Ist Journalismus mehr als Posten?

Wenn sich Journalisten noch irgendwie von Mediennutzern unterscheiden wollen (von denen man einige früher mal „Blogger“ nannte, was aber in Zeiten von WhatsApp & Co so viel mehr out ist als der den Bloggern so verhasste „Cyberspace“), dann sollten sie vor dem Veröffentlichen ihrer beruflichen Beiträge vielleicht doch ganz kurz prüfen, was sie damit gerade von ihrem Publikum abhebt.

So kann man natürlich jede Menge Bildchen und Sprüche posten. Als journalistisches erzeugnis ausgegeben, sollte dem aber vielleicht ein klein wenig Journalismus*) vorweg gehen. Dann hätte etwa die Rheinische Post wohl bemerkt, dass die Beschriftung eines LKW-Anhängers mit einem Protest gegen die Einstellung des Strafprozesses gegen Sebastian Edathy nicht reiner Volksmut war.

laster-gegen-edathy

Sondern schlicht eine biedere rechte Meinungsäußerung – legitim, aber wenig originell. So wie die Trucker-Kalender mit nackten Mädels derselben Firma. Oder ihre Warnung vor Zuwanderung (1).

stegemoeller-lasterwerbung-gegen-zuwanderung-indianer

*) Journalismus, was ist das eigentlich? Da schauen wir doch spaßeshalber mal in ein Lehrbuch, Journalistik von Klaus Meier, 3. Auflage. Da definiert er auf Seite 14:

„Journalismus recherchiert, selektiert und präsentiert themen, die neu, faktisch und relevant sind. er stellt Öffentlichkeit her, indem er die Gesellschaft beobachtet, diese Beobachtungen über periodische Medien einem Massenpublikum zur verfügung stellt und dadurch eine gemeinsame Wirklichkeit konstruiert.“

(Den Konstruktivismusschlenker musste er natürlich wegen der „Anschlussfähigkeit“ einbauen, viele seiner Kollegen haben darin ja ein leckeres Betätigungsfeld gefunden…)

Das Qualitätsstichwort heißt im Fall dieser Spedition Stegemöller aus Kamen: Vollständigkeit. (Bei der „Neuigkeit“ sind wir mal nicht so streng.)

(1) Zu diesem auch nur gefundenen Bild haben wir heute Abend die Firma nicht mehr befragt, wie es sich für Journalismus gehören würde. Es ist ein Blog-Post.

Update:
Bild kommt auch ohne Verweis auf andere Sprüche des Splittfahrers aus.
Edathy selbst postet das zweite Bild auch auf Facebook und nennt die Parole einen NPD-Spruch (was google auch so anbietet).

3 Gedanken zu „Ist Journalismus mehr als Posten?

  1. Hallo!

    Nun die Grenzen zwischen „Blogosphere“ und „seriösen Journalismus“ verschwimmen immer mehr – zuungunsten der Berufsjournalisten.

    Aber warum bitte sollte denn der „Cyberspace“ den Bloggern verhasst sein bzw. wie definieren Sie „Blogger“ und „Cyberspace“?

  2. Diese Definition von Journalismus gefaellt mir Alle mal besser : JOURNALISMUS IST ETWAS ZU VEROEFFENTLICHEN, WAS ANDERE NICHT WOLLEN DAS ES VEROEFFENTLICHT WIRD…..ALLES ANDERE IST PROPAGANDA….
    Georg Orwell

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