Archiv für den Monat Januar 2011

Protestantische Zinsen

Sonntag, 23. Januar 2011


Am Montag hatte der Herforder Superintendent, Michael Krause, öffentlich gemacht, dass in seinem Kirchenkreis seit 1967 an den Leitungsgremien vorbei ein Sondervermögen in Millionenhöhe aufgebaut worden ist. Ursprünglich wurden 1,5 Millionen D-Mark aus Kirchensteuermitteln auf ein Sparbuch eingezahlt. Diese wuchsen fast ausschließlich durch Verzinsung auf heute etwa 49,7 Millionen Euro an. Das Geld soll nun in den regulären Haushalt überführt werden. (epd)

Was Zinsen und Zinseszins ausmachen, sollte bekannt sein – gerade in der Kirche, die ja nicht von ungefähr mal ein absolutes Zinsverbot kannte, welches heute nur noch in Form historischer Texte gepflegt wird. Aber für die Vermehrung von 1,5 Millionen Mark auf rund 100 Millionen Mark binnen 44 Jahren wäre doch ein Sparbuch-Zinssatz von kontinuierlich rund 10 Prozent nötig gewesen.  (Bei halb so großem Zinssatz – 5% – wäre nicht etwa die Hälfte zusammengekommen, sondern nur ein Achtel: 12,8 Millionen Mark.) 10% Zinsen auf einem Sparbuch – das wäre dann doch sicherlich auch für die Staatsanwaltschaft interessant.

Leipziger zoffen sich weiter

Freitag, 21. Januar 2011

Das Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Universität Leipzig hat mit eine ausführlichen Stellungnahme auf die Kritik ihrer Journalistik-Abteilung reagiert (Richtigstellung des Instituts für Kommunikations- und Medienwissenschaft (IfKMW) der Universität Leipzig zur Diskussion um die Profilbildung”).

Wir wollen – und können von den Ressourcen her – weiterhin nicht in das Thema einsteigen, aber für die Rubrik “kurz kommentiert” rein von der Beobachtung des Streits her anmerken:

* Bei den beiden Stellungnahmen des Instituts wäre es gut, Autoren und Genese deutlich zu machen (über die wenig hilfreichen Einträge in den Dokument-Metatdaten hinaus). Ein Institut kann sich ja nur schwer äußern (das geht nur in der geläufigen Sprache der Public Relations), meist sind es  doch noch Menschen, die Texte formulieren und publizieren.
* Die öffentliche Austragung des Streits rechtfertigt sich alleine schon daraus, dass für das Institut öffentliche Gelder verwendet werden und es eine öffentliche Aufgabe wahrnimmt. Was die “zuständigen Gremien” darüber denken, kann dabei als eine von vielen Positionen vermeldet werden – die Deutungshoheit haben diese Gremien nicht.
* Nicht alles, was gewählt wird, ist demokratisch legitimiert. “Demokratie” an einer Universität sähe anders aus als es in Deutschland der Fall ist. Aber darum geht es ja auch gar nicht. Es geht um Partizipation, um (ein wenig) Mitbestimmung der Institutsangehörigen bzw. Studierenden.
* Hochschullehrer sind sicherlich auf der ganzen Welt eine schwierige Klientel. Wenn sie Beamte sind, wird es nicht einfacher. Nicht nur der immer stärker geforderten berufspraktischen Orientierung täte es gut, das Lehr- und Forschungspersonal an Universitäten grundsätzlich nur zeitlich befristet zu beschäftigen und danach wieder seines akademischen, aber nicht staatlich-besoldeten Weges ziehen zu lassen. Mindestens der ein oder andere Fachautor wird nur deshalb in Fußnoten der Wissenschaft verwaltet, weil er Professor ist.

Updte 23.01.2011: Absolventen der Leipziger Journalistik melden sich in einem offenen Brief zu Wort.

Dem Minister sein Sohn ist mir wurscht

Donnerstag, 20. Januar 2011

Das Spiel haben wir ja täglich in den Medien: Sohn von Schauspielerin betrunken am Steuer erwischt, Ex-Mann von Hmhmhm hat Pickel am Po, und nun rappt der Sohn eines Ministers standard-dreckige Zeilen und prahlt mit seinem Wodka-Konsum.
Ich kann mir die Freude des “Enthüllers” ja vorstellen, aber: der Sohn von einem Promi ist kein Medienthema, nur weil er der Sohn ist. Wenn seine Musik, sein Facebookprofil oder sonstetwas auch ohne jeden Bezug zum Vater berichtenswert ist – okay. Aber ansonsten geht es nicht nur darum, dasss Promikinder sich austoben können müssen wie alle anderen auch – es ist auch billigst, die Eltern damit zu konfrontieren, über Erziehungsmängel, Durchsetzungsschwäche und ähnliches zu spekulieren.
Wir sind ja immer gegen Einschränkungen der Berichterstattungsfreiheit – und oft geht uns die gerichtliche Durchsetzung von Persönlichkeitsrechten viel zu weit. Dabei wird in dem aktuellen Fall – wie bei den meisten ähnlichen Konstellationen – selbst von scharfen Promi-Anwälten nicht viel zu holen sein (hoffentlich jedenfalls): was da berichtet wird, ist völlig legal.

Aber es sollte dem journalistischen Berufsethos widersprechen. Journalisten sollten längst nicht alles, was sie wissen, herausposaunen. Es gehört eben nicht jede Beobachtung in eine Reportage, nicht jeder Satz aus einem Gespräch als Zitat in den Bericht. Und es gehören Promi-Kinder überhaupt nicht in die Medien.
Wenn Süddeutschen Zeitung und Abendzeitung an einem Innenminister nicht mehr zu kritisieren haben, als dass dessen volljähriger Sohn nicht ganz der journalistischen Vorstellung eines Innenminister-Zöglings entspricht, dann sollten sie vielleicht einfach zwei, drei Schmuckbilder mehr drucken oder auch Mut zur Freiflächen haben, Weißraum zum Nachdenken über die Welt und ihre Probleme – dann füllt sich das schon wieder, irgendwann.
(Timo Rieg)

Kommentar zu Spiegel-Netzwelt-Artikel

Dienstag, 18. Januar 2011

“Der Spiegel war mal so etwas wie eine Institution und ich habe das gedruckte Magazin (ja, manchmal unterstütze auch ich das Waldsterben)immer mal wieder gerne gekauft. Inzwischen habe ich Angst davor auf die Online-Artikel zu klicken, weil ich der Postille nur noch so weit traue, wie ich einen der Redakteure werfen könnte.”

Auch nach 9-mal Schlafen ist der Ärger bei Sascha von netbooknews nicht verraucht. Der SpOn-Artikel “Tanz der Tablets” über eine Asus-Präsentation in Las Vegas regt ihn auf.

Die neuen Alten

Montag, 17. Januar 2011

Neu am Start oder bereits erfahren – so unterscheidet Spiegel-Online die Nutzer des Diskussions-Forums. “Neu” ist man dort allerdings auch, wenn man schon 2 Jahre dabei ist – oder erst 7 Monate, in denen man – rätselhafte – 2597 Beiträge geschrieben hat.  Vielleicht wäre hier doch eine qualitative Gewichtung (User-Response) hilfreicher.

Pressewahnsinn (Hinweise)

Donnerstag, 13. Januar 2011

* Hysterie: Wolfs-Hatz in Gießen – Berichterstattung außer Kontrolle

* Ausfall: Schwänze bei Media, Frauenspalten bei der taz sowie “unten ohne”-Begeisterung beim Spiegel (bzw. MM) (übrigens alle 1 - 2 - 3 Beiträge mit der 8-Bild-Klick-Reihe)

* Abgang bzw Neuzugang: Marvin Oppong und die Carta-öffentliche Peinlichkeit

Journalistik der Uni Leipzig wird umgebaut

Mittwoch, 12. Januar 2011

Die Abteilung für Journalistik an der Universität Leipzig, Institut für Kommunikation und Medienwissenschaft (KMW), soll umstrukturiert werden. Da wir derzeit keine redaktionellen Kapazitäten für das Thema haben, verweisen wir einstweilen auf die entsprechende Mitteilung von gestern: Information_Journalistik_Leipzig(pdf).

Im Instituts-Blog ist dazu derzeit noch nichts zu lesen.

Weitere Reaktionen:

Der DJV Sachsen “kritisiert Streichpläne

Nebenbei:

Die Leipziger Journalistik ist in jüngster Zeit ja auch mit anderen internen Querelen um Professor Machill medienwirksam geworden.

Update 18.01.11: Nun hat sich auch Michael Haller zu Wort gemeldet, der den Studiengang wesentlich geprägt und vor allem nach außen repräsentiert hat – und kein Freund der Verquickung von Journalismus und PR ist. Nachricht in der Bild.

Update 20.01.11: Ausführlicher Bericht auf Zeit-Online von Ralf Geissler, der selbst in Leipzig studiert und gelehrt hat. Der Journalismus siecht

Update 20.01.11: Vom Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft gibt es offenbar seit 6. Januar 2011 eine schriftliche Kritik an den Positionen der Leipziger Journalistik und der entsprechenden Berichterstattung, die damals noch nicht online war. Darin heißt es zunächst:

“Die Stellungnahme der Journalistik ist inhaltlich in weiten Teilen falsch, gibt Beschlussvorschläge und externe Gutachten falsch wider und enthält persönliche Diffamierungen der demokratisch gewählten Vertreter des Instituts und der Fakultät. Die offenkundig von Partikularinteressen geleitete, öffentliche Kampagne über eine noch laufende Meinungsbildung in den zuständigen Gremien der Universität ist vertrauensschädigend und beschädigt den Ruf und das Engagement der Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Studierenden des Instituts. Leider geschieht dies zum wiederholten Male durch einen einzigen Professor und seine Mitarbeiter, die nur einen kleinen Teil des Gesamtinstituts darstellen und nicht für die 1.300 Studierenden und mehr als 50 Mitarbeiter sprechen. Das Institut und die gewählten Vertreter der Professoren, Mitarbeiter, Studierenden und nichtwissenschaftlichen Mitarbeiter distanzieren sich einstimmig von diesem Vorgehen.” (Weiterlesen: pdf)

Pressköppe

Dienstag, 11. Januar 2011

Pressefreiheit ist immer wieder ein Thema bei Spiegelkritik. Wenn den Medien der Zugang zu öffentlichen Veranstaltungen verwehrt wird, wenn Behörden Zitate vor Veröffentlichung frei geben wollen, wenn die Polizei meint, willkürlich entscheiden zu dürfen, was (über ihre Arbeit) berichtet wird und was nicht, dann fühlen wir uns auf den publizistischen Plan gerufen.
Allerdings ist auch recht schnell alles Wesentliche dazu gesagt. Es wiederholt sich dann fortan nur. Um dies zu vermeiden, hier eine Sammlung attraktiver Pressefreiheitsfeinde (wir führen in dieser Übersicht die prominenten Akteure / Gruppen – unabhängig davon, ob letztlich ein Management oder sonstwer Gegenstand der verlinkten Probleme ist):

Starke Einschränkungen für Fotojournalisten gibt es bei:
* Bon Jovi (DJV)
* Coldplay (DJV)
* Katie Melua (DJV)
* Rammstein (Protest Hamburger Konzertfotografen)
* Robbie Williams (DJV)
* Sasha (Interview)
* Tom Jones (DJV)

Weitere Artikel auf Spiegelkritik hierzu: Druckt schwarze Kästen (Interview) – Bilder nach Art des Hauses (journalist) – Pressefreiheit und Polizei -

Ferner – unter dem Stichwort “Panoramafreiheit”:
* Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (RA Marion Janke; DJV)
* Zeche Zollverein Essen (Bonner Presseblog; Schockwellenreiter)

In Textbeiträge eingreifen wollen gerne:
* Unheilig (Weser-Kurier)

Kompliziert bei der Interview-Autorisierung:
* Götz George (“Es gilt das gestrichene Wort”, Neue Osnabrücker Zeitung)
* Die Managerin von Florian Silbereisen (bewahrt ihn davor, Dinge gesagt zu haben) (Trierischer Volksfreund)

Grundsätzliches zum Thema:
* Übersichtsartikel im Weser-Kurier (9. Dezember 2010)
* Privatzensur: Individualschutz vs. Pressefreiheit
* Einzelne Zitate sollten Journalisten nie autorisieren lassen (siehe: Informanten-Hinweise Journalistenbüro Bochum, Info”kasten” unten)
* Auf ein ganz anderes Thema sei in diesem Zusammenhang noch verwiesen: die Weigerung vieler Medien, Autoren und Fotogragfen wie nach dem Urheberrechtsgesetz vorgeschrieben mit ihrem Namen zu nennen.

Info”kasten”:

* Freie Journalisten sollten schon bei der Recherche darauf verzichten, sich als Mitarbeiter oder Autor eines bestimmten (renommierten) Mediums auszugeben. Das bringt Chancengleichheit für alle und klingt nicht nach dem Versprechen, es werde auch in einem bestimmten Medium ein Beitrag erscheinen.

* Freie Journalisten sollten bei Akkreditierungen kein Medium nennen, für das sie arbeiten oder Beiträge planen. “Das geht den Veranstalter schlicht nichts an”, meint z.B. Hendrik Zörner, Pressesprecher des DJV. Außerdem wächst damit die Gefahr, dass Veranstalter bei den Redaktionen Einfluss auf die Berichterstattung nehmen.

* Verträge, die in ihr Urheberrecht eingreifen oder sie für unkalkulierbare Folgeverwertungen haftbar machen wollen, sollten Journalisten nie unterschrieben. Hier ist auch die Solidarität der Medienschaffenden untereinander gefordert, um Qualität und Unabhängigkeit zu sichern. Massenhafter Boykott sei die einzig wirksame Gegenwehr, ermutigt etwa der BJV.

* Zitatfreigaben sind eine Unsitte, die den Journalisten auch nach einem Recherchegespräch noch vom Gutdünken des Befragten abhängig macht und ihm bereits vor Veröffentlichung Einblick in den Beitrag gibt. Nachträglich geschönte, geglättete oder angereicherte Zitate sind, so sie nicht als solche kenntlich gemacht werden, eine Verzerrung der Wirklichkeit. Wer auf Zitatfreigabe pocht, sollte einfach gar nicht zitiert werden. Die erhaltenen Informationen kann man gleichwohl – so sie wahr sind – verwenden. “Zitatfreigaben bürgern sich immer mehr ein, aber man sollte da auf keinen Fall mitmachen”, sagt Zörner.

Alpha-Journalisten killen Meinungsfreiheit

Sonntag, 09. Januar 2011

Journalist ist einer der gefährlichsten Berufe der Welt. Schon als Schüler wurde ich mit dem Berufstod bedroht: “Sie haben das letzte Mal für eine Zeitung geschrieben, dafür sorge ich” brüllte mir der Vorsitzende eines Kleintierzüchtervereins das Hirn aus dem linken Ohr heraus, weil ich in einem Anflug von Kommentarsucht – durchaus mit Wahrheitsliebe koitierend – von meinem Besuch in einem “nicht sonderlich attraktiven Vereinheim” geschrieben hatte.
Einer meiner Volontariats-Ausbilder ist dem Tod gleich mehrmals nur knapp entkommen – einmal stand der Bürostuhl nicht dort, wo er ihn – bereits im Niederlassen begriffen – wähnte, mal war eine Stufe aus dem Boden gewachsen, als er nach ausgedehnter Mittagspause mit heftig gegen den Wind wehender Fahne in die Redaktionsstube zurücktorkelte. In Deutschland sterben jedes Jahr mehr als 1.000 Journalisten – die meisten von ihnen sind allerdings seit längerem nicht mehr im Dienst.
Und so liegt es gut im Trend, dass der Deutsche Journalistenverband jetzt mit einem Film der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte für den lebensgefährlichen Job wirbt:

Reporter ohne Grenzen, das Komitee zum Schutz von Journalisten oder die International Federation of Journalists bringen regelmäßig die Zahl getöteter Journalisten in die Medien. Rund 50 waren es im Jahr 2010. Kann man mal erwähnen.

Der Pressefreiheit in Deutschland bringt das allerdings wenig. Auch der kurze Werbefilm lenkt völlig davon ab, was in Deutschland die freie Meinungsäußerung bedroht (und für die ja keineswegs in erster Linie Journalisten zuständig sind). Denn da ist sicherlich zunächst einmal das redaktionelle Desinteresse, der Mainstream bei Themen und Kommentaren und die unglaubliche Selbstgenügsamkeit unserer “Alpha-Journalisten” zu nennen.
Die Meinungsfreiheit wird in Deutschland durch einen Zivilgerichtsbürgerkrieg und gelegentlich auch strafrechtliche Verfolgung behindert.
Die Pressefreiheit wird durch Privatisierung von öffentlichem Raum, behördliche “Verschlusssachen” und professionell gespielte Ahnungslosigkeit gefährdet, durch den Mangel an Redaktionskonzepten, die Globalkapitalisierung von Pressehäusern und die journalistische Interesselosigkeit von Sendern.
Medienblogs, Medienseiten und Medienmagazine präsentieren regelmäßig genug Anhaltspunkte, was (journalistische) Meinungsfreiheit gefährdet. Gewehrkugeln sind äußerst selten dabei. (HV)

Telefonmitschnitte erlauben

Donnerstag, 06. Januar 2011

Die Durchsuchung der Redaktionsräume des Freien Sender Kombinats Hamburg (FSK) vor sieben Jahren, welche das Bundesverfassungsgericht nun als verfassungswidrig eingestuft hat, hatte mich schon damals aufgeregt, allerdings weniger wegen des “Polizeiübergriffs” an sich, sondern wegen seiner vermeintlichen Rechtsgrundlage: Ermittelt wurde nämlich die Straftat, dass ein Mitarbeiter des privaten Radiosenders zwei Telefonate mit der Polizeipressestelle ungenehmigt aufgenommen und Teile für einen Radiobeitrag verwendet hatte.
Denn in Deutschland, wo zwar hunderttausende Telefonate ganz Stasi-frei abgehört werden, kann der Mitschnitt eines nicht-öffentlich geführten Gesprächs mit bis zu drei Jahre Gefängnis geahndet werden (§ 201 StGB).

Und darin liegt das viel größere Problem – das bisher kein Gericht mit einer einfachen, logischen Interpretation von Öffentlichkeit ausgeräumt hat: Auskunftspflichtige Behörden geben Journalisten (notgedrungen) Informationen, gestatten aber nicht deren wörtliche Verwendung (ob als Telefonmitschnitt oder Print-Zitat). Das ist ein herrlicher Taschenspieler-Trick: Informationen mündlich geben, die Dokumentation verbieten – und so jederzeit dementieren können, dies und das so oder so gesagt zu haben.

Dabei ist das Gespräch zwischen einem Pressesprecher und einem Journalisten per se für die Öffentlichkeit bestimmt, wenn nicht aus nachvollziehbarem Grund Vertraulichkeit vereinbart wird, das ganze also zu einem Hintergrundgespräch wird. Ansonsten äußert sich eine Pressestelle immer öffentlich – das konstituiert sie ja gerade, nur deshalb wird sie angefragt.

Allein um Journalisten vor den vielen gelogenen Dementis zu schützen, muss die Aufzeichnung von Telefonaten für die eigene Dokumentation erlaubt sein – ohne Einwilligung. Und in vielen Fällen dürfte auch die Veröffentlichung nicht von der Zustimmung der Beteiligten abhängig sein (natürlich gilt dies für beide Seiten!). Wenn sich eine Pressestelle in einer Weise äußert, die von öffentlichem Interesse ist, dann darf sie sich nicht auf eine völlig irrsinnige “Vertraulichkeit des Wortes” berufen können. Pressesprecher von Behörden werden nicht dafür bezahlt, dass sie Privatgespräche mit Journalisten führen, sondern dass sie via Journalisten der Öffentlichkeit Rede und Antwort stehen.
Timo Rieg


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