Rigide redigierende Redakteure

Sie sind die besten im Text, die Popstars der Sprache: Redakteure (m/w). „Wenn ein unfertiger Text ein Kind ist, das sich noch entwickeln muss, dann sind gute Redakteure ein wenig wie Eltern, die ein Manuskript das werden lassen, was es eigentlich sein könnte.“ Da japst der Autor nach Luft und der freie Journalist erbricht sich vor Schreck. Als unfertiges Menschenkind mit Adoptiveltern hatte er (m/w) sich bislang nicht gesehen. Doch die das sagen, sind so unschlagbar vom Fach, dass Welten kleiner Journalisten-i-Dötzkes zusammengebrochen sein müssen, als am 5. August das Zeit-Magazin zum Thema Redigieren erschien: „Ein Heft, wo wir Ihnen alles verschönern tun“ stand rot unterringelt auf dem ersten Umschlag, und dann folgte die vor Selbstsicherheit strotzende Ankündigung: „Wir machen das Beste aus Ihren Texten“.

Bei meiner Suche nach den Katastrophengebieten, die ich vor allem in den Journalisten-Slums von Hamburg und Berlin wähnte, wurde ich heulend zähneklappernder, depressiver oder gar suizidaler Kolleginnen und Kollegen allerdings nicht gewahr – zumindest war das Redigier-Heft der Zeit nicht ursächlich dafür. Zu vertraut ist den meisten Freien die Fehlübersetzung von Redigieren als „Texte verschönern“ – wie im Zeit-Magazin, das in dieser künstlerischen Tätigkeit die Berufung fest angestellter Journalisten sieht:  „Redigieren ist, was Redakteure tun“.  Weiterlesen