Lesebeute zum neuen Trump-Cover

* Michael Hanfeld, FAZ, über den aktuellen SPIEGEL-Titel:

Insofern spielt der „Spiegel“-Titel genau das, was Trump braucht: ein Zerrbild von ihm, mit dem er weiter an seinem Zerrbild der Presse arbeiten kann. Denn zu einem lädt der „Spiegel“ in Bild und Text nicht ein – zu einer nüchternen, differenzierten Betrachtung von Trumps Politik. Von der hat sich das Blatt allerdings nicht erst jetzt verabschiedet. Schon der Titel vom 12. November des vergangenen Jahres, in dem Trump als Komet mit Feuerball erschien, der die Erde verschlingt, war von ähnlicher Machart wie der jetzige.

* Ähnlich kritisiert Clemens Wergin in der Welt:

Das Kalkül dieses Covers ist klar: Es soll ein Schocker sein und dem „Spiegel“ möglichst viel Aufmerksamkeit bringen. Und das ist auch gelungen. […]
Tatsächlich beschädigt solch ein Cover nicht etwa den neuen US-Präsidenten, es beschädigt den Journalismus. Weil es das Vorurteil vieler Bürger bestätigt, dass die „Mainstream-Medien“ nicht unvoreingenommen berichten und dass viele Journalisten lieber ihr eigenes Weltbild promovieren, als neutral Zeugnis über das abzulegen, was ist. Wem angesichts der trumpschen Maßlosigkeit die eigenen Maßstäbe verrutschen, steht dem von Trump verkörperten Zeitgeist tatsächlich näher, als er glaubt.

* Malte Göbel (taz) kommentiert, der SPIEGEL habe mit der Enthauptung der Freiheitsstatue offenbar den eigenen Kopf verloren. Göbel schließt mit dem sehr wichtigen Satz:

Nicht (nur) Trump ist das Problem, es sind die Bedingungen, die Trump ermöglicht haben.

* Bereits im Dezember 2015 veröffentlichte die New York Daily News die obige, ähnliche Karikatur – und warnte mit einer Textadaption Martin Niemöllers. Im Juni 2016 publizierte Ann Telnaes einen ähnlichen Cartoon.

* Nicht konkret zum Trump-Cover, aber zu beschämendem Journalismus sei ein halbstündiger Vortrag von Jakob Augstein empfohlen, den er kürzlich an der Uni Hamburg im Rahmen einer von Volker Lilienthal veranstalteten Ringvorlesung gehalten hat. (Weitere Referenten zum Thema „Lügenpresse“: Michael Haller, Giovanni di Lorenzo, Klaus Brinkbäumer – ja, genau der SPIEGEL-Chefredakteur, sein Thema: „Keine Angst vor der Wahrheit – Theorie und Praxis eines Werbeslogans“ -, Michael Brüggemann, Kai Gniffke, Carsten Reinemann, Katharina Kleinen-von Königslöw.)

* Update: Charlie Hebdo supportet das Spiegel-Cover und lässt Angela Merkel ihren neuen Herausforderer Martin Schulz köpfen (den tieferen Sinn dieses Motivs suchen wir derzeit noch).