Archiv für den Monat Mai 2010

Süße Gurke des Monats

Donnerstag, 27. Mai 2010

Es ist ja nett, dass Christoph Süß selbst fragt, was er denn auf dem Bayern-Kanal mache, quasi dem Youtube-Staatsfernsehen. Aber eine Antwort gibt der Moderator von “quer” leider nicht.

Es ist auch nett, dass sich Horst Seehofer als Ministerpräsident in dem Clip ein wenig selbst auf die Schippe nimmt.  Doch das Maß an Verkumpelung zwischen Journalismus und Politik ist in diesem Falle schon – eklig.

PS: In einigen Sequenzen schaut der Horst, der Horst hoast, wie Otti in die Welt.

Lesebeute: Def. Medienjournalismus

Mittwoch, 26. Mai 2010

“Medienjournalismus.  Schon das Wort belustigt Begriffsstutze wie Henryk M. Broder, weil sie so tun, als wäre es analog zu Zeitungs-, Fernseh- und Onlinejournalismus gebildet und stelle also eigentlich einen Pleonasmus dar. Dabei steht es in einer Reihe mit Sport-, Politik- oder Wirtschaftsjournalismus; der erste Wortteil bezeichnet nicht das Medium, sondern seinen Gegenstand.

Doch die scheinbare Doppeldeutigkeit des Wortes zeigt auch das Spezielle an der Arbeit als Medienjournalist, das Dilemma beim Schreiben in den Medien über die Medien. Fast jeder Text ist zwangsläufig ein Text über ehemalige oder potentielle zukünftige Auftrag- oder Arbeitgeber, über direkte Kollegen oder Konkurrenten. Fast jeder medienjournalistische Text steht somit unter dem Generalverdacht einer Interessenskollision, eines Kalküls jenseits journalistischer Kriterien.

Ich nehme an, dass diese Situation auch den Medienjournalisten beim „Spiegel” nicht fremd ist. Was ihnen aber offenbar fremd ist: Dass ein journalistisches Leben außerhalb der „Spiegel”-Redaktion existiert. Dass es Journalisten gibt, sogar Medienjournalisten, die nicht angestellte Redakteure sind, mit festem Gehalt und Einbindung in eine Hierarchie, sondern frei arbeiten, und das sogar freiwillig, nicht aus Not.”  (Stefan Niggemeier, anlässlich einer rätselhaften SPIEGEL-Meldung)

Lesebeute: Freiheitsräuber Tempo

Dienstag, 11. Mai 2010

“Was ist Qualitätsjournalismus? Ich glaube, dass er zuallererst etwas mit der inneren Einstellung zu tun hat – mit Haltung.

Guter Journalismus muss vor allem das machen, was mit dem zeitlos schönen Wort Aufklärung umschrieben werden kann. Aufklärung im Sinne von Licht in dunkle oder verborgene Ecken zu werfen. Wir dürfen uns nicht mit der bloßen Beschreibung der politischen Inszenierung begnügen, wir müssen sie hinterfragen und aufdecken, den Leserinnen und Lesern sagen, welches Stück gespielt wird.

Diese Aufklärung ist das Kerngeschäft eines verantwortungsvollen Journalismus. Und nicht das, was ich Wellness-Journalismus nennen möchte, dem es primär darum geht,”schöne” Geschichten, Wohlfühlgeschichten zu inszenieren und zu schreiben. Meist sind es gerade die “unschönen” Geschichten, die uns das meiste über unsere Gesellschaft erzählen.
[...] “The press was to serve the governed, not the governors.” – Die Presse hat den Regierten und nicht den Regierenden zu dienen.” (mehr)

Lisa Nimmervoll, Standard, bei der Verleihung des österreichischen Staatspreis’ für Bildungsjournalismus


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