Lesebeute

* Die Journalistenfirma „Correctiv“ will das Bistum Köln auf Herausgabe von Informationen zu seinen Aktienanlagen verklagen. In einem Spendenaufruf für den Prozess schreibt Annika Joeres:

Deutschlands Kirchen sind reich. Allein die katholische Kirche in Deutschland hat ein geschätztes Vermögen von mehreren hundert Milliarden Euro. All die Dome, Grundstücke, Kunstschätze: Ein guter Teil des Kirchenvermögens besteht aus Sachwerten. Hinzu kommen zig Milliarden Euro an Rücklagen.
Wie die Kirchen diese enormen Beträge investieren, weiß bislang niemand. […]
Wir akzeptieren diese Intransparenz nicht – und verklagen in diesen Tagen das Kölner Erzbistum auf Auskunft. Auf die Offenlegung der Investitionen zu pochen ist unser gutes Recht: Der Klimawandel und seine Auswirkungen auf Deutschland sind von erheblichem öffentlichem Interesse. […]
Es ist daher in erheblichem, allgemeinem Interesse zu erfahren, welche öffentliche Einrichtungen in fossile Rohstoffe investieren. Es ist Aufgabe der Presse, diese Informationen zusammen zu tragen und die Öffentlichkeit zu informieren […]
Gegen das Bistum Köln haben wir eine Auskunftsklage vorbereitet – um einen Präzedenzfall zu schaffen. Um am Ende Auskunft zu erhalten von allen 27 katholischen Bistümern und den 20 evangelischen Landeskirchen in Deutschland.
Falls wir gewinnen, müssen alle verraten, wie sie ihr Vermögen aus Immobilien, Verpachtungen und historischen Besitztümern investiert haben. Jeder und jede Gläubige würde zum ersten Mal erfahren, nach welchen Kriterien die Kirche das Geld der Gläubigen anlegt.

Eine Kirche zu verklagen klingt für Journalisten vermutlich sexy. Timo Rieg hält den ganzen Rechercheansatz jedoch für falsch: wirklich klimarelevantes Verhalten der Kirchenmitglieder und vor allem -beschäftigten lasse sich an ganz anderen Stellen festmachen als an Geldanlagen. Dass Correctiv meint, bislang wisse niemand etwas über kirchliche Geldanlagen, spreche zudem für große Unkenntnis der kirchlichen Strukturen. Eine ausführliche Entgegnung.

* Die Hamburger Illustrierte „Spiegel“ wird 70 Jahre alt. Die Deutsche Presseagentur (dpa) sprach mit Chefredakteur Klaus Brinkbäumer nicht über Altersstarrsinn und Tremor.

* Auch 10 Tage nach der Amokfahrt auf dem Weihnachtsmarkt an der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche arbeiten sich Medien und Politiker an dem Fall ab – ein klares Zeichen: Terror ist (auch nur) ein Geschäft (freitag.de)

* Mit einem LKW in eine Menschenmenge zu fahren sei keine „sinnlose Gewalt“ sondern hoch effektiv – für den Täter. Nur mit dieser Sichtweise könne man Terrorismus verstehen: „Breitscheidbart„.

* Titanic schafft mal wieder etwas Erregung – mit einem Entspurt-Aufruf zum Promisterben 2016. Über den tieferen Sinn mag nachdenken, wer möchte – nichts zu denken gibt es jedenfalls bei der Erwartbarkeit der in Farbe abgebildeten noch lebenden Personen. Siehe Kommentare auf Facebook.

* Bonbon mit Korinthenaroma: Laptop und Lederhose, da laufen die Uhren manchmal anders. Deshalb wundert es uns nicht, dass die Süddeutsche Zeitung auch acht Jahre nach ihrer Abschaffung noch die Mineralölsteuer im Tank findet.
mineraloelsteuer-2014