Die tendenziösen Nicht-Bilder

Nachrichtenfilm zur Beschneidung bei der Süddeutschen Zeitung

Auch Monate nach Beginn der “Beschneidungs-Debatte” glänzt der Journalismus in Deutschland mit Fehlinformationen. Bilder von Beschneidungen gibt es nämlich nicht. Nur so kann weiterhin von einem kleinen, unbedeutenden Eingriff gesprochen werden. Die ganze Peinlichkeit fasst ein Reuters-Video (hier bei sueddeutsche.de): auch bei Beschneidung gibt es im Politikjournalismus nur Laber-Laber-Rhabarber. In zwei Micorozenen wird eine OP im Krankenhaus gezeigt, und man mag erahnen, dass eine Schwester mit OP-Besteck einen Penis gleich einer Lakritzschnecke in die Länge zieht. Aber man sieht eigentlich nichts. Kein Kind (Säugling, Knabe, Jüngling?), keine Vorhaut, keinen Schnitt, – stattdessen viele Politiker.

Schon die OP-Situation ist nicht typisch für rituelle Beschneidungen, auch in Deutschland nicht. Fotos von der gängigen Beschneidungs-Praxis hätten hohen Aufklärungswert. Und den vielen Beiträgen von Politikern und vor allem auch Theologen ist zu entnehmen, dass sie bis heute keine Vorstellung vom Ergebnis einer Beschneidung haben. Journalismus sollte sich nicht entblöden, hierfür auf Wikipedia zu verweisen.

Im ZEIT-Magazin gab es jüngst einen Ansatz, den optischen Penis-Mangel zu thematisieren (wenn natürlich selbst dieser “Das ist übrigens ein Penis“-Artikel keinen Penis zeigt, sondern zwei angewschwollene Glieder in Unterhosen versteckt, auch nett). Aber warum sich Journalismus weigert, in der gebotenen und leicht zu realisierenden Form über Beschneidung zu informieren, verrät auch die ZEIT nicht. Der Journalismus bleibt da merkwürdig und inakzeptabel blind.

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