Archiv für den Monat November 2011

Infoblocker Presse

Montag, 21. November 2011

Liebes Netzwerk Recherche,

Vorschlag für den nächsten Informationsblockierer-Preis “Verschlossene Auster”: die Medienhäuser selbst. Niemand ist der Presse gegenüber so maulfaul wie die Presse. Journalistische Anfragen an Redaktionen bleiben eigentlich immer unbeantwortet, von Verlagen kommt nach tagelanger Reifezeit allenfalls unbrauchbare “Unternehmenskommunikation”.
Die Medienjournalisten dieses Landes werden schnell eine lange Liste professioneller Informationsblockierer zusammenstellen können. Der Preis kann dann an einen beliebigen Stellvertreter der Sippe gehen. Am besten an einen öffentlich-rechtlichen Sender. Das könnte auch die Unabhängigkeit des u.a. vom NDR stark geförderten und im neuen Vorstand vom ÖRR dominierten Netzwerkes unterstreichen.

Dass sich die FAZ heute noch immer nicht zum Perlentaucher-Urteil äußern will – geschenkt. Aber dass sie sich auch weigert, das ihr natürlich vorliegende aber noch nicht veröffentlichte Urteil kollegial als Arbeitsgrundlage zur Verfügung zu stellen, ist schlicht – doof.
(Der Perlentaucher immerhin bot die Einsichtnahme in seiner Berliner Residenz an, aber mit viel verbalem Klimper-Klimper war denn doch noch das OLG zu bewegen, dass uns “ausnahmsweise eine anonymisierte Fassung des Urteils – so wie wir es in die Landesrechtsprechungsdatenbank einstellen werden -
heute noch vorab in pdf-Form per Mail zugesandt wird”.)

SpOn-Forum

Donnerstag, 17. November 2011

Zu Moderation und Kultur in den Spiegel-Online-Foren erreichen uns jede Woche Beiträge. Wir greifen sie nur selten auf, weil sie meist nicht unseren Themenfokus treffen, nämlich den Journalismus.
Heute dazu jedoch ein Leserbrief von Wolfgang Hoffmann unter der Überschrift: Der SPIEGEL und der Rechts-Terrorismus

Da gackert der SPIEGEL seit dem 11.11.2011 wie ein mit Antibiotika auf Wachstum aufgepumptes Hühnchen gegen den offenbarten organisierten Rechts-Terrorismus und toleriert aber im SPIEGEL Online, ‚Cafè SPONtan‘, in der Moderation schon lange braune Gesinnung pur der Foristen und hofft dabei auf die Anzeige durch andere user – weil selbst – sprich die Moderation des SPON-Forums – anscheinend unfähig ist, den braunen Sumpf im eigenen Forum zu erkennen und zu unterbinden. (Weiter als pdf: SpiegelKritik_Leserbrief_20111116)
(Ferner die darin erwähnte Spiegelkritik_20111112)

Siehe zum Thema auch:
+ Für eine faire Moderation im Spiegel-Online-Forum

Notwehr steht jedem zu, auch dem Bösen

Sonntag, 06. November 2011

Ein Bericht wird nicht dadurch gut, dass er Positionen aneinanderreiht – auch wenn es die gängige und damit 0815-Bauweise im Politikjournalismus ist. Vielmehr ist es Aufgabe des Journalismus zu prüfen, ob eine in die Diskussion geworfene Position überhaupt diskussionswürdig ist – und zwar unter besonderer Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Kapazitäten.
Das BGH-Urteil, nachdem ein Hells-Angels-Rocker nicht dafür in den Knast muss, dass er in “Putativnotwehr” einen Polizisten erschossen hat, lässt sich natürlich als Aufreger hochkochen. Und selbstverständlich melden sich alle möglichen Politiker und vor allem die Polizeilobbyisten zu Wort: das kann doch wohl nicht sein!

Dabei ist die Sache recht einfach und vermittelbar: Wenn jemand glaubt, dass er gerade umgebracht wird, darf er sich mit allen Mitteln wehren. Das entspricht schlicht dem, wie sich Menschen eben zwangsläufig in einer solchen Notsituation verhalten. Und in einer anderen Konstellation (kein böser Rocker als “Täter”, kein guter Polizist als “Opfer”) würde das auch jeder einsehen (Juwelier verteidigt sich gegen mutmaßlichen Raubmörder; Frau wehrt sich gegen mutmaßlichen Vergewaltiger etc.).

Wenn die vermutete Mörderbande vor der Tür jetzt aber in Wahrheit ein freundliches Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei ist, dies aber – weil es früh am Morgen ist und man möchte ja niemanden unnötig aus dem Schlaf wecken – nicht zu erkennen gibt, dann ist ein in dieser Situation abgefeuerter tödlicher Schuss einfach Pech.

Dass im Falle einer von Polizisten angenommenen Notwehrsituation, der ein völlig unschuldiger Wanderer zum Opfer fällt, die Polizeilobby gegen die Straffreiheit protestiert hätte, ist übrigens nicht bekannt:


WP SlimStat