Archiv für die Kategorie ‘Außenspiegel’

Preisgekönte und -werte Texte

Montag, 21. September 2009

Auf einen interessanten Fall von Paralleljournalismus hat V.i.S.d.P., Hajo Schumachers pdf-Umstandsmagazin, hingewiesen. Demnach erschien im stern ein Portrait Klaus Wowereits, das einem preisgekrönten Text aus dem Hause Benjamin von Stuckrad-Barre in Teilen irritierd ähnelt.

So hieß es in Stuckrad-Barres Text in “Tempo” am 8. Dezember 2006:

“Das ist, auch wenn sie nicht schwul sind und die SPD für einen Deppenverbund halten, ihr Mann.”

Und im stern:

“Das hier ist, auch wenn sie selbst nicht schwul sind und die SPD für einen Idiotenverein halten, irgendwie ihr Mann.”

Für den stern teilte uns Isabella Haesler bereits am Montag letzter Woche mit mit:

“Der Fall ist uns beim STERN längerem bekannt und intern ausführlich erörtert worden. Nur drei Anmerkungen dazu:

1.) Der betroffene stern-Kollege hat natürlich das gesamte Archivmaterial über Wowereit gelesen, bevor er sein Stück geschrieben hat, auch das sehr gute Porträt aus der Feder von Stuckrad-Barre.

2.) Der stern-Kollege hat es nicht nötig, irgendwo abzuschreiben, weil er Wowereit selbst über Monate immer wieder mal begleitet und beobachtet hat. Dabei hat er nach seiner Darstellung ähnliche Szenen gesehen und Aussagen gehört, wie sie auch Stuckrad-Barre beschrieben hat.

3.) Weil der Eindruck aber nicht von der Hand zu weisen ist, dass sich der stern-Kollege bei manchen Sätzen von Stuckrad-Barres Formulierungen hat inspirieren lassen, haben wir uns bei Stuckrad-Barre entschuldigt.”

Von Stuckrad-Barres Pressereferentin war bis heute keine Stellungnahme zu bekommen.

Günter Grass findet Medien formatlos zynisch

Freitag, 18. September 2009

Bremen (ots) – Literaturnobelpreisträger Günter Grass hat die Medien in Deutschland scharf kritisiert. “Mich ärgert dieser Zynismus im Journalismus, der immer schlimmer wird”, sagte Grass dem Bremer “Weser-Kurier” (Sonnabend-Ausgabe): “Es ist ein 08/15-Zynismus, ohne jegliches Format. Das geht schon mittlerweile bis zu unseren Tagesschau-Sprecherinnen, wenn sie mokant die Mundwinkel verziehen über etwas oder dämchenhaft die Nase rümpfen.” Das sei ein Philistertum neuester Spielart, “mit einer zynischen Mundharmonika gespielt”. Grass weiter: “Ich finde es grauenhaft. Wir haben nicht den Journalismus, den wir verdienen.” Der Schriftsteller warf auch den Literaturkritikern vor, keine gute Arbeit zu machen: “Es wiederholt sich so und was ich so bedauerlich finde ist, dass irgendjemand den Ton angibt – früher war es der Großmeister im Fernsehen, jetzt sind es andere – und dann kommt ein Wolfsrudelgeheul der Claquere.” Im Ausland sei die Kritik unabhängig und sachlicher, dort sei man sich auch “nicht zu fein, einfach mal eine Inhaltsangabe abzugeben und nicht gleich mit dem Ich-Gefühl des Autoren zu beginnen.”

Internet-Journalismus: Wir lesen nicht, wir schreiben

Freitag, 18. September 2009

Liest denn bei Süddeutscher.de überhaupt niemand mehr das Bildblog? Das hat doch schon vor zwei Tagen darauf hingewiesen, dass dem Artikel über die erfolgreiche Fahndung nach einem Kinderficker inzwischen ein wenig die Substanz fehlt. Könnte man ja dann vermerken, korrigieren, ….

Tödliche Verdrehung

Montag, 14. September 2009

Nun haben wir also nicht nur eine neue Debatte über Sicherheit durch noch mehr Überwachung (obwohl die in diesem Fall wohl auch nichts gebracht hätte) und eine neue Debatte über Jugendgewalt (der es an Fakten fehlt und die wesentlich von Medienverzerrungen bestimmt wird, und die sich auch dieses Mal wenig um Ursachen kümmern wird), nun haben wir auch noch eine Debatte über die Gefährlichkeit von “Zivilcourage”, vorbildlich in solch eine Überschrift gefasst:

toedliche-zivilcourage

Zwar mag das couragierte Verhalten eines 50-jährigen Fahrgastes in der Münchner S-Bahn, der nach derzeitiger offizieller Darstellung jüngere Jugendliche vor älteren Jugendlichen schützen wollte, seiner Tötung durch die älteren vorangegangen sein – bisher wissen wir als Medienpublikum sehr wenig über das Geschehen -, doch damit wird noch lange nicht die “Zivilcourage” zur Lebensbedrohung. Die Lebensgefahr bleibt die Gewalt (und wer auf diese schaut, wird noch viel Opfer finden, auch in der Tageszeitung von heute).

Die meisten ÖPNV-Nutzer dürften mehr Herzklopfen gehört haben in Situationen des Wegschauens (“Sieh mich an, Alter, wenn ich mit dir sprech!”). Oder müssen wir auch diskutieren über “tödliche Krawatten”, “tödliche rote Pullis” und “tödliches Davonlaufen”, wenn Schläger  jemanden mit Krawatte oder rotem Pulli oder jemanden, der einfach nur weg will, auf dem Radar haben?

“Tödliche Zivilcourage” klingt gut, und man kann damit sehr einfach viele “Nachrichten” produzieren: Psychologen oder Theologen oder Sozialarbeiter befragen, Polizeiselbstversteher zu Wort kommen lassen (konkret meine ich Herrn Freiberg) und natürlich die Politik schwadronieren lassen. Mit Aufklärung hat das allerdings nichts zu tun.

“Die Partei” hatte nur zehntausend Wähler

Sonntag, 13. September 2009

Die Parteisatire “Die Partei” kam bei der letzten Bundestagswahl 2005 nicht, wie die Schwäbische Zeitung Online (szon) schreibt, “auf bemerkenswerte 0,4 Prozent”, sondern auf verständlichere 0,0216 Prozent der Wählerstimmen. (Der szon-Wert ist also etwa 20-mal zu groß.)

Was will das “Internet-Manifest”?

Montag, 07. September 2009

Es wird so viel behauptet den lieben langen Tag – allein die Lehrerbehauptungen vom Vormittag bekommen wir beim Mittagessen gar nicht alle durchgekaut – dass es auf 17 weitere Behauptungen auch nicht ankommt. Und doch werden diese 17 Behauptungen Thema in einer bestimmten Kulturnische sein, es wird sich ein kleines Heer von”Jawohl!”-Rufern einfinden, es werden einige meckernd am Rand stehen, und am Ort des Geschehens wird man den Eindruck haben dürfen, dass gerade gesellschaftspolitisch Relevantes geschieht, was nicht zuletzt der mediale Niederschlag belegen wird.

Denn die 17 Behauptungen stammen von Angehörigen einer Internetdebatten-Elite. Sie können sicher sein, die Fachdebatte weiter mitzubestimmen, trotzdem sich “jeder Bürger seine individuellen Nachrichtenfilter” einrichtet.

Das ist auch das Grundproblem bei den als “Internet-Manifest” titulierten Behauptungen: es ist kein Manifest von Hungernden und Dürstenden, von Menschen, die für sich Veränderung wollen, wie das bei allen wirkmächtigen Manifesten der Fall war, sondern es sind die Klugheiten von Satten, von Wissenden. Wem soll damit warum etwas gesagt werden?

“Wie Journalismus heute funktioniert” will das Internet-Manifests umreißen. Es ist ein legitimes Unterfangen, dazu nicht den ungezählten Dissertationen der letzten Jahre eine weitere hinzuzufügen, sondern einfach 17 Behauptungen in die Welt zu setzen. Nur:  Mit welcher Intention?

Einige Forderungen aus den Internetdebatten der letzten Monate sind wiederzuerkennen: man ist gegen Seitensperrungen, gegen ein Leistungsschutzrecht der Verlage. Die alte, schon immer langweilende Debatte um die journalistischen Leistungen von Bloggern scheint durch. Und den Menschen von Papiermedien muss man noch ganz viel Nachhilfe erteilen.

Alle 17 Behauptungen sind ohne Zweifel diskussionswürdig. Aber wer soll sie mit wem warum diskutieren? Medienunternehmer, Journalisten, Blogger, Community-User etc. stellen ihre Ansprüche ans Web, haben Erwartungen, Absichten. Einem gemeinsamen Manifest müsste der Dialog vorausgehen, nicht folgen. Dazu drei Beispiele.

Die Autoren – Markus Beckedahl, Mercedes Bunz, Julius Endert, Johnny Haeusler, Thomas Knüwer, Sascha Lobo, Robin Meyer-Lucht, Wolfgang Michal, Stefan Niggemeier, Kathrin Passig, Janko Röttgers, Peter Schink, Mario Sixtus, Peter Stawowy, Fiete Stegers – schreiben:

5. Das Internet ist der Sieg der Information.
Bisher ordneten, erzwungen durch die unzulängliche Technologie, Institutionen wie Medienhäuser, Forschungsstellen oder öffentliche Einrichtungen die Informationen der Welt. Nun richtet sich jeder Bürger seine individuellen Nachrichtenfilter ein, während Suchmaschinen Informationsmengen in nie gekanntem Umfang erschließen. Der einzelne Mensch kann sich so gut informieren wie nie zuvor.

Das ist sicherlich alles richtig – sagt aber zum Journalismus noch nicht viel. Journalismus beschäftigt sich per definitionem mit den Dingen, die noch nicht im Netz sind oder noch nicht so verknüpft sind, wie sie der Journalismus dann verknüpft. Dazu und wie das alles weitergehen soll (auch außerhalb des Webs), gibt es sehr viel zu sagen – im Manifest steht dazu nichts.

10. Die neue Pressefreiheit heißt Meinungsfreiheit.
Artikel 5 des Grundgesetzes konstituiert kein Schutzrecht für Berufsstände oder technisch tradierte Geschäftsmodelle. Das Internet hebt die technologischen Grenzen zwischen Amateur und Profi auf. Deshalb muss das Privileg der Pressefreiheit für jeden gelten, der zur Erfüllung der journalistischen Aufgaben beitragen kann. Qualitativ zu unterscheiden ist nicht zwischen bezahltem und unbezahltem, sondern zwischen gutem und schlechtem Journalismus.

Bisher ist die Presse- und Rundfunkfreiheit sehr wohl ein Berufsprivileg. Der Auskunftsanspruch der Presse ist etwas anderes als eine Auskunft nach dem  Informationsfreiheitsgesetz (wo es dies überhaupt gibt). Dass es neben bezahlten Journalisten auch unbezahlte gibt, ist keine Innovation des Internets, und es gab schon immer Bereiche, wo überhaupt nur “Amateure” agieren konnten, etwa bei Schülerzeitungen.
Es besteht ganz erheblicher medienrechtlicher Entwicklungsbedarf – aber die Abschaffung der bisherigen Pressefreiheit (die etwas ganz anderes als die Meinungsäußerungsfreiheit ist!) gehört sicherlich nicht dazu. Und sollte mit dem letzten Satz so etwa wie ein Journalismus-TÜV intendiert sein, bei dem sich jeder seine Plakette für geprüften Gutjournalismus abholen kann, fehlt mir ein Link zur entsprechenden Debatte, um es nicht einfach für ganz großen Blödsinn zu halten, zumal die Autoren ausgerechnet zur Qualität gar nichts zu sagen haben:

16. Qualität bleibt die wichtigste Qualität.
Das Internet entlarvt gleichförmige Massenware. Ein Publikum gewinnt auf Dauer nur, wer herausragend, glaubwürdig und besonders ist. Die Ansprüche der Nutzer sind gestiegen. Der Journalismus muss sie erfüllen und seinen oft formulierten Grundsätzen treu bleiben.

Wer die Fachliteratur zur journalistischen Qualität der letzten 20 Jahre kennt, weiß, dass es kaum Einigkeit gibt. Das Manifest macht nun im bekannten Zirkelschluss den Erfolg selbst zum Qualitätskriterium.  Für den Journalismus ist die Frage, was seine Qualität ausmacht und wie man sie misst, von größter Bedeutung. Diese Behauptung Nr. 16 trägt dazu leider gar nichts bei.

Update 09.09.09 / 11.09.09:
* Es gibt neben einer braven englischen Übersetzung auch eine englische Kurzfassung (Beispiel zu Nr. 11: “Quantity is an excellent thing. Make lots of things and put them on the internet.”)
* Klassische Redaktionsarbeit wäre jetzt bei der Gestaltung der Diskussion gefragt. Denn diese verläuft an verschiedenen Orten je recht selbständig. Die offizielle Manifest-Seite zählt im Moment 245 Kommentare, bei Stefan Niggemeier stehen 377,  bei Sascha Lobo 41 usw.
* Lesenswerte Rezension: Julia Seeliger (taz.de)
* Überblick beim Altpapier
* Die FR-Online über Blog-Eliten

Update 11.09.09
Stefan Niggemeier erklärt ausführlich seine Intention für das Manifest.

Parteien und Journalisten haben gewählt

Montag, 31. August 2009

Warum blicken Journalisten immerzu aus der Sicht der Mächtigen, der großen Akteure unserer Gesellschaft – und so selten aus der Sicht der Bürger, des Souveräns, ihrer Journalismus-Kunden auf das politische Geschehen? Viele Verdrossenheiten, die sich derzeit als Journalismus-Verdruss bündeln lassen, dürften sich in Wohlgefallen auflösen, wenn es in der Berichterstattung, dem Talk-Gequatsche, den Analysen und Kommentaren um die große Mehrheit der Leser, Hörer und Zuschauer ginge. Und das sind keine Berufspolitiker, keine Vorstandsvorsitzenden von Banken oder Autokonzernen.

Nie wird das Manko so deutlich wie bei der Wahlberichterstattung. Von der Idee her soll am Wahltag der Souverän die Grundrichtung festlegen, in die es in den nächsten Jahren gehen soll.

Dabei beschränkt sich die Selbstbestimmung des Volkes zwar auf das, was Parteien und ggf. Direktkandidaten anbieten und – ohne jeden Bindungszwang – olitisch umzusetzen versprechen, aber immerhin: aus dem vorgelegten Angebot, vom politischen System selbst auf seine Zulässigkeit geprüft, sollen die stimmberechtigten Bürger frei wählen dürfen. Sie können dabei nichts falsch oder richtig machen, denn was für richtig und was für falsch zu halten ist, entscheiden sie ja gerade bei der Wahl selbst.

Doch was machen die Damen und Herren Journalisten? Sie verkumpeln sich mit den Politikanbietern, mit den Dienstleistern der Wähler, verbringen den Tag mit ihnen in deren Geschäftszentralen und kolportieren über Stunden, wie sich das vom Steuerzahler finanzierte Politikpersonal gerade fühlt und wie es – ab 18 Uhr – gedenkt, den Wählerwillen jetzt Wählerwillen sein zu lassen und zum Parteiengeschäft überzugehen.

Die Wähler haben nicht einfach gewählt, nein, es sind immer die Parteien, die gehandelt haben – und zwar die Mitte-Parteien immer gut, wenn sie viele Stimmen bekommen haben.

” Während sich die SPD auf ihre alten Stärken besonnen hat, hat die CDU die Macht in den Ruhrgebietsstädten verspielt.” (Der Westen)

Der Wähler hat nicht entschieden, sondern SPD und CDU haben entschieden. Die Sozis haben sich richtig, die Union irgendwie falsch benommen. Der WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz weiter:

“Duisburg zeigt, wie es auch gehen kann [...] Duisburg ist für die Revier-CDU der einzige Trost. Trostlos ihre Perspektive in Bochum, einer Stadt, in der der SPD zuletzt eine Menge daneben ging und in der immerhin der Bundestagspräsident Lammert zuhause ist. Ernüchtern auch das CDU-Ergebnis in Mülheim: Mit diesem schlechten Abschneiden der CDU hatte niemand gerechnet, nicht einmal die SPD. “

Andere Überschriften vom WE:
“Sein Traum vom OB-Amt ist wieder geplatzt” (Aus Bürgersicht heißt das: Etwa 15% der Wahlberechtigten wollten den CDU-Kandidaten als Oberbürgermeister haben – oder auch: 85% haben ihn nicht gewählt.)
“NRW-Siege als kleines Trostpflaster für die SPD” (Eine wirklich reizende Perspektive: das Wählervotum als Bonbon für die SPD.)

Auch in Thüringen gab es keine Wahl, sondern schlechte (sportliche?) Leistungen der Wähler, für die ungenügende PR-Arbeit der Parteien verantwortlich ist.

“Trotz der CDU-Schlappen in Thüringen und im Saarland startet Angela Merkel keine Offensive.” (Spiegel-Online)

Es geht nicht um Politik, sondern um Strategie und Attacke.

“Thüringen: Althaus nach der Wahlpleite” (Süddeutsche)

“NPD verfehlt Einzug in Thüringer Landtag um 7300 Stimmen” (Welt)

Was muss man tun, um einen Einzug zu verfehlen? An der Tür vorbeilaufen, den Bus verpassen, verschlafen? “Thüringen bleibt damit weiterhin das einzige ostdeutsche Bundesland, in dem es seit 1990 keine rechtsextreme Partei in den Landtag geschafft hat.” Ist das ein Versagen der Parteien? Oder haben schlicht stets weniger als 5 Prozent der Wähler für rechtsextreme Politik votiert?

Ging es bei den Landtagswahlen überhaupt um Landtagswahlen? Die Süddeutsche erklärt uns die Probleme, die die Wähler verursacht haben:

“In einem Punkt ist der Wahlsonntag für Angela Merkel gut gelaufen: In drei Ländern haben Persönlichkeiten die Wahlen entschieden, im Sieg wie in der Niederlage. [...]Die Probleme für die CDU-Vorsitzende Merkel beginnen damit, dass sie als Parteichefin eine Mitverantwortung für die Niederlagen übernehmen muss, weil sie Althaus und Müller nicht die alleinige Schuld hinschieben kann, obgleich beide selber schuld sind – wenn auch Althaus mehr als Müller.”

Und wie geht es weiter? Nicht mit Politik jedenfalls, sondern mit PR, mit Werbung, mit Propaganda. Die FAZ weiß schon jetzt, dass es nicht etwa am Bürgerwillen liegt, wenn nach dem 27. September auf Bundesebene keine schwarz-gelbe Koalition entsteht. Unter der Überschrift “Gelbe Sorgen” heißt es:

“Wenn es wieder nicht reicht, wird das auch daran liegen, dass die Union bis hinauf zur Bundeskanzlerin bisher nichts tut, um die Strahlkraft eines schwarz-gelben Bündnisses zu vermitteln und damit Wechselstimmung zu erzeugen.”

Über das zu berichten, was Wähler wollen oder nicht wollen, ist anstrengend. Einfach ist es, mit den Parteien über ihren Wahlkampf zu schwadronieren. Wie beim Staubsaugerverkäufer geht es nicht um das Produkt, sondern um Verkaufsgeschick.

“Angela Merkel bleibt beim Schlafkampf – Angela Merkel will weiter die entrückte Superkanzlerin spielen und sich nicht mit der SPD fetzen. Experten sagen, das sei strategisch richtig – die Quittung komme aber nach der Bundestagswahl. Von Lutz Kinkel” (stern.de)

“Berlin vertraulich: SPD entkoppelt sich von der Realität – Die Siegerlaune von SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier schien Beobachtern arg übertrieben. In der SPD jedoch freuen sich viele. Man darf wieder hoffen, Juniorpartner in einer Großen Koalition zu werden. Von Hans Peter Schütz” (stern.de)

Journalisten können über Politiker und ihr Streben nach Macht sogar berichten, wenn es praktisch gar keine Wähler gibt. Solange die Story gut ist. “Die Partei” von Satiriker Martin Sonneborn ist ein reines Medienprodukt, und die Bereitschaft der Journaille, sich für die Werbung von Hape Kerkeling als Horst Schlämmer einspannen zu lassen, ist nur noch witzfrei, ekelig und Wähler verachtend zu nennen.

Hans Onkelbach klagt in der Rheinischen Post:

“Das kann man drehen und wenden, wie man will – Tatsache ist, mehr als 50 Prozent der Düsseldorfer Wähler sind gestern nicht zur Urne gegangen und haben damit unmissverständlich klar gemacht, wie egal es ihnen ist, wer im Rathaus das Sagen hat.”

Es ist ein An- und Beklagen aus Sicht der Politiker – und der Journalisten, die mit ihrem Medientanz um das Promi-Personal der Parteien an deren Unattraktivität partizipieren.
Welche Unverschämtheit, in Wahlverweigerung eine Scheißegal-Haltung hineinzuinterpretieren. Ist mir meine Ernährung – oder noch besser: die Volksgesundheit – egal, wenn ich an einer dreckigen Imbissbude weder Currywurstpommes noch Frikadelle bestelle?

Ralf Klassen, stellvertretender Chefredakteur von stern.de, verortete CDU-Mann Peter Müller am Wahlabend in einem Paralleluniversium. Wo immer Klassen sich befindet, viele seiner Kollegen sind bei Müller – und fühlen sich dort sichtlich wohl.

Tief im Westen wird mehr malocht

Donnerstag, 27. August 2009

Die Gewerkschafter mit ihren sozialparadiesischen Vorstellungen:

„Wer 38,5 Stunden am Tag arbeitet, der muss damit seine Familie ernähren können”, betonte Bischoff.  (NRZ)

Fundstücke: Journalisten ohne Gehbehinderung

Donnerstag, 27. August 2009

Zwei nette,  sich ergänzende Fundstücke zur Selbstbeschreibung journalistischer Arbeit Ende der 60er / Anfang der 70er Jahre. Zunächst Emil Dovifat (in den “Blättern zur Berufskunde” der Bundesanstalt für Arbeit, 1965):

“Der Beruf fordert eine eigene stilistische Kraft und Ausdrucksfähigkeit von charaktervoller und tiefgreifender Wirkung. Alle diese Eignungsvoraussetzungen liegen gleich den künstlerischen Begabungen in der Persönlichkeit. [...] Der Beruf verlangt ein hohes Maß an opferbereitem Idealismus und moralischer Grundsatzfestigkeit sowie den ganzen Einsatz der Person. Widerstandsfähige, größten Arbeitsanforderungen standhaltende Gesundheit, starke Nerven, Ruhe, Beweglichkeit, gutes Sehen und Hören, keine Gehbehinderung. Gepflegtes Äußeres.”

Und ebenfalls in den Blättern zur Berufskunde Wilmont Haacke (1971):

“Frauen fehlt für das kulturkritische Amt [des Journalisten]zumeist die unerlässliche und unablässige Härte für lobendes oder verdammendes Urteil.”

(Beides zitiert nach Armin Scholl und Siegfried Weischenberg: Journalismus in der Gesellschaft, 1998, Seite 32)

Eva Herman falsch zitiert

Dienstag, 28. Juli 2009

“Da sei vieles sehr schlecht gewesen, zum Beispiel Adolf Hitler, aber einiges eben auch sehr gut. Zum Beispiel die Wertschätzung der Mutter.”  Das ist auch nach dem neuen Urteil des OLG Köln kein Zitat von Eva Herman.

Da sämtliche Medienredaktionen auch nicht mehr wissen können, als das Gericht selbst zur Zivilklage Hermans gegen den Axel Springer Verlag sagt, da die Urteilsbegründung erst in einigen Wochen vorliegen wird, hier für interessierte die Pressemitteilung: (weiterlesen…)


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