Archiv für den Monat September 2011

Einmal Recherche für auf die Hand

Sonntag, 18. September 2011

Da hat Spiegel-Online ja eine ganz alte Wurst ausgegraben und sie von Angela Elis durch den Sprachwolf drehen lassen: “Zwei Stehwürste mit Pommes rotweiß bitte!”

Das deutsche Steuerrecht ist wahnsinnig kompliziert und von daher de facto verrückt. Und zu den verschiedenen Mehrwertsteuersätzen (wobei es nicht nur 7 und 19 Prozent gibt) kann man immer wieder lustige Vergleichsuntersuchungen fabrizieren. Nur: dass Fast-Food zum Mitnehmen nur mit 7%, beim restaurant-ähnlichen Sofortverzehr aber mit 19% besteuert wird, ist eine uralte Kamelle. Ist Frau Elis noch nie bei Mc Donald’s gewesen? “Zum hier essen oder mitnehmen?” heißt die Frage vom Kassenpersonal am Ende jedes Verkaufsgespräches. Und wer Mc Donald’s doof findet und nur aus purer Verzweiflung dort einkehrt antwortet politisch-korrekt schon immer mit “für hier” – weil das Unternehmen dann eben 19% Mehrwertsteuer abdrücken muss – der Preis für den Kunden ändert sich dadurch nicht.

Die Pressemitteilung des Bundesfinanzhofs zur Grundlage von Elis’ Geschichte ist nun auch schon fast einen Monat alt. Da wäre doch Zeit gewesen, über das Imbissbudengeplauder hinauszukommen und mal zu schauen, wie das seit Jahren in der Praxis so läuft.  Möglicherweise hätte die Moderationsliteratin dabei den Eindruck gewinnen können, die Entscheidungen des Bundesfinanzhofes in dieser Sache führten nicht zum Untergang des Heimatlandes, sondern zu etwas Vereinfachung bei der Umsatzsteuererklärung von Imbiss-Betreibern.

Der tatverdächtige Täter

Samstag, 10. September 2011

In Berlin brennen die Autos, das ist ein hitziges Schlagwort und somit eine Freude für den aufklärerischen Journalismus in Deutschland. Wie schön, dass die Polizei da mal wieder jemanden festnehmen konnte – einen Brandstifter natürlich, einen Zündler, einen Chaoten. Dumm nur, dass die Berliner Polizei diesen doch wieder auf freien Fuß setzen musste, weil sich der Tatverdacht bei bestem Bemühen “nicht erhärten ließ”.
Diese Nachricht ist in allerlei Variationen zu finden. Die Polizei selbst vermeldet in ihrem Ticker zwar die Festnahme, nicht aber die Freilassung. So hält es etwa auch der Focus. Die Welt berichtet vom langen Verhör und ist sich ebenfalls sicher, von einem Täter zu berichten. Die Berliner Morgenpost macht aus ihrem Bedauern keinen Hehl: Aufgespürt, festgenommen, freigelassen – ist aber auch ein Scheiß mit diesem Rechtsstaat. Sehr ausführlich lesen wir den Fall in der Märkischen Allgemeinen, dort wird auch Bezug zu einem Panorama-Beitrag genommen – aber auch dort wird ein Täter gefasst und dann freigelassen.

In der Gießener Allgemeinen ließt sich der Erfolg schließlich so:

Der Polizeieinsatz gegen die Autobrandstifter in Berlin zeigt Wirkung: Eine Woche nach ersten Festnahmen hat die Polizei erneut einen Tatverdächtigen erwischt. Am Mittwochmorgne stellte sie den 28-Jährigen im Stadtteil Kreuzberg. Er soll zuvor ein Motorrad und ein Auto angezündet haben. Er wurde wieder freigelassen, der Tatverdacht habe sich nicht erhärten lassen, hieß es. (…)

Die Überschrift dazu lautet: “Auto-Brandstifter gefasst”


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