannten Facebook-Sprecherin Tina Kulow wirkte dabei weniger plump, als sie offenbar auf die Jury gewirkt hat.

So oder so täte das Netzwerk Recherche gut daran, die Kriterien für seine Preisvergaben grundsätzlich transparent und diskutierbar zu machen. Die diesjährige „verschlossene Auster“ ließ eine journalistische Begründung vermissen – was nicht nur eine vertane Chance war, sondern auch der Glaubwürdigkeit des renommierten Vereins schaden kann. (Tg)

Update:
* Inzwischen hat Spiegel.de Weichert aus dem Amt befördert; die in Hamburg bei der nr-Jahrestagung diskutierte transparente Fehlerkorrektur sieht allerdings anders aus.

Mehr zur nr-Jahrestagung:
10 Jahre Medienkodex mit sinnlosem PR-Verbot

Leberwurst-Journalismus

Nachdem es einige Leberwurst-Journalisten mit ihrer Erregung über Til Schweiger mal wieder (via dpa) bis in meine Provinzzeitung gebracht haben, sollten wir doch mal kurz über die Aufgabe von Kunst- und Medienkritik nachdenken.

Das Grundproblem der Schweiger-Kritiker dürfte sein, was etwa Spiegel-Online in einem Nachrichtenversuch so beschreibt:

„Das Verhältnis zwischen Til Schweiger und Film- und Fernsehkritikern ist angespannt. Der Regisseur und Schauspieler verzichtet oft darauf, seine Filme zu regulären Pressevorführungen vor dem Start zugänglich zu machen.“

Das klingt, als gäbe es einen Anspruch der Presse, Filme für Besprechungen sehen zu dürfen. Dem ist natürlich nicht so, und Schweigers Umgang mit der Presse dürfte bei professionellen Autoren keinerlei Auswirkungen auf die Werkkritik haben. Davon sind allerdings viele, viele Artikel über Til Schweiger weit entfernt.

Was die beiden aktuellen Folgen „Der große Schmerz“ und „Fegefeuer“ sowie die Rezeption eines Facebook-Postings von Schweiger dazu anbelangt, machen die Leberwurst-Journalisten mal wieder keine gute Figur:

– Die beiden Folgen waren ohne Zweifel sehr gut inszeniert. Das Ergebnis muss niemandem gefallen (so wie auch niemand sehr guten Brokkoli mögen muss), aber was Schweiger an die Adresse des Regisseurs Christian Alvart schreibt, wird man cineastisch nicht beanstanden können.

– Dass eine „schlechte“ Fernseh-Quote von rund 20% (7,69 Millionen Zuschauer) Beleg für eine schlechte Sendung sein soll („kein Erfolg„), kann kein Kritiker ernst meinen. Sonst ist eben doch „BILD“ die beste Tageszeitung der Republik. Wenn sich für einen Münster-Tatort mehr Zuschauer finden, sagt das doch nicht das Mindeste über die Qualität des Hamburg-Tatorts. Muss man daran erinnern, was die meistverkaufte deutsche Fernsehserie ist? Soll das der Benchmark sein?

– Eine völlige Unsitte ist es, angeblich journalistische Produkte mit Beschreibungen von anderen Webseiten zu füllen (siehe Kritik 2011), insbesondere mit dem Widerkäuen von Facebook und Twitter. Die Beiträge werden für die dortige Leserschaft geschrieben („Community“), und sie sind öffentlich für jeden Interessierten. Dort kann man sie auch diskutieren oder sich gegenseitig bewerfen – es ist vollkommen überflüssig, das als „Nachricht“ verkleidet auf Papier zu bringen.

– Aber wenn man dann schon als Leberwurst-Journalist+#_in berichten will, was alle auf Facebook lesen können, sollte man es wenigstens verstehen, weil sonst jede Umformung (mehr Eigenleistung ist ja nicht zu erbringen) zu neuer Dichtung wird. (Und wer das schafft, wird im Schweiger-Posting nicht mehr viel Echauffierstoff finden – er ist belanglos.)

Wer die journalistische Leistung der deutschen Fernsehkritik bewerten will, solle sich ihren Umgang mit Til Schweiger anschauen, nicht nur im aktuellen Tatort-Fall. Das dürfte aufschlussreich sein.

5 PS:
Wir haben schon einige schöne Journalismen hier gekürt. Verwiesen sei auf
Zirkusjournalismus,
Seitenfülljournalismus,
Gagajournalismus,
Popeljournalismus und
Phantasiejournalismus.

Mehr PS:
Irgendwo muss man mal die vielen „Journalismen“ sammeln. Aktuell:
Erziehungsjournalismus“ (Jan Fleischhauer)

Deutschland, der grüne Klecks

Ein grüner Klecks inmitten von sehr viel Rot: Die Karte der globalen Staatsschulden zeigt, wie die Eurozone während der vergangenen fünf Jahre in die Krise schlitterte – und wie stabil Deutschland dasteht. Aber wer sind die größten Schuldenmacher?

Soll wohl heißen: Deutschland Superstar. Und in der Titelbild-Grafik zum Spiegel-Online-Beitrag „Weltkarte der Staatsverschuldung“ ist tatsächlich der Raum, den man für Deutschland halten mag: grün.

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Aber wie sieht es in der Detailkarte aus?

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Und passt das nicht auch besser zur sonstigen Katastrophen-Berichterstattung?

Energiemix beim Spiegel

Der SPIEGEL lässt sich von der Firma DONG Energy sponsern, die unter anderem Windparks betreibt, und macht gleichzeitig das gesetzlich verordnete Energiesparen als „Volkdsverdämmung“ zum Titel-Thema. Das findet Volker Lilienthal gar nicht in Ordnung – der ausgerechnet die Rudfolf-Augstein-Stifungsprofessur inne hat. Mehr bei Cicero.

Missing Link

Einen großen Vorteil, den Online-Medien gegenüber papiernen haben, lassen sie fast durch die Bank weg ungenutzt: nämlich bereits veröffentlichte Beiträge nachträglich durch hilfreiche Links versehen zu können.

Das hat Spiegelkritik schon vor Jahren bei Gegendarstellungen (und inhaltlich dem nahe kommenden Leserbriefen) moniert: Warum kann nicht vom kritisierten Artikel ein Link auf die Gegendarstellung oder Korrektur gesetzt werden? Der SPIEGEL sieht sich dazu seit Jahren technisch nicht in der Lage (wie wohl es angeblich „projektiert“ war).

Fehlende Verlinkungen gibt es auch in umgekehrter Richtung, vom Aktuellen zur Vergangenheit. Das erweckt oft den Eindruck, die Redaktion wolle das Vorangegangene am liebsten ungeschehen machen.

So wie jüngst bei der „mit exklusiven Videos, Fotos und Berichten“ auf Spiegel-Online begleiteten Extremsporttour „Double 8“, der Besteigung von zwei Achttausendern binnen sieben Tagen, die für zwei Bergsteiger tödlich endete. In der Unglücksmeldung räumt Spiegel-Online zwar direkt ein, intensiv über den Weltrekordversuch berichtet zu haben – setzt aber keinen Link mehr dahin.

mehr-tote-auf-sponAuch bei der eine Woche zuvor verfassten Ankündigung der Tour findet sich kein Update (anders als hier im Verlaufsbericht). Stattdessen wurde schon damals auf ältere Berichte von tödlichen Bergtouren verwiesen. Die Möglichkeit, dass so etwas auch gewaltig schief gehen kann, müsste den Redakteuren also durchaus gegenwärtig gewesen sein, als sie den kommerziellen Rekordversuch gepusht haben.

SPIEGEL wirbt weiter für Klamauk-Partei

Sonneborn ist klug, Sonneborn kann satirisch sein, Sonneborn ist der langweiligste Politik-Kabarettist Deutschlands. So. Nachdem wir ihn mit dem K-Wort maximal beleidigt haben dürften (wobei: vielleicht ) die Frage ans Publikum:

Könnte es sein, dass angesichts der tatsächlich möglichen Finanzgeschäfte Sonneborns Partei (sorry, für ihn natürlich mit extra Apostroph: Sonneborn’s) nicht mehr ganz so ungestüm auf Spiegel.de für sich werben dürfen sollte? Denn ganz gleich, welches Kasperle-Theater er oder seine Getreuen mit Abgeordnetenmandat und Vergütung machen wollen – diese Ressourcen stehen dann anderen Komikern nicht mehr zur Verfügung.

Weder der Spiegel-Verlag noch eine der Parteien wollte sich dazu zeitnah äußern.

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Davon ganz ab ist es aber schon traurig zu sehen, wie der Partei-Klamauk Satire entpolitisiert hat. Als Sonneborn und Konsorten vor 10 Jahren mit ihrer Idee loslegten, konnte man das noch als Frontalkritik am Parteienwahnsinn verstehen: Inhaltsleere, Karrieregeilheit, Medieninszenierungen, Führer- und Untergebenenstrukturen…

Aber heute, da Martin Sonneborn eben unter anderem bei Spiegel.de volles Rohr seine Parteienkomödie spielen darf, während der Rest der Nachrichtenwebsite ungerührt weiter der Politiker Speichel leckt und jedwede „Systemkritik“ in bester Nachäffung der namengebenden Zeitschrift ignoriert, wird wohl niemand mehr politische Satire in der Spam-Partei sehen können. Es ist Klamauk, eben gerade nicht ernst zu nehmen: lustig, lustig, trallallallala.
Allein für den Dusseljournalismus  ist zu wünschen, dass Sonneborn durch wundersame Fügung (oder gerne auch wieder mal: Bestechung) die nötigen Stimmen bekommt (gut, bei der letzten Bundestagswahl waren es nur 39.388, also deutlich weniger als Käufer der Illustrierten „Titanic“), um ins Europaparlament einzuziehen. Nicht nur die BILD wird sich dann ganz furchtbar aufregen über diesen Missbrauch demokratischer Rechte, die Verhohnepipelung eines Parlaments (oder einer Quatschbude, je nach Stimmungslage), die Verschwendung von Steuergeldern…

Update 26. Mai 2014:
Wir hatten die Pressesprecher der Parteien CDU, SPD, FDP, Grüne, Linke, Piraten und AfD dazu befragt, was sie von dieser satirischen Werbung für eine reale Satirepartei halten. Die FDP teilte nach 5 Tagen mit: „Die FDP konzentriert sich auf ihren Wahlkampfendspurt und wird dazu deshalb keine Stellungnahme abgeben.“ Die andeeren Parteien machten das offenbar ebenso – ohne es mitzuteilen.

Spiegel.de bezeichnete am Tag vor der Wahl „Die PARTEI“ noch als Spaß. Sechs Stunden nach der Wahl heißt es bei der tagesschau.de: „Es ist zwar knapp – aber nach jetzigem Stand der Hochrechnung von infratest dimap könnte die politsatirische „Die Partei“ von Frontmann Martin Sonneborn ins Parlament mit einem Sitz einziehen.“

 

Korinthe (78): Das Wörter-Wort

„‚Wir tun etwas, dass die Menschen sich einbringen können.“ Das sind nach Spiegel-Recherchen „neun Worte, nicht eines“, wie Winfried Kretschmann angeblich meine.

Nur: der Grüne sprach im Singular. Und der ist bei „Worten“ wie „Wörtern“ gleich.  Ein Wort aber kann bekanntlich viele Wörter enthalten, so wie „das Wort Gottes“, um ein auch Atheisten einsichtiges Beispiel zu nennen, wenn sie es als Literatur sehen.

Kleinstparteien

„Sie machen den Wahlzettel extralang, und ihre Namen sind oft extraschwer zu merken: Tierschutzpartei, Familien-Partei, Partei Bibeltreuer Christen, die Violetten, Partei der Nichtwähler, Partei der Vernunft, die Nein!-Idee – so viele Kleinparteien wie nie haben sich um die Zulassung für die Bundestagswahl beworben.“ (Spiegel-Online)

Spiegel-Online berichtet etwas wirr von den Kleinstparteien. Die Intention ist nicht ganz klar, aber drei Dinge fallen auf:

a) Ausgerechnet die absolute Pseudopartei „Die Partei“ wird nicht erwähnt und auf ihre Existenzberechtigung hin befragt. Deren Chef Martin Sonneborn arbeitet für Spiegel-Online und promotet dort seine Spaßpartei nach Kräften.

b) Der Erfolg – bzw. bisher Misserfolg – von Kleinstparteien hat wesentlich mit unserem Wahlsystem zu tun, bei dem man sich nur für eine Partei entscheiden kann und die Stimme nur dann nicht verloren ist, wenn die Partei die 5 Prozenthürde schafft. Deswegen wählen viele, die zwar mit einer kleinen (monothematischen) Partei sympathisieren konventionell.
Ändert man den Wahlmodus z.B. so, dass die Wähler so viele Parteien ankreuzen können wie sie wollen, kommt die Tierschutzpartei in einem wissenschaftlichen Versuch in Konstanz 2009 auf 12,2% (würde den Einzug ins Parlament aber dennoch ganz knapp verpassen). (Quelle)

c) Und wie bei allen anderen Parteien auch wäre es gut, wenn Politikjournalismus einmal die Blickrichtung ändern würde. Es geht ja nicht um die Parteien und ihre paar Protagonisten, es geht darum, was die Bürger wollen  – und dann möglicherweise mit einer Partei zu erreichen glauben. Deshalb wäre z.B. nicht die Tierschutzpartei das Thema, sondern Tierschutz. Der spielt aber überhaupt keine Rolle.