Das Gequake um Thilo Sarrazin nimmt ja gar kein Ende mehr. Dabei hat es in den Medien schlicht nichts zu suchen. Zu den großen Promotern von Sarrazin (im Prinzip ohne irgendwas drumrum – wer könnte schon eine klare These von ihm formulieren?) gehört der Spiegel, der letzte Woche Auszüge aus Sarrazins Buch “Deutschland schafft sich ab – Wie wir unser Land aufs Spiel setzen” brachte.
In der taz rechtfertigte sich Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron unter anderem mit den Worten:
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Deutschland von Afrikanern überrannt
Dienstag, 31. August 2010Süddeutsche bläst Fliegenschiss groß auf
Mittwoch, 11. August 2010Gestolpert sind wir über den “TV-Pfarrer”. Oh Gott. Der Begriff wird ja nur für den einen verwendet, und es ist jedesmal ärgerlich. Denn Jürgen Fliege ist kein “Fernsehpfarrer”, sondern Unternehmer, Publizist, Moderator – was auch immer (sonst wäre Stefan Raab wohl Fernsehmetzger und Merkel Pysikpolitikerin). Aber es klingt halt so lustig und ist auch so gemeint, ohne dass jemals irgendein Nährwert damit verbunden wäre.
Und diesmal geht es um etwas, das wirklich niemanden interessieren muss: Fliege hat Ärger mit einem gekauften Grundstück. Soll vorkommen. Tausendfach täglich. Sueddeutsche.de tritt den einen Fall breit:
Den Verkäufer hat er verklagt und den Kaufvertrag wegen arglistiger Täuschung angefochten: Das Areal ist nämlich um eine Winzigkeit zu klein, um bebaut werden zu dürfen.
Die Geschichte ist, wenn auch ein wenig süffisant aufgemacht und dabei natürlich abzielend auf Häme, Bedauern, Empörung – ganz nach Gusto -, nichts für eine journalistische Berichterstattung. Sie ist dämlicher Klatsch.
Wir treten hier bei Spiegelkritik ja immer wieder für die Pressefreiheit ein, die auch gerade nicht von Privatzensur angetastet werden darf. Und für juristische Gegenwehr darf der Artikel auch keine Grundlage bieten. Nur: je mehr solcher Blödsinnstexte erscheinen, um so schwerer wird es zu behaupten, die Medien könnten schon alleine entscheiden, was relevant ist und was nicht. Dabei ist genau das ihr presserechtliches Kapital.
Sueddeutsche.de hat es mal wieder in die Gülle gekickt. Ginge es um Probleme beim Grundstückskauf allgemein und dann um ein prominentes Beispiel, damit sich die vielen anderen nicht so alleine fühlen – okay. Aber so? Ein Fernsehgesicht kauft ein Grundstück und ist damit unzufrieden. Sorry, Süddeutsche, aber das ist für die Füße.
ARD-Intelligenzquotient 29
Freitag, 25. Juni 2010Turi2 verweist gestern Nachmittag auf einen DWDL-Bericht mit den Worten:
ARD mit neuer Traumquote: 29,19 Mio Zuschauer verfolgten gestern den Sieg der Nationalmannschaft gegen Ghana – das ist die beste Quote, die jemals bei einem Vorrundenspiel gemessen wurde.
Traumquote, beste Quote? Wenn der Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks darin besteht, möglichst viele Menschen zum Fußballspielgucken zu bringen, sollte die ARD auf den anderen Schmonses verzichten, wenigstens aber nicht parallel noch verbundintern für Ablenkung sorgen (An der Werra goldenen Ufern, Bloch: Tod eines Freundes usw.).
Süße Gurke des Monats
Donnerstag, 27. Mai 2010Es ist ja nett, dass Christoph Süß selbst fragt, was er denn auf dem Bayern-Kanal mache, quasi dem Youtube-Staatsfernsehen. Aber eine Antwort gibt der Moderator von “quer” leider nicht.
Es ist auch nett, dass sich Horst Seehofer als Ministerpräsident in dem Clip ein wenig selbst auf die Schippe nimmt. Doch das Maß an Verkumpelung zwischen Journalismus und Politik ist in diesem Falle schon – eklig.
PS: In einigen Sequenzen schaut der Horst, der Horst hoast, wie Otti in die Welt.
Unabhängige Gegenfragen
Samstag, 13. März 2010“Darf ein Medienschaffender, ein moralisch hoch anspruchsvoller zudem, für Unternehmen arbeiten, über die er hauptberuflich berichtet, zum Beispiel Stefan Niggemeier, der sich mit BILDBLOG und FAS-Kolumne für mediale Reinheit einsetzt?
Niggemeier verfasste als Co-Autor das Drehbuch zum ECHO 2010 [...] Kann ein Wertewart wie Niggemeier gleichzeitig fürs Buch kassieren, um die Woche drauf wieder ganz und gar unabhängig über die ARD zu berichten? Klare Sache: BILDBLOG hätte gnadenlos draufgedroschen.” (Hajo Schumacher heute in V.i.S.d.P. Nr. 153.)
Kann ein Medienjournalist, der sich für seinen Medienjournalismus bezahlen lässt, anderntags wieder unabhängig tun und über Medien und Journalismus berichten, von denen er sich zuvor aushalten ließ? Kann sich ein hübscher Journalist für seine Fernsehpräsenz bezahlen lassen, um die Woche drauf wieer ganz und gar unabhängig über das Fernsehen herzuziehen?
Darf sich ein Medienschaffender von einem der wichtigsten Journalismus-Konzern der Republik – dem Spiegel – bezahlen lassen, über den er eigentlich berichten müsste?
Ein Bild – idiotischer als tausend Worte
Montag, 25. Januar 2010
evangelisch.de - Verkündigungsstark?
Journalisten sind merkwürdige Menschen, wir uns hier als Leser und Schreiber Betätigende wissen es. Was aber zumindest wir Schreiber gerne noch wüssten: Was sind das für Menschen, die einen Text über Journalisten und Journalisten-Schüler mit einem “ziemlichen Einheitsbrei”-Foto einer Internet-Billig-Agentur zumanschen, das mit Sicherheit kein Spiegel des Journalismus ist?
Gottes Schöpfung, App-kompatibel*)
Montag, 11. Januar 2010“Piratenpartei zieht sich aus: Am Flughafen Tegel demonstrierten ein Dutzend Parteimitglieder gegen Nacktscanner – wie Gott sie schuf.” (Turi2, verlinkend auf einen Artikel in der BZ mit Fotostrecke)
Nackte Männer wären ja mal eine schöne Bereicherung in der B.Z., – doch leider Fehlanzeige. Da wir nicht davon ausgehen, dass Turi Menschen wie uns linkschindend**) in die ästhetische Wüste schicken wollte, sei ihm – in völliger Übereinstimmung mit der Evolutionsforschung – erklärt: der Mensch kam nicht in Unterhose und BH auf die Welt.
**) Update 12. Januar: Allerdings war es prompt der meistgeklickte Link, wie der Turi-Dienst heute verkündet.
Im schlimmsten Fall wird Recht gesprochen
Dienstag, 05. Januar 2010
Wenn jemand schon vom “schlimmsten Fall” schreibt, der rechtsstaatlich “droht”, ist Vorsicht geboten. Und in dieser Geschichte hier ist es wie so oft einfach nur dusselig: Für Sex in einer katholischen Kirche sollen zwei Leute drei Jahre ins Gefängnis kommen können? Das sollte gerade einen Panorama-Redakteur, der Skurrilitäten aus aller Welt sammelt und verbreitet, stutzig machen - denkt man bei einem solchen Tat-Straf-Verhältnis eher an die großen und kleinen “Unrechtsregime” als an eine Demokratie, die ausschließlich “im Namen des Volkes” verurteilt.
Ein Blick ins Strafgesetzbuch alleine reicht eben nicht. Bei Störung der Religionsausübung (§ 167 StGB) steht ein Sanktionsrahmen von Geldstrafe bis zu drei Jahren Freiheitsentzug zur Verfügung. Eine einmalige, denkbar kleine und vermutlich nur fahrlässig verursachte Störung der Religionsausübung wird niemals die volle Ausschöpfung des Strafrahmens begründen können. Für eine nicht zur Bewährung ausgesetzte Freiheitsstrafe muss schon weit mehr an Strögung vorliegen – bei der Tat und wohl auch beim Täter.
Erwartungen an einen Journalismus, der Apps für very hip hält
Montag, 04. Januar 2010“Außer NRW-Medienminister Andreas Krautscheid gibt es kaum einen Politiker, mit dem man halbwegs kundig über Apps plaudern könnte”, beklagt Hajo Schumacher in seinem Artikel “Wie das iPhone das Mediengeschäft revolutioniert”. Schumacher vermisst eine anspruchsvolle Mediendebatte – in Politik und Justiz. “Aber von einer politischen Klasse, die das Versenden von SMS für hip hält, ist wohl kaum mehr zu erwarten.”
Das dahinter stehende Politik- und Journalismusverständnis kann ich nicht teilen. Denn für die Diskussion über die Notwendigkeit oder notwendige Veränderung von öffentlich-rechtlichem Rundfunk, Medienpluralität und Medienökonomie müsste doch der Journalismus selbst sorgen. Es ist seine Aufgabe, Fragen zu stellen und Antworten zu suchen. Sich dabei immer und ewig an Politiker zu wenden, ja von ihnen die Impulse zu erwarten (vermutlich in Form von Gesetzentwürfen, Pressekonferenzen und Hintergrundgesprächen), ist mindestens einfallslos.
In einer Demokratie sollte die Gesellschaft entscheiden, wo es hingehen soll. Die Politik ist dann ggf. für die Umsetzung zuständig. Wenn einzelne Politiker (oder Journalisten) iPhone-Programme für eine (notwendige oder unaufhaltsame) Revolution halten, ist das ein Beitrag zur gesellschaftlichen Meinungsbildung. Das weit mehr und anderes diskutiert wird, sollte der Journalismus mitbekommen, beleuchten und zur Diskussion stellen. Politiker sollten dabei angemessen, d.h. entsprechend ihrem intellektuellen Output, berücksichtigt werden. In der öffentlichen Diskussion kommt nicht die “politische Klasse” zu kurz, sondern “Helga W.”, die “zivilgesellschaftliche Stimme” (Christiane Schulzki-Haddouti).
Maulendes Land
Dienstag, 22. Dezember 2009Es ist, wie uns heute Studenten schrieben, nicht gerde die treffendste Überschrift: “Balkanstaaten feiern, Türkei mault” - wenn es um die Kritik des türkischen Außenministers Ahmet Davutoglu an der neuen EU-Visumsfreiheit für Serbien, Mazedonien und Montenegro geht, während Türken weiterhin ein Visum beantragen und allerhand Nachweise erbringen müsssen, wollen sie z.B. nach Deutschland reisen.
Denn ganz unabhängig davon, dass die neue Regelung nicht alle Balkanstaaten betrifft – Bosnien-Herzegowina etwa bleibt von der Freizügigkeit ausgeschlossen -: Deutsche kommen schon lange schlicht mit ihrem Personalausweis in die Türkei, während ein Gegenbesuch eben von bürokratischen Genehmigungen abhängt. Kritik daran als “maulen” zu bezeichnen wirkt überheblich – oder ist das schlicht hanseatisch?