Meedia schaut, was von Hans Magnus Enzensberger’s Kritik heute noch aktuell ist.
Archiv für die Kategorie ‘Spiegel’
Lesebeute: Die SPIEGEL-Sprache
Freitag, 27. Mai 2011Anatomie einer SPIEGEL-Story
Mittwoch, 25. Mai 2011Sehr unterhaltsam hat Stefan Niggemeier die Spiegel-Titelgeschichte dieser Woche – “Sex und Macht – Anatomie einer gefährlichen Beziehung” seziert.
Interessant dabei ein Leser-Kommentar, der darauf hinweist, dass Autor Ullrich Fichtner über seinen Protagonisten Strauss-Kahn noch vor kurzem ganz anders geschrieben hat
Der tratschende Reporter
Montag, 09. Mai 2011Die “Berichterstattung” in eigener Sache bei der Spiegel-Gruppe nähert sich allmählich ja der Marke mit ihren Mägden – Bild -. Überall Spiegel-Bücher, Spiegel-TV-Sendungen, Spiegel-Bestsellerlisten, Spiegel-Kooperationen… Nun gut.
Manch Eigending muss ja auch kolportiert werden – Spiegel-Online kann im Text über die Verleihung der Henri-Nannen-Preise die vielen Preisträger aus dem eigenen Haus nicht verschwiegen.
Aber die Kritik, die es am Reportage-Preisträger René Pfister gibt, hätte schon auch noch Platz finden dürfen. SpOn schreibt:
Den ersten Platz in der Kategorie Reportage und damit den traditionellen Egon-Erwin-Kisch-Preis gewann SPIEGEL-Redakteur René Pfister. Für seinen Artikel mit dem Titel “Am Stellpult” hatte er Horst Seehofer am Pult seiner Modelleisenbahn porträtiert.
Dabei hat Pfister offenbar gerade nicht Seehofer an seiner Modelleisenbahn porträtiert – oder nur in dem Maße, in dem er auch Seehofer auf dem Klo zu porträtieren vermag; vielmehr hat er ihn dorthin getextet.
Seit neuestem hat auch Angela Merkel einen Platz in Seehofers Keller. Er hat lange überlegt, wohin er die Kanzlerin stellen soll. Vor ein paar Monaten dann schnitt er ihr Porträtfoto aus und kopierte es klein, dann klebte er es auf eine Plastikfigur und setzte sie in eine Diesellok. Seither dreht auch die Kanzlerin auf Seehofers Eisenbahn ihre Runden.
In dieser Art schreibt Pfister jede Menge Details und Betrachtungen von Seehofers Eisenbahn. Nur dass er diese offenbar nie gesehen hat. Beim SPIEGEL fällt das kaum weiter auf, weil sich der geneigte Leser ja bei jedem zweiten Artikel fragt, wie der Spiegel-Autor denn bei dieser oder jener Situation schon wieder anwesend gewesen sein soll ( – aber es sind dann meist völlig harmlose Nacherzählungen unbekannter Quellen).
Die Dinge, die man in einer Reportage den Lesern nahe bringt, selbst nur aus Erzählungen zu kennen, ist ein – ungewöhnlicher Ansatz. Das sollte Spiegel-Online wenigstens herausstellen.
Update 10. Mai 2011:
Die Jury hat Pfister den Preis inzwischen wieder aberkannt. Bei Spiegel-Online zeigt sich das altbekannte Problem, dass Artikel nicht aktualisiert werden. Zwar wird “in eigener Sache” die Aberkennung erwähnt und auch die Begründung der Jury zitiert (neben einer Stellungnahme des Spiegel, wie imme sich ein Magazin artikulieren kann), der alte Jubeltext enthält aber keinen Verweis darauf.
Schleichwerbung beim Spiegel nicht
Montag, 04. April 2011Beim Spiegel gibt es keine Schleichwerbung. Jedenfalls kann man sie nicht einfach mit einer Scheinfirma platzieren. Das ist jetzt nicht allzu verwunderlich, aber wenn es doch der geschätzte Kollege, Spiegelkritik-Mitbegründer und heutige taz-Redakteur Sebastian Heiser herausgefunden hat, muss das hier wenigstens notiert werden.
Spiegel Boulevard
Montag, 28. Februar 2011Der SPIEGEL-Titel beschäftigt sich diese Woche mit der BILD-Zeitung. Ich hab’s noch nicht gelesen, das Heft wartet zuhause, ausschließlich liegend verkostet zu werden, aber bei Carta fand sich in dem Zusammenhang ein interessanter Satz von Robin Meyer-Lucht*): “Bild und Spiegel sind selbstredend beides Boulevard-Medien – mit jeweils unterschiedlichem Zielpublikum. Stimmt absolut.”
*) Wir haben hier ja schon mal den schönsten Medienjournalisten Deutschlands gekürt. “R M-L” ist auf alle Fälle derjenige mit dem schönsten Namen. Einen Nur-Lucht hatten wir mal als Praktikanten. Der hieß dann nicht etwa Lurchie oder so, sondern “Lusch”. Als Redaktionssekretärin darf man ja sagen: Was ein süßes Bengelchen.
Journalisten schwadronieren über PR
Freitag, 11. Februar 2011Rumse zwischen V.i.S.d.P. / Hajo Schumacher und dem Netzwerk Recherche bzw. dessen Protagonisten haben fast immer Unterhaltungswert. Aktuell: V.i.S.d.P. wirft dem SPIEGEL vor, einen Artikel über schlechte Recherche schlecht recherchiert zu haben – leicht verkürzt gesagt. Lesen Sie selbst.
Korrekturverhalten (2): Der Spiegel
Sonntag, 17. Oktober 2010Medienjournalist Stefan Niggemeier hat vor Kurzem angeprangert, dass selbst Gegendarstellungen in Zeitungen wie dem Hamburger Abendblatt kostenpflichtig sind.
Das kann man diskutieren – und ebendies geschieht in seinem Blog. Mit einer Gegendarstellung geht man ja immer das Risiko ein, überhaupt erst auf eine Sache aufmerksam zu machen, die sonst gar nicht groß beachtet würde (wie das auch mit Zivil- und Strafprozessen ist). Daher macht es Sinn, dass Gegendarstellungen nur dort erscheinen müssen, wo auch die gegendarstellungsbegehrte Behauptung (die ja laut Presserecht objektiv gar nicht falsch gewesen sein muss) veröffentlicht wurde.
Andererseits wird natürlich weitererzählt, was man gelesen hat, und das kann dafür sprechen, eine Gegendarstellung weiter zu streuen.
Wirklich ärgerlich hingegen ist, dass von den beanstandeten Veröffentlichungen aus bei Internetpublikationen bisher kaum auf eine eingegangene und veröffentlichte Gegendarstellung verwiesen wird (wie auch auf andere Korrekturen, Leserbriefe und wichtige Aktualisierungen).
Aufgefallen war uns dies zunächst beim SPIEGEL, und dort gar nicht bei den – seltenen – Gegendarstellungen, sondern bei den Korrekturen, die die neuen Chefredakteure als Teil in der Rubrik “Leserbriefe” eingeührt hatten.
Hans-Ulrich Stoldt sagte uns dazu bereits am 5. August 2009:
“Gegenwärtig bereiten wir die Verknüpfung von Artikeln im Archiv mit Korrekturen oder Gegendarstellungen vor. Technisch und redaktionell ist das nicht so ganz einfach, weshalb es auch noch ein wenig dauern wird, bevor wir so weit sind.”
Die Praxis sieht so aus, dass der Spiegel derzeit beanstandete Beiträge verschwinden lässt. Dass sich Eigen- und Fremdkorrekturhinweise dann auch noch an unterschiedlichen Stellen befinden, macht die Sache nicht übersichtlicher.
Korrekturen finden in der Online-Ausgabe zumindest nicht durchgängig statt. So gab es in der Ausgabe 40/2010 einen Kasten mit Korrekturen zu fünf Beiträgen. Dabei wird der Artikel “Revolver in Rosa” aus Nr. 37/2010 in zwei Punkten berichtigt. Da heißt es: “Der erwähnte Amoklauf fand nicht ‘ein paar Meilen entfernt von der Messe’ an der Virginia Tech im benachbarten Manassas, sondern im 250 Meilen entfernten Blacksburg statt.” Das wäre uns zwar womöglich auch nur eine “Korinthe” wert gewesen, aber wenn’s doch falsch ist, sollte man es korrigieren. Auf spiegel.de findet man jedoch weiterhin:
Nur ein paar Meilen sind es von der Messe in Chantilly zur Universität Virginia Tech, wo vor über drei Jahren einer der schlimmsten Amokläufe in der US-Geschichte stattfand. Ein Student erschoss damals 32 Kommilitonen mit seinen beiden halbautomatischen Pistolen. (pdf-Version)
Auch nicht hilfreicher ist es freilich, wenn die Gegendarstellung zu einem Artikel, der online nicht beim Spiegel und sonst nur über dubiose Quellen verfügbar ist, im Web-Archiv steht.
Fotografie: Titelbusen diesmal nur innen
Dienstag, 05. Oktober 2010Soll es besondere Unabhängigkeit zeigen oder welche Politik steckt dahinter, dass der Spiegel ein Thema über den Partner Stayfriends konstruiert, ins eigene Heft und in Kollegenblätter hebt?
Die Meldung von Seite 101 der aktuellen Ausgabe (40/2010) findet sich fast wörtlich auch bei Welt: das Online-Netzwerk Stayfriends lässt nach eigenen Angaben “20 000 Schulen in ganz Deutschland fotografieren – ohne vorher um Erlaubnis zu fragen Erst im Nachhinein wolle man die Fotos von den Schulleitern autorisieren lassen…”
Dabei schreibt der Spiegel selbst nachfolgend, dass am Fotografieren rechtlich überhaupt nichts auszusetzen ist. Niemand muss solche Bilder autorisieren – das wäre ja noch schöner.
Bleibt, dass in Münster ein Styfriends-Fotograf unangenehm aufgefallen sein soll. So what. Macht der Spiegel künftig auch zu jedem Lehrer eine Meldung, der irgendwem “Gewalt androht”? Ganze Schülerzeitungen sind mit entsprechenden “Stilblüten” gefüllt.
Apropos Foto: Dass Marilyn Monroe missliebige Fotos von einem dreitägigen Shooting, bei dem sie meist “nackt und betrunken” war, mit Nagellack durchgestrichen hat, ist wohl als Auswahlkriterium gedacht gewesen, damit posthum auf das Spiegel-Cover zu kommen. So haben es die Hamburger zumindest interpretiert.
Lesebeute: Spiegel ahnungslos bei Goethe und Jugendgewalt
Mittwoch, 11. August 2010* Wegen der (angekündigten) Betriebsferien erst heute ein Verweis auf die Korinthen-Kritik: Der Umblätterer befürchtete, im Spiegel dieser Woche einen Korrekturkasten zu vermissen, dessen Inhalt er gratis feilbot. Und so ist’s gekommen. Daher hier das Korrekturangebot:
“Die ALDI-Europakarte auf S. 67 (im SPIEGEL 31/2010) stimmt nicht ganz, ALDI-Suisse ist Expansionsgebiet von ALDI-Süd, nicht -Nord. Und weil wir grad dabei sind, noch eine Korinthe zur Titelgeschichte der vorvorletzten Ausgabe (Nr. 29, S. 61): »Über allen Gipfeln ist Ruh …« a.k.a. »Ein Gleiches« ist nicht wirklich ein »Altersgedicht Goethes«, wie Susanne Beyer schreibt, der Dichter war da 31 Jahre und hatte noch 51 weitere zu leben, also na ja.” (Verlinkungen von Spiegelkritik)
* Denkmalbauer Stefan Niggemeier:
“Bei „Spiegel Online” wird sie noch gepflegt, die alte journalistische Untugend des Überschriften-Stabreims. Mit diesem Eintrag möchte ich dem unbekannten Alliteraten in der Redaktion ein Denkmal setzen.” –> Zur Alliterations-Kritik.
* Jugendfreizeiten werde es in der bisherigen Form künftig nicht mehr geben, trötete der SPIEGEL in Ausgabe 30/2010 in einem langen Text über die jugendlichen Gewalttaten auf Ameland. Dumm und dünn findet Timo Rieg diesen Beitrag offenbar, ohne seiner Kritik diese wunderschöne Alliteration verliehen zu haben.
Was ist gewonnen, wenn künftig die jährlich “über 50.000 Ferienreisen für Kinder und Jugendliche mit weit über 1,5 Millionen Teilnehmern” nicht mehr möglich sein sollten, weil “die verschärften Vorgaben [...] die meisten Anbieter überordern [dürften]“? Berichte über Osnabrücker Ghetto-Kids, die nicht nach Ameland reisen dürfen, könnte der Spiegel auch diesen Sommer schon schreiben. Allein auf dem Silbertablett staatsanwaltschafltlicher Ermittlungen dürfte sich da auch für Osnabrücker Zeitvertreib Jugendlicher einiges finden lassen.
* Albrecht Müller findet Spiegel online “immer unerträglicher”. Weil in einem Artikel Ausländer als Arbeitnehmer gefordert werden und in einem anderen ein wirtschaftsboom herbeigeschrieben wird. So ungefähr.
Lesebeute: Halbschwul
Freitag, 16. Juli 2010“Im aktuellen Spiegel lässt Reporter Alexander Osang den Ballack-Berater Michael Becker über eine »Schwulen-Combo« in der Nationalelf lästern. Ohne Belege, ohne Sinn, ohne Anstand.” (Philipp Köster, 11 Freunde)