Archiv für die Kategorie ‘Leserbriefe’

Kurz korrigiert: Volksentscheid

Dienstag, 12. April 2011

Leserbrief von Nico Nissen

Zum  Kommentar “Komm, wir schottern die Verfassung!” von Jan Fleischhauer im “Schwarzen Kanal”.

Darin behauptet Fleischhauer, die Grünen wollten die Verfassung ändern, damit in einem Volksentscheid das Ergebnis herauskommt, das sie sich im Bezug auf Stuttgart 21 wünschen, und macht ihnen den Vorwurf, sie würden den Begriff “Mehrheit” neu definieren. Der Kommentar ist voller Fehler:

  • Der Volksentscheid heißt in der Verfassung des Landes Baden-Württemberg “Volksabstimmung”. Die Begriffe sind synonym, aber Fleischhauers Fehler zeigt, dass er im Zuge seiner Recherchen wohl nie einen Blick in die Landesverfassung geworfen hat.
  • * Grüne und SPD haben gemeinsam und schon lange vor den Koalitionsverhandlungen eine Abschaffung des Quorums für einfache Gesetze vorgeschlagen. Es waren also nicht nur die Grünen, sondern auch die SPD, die Stuttgart 21 befürwortet. Drucksache 14/6866 vom 30. August 2010
  • Das Quorum soll nicht etwa auf 25 Prozent gesenkt werden, wie Fleischhauer behauptet, sondern ganz abgeschafft werden. Dies ist überhaupt eine Voraussetzung dafür, dass die Mehrheit entscheiden kann – also das genaue Gegenteil von dem, was Fleischhauer behauptet. Würde das Quorum bestehen bleiben, könnte nämlich die Minderheit gegen die Mehrheit gewinnen, was in Deutschland wegen der Quoren auch meistens der Fall ist. Denn Quoren kehren logisch betrachtet das Ergebnis einer Volksabstimmung um, indem sie Enthaltungen als Gegenstimmen werten.
  • Das Senken des Quorums auf 25 Prozent bezieht sich lediglich auf verfassungsändernde Volksabstimmungen. Dieses Quorum ist zwar ebenfalls undemokratisch, aber aus juristischen Gründen notwendig, weil deutsche Verfassungsrichter gegen alle Gesetze der Logik und Prinzipien der Demokratie der Ansicht sind, dass für verfassungsändernde Volksentscheide höhere Hürden gelten müssten als für einfache Gesetze.

Kommentar zu Spiegel-Netzwelt-Artikel

Dienstag, 18. Januar 2011

“Der Spiegel war mal so etwas wie eine Institution und ich habe das gedruckte Magazin (ja, manchmal unterstütze auch ich das Waldsterben)immer mal wieder gerne gekauft. Inzwischen habe ich Angst davor auf die Online-Artikel zu klicken, weil ich der Postille nur noch so weit traue, wie ich einen der Redakteure werfen könnte.”

Auch nach 9-mal Schlafen ist der Ärger bei Sascha von netbooknews nicht verraucht. Der SpOn-Artikel “Tanz der Tablets” über eine Asus-Präsentation in Las Vegas regt ihn auf.

Die Krankheit CFS bitte nicht verharmlosen

Mittwoch, 10. März 2010

Sehr geehrte Damen und Herren bei spiegelkritik.de,

ich möchte Sie gerne auf folgenden Artikel auf SpOn aufmerksam machen: Erschöpfungssyndrom – Regelmäßige Aktivität soll Müdigkeit kurieren

CFS (Chronic Fatigue Syndrom, zu deutsch: Chronisches Erschöpfungssyndrom“, auch M.E.= Myalgische Enzephalomyelitis genannt) ist eine schwere, neuroimmunologische Regulationsstörung und wird von der amerikanischen CDC (entspricht in etwa dem deutschen RKI) ähnlich behindernd eingestuft wie MS, Herzkrankheit, COPD oder Niereninsuffizient im Endstadium. Auch die WHO klassifiziert CFS im ICD-10 Code unter G 93.3 als neurologische Erkrankung, nicht als psychosomatische.

Dennoch wird die Krankheit im klinischen Alltag aufgrund der diffusen Symptomatik und Unkenntis der Ärzte häufig psychiatrisiert, da es bisher noch keinen eindeutigen Marker für die Diagnose gibt. Frei nach dem Motto: “Wenn man nichts findet, ist es psychisch.” Ähnlich unrecht hat man früher Borreliose- oder MS-Patienten getan, bis man schließlich organische Ursachen für ihr Leiden fand.

Auch wenn es keinen Marker für CFS gibt, belegen zahlreiche Studien eine organische Ursache für dieses Krankheitsbild (vgl. z.B. http://www.cfids.org/about/10-discoveries.pdf). Der “Grundkonsens” all dieser Studien ist, dass der Körper sich nach Anstrengung aufgrund einer Vielzahl komplexer immunologischer, neurologischer und hormoneller Abläufe nicht ausreichend erholt. Die Ausprägungen der Krankheit sind unterschiedlich, für manche bedeutet “Anstrengung” dass sie keinen Sport mehr machen, für manche, dass sie nicht mehr arbeiten, für manche auch, dass sie nicht mehr aufstehen, sprechen, verdauen und kognitiv keiner Unterhaltung mehr folgen können. Jeder Schritt über die individuellen Belastungsgrenzen endet in einer Zustandsverschlechterung (post exertional malaise). CFS beinhaltet neben dem Hauptsymptom der lähmenden körperlichen und geistigen Erschöpfung zahlreiche weitere Symptome wie neurologische Beschwerden, Magen-Darm- Beschwerden, Nahrungsmittel- und Medikamentenunverträglichkeiten, kognitive Probleme, geschwollene und schmerzenden Lymphknoten, Gelenk- und Muskelbeschwerden, Sprach- und Wortfindungsstörungen usw. Diese Liste kann man endlos fortführen. Eine führende CFS- und HIV-Ärztin in den USA, Nancy Klimas, hatte in einem Interview kürzlich gesagt, wenn sie die Wahl zwischen CFS und HIV hätte, würde sie letzteres wählen.

Die genauen Ursachen für CFS sind noch unbekannt, jahrelang standen zahlreiche Viren in Verdacht (z.B. EBV, CMV, HHV6). Im Oktober 2009 identifizierte das Whittemore-Peterson-Institut in Nevada einen signifikanten Zusammenhang zwischen CFS und dem ansteckenden Gammaretrovirus XMRV, der zur gleichen Virusfamilie gehört wie HIV und HTLV1 (Verursacher der T-Zell Leukämie). Momentan laufen weiter Studien, um diese ersten Ergebnisse zu validieren. Über diese Entdeckungen berichteten die renommierte Fachzeitschrift „Scienc“
sowie auch der Spiegel:

Leider propagieren unseriöse Studien und Ärzte immer wieder sogenannte Forschungsergebnisse, die besagen, dass körperliche Aktvierung eine Verbesserung bewirkten. Diese werden dann bereitwillig von den Medien aufgeschnappt, sog. Experten auf diesem Gebiet werden zitiert und internationale Forschungsergebnisse konsequent ignoriert.
Das liegt oft auch an den schwammigen Begriffen und Definitionen. “Chronische Erschöpfung” ist nicht das gleiche wie “Chronisches Erschöpfungssyndrom”. Ersteres ist ein Symptom psychischer und psychosomatischer Erkrankungen wie Depression und Burn-Out, letzteres ist ein eigenständiges Krankheitsbild mit immunologischem Hintergrund. Leider machen sich viele Journalisten nicht die Mühe, genauer zu recherchieren und werfen alles in einen Topf.
Seriöse Studien belegen immer wieder, dass eine “Überaktivierung” der Patienten, wie sie in dem SpOn Artikel beschrieben wird, immens schadet (s. z.B. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20095909)

Die Situation für Erkrankte ist in Deutschland mehr als fatal. Sie müssen nicht nur lernen, mit einer behindernden Krankheit zu leben, sie erhalten auch inadäquate oder gar keine medizinische Unterstützung, sehen sich mit einer verständnislosen Umgebung konfrontiert, Renten- und Sozialträger verfrachten Patienten unter Androhung des Enzugs der Existenzgrundlage (Hartz-IV, Sozialhilfe) in psychosomatische Kliniken, aus denen sie oft schlimmer wieder herauskommen, als sie hineingingen. In Deutschland nimmt sich bisher lediglich die Charité des Problems an, an der es seit Jahren eine kleine, völlig überlaufende Immundefektsprechstunde für CFS gibt.

All diese Erfahrung musste auch ich machen, als ich vor eineinhalb Jahren nach einer EBV- Infektion (Pfeiffersches Drüsenfieber) an CFS erkrankte und nun studier- und arbeitsunfähig bin. Ich bin 23 Jahre alt.
Ich habe Menschen kennen gelernt, junge Menschen in meinem Alter, die aufgrund der Krankheit seit Jahren bettlägrig und pflegebedürftig sind, zu krank, um zum Arzt zu gehen.

Den Medien kommt bei der Medizinberichterstattung eine besondere Verantwortung zu, nicht umsonst befasst sich Ziffer 14 des Pressekodex’ damit.
Schlechte Recherche und verzerrte Berichterstattung wie vom Spiegel verschlimmern die Situation für die Erkrankten immens, da solche sog. Leitmedien nun einmal sehr ernst genommen werden. Der Spiegel hatte, so berichtete die Ärztezeitung, wegen eines älteren Beitrags über CFS wegen Verletzung der Sorgfaltspflicht bereits einmal eine Rüge vom Presserat erhalten.

CFS ist eine potentiell schwer behindernde Krankheit und als solche muss in den Medien auch über sie berichtet werden. Passierte Ähnliches bei Beiträgen über HIV oder MS, wäre der Aufschrei groß!
Für den Spiegel ist das lediglich ein schlecht recherchierter Artikel, aber die schlichtweg falschen Informationen, die solche Beiträge verbreiten, unterfüttern das ohnehin schon verzerrte Bild, das unter Ärzten und in der Bevölkerung über diese Krankheit herrscht und führen dazu, dass sich die Situation von Patienten aufgrund falscher Behandlungen verschlimmert.

Weitere Informationen zu CFS und der Situation von Erkrankten finden Sie unter:
http://www.fatigatio.de/
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/forschak/1048310/
http://www.cfids.org/

Mit freundlichen Grüßen

Jasmin
[Name und Adresse sind der Redaktion bekannt]

Tendenziöser Sprachgebrauch

Freitag, 22. Januar 2010

Ein Leserbrief

Vorhin bin ich über einen Spiegelartikel gestolpert, in dem ich einige Beispiele für richtungsweisenden Sprachgebrauch finde: “Hetzen, jagen, töten”.

Es geht um schwere Konflikte zwischen Muslimen und Christen (oder Christen und Muslimen) in Nigeria. Der Artikel wirkt eigentlich ausgewogen.

Meinen Blick fängt eine gefettete Zwischenüberschrift:

“Von Norden drängen die Muslime, von Süden halten die Christen dagegen”

Von Norden wird also angegriffen, von Süden verteidigt, lese ich daraus.
Belegt der Artikel das so? Schicke Zwischenüberschrift.

Dann weiter:

“Was das Gemetzel am vergangenen Sonntag ausgelöst und wer wen provoziert hat, blieb unklar, wie so oft. Eine Version der Geschichte: Militante Muslime hätten Christen nach dem Sonntagsgebet aufgelauert.”

Okay, die Muslime sind die Auflauernden. Natürlich nicht sympathisch, aber kann ja sein.

Weiter:

“Andere Quellen besagen, der Streit habe begonnen, als christliche Jugendliche in ihrem Viertel gegen einen Muslim vorgegangen seien, der versucht habe, sein bei Unruhen 2008 niedergebranntes Haus wieder aufzubauen.”

Hier wird eine klare Sprache gesprochen, und dennoch werden die meisten Leser die Kleinigkeit wohl nicht bemerken: “Vorgehen” tut normalerweise die Polizei, oder jedenfalls der Gute, gegen den Bösen. Und was hatte der Böse gemacht? Der wollte sein Haus wieder aufbauen, heißt es. Wie kam es dazu? Es war “bei Unruhen niedergebrannt”. Da wissen wir jetzt nicht, wer es angezündet hatte.

Wieviel wörtlich vom Autor ist, wieviel hineinredigiert sein mag, kann ich nicht beurteilen.

Verwundert: Anja

Reinhard Mohr mal wieder “unseriös”

Dienstag, 30. Juni 2009

Eine Pressemitteilung von Attac (Links von der Redaktion)

“Mit scharfer Kritik hat das globalisierungskritische Netzwerk Attac auf den Spiegel-online-Artikel “Deutsche Linke und Iran: Ein Slibowitz auf Ahmadinedschad” vom Samstag und die darin geäußerten Vorwürfe gegen Attac reagiert. “Der Artikel ist ein Paradebeispiel für unseriösen, tendenziösen Journalismus”, sagte Jutta Sundermann vom bundesweiten Attac-Koordinierungskreis. So stamme das angebliche Attac-Zitat nicht wie behauptet aus einem Attac-Forum, sondern aus einem namentlich gezeichneten Kommentar einer externen Autorin, der zu Dokumentationszwecken auf eine Internet-Seite der Attac-Arbeitsgemeinschaft “Globalisierung und Krieg” gestellt wurde. Der Text gebe erkennbar weder eine Position von Attac Deutschland noch der AG wieder. Jutta Sundermann: “Wäre es dem Autor wirklich um eine seriöse Recherche gegangen, hätte bei Zweifeln ein Anruf in der Pressestelle von Attac genügt.”

Attac unterstütze selbstverständlich soziale und emanzipatorische Bewegungen weltweit. “Wir müssen und können aber nicht zu jedem Thema zu jeder Zeit eine Erklärung abgeben”, betonte Pedram Shahyar, iranisch-stämmiges Mitglied des Attac-Koordinierungskreises. Davon, dass Attac zur gegenwärtigen Situation im Iran schweige, könne dennoch keine Rede sein. So habe Pedram Shahyar unter anderem drei Artikel im Neuen Deutschland zum Iran veröffentlicht. In seinem Beitrag “Sanfter Putsch mit demokratischem Anstrich” vom 17. Juni liefere der Autor zeitgleich mit Spiegel-online Belege für den Wahlputsch Ahmadinedschads.

An den Iran-Demonstrationen in Deutschland hätten sich zudem zahlreiche Attac-Aktivistinnen und -Aktivisten beteiligt. Pedram Shahyar gehöre zum Vorbereitungskreis der großen Demonstration am Sonntag in Berlin.

Auch bei der Attac-Sommerakademie vom 5. bis 9. August in Karlsruhe werde die gegenwärtige Situation im Iran – anders als von Spiegel-online suggeriert – Thema sein. Geplant seien unter anderem eine Veranstaltung mit dem iranisch-stämmigen 68er-Aktivisten Bahman Nirumand sowie Workshops zum Thema.”

Sprachsubjektivität

Montag, 10. November 2008

Eine Idee von “Micha”

Hallo spiegel-online,

in “Massive Proteste verzögern Castor-Transport”
schlage ich folgende Änderung vor:

Gewaltsamen Widerstand gab es kaum, aber immer wieder wurden deshalb wurden auch immer wieder Sprechchöre laut, mit denen die Atomgegner von den Polizisten forderten, ihre Schutzhelme abzunehmen.

Der Unterschied ist klein aber nicht unwesentlich.

Das Schicksal von Frau Klatten und der Schutz der Würde von Privatpersonen auf Spiegel-Online

Samstag, 01. November 2008

Ein Kommentar von Tilo Hartmann

Spiegel-Online schreibt im Beitrag Erpressung sorgt für Aufregung in Milliardärsfamilie Quandt unter anderem:

Aus Ermittlungsakten der italienischen Polizei, die mit deutschen Kollegen aus München kooperierte, geht demnach hervor, dass sich die Mutter dreier Kinder mit dem
Schweizer Helg Sgarbi, 41, regelmäßig in Luxushotels getroffen haben soll. [...] Bis jetzt sei die Identität der betrogenen Unternehmerin von der Staatsanwaltschaft geschützt worden, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Aber in den vergangenen Tagen sind sowohl Ermittlungsergebnisse als auch Inhalte der Protokolle in der Öffentlichkeit aufgetaucht. [...] Dass Susanne Klatten nun derart in den Fokus der Öffentlichkeit rückt, dürfte für die Unternehmertochter einem demütigenden Alptraum gleichkommen.

Es stellt sich die Frage, warum SPIEGEL-Online (ebenso Sueddeutsche.de) einen großen Beitrag über den Fall publiziert und diesen auch prominent auf der Homepage verankert, wenn explizit im Artikel darauf eingegangen wird, dass die so enstehende Öffentlichkeit für Frau Klatten “einem demütigenden Alptraum gleichkommt”. Die Persönlichkeitsrechte von Frau Klatten sind von der Staatsanwatschaft in der Sache eigens geschützt worden. Wieso setzen sich nun Journalisten darüber hinweg? Ich sehe nicht, inwiefern die Berichterstattung dazu dient, ein “öffentliches Problem” oder einen “öffentlichen Missstand” zu erhellen – worin ja eine der Kernaufgaben journalistischer Tätigkeit liegt. Worin liegt also die moralische (oder gar rechtliche) Rechtfertigung, den Beitrag zu veröffentlichen? Frau Klatten ist sicher (als offensichtlich medienscheuer Mensch) nicht als eine Person des öffentlichen Interesses zu definieren (anders als Prominente, die auf die Medien selbst zum Aufbau und zum Erhalt ihres Prominenten-Status zurückgreifen müssen). Vielmehr drängt sich abermals das Bild des Medienprangers auf: Es macht Spaß zu sehen, wie ansonsten gut betuchte Menschen scheitern und erniedrigt werden. Das ist recht animalisch und sicher kulturlos, aber psychologisch durchaus nachzuvollziehen. Eine moralische Rechtfertigung ist es freilich nicht.

Offensichtlich werden dann also für die Veröffentlichung einer durchaus spannenden und unterhaltsamen Kriminalgeschichte, die sicher viele Leser (mich übrigens eingeschlossen) interessiert, konkrete psychische Verletzungen eines betroffenden Menschen (Scham- und Schuldgefühle, Reputationsverlust, Ehrverletzung, sozialer Ausschluss von Frau Klatten) in Kauf genommen. Die Auswirkungen auf die Kinder von Frau Klatten sind ebenfalls als Schaden zu verbuchen. Diese Verletzung geschieht durchaus als bewusstes journalistisches Handeln, wie der SPIEGEL-Online-Beitrag ja selbst zugibt. Aus den genannten Gründen ist die Veroeffentlichung meines Erachtens moralisch zu verurteilen; es handelt sich um ein Beispiel verfehlter journalistischer Praxis.

Ich persönlich kann das nur auf zweierlei Art deuten: Erstens sehe ich hier die aus Paparazzi-Gewerbe und BILD-Schlagzeilenmache bekannte billigende Inkaufnahme verletzter Persönlichkeitsrechte zum Zwecke der Aufmerksamkeitssteigerung bzw. eigenen Umsatzsteigerung (höhere Einnahmen); zweitens vermute ich eine unterentwicklte kritische Selbstreflexion der beteiligten Journalisten, die doch nach der notwendigen sorgfältigen Abwägung eigentlich nicht umhin könnten, den Erhalt der Würde der betroffenen Person einer (in diesem Fall ja unsinnigen) Unterrichtung der Öffentlichkeit vorzuziehen.

Was noch einmal zurück auf SPIEGEL-Online fuehrt: Wo kritisiert sich das Angebot denn eigentlich generell einmal selbst? Seine Aufgaben, seine Zwänge, seine erklärbaren Verfehlungen? Es folgt doch einem intuitiven moralischen Verständnis, dass der Kritisierende sich
auch selbst in seine Kritik einbezieht, um auf Dauer glaubwürdig zu bleiben. Bei Spiegel-Online muss man nach diesem Glaubwürdigkeitsbeweis mit der Lupe suchen (andere Organe, wie z. B. die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, betreiben die Selbstbeobachtung und Selbstkritik weitaus geübter und pflichtbewusster).

Tilo Hartmann
Assistant Professor
Department of Communication Science
Center for Advanced Media Research Amsterdam
VU – Free University Amsterdam
De Boelelaan 1081
1081 HV Amsterdam

“Ignoranz statt Dialog als Kommunikations-Strategie”

Montag, 18. August 2008

Offener Brief des Forum SPONtanum zur “Zensur der Meinungsfreiheit im SPIEGEL ONLINE Forum”

Sehr geehrter Herr Büchner,
sehr geehrter Herr Ditz,

Sie haben wissentlich nicht auf unsere Replik zur Stellungnahme der Redaktion SPON vom 18.06.2008 und unser Begehren zur Verbesserung der Moderation im SPIEGEL ONLINE Forum geantwortet (s. unten).

Keine Antwort ist natürlich auch eine Antwort und es wird sich zeigen, wie endlich die Halbwertzeit dieses Vorgehens für SPIEGEL ONLINE nach der Ablösung Dr. Mario Franks durch Ove Saffe sein wird, der den SPIEGEL und seine Kultur aus eigenem Erleben beim SPIEGEL-Verlag von 1996 bis 2000 kennt.

Sie können daher sicher sein, dass wir Hern Saffe zu seinem Einstieg freudig und aufrichtig begrüßen werden. Doch nun messen wir Ihre vermeintliche Einschätzung unseres Begehrens an dem von Ihnen aktuell vorgenommenen Taten zur Verbesserung der Moderation nach der von Ihnen betriebenen Art und Weise:

1. Dazu weisen wir direkt darauf hin, dass in der Stellungnahme der Redaktion SPON vom 18.06.2008 als grundlegendes Argument für Ihre Art der Moderation angeführt wurde, dass bis zu 3.000 Beiträge am Tag einlaufen würden – damit wird ein total falsches Mengengerüst suggeriert!
Tatsächlich hatte Herr Büchner dem betr. FAZ-Autor am 14. 03.2008 per Mail mitgeteilt, dass es sich um 15.000 bis 18.000 Kommentare monatlich handelt – darum geht es also – das macht einen täglichen Schnitt von 600 aus – und nicht um die einzig genannten und damit schöngefärbten „bis zu 3.000 Beiträge am Tag“.

2. Änderung der Netiquette am 20.06.2008:

Die Ergänzung um ‚Benachrichtigungen über nicht freigeschaltete bzw. gelöschte Beiträge können aufgrund der großen Zahl der täglichen Beiträge nicht erfolgen.’ bedeutet nun die eindeutige Festschreibung der willkürlichen und benutzerunfreundlichen Art und Weise der Moderation im bisherigen Stil in den Richtlinien.

Dabei ist zu hinterfragen, ob sich das auf die große Anzahl der nicht freigeschalteten bzw. gelöschten täglichen Beiträge bezieht und ob nun zukünftig bei inhaltlicher Veränderung – sprich Zensur – von Beiträgen oder auch Profil-Einstellungen der Benutzer Benachrichtigungen erfolgen?

3. Herr Büchner als Moderator ab 02.07.2008

Herr Büchner verstärkt als user ‚Wolfgang Büchner SPIEGEL ONLINE’ das Team der Moderatoren, dass nach seinen eigenen Angaben gegenüber der FAZ aus einem Redakteur und mehreren Aushilfen besteht.

Das ist eine äußerst begrüßenswerte Maßnahme, sich mit den Dingen zu beschäftigen, allerdings hat Herr Büchner lt. Profil bisher 0 Beiträge geschrieben, kein Thema erstellt, beantwortet nachweislich persönlichen Nachrichten nicht und hat angegeben, dass er keine E-Mails erhalten möchte. Kurz gefragt: Wie lautet die Botschaft?

Zusätzlich werden Beiträge, die im SPON Forum darüber informieren, dass Wolfgang Büchner SPIEGEL ONLINE keine PN annimmt, obwohl er als Moderator ausgewiesen ist, zensiert und nicht freigeschaltet.

4. In stern.de wurde seitens der Administration eine Diskussion mit den Benutzern über die Moderation im Forum geführt.

Wann wird im Treffpunkt des SPON Forums der am 01.01.2007 geschlossene Thread ‚Quo vadis – Tips und Vorschläge für den Treffpunkt’,
‚Quo vadis – wohin gehst du, SpOn-Forum? Gespräche, Anregungen und Kritiken über den Kurs des Forums auf Spiegel-Online’
wieder geöffnet?

Die Begründung der Schließung lautete: ‚Kleine Pause… …da offenbar derzeit wenig zum Thema kommt.’ – es hat sich seitdem sehr vieles zu diesem Thema aufgestaut.

5. Die Zensur sozialer Themen wie Hartz IV durch immer kürzere Laufzeiten der Themen bis zur Schließung ist nicht nachvollziehbar und unannehmbar. Es ist auffällig, wie mit dem Thema Hartz IV umgegangen wurde und das erfordert, den Vorwurf der Parteilichkeit zugunsten der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und der eigenen wirtschaftlichen Interessen des SPIEGEL zu erheben. Offensichtlich wird im SPON Forum reaktionäre Politik durch Zensur betrieben.

Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass die Kunden des SPIEGEL und Benutzer des SPIEGEL ONLINE Forums keinesfalls ihre Persönlichkeitsrechte an der Garderobe des SPIEGEL ONLINE abgeben.

Deshalb richten wir im Forum SPONtanum für die arg gebeutelten SPON-Benutzer einen neuen Dokumentations-Dienst zur Verhinderung von Zensur ein.

Wir sind nach wie vor zu einem Dialog mit Ihnen über die Art der Moderation im SPIEGEL ONLINE Forum zur Erhöhung der Akzeptanz und Transparenz bereit, wenn der willkürlichen Zensur der Meinungsfreiheit bei der Moderation nachhaltig Einhalt geboten wird.

Mit freundlichen Grüßen

Das Forum SPONtanum.
ActionBoard

Anhang:
Gedanken eines neuen SPONtanum-Foristen zu einer zensurfreien Moderation

“Es ist grundsätzlich inakzeptabel, Äußerungen von Forenteilnehmern zu zensieren.

Eine Moderation hat nur eine Aufgabe: zu moderieren, d.h. in ein Gespr äch/Diskussion lenkend einzugreifen. Ein Moderator “…steuert die einzelnen Redebeiträge, greift wichtige Kernsätze auf, fasst zusammen, bremst Übereifrige, stützt Stille, vermittelt bei Konflikten. Er lenkt den Umgang mit dem Thema und bezieht die Zuhörer mit ein. Er fasst die Erkenntnisse und offenen Punkte am Ende zusammen, bedankt sich bei den Teilnehmern und verabschiedet die Zuhörer…Moderatoren werden auch zur Schlichtung oder zur Rückkehr zu einer sachlichen Diskussion, eingesetzt, wenn Diskussionen zwischen Interessengruppen eskaliert sind.” (http://de.wikipedia.org/wiki/Moderator_(Beruf))

Eine solche Vorstellung von Moderation ist sicher für alle Teilnehmer nachvollziehbar und Moderation sollte von Seiten des SPON in dieser Art verstanden und durchgeführt werden.

In der Regel beteiligen sich erwachsene Menschen an den Diskussionen, die nicht vor fremden Meinungen gesch ützt werden müssen. Grenzen rechtlicher Art (Beleidigung, Volksverhetzung…) sind selbstverständlich einzuhalten und können, wie auch überbordendender Redefluß oder Themaverfehlung, durch die Teilnehmer selbst via Ignoriermöglichkeit und/oder Meldung an den Moderator geahndet werden, welcher sowieso immer moderierend eingreifen bzw. weitere Sanktionen bis hin zur Sperrung des Teilnehmers verhängen kann. Eine Mitteilung an regelverletzende Foren-Teilnehmer in der Art: “Sie werden von 80% der Teilnehmer ignoriert” hätte diesbezüglich sicher disziplinierende oder demoralisierende Wirkung.

Die Art und Weise, wie Meinungsinhalte transportiert werden (Zitate, links…), sollte ebenfalls (wieder im rechtlichen und moralischer Rahmen, etwa bei Verlinkung volksverhetzender, pornographischer oder offensichtlich Werbezwecken dienender Seiten) weitestgehend den Nutzern überlassen bleiben. Ein Forum im Internet ist ein eigenes Medium. Die Vernetzung via Links ist eines der wesentlichen Merkmale. Aber auch die Zitierunktion und Hervorhebungen usw. gehören dazu. Dies alles erleichtert die Kommunikation in der zeitversetzten und verteilten Art, wie sie nunmal im Forum geführt wird. Kurze prägnante Fremdtexte können angesichts der begrenzten Textlänge das Verständnis der wiedergegebenen Meinung verbessern. Auch hier gilt: wenn die Teilnehmer Beiträge inakzeptabel finden, können sie dies entsprechend kommunizieren und ggf. ignorieren.”

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Anlagen:

replik_auf_antwort_begruessung_resumee.pdf

antwort_auf_begruessung_resumee.pdf

anschreiben_begruessung_resumee.pdf

Kontakt zum Forum SPONtanum:
wolfgang.hoffmann[[x]]object-innovation. de

Nur ein Zwischenruf statt Tumult

Mittwoch, 23. Juli 2008

Zur Spiegel-Geschichte “Gysis Heimkind” von Markus Deggerich in der aktuellen Print-Ausgabe (S.47) schreibt die darin porträtierte LINKE-Abgeordnete Ulla Jelpke:

Der Spiegel widmet sich in seiner aktuellen Ausgabe 30/08 vom 21. Juli 2008 sowohl tatsächlichen als auch erfundenen politischen Tätigkeiten von mir. Dazu merke ich Folgendes an:

Wenn der Spiegel meint, mir linksradikale Umtriebe vorwerfen zu müssen und auf diese Weise einen Keil zwischen meine Fraktionskolleginnen und –kollegen und mich zu treiben – geschenkt. Erschreckend ist vielmehr, dass Deutschlands führendes Nachrichtenmagazin nicht in der Lage ist, seinen Vorwürfen etwas Substanz beizufügen, und seinen Leserinnen und Lesern stattdessen eine wilde Mischung aus Unwahrheiten, Halbwahrheiten und Unterstellungen zumutet.
So müsste ein Spiegel-Redakteur doch eigentlich in der Lage sein, das Protokoll einer Bundestagssitzung zu lesen.

Markus Deggerich schreibt, es sei richtig laut im Bundestag geworden, als ich vor der Umwandlung des Bundeskriminalamtes in eine „geheim ermittelnde Staatspolizei“ warnte. Ich hätte meine letzen Worte gegen die Entrüstung im Plenarsaal schreien müssen. Ich lerne daraus: Der Spiegel bringt seinen Schreibern nicht bei, wie man Protokolle von Bundestagssitzungen liest.
Denn tatsächlich vermerkt das Protokoll dieser 170. Sitzung vom 20.Juni 2008 Beifall der LINKEN und einen (1!) Zwischenruf eines SPD-Abgeordneten. Unter Tumult und Empörung stelle ich mir was anderes vor. Zum von Deggerich halluzinierten Skandal kam es erst in verschiedenen Medien, nachdem eine Nachrichtenagentur behauptet hatte, ich hätte das BKA mit der Gestapo verglichen. Das war eine Falschmeldung, der der Spiegel noch eine eigene Erfindung hinterher schob. In diesem Stil geht es weiter in Deggerichs Enthüllungsstory. Dass ich nie im Leben an einem DKP-Parteitag teilgenommen habe – egal, behauptet ist es ja schnell.

Dass ich angeblich nicht fest verankert auf dem Boden der freiheitlichdemokratischen Grundordnung stünde und deswegen vom Verfassungsschutz beobachtet würde – auch das ist ein Vorwurf, dem man mit wenig Rechercheaufwand nachgehen könnte. Tipp: Ich habe vor einem Jahr meine Verfassungsschutzakte ins Internet gestellt. – da dürfen sich gerne auch Spiegel-Journalisten davon überzeugen, welche Erkenntnisse die Dienste über mich haben.

Zu den gemeingefährlichen Bestrebungen, die mir da vorgeworfen werden, gehört etwa die Tatsache, dass ich mich gegen Angriffskriege der Bundeswehr ausgesprochen habe und die Bundesregierung auffordere, die Verfassung einzuhalten – was man als „Linksextremistin“ halt so macht, wenn man grad keine Bomben legt.
Dass ich es insgeheim mit Bombenlegern halte, hat der Spiegel messerscharf aus meinem Engagement gegen das PKK-Verbot geschlussfolgert. Dass man dieses Verbot als Hindernis für eine friedliche Lösung des Türkei-Kurdistan-Konfliktes ansehen kann, ohne gleich „PKK-Sympathisantin“ zu sein – das ist für den Spiegel wohl schon nicht mehr nachvollziehbar.

Überhaupt ist, wer mit Kurden spricht, dem Magazin offenbar suspekt. Bei meiner kurzfristig angesetzten Türkei-Reise zum Parteitag der im türkischen Parlament vertretenen „Partei für eine demokratische Gesellschaft“ DTP am vergangenen Wochenende in Ankara kann es deswegen unmöglich mit rechten Dingen zugegangen sein. Ahnungslos fabuliert der Spiegel, ich sei „unabgesprochen“, ja als „linke Diplomatin in eigener Mission“ nach Ankara geflogen, um „den Druck in der Geiselfrage zu erhöhen“.

Dass ich tatsächlich von Menschenrechtsaktivisten angefragt worden war, mich einer Delegation anzuschließen, um die verschleppten deutschen Bergsteiger sicher nach Deutschland zurückzubringen, das war schon wieder zu schwierig, als dass der Spiegel es hätte herausfinden können. Dass meine Reise selbstverständlich mit dem Fraktionsvorstand abgesprochen war, dass sogar das Auswärtige Amt informiert war – das ist für den Spiegel nur ein lästiges Detail, ein Faktum, das man lieber durch eine erfundene Behauptung ersetzt. So fragt man sich, was den Journalisten eigentlich ärgert. Hätte ich meine Türkeireise vielleicht noch vom Spiegel absegnen lassen müssen?
Nun beschränkt sich der Spiegel-Journalist nicht drauf, falsche Behauptungen zu
verbreiten, nein: Er liefert auch falsche Erklärungen dafür. Eine böse Kindheit muss
die Jelpke, das „Heimkind“, wohl gehabt haben. Nun interessiert sich der, nach eigenen Internet-Angaben „im schönen münsterländischen Dorf Elte“ aufgewachsene Deggerich überhaupt nicht dafür, welche Zustände in den Kinderheimen der 1960er Jahre geherrscht haben.

Das muss er auch nicht. Aber wie abgehoben vom Elend in der Welt, wie gleichgültig gegenüber den Verbrechen der selbsternannten Zivilisation und wie selbstzufrieden muss man eigentlich sein, wenn man sich gar nicht mehr vorstellen kann, dass es gute Gründe dafür gibt, den Kapitalismus überwinden zu wollen? Die Methode, derer sich Deggerich bedient, hat einen Namen: Es ist die Psychiatrisierung politisch Andersdenkender.
Wenn es den imaginierten tiefen Graben zwischen den Auffassungen der Fraktion und meinen persönlichen Auffassungen gäbe, wäre unverständlich, warum ich weiterhin innenpolitische Sprecherin der Fraktion bin und diese auch im Innenausschuss des Bundestages vertrete.

Ich meine: Sommerloch hin oder her – einen Mindestanspruch an Qualität haben die Leserinnen und Leser des Spiegel auch im Sommer verdient.

Ulla Jelpke, MdB

“Verbesserung der Moderation im SPIEGEL ONLINE Forum”

Dienstag, 08. Juli 2008

Spiegel-Online-Foristen sind verärgert über eine ihrer Ansicht nach intransparente und teilweise willkürliche Moderationspraxis. Auf einen offenen Leserbrief vom 18. Juni hatte Werner Theurich, verantwortlich für die SpOn-Foren, geantwortet und dabei die „manchmal etwas strenge“ Moderation verteidigt: „Wir bemühen uns, so viel Freiheiten wie möglich zu lassen, aber auch so streng wie nötig zu sein – nie kann man es allen recht machen.“

In den Forums-Richtlinien (Netiquette) heißt es seit 20. Juni: „Die Redaktion behält sich vor, Beiträge, die werblichen, strafbaren, beleidigenden oder anderweitig inakzeptablen Inhalts sind, zu löschen bzw. sie nicht freizuschalten. [...] Benachrichtigungen über nicht freigeschaltete bzw. gelöschte Beiträge können aufgrund der großen Zahl der täglichen Beiträge nicht erfolgen.“

Eine Diskussion über die Moderationspraxis ist bei Spiegel-Online nach Kritikerangaben nicht erwünscht, 79 Aktive haben sich daher in einem eigenen „Forum SPONtanum“ zusammengetan. Wir dokumentieren einen weiteren offenen Leserbrief dieser Gruppe an die Spiegel-Online-Chefredaktion, eingereicht von Wolfgang Hoffmann.

Sehr geehrter Herr Büchner,
sehr geehrter Herr Ditz,

vielen Dank für die Beantwortung unseres Anschreibens vom 18.06.2008 zu Ihrer Begrüßung als neue Chef-Redakteure durch Herrn Theurich, der für die Redaktion Spiegel Online erfreulicherweise noch am gleichen Tag Stellung genommen hat.

Leider enthält die Antwort der Redaktion SPON Online nur eine nette Umschreibung der derzeitigen Form der Moderation, die inhaltlich keines Falls den Kern der Ursache dieses Problems betrifft.

1. Doch vorab müssen wir bemerken, dass wir über eine Zahlenangabe etwas irritiert sind, die uns als ein Fehler in der Darstellung erscheint.

Es wird als grundlegendes Argument für diese Art der Moderation angeführt, dass bis zu 3.000 Beiträge am Tag einlaufen würden und das suggeriert unseres Erachtens auf den Monat bezogen ein etwas zu massiges Mengengerüst, denn:

Noch im März 2008 hat die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung in dem von uns zitierten Artikel vom 17.03.2008 mit der Quelle: Angaben der Verlage, zu Spiegel Online ausgeführt:

„Spiegel Online: 15.000 bis 18.000 Kommentare monatlich – gebündelt in Foren, nicht unter den einzelnen Artikeln. Ein Redakteur und mehrere Aushilfen prüfen sie „in der Regel“ vor der Veröffentlichung.“

Die darin angegebene Personal-Ausstattung zur Moderation spricht für sich. Jedoch wirft die Anzahl der postings nach Angaben des Verlages ein völlig anderes als das geschilderte Bild ab – entweder ist die Zahl in der FAZ falsch oder die Angabe in Ihrer Antwort?

2. Auch das wirklich charmante Werben um Verständnis für eine Moderation im Spiegel Online Forum, die tatsächlich – ganz bewusst und nicht versehentlich – Benutzer-unfreundlich betrieben und mit einer willkürlichen Zensur die Meinungsfreiheit traktiert, ist keine inhaltliche Antwort auf unser Anschreiben zur Moderation im SPON-Forum vom 04.02.2008 erfolgt.

3. Wir möchten Sie bitten, dass seitens der Redaktion Spiegel Online inhaltlich Stellung genommen wird zu den von uns aufgeführten und analysierten Themen

· Zusammenfassung der Diskussion

· Was kann man kurzfristig im Café ändern?

· Was kann man langfristig ändern?

· Motivation

4. Das von Spiegel Online verwendete vBulletin-System Version 3.6.4 (Deutsch) stellt sehr wohl Funktionalitäten zur Begründung von Maßnahmen der Moderation bei Änderung oder Löschung von postings bereit, aber diese Optionen werden bewusst nicht als Standard der Moderation eingesetzt.

Wir sind zu einem Dialog mit Ihnen über die Art der Moderation im Spiegel Online Forum zur Erhöhung der Akzeptanz und Transparenz bereit, wenn der willkürlichen Zensur der Meinungsfreiheit bei der Moderation nachhaltig Einhalt geboten wird.

Mit freundliche Grüßen

Das Forum SPONtanum.
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