Dem Minister sein Sohn ist mir wurscht

Das Spiel haben wir ja täglich in den Medien: Sohn von Schauspielerin betrunken am Steuer erwischt, Ex-Mann von Hmhmhm hat Pickel am Po, und nun rappt der Sohn eines Ministers standard-dreckige Zeilen und prahlt mit seinem Wodka-Konsum.
Ich kann mir die Freude des „Enthüllers“ ja vorstellen, aber: der Sohn von einem Promi ist kein Medienthema, nur weil er der Sohn ist. Wenn seine Musik, sein Facebookprofil oder sonstetwas auch ohne jeden Bezug zum Vater berichtenswert ist – okay. Aber ansonsten geht es nicht nur darum, dasss Promikinder sich austoben können müssen wie alle anderen auch – es ist auch billigst, die Eltern damit zu konfrontieren, über Erziehungsmängel, Durchsetzungsschwäche und ähnliches zu spekulieren.
Wir sind ja immer gegen Einschränkungen der Berichterstattungsfreiheit – und oft geht uns die gerichtliche Durchsetzung von Persönlichkeitsrechten viel zu weit. Dabei wird in dem aktuellen Fall – wie bei den meisten ähnlichen Konstellationen – selbst von scharfen Promi-Anwälten nicht viel zu holen sein (hoffentlich jedenfalls): was da berichtet wird, ist völlig legal.

Aber es sollte dem journalistischen Berufsethos widersprechen. Journalisten sollten längst nicht alles, was sie wissen, herausposaunen. Es gehört eben nicht jede Beobachtung in eine Reportage, nicht jeder Satz aus einem Gespräch als Zitat in den Bericht. Und es gehören Promi-Kinder überhaupt nicht in die Medien.
Wenn Süddeutschen Zeitung und Abendzeitung an einem Innenminister nicht mehr zu kritisieren haben, als dass dessen volljähriger Sohn nicht ganz der journalistischen Vorstellung eines Innenminister-Zöglings entspricht, dann sollten sie vielleicht einfach zwei, drei Schmuckbilder mehr drucken oder auch Mut zur Freiflächen haben, Weißraum zum Nachdenken über die Welt und ihre Probleme – dann füllt sich das schon wieder, irgendwann.
(Timo Rieg)

Ein Gedanke zu „Dem Minister sein Sohn ist mir wurscht

  1. Ein Wort!

    „Der Sohn von einem Promi ist kein Medienthema, nur weil er der Sohn ist.“ Das lernt man bei uns im zweiten Semester und sollte sich bei jedem Journalisten im Hinterkopf befinden.

    Guter Artikel übrigens im „journalist“ „Schicken Sie doch eine Mail“

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