Nachklapp as much as you can

tz-herzzerreissend

Gut, Patrick Steinke hat es halt gar nicht gepeilt**, trotzdem alles Nötige sogar in seinem Text steht. Aber emotional auf den Leim gegangen sind dem Ganzen wohl auch alle Kollegen, die zwar sachlich richtige Meldungen gezimmert haben, die Relevanz aber auch nur aus dem möglichen Missverständnis ableiten können:

Die Familie der in Freiburg vergewaltigten und ermorderten Studentin Maria L. hatte am 26. Oktober in der FAZ eine Traueranzeige geschaltet. Eine Story versuchen Nachrichtenaufbläser nun daraus zu konstruieren, dass mit den statt Blumen erbetenen Spenden möglicherweise auch die lokale Flüchtlingsarbeit gefördert werden sollte – und das, wo am 2. Dezember als Tatverdächtiger ein Flüchtling aus Afghanistan festgenommen worden ist.

Im einfachsten Fall soll damit die besondere Niedertracht des Verbrechens betont werden: die Hinterbliebenen sammelten Geld für Flüchtlinge, während der flüchtige Mörder ein Flüchtling ist. Nachrichtenwert: null, weil es eben gerade keinen kausalen oder temporalen Zusammenhang zwischen der Festnahme eines Tatverdächtigen und dem Spendenaufruf gibt! Und dass Spenden für gemeinnützige Organisatioen anstelle von Blumen und Kränzen am Grab erbeten werden ist alles andere als ungewöhnlich (was ein Blick in die entsprechende Anzeigenrubrik der Tageszeitungen zeigt).
Selbst die Behauptung, die Angehörigen hätten um Spenden für die Flüchtlingsarbeit gebeten, ist eine völlig unbewiesene Interpretation. Kein Autor der gesichteten Meldungen bietet einen Beleg dafür. Fakt ist die Spendenbitte für den Verein „Weitblick„. Wie genau die Verfasser der Traueranzeige dessen Aktivitäten kennen und ob sie sich damit identifizieren, weiß offenbar kein Berichterstatter. Man könnte z.B. auch um Spenden für einen Verein bitten, dessen Engagement man in Einzelbereichen sehr kritisch sieht. (Leider ist diese Sprachschluderei weit verbreitet. Ein prägnantes Beispiel aus Esslinger/ Schneider: Die Überschrift, 5. Auflage, S. 24: „Steinbrück hält Sieg für möglich“ titelte die Augsburger Allgemeine vor der Bundestagswahl 2013 – obwohl niemand wissen konnte, was Steinbrück für möglich hielt; dass Steinbrück unablässig behauptet hat, er könne gegen Merkel gewinnen, ist etwas ganz anderes.)

Völlig skurril daneben lag aber die tz mit Patrick Steinkes Beitrag:
tz-jetzt

Mehrfach behauptet Steinke, die Angehörigen hätten „jetzt“ in irgendeiner Form reagiert – obwohl die Traueranzeige bereits fünf Wochen vor der Festnahme eines Tatverdächtigen aus Afghanistan erschienen war.

Wie das Aufblasen solcher Nichtigkeiten und die unsorgfältige Verknüpfung von Fakten zu weiterem Chaos führt, zeigt beispielhaft Folgendes:

Holger Arppe, AfD-Abgeordneter in der Rostocker Bürgerschaft und im Landtag Mecklenburg-Vorpommern, schrieb am 4.12.2016 auf Twitter als Reaktion auf die Medienberichte zur angeblichen Spendensammlung für Flüchtlinge der Familie L.:

„#HAmv Pathologische Realitätsverweigerung: Vater sammelt auf Beerdigung seiner von Flüchtlingen ermordeten Tochter Spenden für Flüchtlinge.“

An dieser Behauptung ist bis auf (nach derzeitigem Kenntnisstand:) „ermordet“ alles falsch.*

Doch das wäre nicht gar so tragisch, sinnentstellenden Verkürzungen bereits nur halb oder gar nicht Verstandenens sind grade beim Verkürzungsdienst Twitter an der Tagesordnung, und zwar über alle politischen Lager hinweg. Arppe hat derzeit rund 350 Follower – sein Beitrag blieb zunächst unkommentiert, die üblichen Fans geben ein Sternchen und damit hat sich die Sache. Doch dann wird die Mini-Notiz zwei Tage später skandalisiert, es folgen zig Reaktionen auf Twitter – die bis auf ganz wenige Ausnahmen allerdings zuunrecht einen zeitlichen Zusammenhang von Festnahme eines Flüchtlings und Spendenbitte für Flüchtlinge konstruieren, z.B. so:

Reaktionen auf Twitter und Berichte über diese dürften sich mal wieder gegenseitig befeuert haben. Nordkurier.de:
afd-beschimpft-vater

Resümee: Aus einer Nullnachricht machen zahlreiche Medien trotzdem eine Meldung, die geradezu erwartbar auch fehlinterpretiert wird, es folgen auf dieser Fehlinterpretation beruhende Reaktionen und Reaktionen auf diese Reaktionen… angedockt an ein Verbrechen viel digitaler Blödsinn wegen nichts – aber natürlich fürs eigene Geschäft.

* Die Fehler im Arppe-Post:
1. „Realitätsverweigerung“ betreibt in seinem Statement Arppe, über die Pathologie wollen wir nicht spekulieren, jedenfalls gibt es keinerlei Anzeichen für diesen Befund beim Vater der Getöteten. (Später räumte Arppe ein,  dass ‚man‘ „vielleicht etwas länger nachdenken sollte, bevor man zu irgendeinem Thema irgendetwas schreibt”.
2. Nicht der Vater, sondern alle Unterzeichner baten um Spenden statt Blumen.
3. Er sammelte wohl auch nicht auf der Beerdigung, sondern anlässlich dieser – mit der Bitte um Überweisung.
4. Der Mörder steht noch nicht fest, tatverdächtig ist zu diesem Zeitpunkt aber eine Einzelperson, es gab keine Berichte, dass die Polizei von mehreren Tätern ausgeht.
5. Spenden für Flüchtlinge wurden, siehe oben, nicht gesammelt.

** Die andere mögliche Interpretation wäre nur, Steinke hat zwar verstanden, dass es keinen Zusammenhang gibt, stellt ihn aber trotzdem her – was noch ärgerlicher wäre.

Zugabe:

Ösis weniger dumm als befürchtet

Als die „Financial Times Deutschland“ im Jahre 2002 eine Wahlempfehlung für die Union mit Kanzlerkandidat Edmund Stoiber druckte, war die Debatte groß und empört. 1300 Leserbriefe soll es dazu gegeben haben (deren veröffentlichte Auswahl nicht nur der Spiegel kritisierte).

14 Jahre später hat sich in Deutschland nicht die Wahlempfehlung durchgesetzt, sondern eine Wählerverachtung: wer nicht wählt, was der deutsche Journalismus für richtig hält, ist Hohn und Spott ausgesetzt. Rund um die Bundespräsidentenwahl in Österreich sind die journalistischen Meinungsverbreiter dabei zu neuer Hochform aufgelaufen.

Die „Leiterin Digitale Redaktion Berliner Zeitung und Berliner Kurier“ etwa gratuliert der knappen Mehrheit aktiver österreichischer Wähler auf Twitter:

Michaela Pfisterer hätte also auch etwas weniger an ihrer eigenen Recherche zweifelnd schreiben können: „48,3% der österreichischen Wähler_innen so dumm wie erwartet.“

Stern-Mann Andreas Petzold sieht Wahlen offenbar als gefährliches Glücksspiel und stellt erleichtert fest: gutgegangen.

Kein Glück hatten dann später die Italiener, für die Petzold auch noch auf Vernunft statt Dummheit gehofft hatte (es geht, das muss man offenbar verstehen, bei solchen Wahlen nicht darum, seinen ganz unbedeutenden Wunsch in die Waagschale zu werfen, wer künftig im eigenen Land eine wichtige Rolle spielen soll, es geht darum, sich korrekt deutsch zu verhalten – woran bekanntlich zunehmend selbst die Deutschen versagen – aber der Ruf nach einem „Wahlführerschein“ wird schon wieder kommen):

Die frühere Chefredakteurin der taz, heute Korrespondentin der „Deutschen Welle“, bedankt sich bei „Österreich“, es dem deutschen Journalismus recht gemacht zu haben:

Der nur halb für Sueddeutsche.de twitternde Stefan Plöchinger hat ein Fußballmatch oder einen Zwei-Fronten-Krieg beobachtet, den jedenfalls „dieses Österreich“ gewonnen hat.

Und so ging das munter den ganzen Wahlabend.

Bernd Ulrich, Die ZEIT:

Dominik Mai, Berliner Zeitung:

Martin Kaul, taz:

Sebastian Fischer, Spiegel-Online:

Thorsten Denkler, Süddeutsche Zeitung:

Hanna Herbst, stellvertretende Chefredakteurin „Vice Austria“

Was ist der Informationswert all dieser Gemütsbekundungen – die sich ja auch so in den Artikeln niederschlagen? Dienen sie irgendwie den Lesern/ Zuschauern/ Mediennutzern – oder sollen sie nur Fans sammeln, Applaus und wohlwollendes Kopfnicken wichtiger(er) Kollegen, denen zu gefallen Teil des Geschäfts ist?

Natürlich hat jeder Journalist zu allem Möglichen eine Meinung, und zu Themen, mit denen er sich beruflich beschäftigt vermutlich ganz besonders. Nur ist diese nackte Meinung reichlich egal – hilfreich könnte sie allenfalls in Form eines „disclosure“ sein: „Die Autorin dieses Textes ist FDP-Wählerin / Mitglied in der Bezirksvertretung für die GRÜNEN/ ehrenamtliche Funktionärin bei XY…“ Doch gerade solche formalen Offenlegungen sind in Deutschland unüblich. Stattdessen werden absolutistische Meinungen und Wertungen kund getan.

Dabei sollte man doch schon als freier Schülermitarbeiter bei der Lokalzeitung lernen, dass bloße Meinungen im Journalismus meist der Verzicht auf Information sind. „Die Band hat toll gespielt“, „Die Fotos in der Ausstellung sind grandios“, „Das Buch ist langweilig“, – solche Meinungen sagen nichts über das Berichterstattungsobjekt, sondern nur etwas über den Berichterstatter: wie es ihm gefallen hat. Damit kann man allenfalls im engeren Bekanntenkreis etwas anfangen, weil man die Äußerungen einordnen kann. („Steht mir das?“ fragt man ja auch nicht beliebige andere Kunden im Klamottenladen, sondern die bewusst ausgewählte Begleitung, deren Urteil man einzuschätzen vermag…)

Die Kunst jedes journalistischen Kommentars, jeder Rezension oder sonstigen journalistischen Bewertung liegt darin, seinen Kunden ein eigenes Urteil zu ermöglichen. Wer meint, es könne nur eines geben, der muss entsprechend nachvollziehbar und überzeugend argumentierten (und damit leben, dass es wohl immer Rezipienten gibt, die aus den vermittelten Fakten anderes folgern).

Um was ging es bei der österreichischen Bundespräsidentenwahl? Um Pannen, um Witzigkeiten und eine Entscheidung zwischen Vernunft und Rechtspopulismus. Und darum, dass die Wahl im Ergebnis vom deutschen Journalismus akzeptiert worden ist.

Vielen Dank für diese Information.

Keine Pflicht zur Erstattung einer Strafanzeige (Korinthe 82)

Vermutlich ist es nur unsere – schon lange brach liegende, nur selten erwachende – Korinthenkackerei, wenn wir über einen lapidaren Satz im Spiegel Morning-Briefing stolpern, aber weil wir so oft ähnliches lesen, hören, „vernehmen“, sei es doch kritisiert. Der Satz lautet:

Gegen den 16-Jährigen werde wegen Nichtanzeigens einer Straftat ermittelt, hieß es.<<

anzeigepflicht-spon

Zu ergänzen ist nur ein Partizip: „geplant“, also „wegen Nichtanzeigens einer geplanten Straftat“.

Der Unterschied?

Ausgeführte, begangene Straftaten müssen in Deutschland glücklicherweise bisher nicht angezeigt werden – der Blockwart ist noch nicht institutionalisiert! Nur bestimmte, schwere geplante Straftaten müssen angezeigt werden, wenn dadurch „die Ausführung oder der Erfolg noch abgewendet werden kann„. Es geht also um Prävention, nicht um Bestrafung. Sicherlich war dies im Spiegel-Briefing gemeint – nur leider wurde es nicht gesagt. Ob die Strafbestimmung auf den 16-Jährigen zutrifft, ist nämlich eine ganz andere Sache. Die Nicht-Anzeige einer begangenen Straftat ist keine „Strafvereitelung„.

 

SpKr-Mitbegründer abgetaucht

Denjenigen, die schon seit mehreren Jahren hin und wieder Blogtexte auf Spiegelkritik gelesen haben, ist bekannt, dass zu unseren Gründern der Mann gehört, der seit 2015 für die „Keylogger-Affäre der taz“ steht: Sebastian Heiser. Die taz-Redakteure Sebastian Erb und Martin Kaul haben den Fall über Monate aufgearbeitet – und ihren Ex-Kollegen schließlich sogar irgendwo in Asien aufgespürt. Doch in der Sache geäußert hat er sich auch dort nicht. Wie bei allen anderen, die ihn kannten, hat er auch bei uns viele Fragen hinterlassen.
Wir verweisen also auf „Dateiname LOG.TXT“ bei der taz. (Und beispielhaft auf einen SpKr-Text unseres Ex.)

Ferner dazu:
* Audiobeitrag Georg Löwisch (taz chefredakteur) bei Radio Eins.

Update 17.02.2017
Inzwischen ist der Fall strafrechtlich abgeschlossen. Wie die taz berichtet, hat Sebastian Heiser einen Strafbefehl über 6.400 Euro akzeptiert und gilt somit als vorbestraft.

Spiegel rückt weiter aus dem Fokus

Als wir vor zehn Jahren mit Spiegelkritik als Medienblog begonnen haben (damals tagesaktuell), ging es ja tatsächlich um ein „Spiegel“-Watchblog. Schon vor dem BILDblog haben wir allerdings den Horizont erweitert, nachdem für unseren Geschmack hinlänglich gezeigt war, dass auch beim Spiegel journalistische Merkwürdigkeiten passieren.

Bald passiert da vielleicht gar nichts mehr. 149 Mitarbeiter nicht mehr beschäftigen zu können (um’s wollen geht es ja angeblich nicht) ist ja wohl doch ein Alarmzeichen: Meldung in der Süddeutschen; aktuelle Geschäftsführung.

ParkinDay (Leserbrief)

Sehr geehrte Damen und Herren,

während am heutigen Tag (19. September 2015) der SPIEGEL und SPON in der Rubrik „Auto“ die übliche Hofberichterstattung über die „Revolution in Halle 3“ (gähn!) bringen, informieren uns nicht von der Autoindustrie gekaufte Medien und ihre Journalisten über einen weltweit erfolgreich gefeierten „ParkinDay“: www.zukunft-mobilitaet.net/136187/umwelt/parking-day-2015-impressionen-fotos-bilder

Investigativer und kritischer Journalismus? Das gilt zumindest im Bereich „Auto“ für den Spiegel nicht. Dabei wäre gerade das Auto ein äußerst kritisch zu hinterfragendes Konsumprodukt, das in erheblichem Maß dazu beiträgt, dass unsere soziale und physische Lebenswelt, sowie unsere Lebensgrundlagen, zerstört und bedroht werden. Beim Thema Auto könnte man geradezu davon sprechen, dass der SPIEGEL Ahnungslosigkeit und Ignoranz verbreitet.

Damit die SPIEGEL-Redaktion nicht ganz so ahnungslos bleiben muss wie ihre Leser, senden wir Ihnen hier nun eine allerdings sehr kurze Auswahl von Links:

http://parkingday.org/about-parking-day/

http://www.brisbane.qld.gov.au/planning-building/planning-guidelines-tools/other-plans-projects/parking-day-2015

http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/abendschau/world-parking-day-100.html

http://www.autofrei.de/index.php/aktuelles/termine/regionale-termine/85-termine-berlin/253-pd15

http://blog.zeit.de/fahrrad/2015/09/17/parking-day-parkplatz/

u.v.m.

Mit freundlichen Grüßen
CARambolagen
Redaktion: Frank Möller, Berlin

Lesebeute

a) Stefan Winterbauer (Meedia) versteht Satire von Volker Pispers nicht. Nachhilfeangebote lehnt er ab. Winterbauer hatte herausgearbeitet, dass entgegen Pispers Behauptung Nikolaus Blome weder Chefredakteur der BILD-Zeitung noch des SPIEGEL je war. Sackzement – hier lesen.

b) Das Handelsblatt hat nach dem Ende der Nahrungskette in Duisburg-Marxloh geforscht – und Bulgaren und Rumänen gefunden. Für Scherze immer zu haben, aber nicht für Kopfstand der Biologie: „Am Ende der Nahrungskette steht der Kantinenfressling“ (Medienkritik)

Konservative Christen irritieren Spiegel-Intellektuelle

spiegel-2015-21Konservative Christen erobern Deutschland“ titelt der SPIEGEL (Nr. 21/2015). Die Geschichte dahinter ist so langweilig wie die Sexstory des Covers. Auf halbe Twitterlänge redigiert: Konservative Protestanten sind konservativ und stehen dazu.

Erstaunlicher aber ist, welche Engstirnigkeit SPIEGEL-Leute heute zur Schau stellen. Von Auseinandersetzung, Disput, intellektueller Freiheit ist da nichts zu merken.

Ja,  es gibt evangelikale Kreise, die Homosexualität als „unvereinbar mit der biblischen Ethik“ sehen. Na und? Niemand muss ihnen folgen. Und Polemik über Vertreter „traditioneller Familienbilder“ wäre mutiger gewesen zu Zeiten, als in Deutschland männliche Homosexualität noch unter Strafe stand – immerhin bis 1969 in jeglicher Form und bis 1994 mit einem  „Schutzalter“ von 18 Jahren!

Dafür fordert der SPIEGEL in seinem Artikel gleich eine neue Diskriminierung: nämlich die der Evangelikalen. Mit ihnen dürfen Politiker nicht sprechen, sie dürfen für ihre Positionen keine Lobbyarbeit machen, und sie sollen wohl auch nicht demonstrieren dürfen. Und es gilt dem Blatt für Religions-Mainstreaming schon als unerhört, wenn ein evangelischer Pfarrer predigt, man solle als Christ keine Buddhafiguren zuhause aufstellen. Wie intolerant! Wie mittelalterlich! Wie gefährlich für das Abendland.

„Man fragt sich, warum in den Medien immer wieder Beiträge mit dieser Stoßrichtung platziert werden, meist im Stil eines »Enthüllungsjournalismus«“, schreibt Helmut Frank im nicht gerade als pietistisch bekanntem Sonntagsblatt dazu.

Weil, so eine mögliche Antwort, im deutschen Politikjournalismus Antikirchlichkeit zum guten Ton gehört. Dass man dabei die verschnarchten Landeskirchen und die konservativ-lebendigen Freikirchen gegeneinander ausspielen kann, macht die Kritik selbst Ahnungslosen einfach.

Korinthe (79): Motorradseelsorger

motorradseelsorge-hessenschau

In Hessen weiß man nicht nur: „Das Innere der Leberworscht ist noch geänzlich unerforscht“. Auch manch moderneres vom Menschen geschaffene Werk bietet noch reichlich Erkundungsmöglichkeiten: etwa das Innerste des Motorrads – seine Seele.
Um die kümmert sich aber schon ausweislich einer weit verbreiteten dpa-Meldung ein Pfarrer, nämlich ein „Motorradseelsorger„. Wenn Redakteure einmal sinnvoll redigieren könnten, tun sie’s nicht…

Die sinnentleerende Verkürzung findet sich nicht nur bei BILD (wo alle wieder „typisch“ rufen könnten), sondern z.B. auch in der Offenbach-Post, im Web der Hessenschau (HR, Screenshot)​, FNP​, FOCUS Online​ etc.

Eine Hochzeit soll es beim „Anlassen“ auch gegeben haben. Ob sich da nun zwei Bikes oder Biker das Ja-Wort gegeben haben,  ist angesichts der Nachrichtenlage nicht sicher zu entscheiden. Jedenfalls hats wohl laut Zoom gemacht.

Deutschland, der grüne Klecks

Ein grüner Klecks inmitten von sehr viel Rot: Die Karte der globalen Staatsschulden zeigt, wie die Eurozone während der vergangenen fünf Jahre in die Krise schlitterte – und wie stabil Deutschland dasteht. Aber wer sind die größten Schuldenmacher?

Soll wohl heißen: Deutschland Superstar. Und in der Titelbild-Grafik zum Spiegel-Online-Beitrag „Weltkarte der Staatsverschuldung“ ist tatsächlich der Raum, den man für Deutschland halten mag: grün.

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Aber wie sieht es in der Detailkarte aus?

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Und passt das nicht auch besser zur sonstigen Katastrophen-Berichterstattung?