FAZ: Wirtschaftsthema fett versemmelt

Einer der Gründe für den schlechten Zustand des Journalismus dürften die Großredaktionen sein. Großraumbüros und Großraumtoiletten sind einer natürlichen Ejakulationsrate abträglich. (Und den schnellen Bürosex gibts auch nur in der BILD-Phantasie, und in Wahrheit sind gerade Journalistenansammlungen absolut knisterfreie Zonen.)
Es ist zwar doof, dass wir schlechten Journalismus haben, weil die Damen und Herren zu selten kommen, aber – aber: wir müssen damit leben, und zwar stillschweigend, weshalb Sie bitte die ersten Zeilen auch gleich wieder vergessen. Denn Sex gehört – legal veranstaltet oder unterdrückt – zum „höchstpersönlichen Lebensbereich“. Mag des Nächsten Bemühen in diesem Intimbereich auch unsere Phantasie beflügeln und den Treppenhaustratsch nähren: es ist kein öffentliches Thema, und das meint konkret: keines für Medien und Politik.

Respekt für den höchstpersönlichen Lebensbereich, für das Recht auf Selbstbestimmung, geht naturgemäß allen Rassisten ab, denn sie leben ja von der Ideologie, zu einem kleinen erlauchten Kreis mental und genital besonders Begünstigter zu gehören, deren Bevormundung des Deppen-Volkes zwar ihrem eigenen Wohlergehen dienen soll, als Nebenwirkung aber auch den Minderbemittelten selbst zugute kommt, da sie ihr Leben ja nicht alleine auf die Kette kriegen würden.

Und deshalb zerren Rassisten das Private der Fremden in die Öffentlichkeit, zerreißen sich darüber das Maul und bestimmen alsdann, was zu ihrer Befriedigung zu bestimmen ist. Nur deshalb stehen Sommer für Sommer weibliche Ergüsse über männliche Beinfreiheit in den Zeitungen. Deshalb fordert selbst ein Oliver Welke die „Ampel“ auf Lebensmitteln, wollen die liberalen Herrscher ein Verbot echter Drogen. Und deshalb werden nach Belieben Dürrrappel wie Winterharte an den Opfer-Pranger gestellt.

Vor allem die Fetten hat der moderne Paternalist dabei im Blick (weil die Zeiten, da nur der Paternalist fett sein konnte und es daher mit Freuden war, vorbei sind – selbst mit dem lausigen Hartz-IV-Futtersatz von 4,70 EUR pro Tag kann man sich gut 6.000 Kilokalorien in Schokoladenform kaufen, mit einer Sonnenblumenöldiät kommt man sogar auf satte 38.000 Kilokalorien, also wenn’s mal schnell gehen soll). Die Pro-Forma-Begründung für die Entprivatisierung des Body mass index (BMI) liefern dabei die billig erfundenen Volkskosten: der armselige Fette saugt nach dieser Lesart die hageren, weil hart arbeitenden Reichen durch Sozialisierung seiner privat verursachten Gesundheitskosten (diabolisches Synodrom) bis aufs Mark aus.

Der altehrwürdigen FAZ, eigentlich ein Fachblatt für Wetterhokuspokus*, entnehmen wir dazu heute (optisch witzig konnotiert – Küsschen):

„Die Welt-Adipositas-Gesellschaft (WOF) verwies am Mittwoch auf die explodierenden Kosten, die mit der starken Zunahme übergewichtiger Menschen einhergehen. Die WOF rechnet damit, dass 2025 schon 2,7 Milliarden Menschen übergewichtig und fettleibig sein werden. Die Kosten für die Behandlung der Krankheiten, die sich daraus ergeben, würden bis dahin auf mehr als eine Billion Euro pro Jahr steigen. Am stärksten betroffen wären die Vereinigten Staaten mit Kosten von 470 Milliarden Euro – 2014 waren es schon 275 Milliarden Euro. In den nächsten acht Jahren wird Amerika nach WOF-Berechnungen für durch Übergewicht und Fettleibigkeit entstandene Krankheiten 3,6 Billionen Euro ausgeben. Im gleichen Zeitraum werden sich die Kosten für Deutschland auf 330 Milliarden, für Brasilien auf 212 Milliarden und für das Vereinigte Königreich auf gut 200 Milliarden Euro summieren.“

Was die Gandhi-Spargel dabei verschweigen oder aufgrund zerebraler Mangelernährung schlicht nicht raffen: teuer (und mitunter reichlich ruinös) sind vor allem die Fitten, die Perfektleber, eben die Herrenrassigen. Denn je weniger ein Körper mit den Wonnen des Lebens malträtiert wurde, um so länger kann er sich – wenigstens statistisch – an einer Rente laben und den 24/7-Service des Pflegeheims nutzen, beides Leistungen, die bekanntlich überwiegend nicht vom Beziehenden entgolten werden. Oder in Anlehnung an eine Studie zur Sozialkassenentlastung durch Raucher gesagt: Wer mit 70 Jahren am Raucherkrebs stirbt, kann nicht mehr mit 80 Jahren ein Vegetarierdarmkarzinom bekommen – und nicht von 85 bis 107 in Windeln machen.

Wem das zu hoch ist, der möge sich vergegenwärtigen, wie teuer Geburten sind. Nicht nur, wenn dazu statt des Ehebetts der Kreißsaal mit Zangen und Pömpeln aufgesucht wird. Jeder Geburt folgen unweigerlich, so nicht Gevatter T dazwischenhaut, 15 bis 30 sehr staatskostenintensive Jahre – und trotzdem wird das Gör an sich bisher nicht von einer „Welt-Nichtsnutz-Gesellschaft“ pathologisiert, sondern nur das fette Gör, – das mit der prognostizierten Verweigerungshaltung gegenüber dem Demenzsiechtum.

Warum also soll die Leibesfülle nicht mehr privat sein, sondern der Regelung durch Journalismus und Politik bedürfen? Wegen der externalisierten Kosten? Gott bewahre! Wie sollten sich Opernhäuser und Weltraumforschung halten, wenn es wirklich um die Überschreibung privater Vergnügungskosten an die Allgemeinheit ginge.

Die große Verschwörungstheorie enthüllen wir heute mal noch nicht. Für den Moment genügt die Arbeitshypothes, dass Journalismus das thematisiert, was bei wenig Mühe viel Ressourcengewinn verspricht. Schwadronage über Adipositas verspricht da stets fetten Gewinn. Da muss der kluge Kopf halt mal kurz Nickerchen halten – sieht ja keiner.

* FAZ Meteorologie:

 

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