Kurze Anmerkungen zum Medien-Hype um Edathys Kinderpornos

Der Rummel ist einfach beispielhaft. Mustergültig. Mit allen notwendigen Fragen, deren Beantwortung endlich zur Erkenntnis führen könnte, was Journalismus eigentlich will-ist-soll. Mal 5 grundsätzliche Fragen zum  Anfang.

* Was ist Kinderpornografie? Und versteht möglicherweise „die Justiz“ etwas anderes darunter als „die Menschen“? Ein Nacktbild ist noch lange keine Pornografie. (Eine andere Frage ist dann die,  wie solche Bilder entstanden sind.)

Mit dem Begriff Kinderporno behaftet ist jedenfalls jeder in Deutschland sozial tot. (Laut Christian Rath, taz, ist bislang nichts von verbotenen Bildern bekannt.)

* Wer traut sich die wirklich kritischen Fragen zu stellen? Kinderporno ist ein Stichwort, mit dem kein Autor konnektiert werden möchte. Niemand wird sich hier dem Vorwurf aussetzen wollen, etwas zu relativieren, zu verharmlosen.

* Wozu die Hektik, die Live-Ticker, die Titelstorys? Interessant würde es erst ganz am Ende, bei einem Gerichtsurteil. Doch bis dahin sind die Medien natürlich schon hundert Skandale weiter. Dabei wäre es völlig egal, ob ein möglicherweise „unhaltbarer Minister“ noch ein paar Monate oder gar Jahre im Amt ist, bis man sich ein fundiertes Urteil bilden kann.
[Live-Ticker: Bild, Süddeutsche ]

* Wie scheinheilig dürfen Journalisten sein? Sich über „Geheimnisverrat“ zu erregen, weil man selbst nicht mit den geheimen Informationen versorgt worden ist.

* Was anderes als Unterhaltung sollte die derzeitige Berichterstattung sein? Vergessen wir die Mär von der „Orientierungsleistung“, die Journalismus angeblich erbringe. Im Fall Edathy wächst die Desorientierung von Stunde zu Stunde.

PS: Nein, keine persönliche Sympathie für Sebastian Edathy, den wir spätestens seit seinem legendären „Interview“ mit Radio 1 einen Widerling finden.

Roland Nelles auf Spiegel.de: „Eines sollten alle Beteiligten wissen, die Wahrheit kommt in politischen Affären hierzulande glücklicherweise irgendwann ans Licht. Meistens zumindest. Da helfen dann auch keine Ausreden mehr.“ Die Wahrheit kommt irgendwann – schön. Und bis dahin? Machen wir eben „Journalismus“.