Tendenziöser Sprachgebrauch

Ein Leserbrief

Vorhin bin ich über einen Spiegelartikel gestolpert, in dem ich einige Beispiele für richtungsweisenden Sprachgebrauch finde: „Hetzen, jagen, töten“.

Es geht um schwere Konflikte zwischen Muslimen und Christen (oder Christen und Muslimen) in Nigeria. Der Artikel wirkt eigentlich ausgewogen.

Meinen Blick fängt eine gefettete Zwischenüberschrift:

„Von Norden drängen die Muslime, von Süden halten die Christen dagegen“

Von Norden wird also angegriffen, von Süden verteidigt, lese ich daraus.
Belegt der Artikel das so? Schicke Zwischenüberschrift.

Dann weiter:

„Was das Gemetzel am vergangenen Sonntag ausgelöst und wer wen provoziert hat, blieb unklar, wie so oft. Eine Version der Geschichte: Militante Muslime hätten Christen nach dem Sonntagsgebet aufgelauert.“

Okay, die Muslime sind die Auflauernden. Natürlich nicht sympathisch, aber kann ja sein.

Weiter:

„Andere Quellen besagen, der Streit habe begonnen, als christliche Jugendliche in ihrem Viertel gegen einen Muslim vorgegangen seien, der versucht habe, sein bei Unruhen 2008 niedergebranntes Haus wieder aufzubauen.“

Hier wird eine klare Sprache gesprochen, und dennoch werden die meisten Leser die Kleinigkeit wohl nicht bemerken: „Vorgehen“ tut normalerweise die Polizei, oder jedenfalls der Gute, gegen den Bösen. Und was hatte der Böse gemacht? Der wollte sein Haus wieder aufbauen, heißt es. Wie kam es dazu? Es war „bei Unruhen niedergebrannt“. Da wissen wir jetzt nicht, wer es angezündet hatte.

Wieviel wörtlich vom Autor ist, wieviel hineinredigiert sein mag, kann ich nicht beurteilen.

Verwundert: Anja

Ein Gedanke zu „Tendenziöser Sprachgebrauch

  1. Wenn der Spiegel schreibt das Muslime Christen attackieren ist das ein unsympathischer Text. Wenn der Spiegel schreibt das Christen Muslime attackieren wäre das ein sympatischer Text. Wird aber durch die Relativierung das Christen „vorgehen“ dann wieder etwas unsympathischer. Daraus folgt also das der Text nur ausgewogen und sympatisch ist wenn die Christen die Rolle der Bösen übernehmen. Selbsthass ist eine deutsche Tugend. Da bleibt fast nur noch zu wünschen übrig das die von WW beschworen römische Dekadenz endlich über uns kommt und wir jubelnd untergehen. Das ist immer noch besser als das ewige „Wir sind so scheiße, alle anderen sind so toll“ Gejammer“.

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