Self-Fulfilling Questions

Es gibt nicht nur dumme Fragen (natürlich! jede Menge!), es gibt auch überflüssige Fragen – was noch milde ausgedrückt ist. Eigentlich sind es demagogische Fragen. Z.B. all jene zur Zukunft, deren beantwortung die Zukunft aktiv mitgestaltet (statt sie zu prognostizieren). Kennt man als self-fulfilling prophecy.

Schon während des Kachelmann-Prozess’ und erst recht nun danach wird überall gefragt: Wird Jörg Kachelmann wieder in der Öffentlichkeit arbeiten können, kommt er ins Fernsehen zurück? Das fragte gestern Abend z.B. Sandra Maischberger, das fragt stern.de (“Kehrt der nette Wetteronkel zurück?”).

Wer da Nein sagt, meint: das geht nicht, das darf nicht sein, das wird nicht sein (selbst wenn ich es ja gut heißen würde, aber so ist das nunmal). Wer Ja sagt, meint: muss, der muss zurückkommen (das sind wir ihm schuldig oder so).

Unter dem Deckmäntelchen der Prognose, der “Experteneinschätzung” wird damit an den Fakten gebastelt. Insofern ist auch die Frage nach Kachelmanns Zukunft schlicht – eine dumme Frage.

Die szenische Rekonstruktion

Der SPIEGEL hatte mit seinem Verweis, dass “szenische Rekonstruktionen” in “Reportagen” üblich seien, insofern recht, als wir uns endlich mit den unsäglichen Pseudo-Reportagen im Fernsehen beschäftigen müssen. In der Ankündigung schreibt Phönix zwar von einer “Dokumentation” (was immer noch etwas anderes als eine Inszenierung sein müsste), im Filmbeitrag über Kreditkartenbetrug wurde hingegen eine Reportage von Edgar Verheyen angekündigt, und sie besteht praktisch nur aus gestellten Szenen (und einem Verheyen, der beim Autofahren mehr in die Kamera spricht als auf die Straße zu schauen und ansonsten über den HighTec-Betrug staunt, bei dem Menschen falsche Namen an ihre Briefkästen schreiben).