Das Barschel-Foto war Journalistenpflicht

[Stuttgarter Zeitung:] Sie sind nicht sofort rausgelaufen, um Hilfe zu holen – sondern zückten den Fotoapparat, um Bilder eines Toten zu machen. Schämen Sie sich heute für diese Reaktion?

[Sebastian Knauer:] Für eine solche Situation hat man ja kein Betriebshandbuch. Ich sah den leblosen Körper, aber ich wusste nicht, ob Barschel tot war. Dass ich dann fotografiert habe, kann man mir vorwerfen. Es war ein journalistischer Reflex, auch diese Situation zu dokumentieren.

Seit 25 Jahren nun schon wird das bekannte Barschel-Foto für voyeuristischen Journalismus gehalten, gilt als Paradebeispiel für Grenzüberschreitung. Und seit 25 Jahren finde ich das völlig albern, ja inakzeptabel. Diese “Situation” zu fotografieren, für die Öffentlichkeit zu dokumentieren, zumindest erstmal festzuhalten, muss eine absolute Selbstverständlichkeit sein. Vom lebenden Barschel hätte es vermutlich abertausende Fotos nicht gebraucht.

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