Uni dementiert linke Gesinnungspflicht – und räumt Fehler ein

(Aktualisierte Version vom 21. August)

Die Universität Siegen erklärte am 19. August eine Meldung von Spiegel-Online zur „Zeitungsente im Sommerloch“. Unter dem Titel „Mitarbeiter mit richtiger Weltanschauung gesucht“ schreibt SpOn:

Die Universität Siegen ist nach SPIEGEL-Informationen eine fragwürdige Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung eingegangen, die der Partei Die Linke eng verbunden ist. Zur Koordinierung eines Promotionskollegs, das die Stiftung an der Universität einrichtet, hat die Hochschule einen Wissenschaftlichen Mitarbeiter gesucht. Dieser muss freilich die richtige Weltanschauung haben: Bewerber sollten sich „den Zielen der Stiftung verbunden fühlen“, hieß es in der Stellenausschreibung der Universität.

Die Uni Siegen teilte dazu mit:

„Spiegel Online behauptet, dass von dem/der neuen Mitarbeiter/Mitarbeiterin die „dazu passende politische Haltung“ erwartet werde. Davon ist nun allerdings in der Stellenausschreibung überhaupt keine Rede. Weder unter den Aufgaben, die zu erledigen sind noch unter den Voraussetzungen, die die künftigen Stelleninhaber mitbringen sollen, wird nach weltanschaulichen oder politischen Einstellungen der Bewerberinnen/Bewerber gefragt. Sorgfältigere journalistische Recherche hätte vielleicht verhindert, dass das Sommerloch mit einer „Ente“ gefüllt wurde.“

Dabei verwies die Uni Siegen auf ihre Version der Stellenausschreibung und versichert auf Nachfrage, dass dies der unveränderte Originaltext sei. Allerdings ist tatsächlich auch eine Version im Umlauf, die den von Spiegel-Online zitierten Satz enthält – freilich ohne die interpretierte Gesinnungsprüfung. „Wir haben uns gestern die Finger wund telefoniert, um die Quelle für den von Spiegel-Online kritisierten Satz zu finden, aber bisher nichts gefunden“, sagt Kordula Lindner-Jarchow von der Pressestelle der Uni Siegen auf Anfrage von Spiegelkritik am Dienstag. Die Bewerbungen für die Mitarbeiterstelle wurden allerdings nirgends an die Rosa-Luxemburg-Stiftung erbeten, sondern an die Universität. Dass für die Vergabe von acht Promotionsstipendien hingegen ein Ausschuss der Stiftung zuständig war, sei völlig normal und bei allen Stiftungen so üblich.

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung teilt mit:

„Es ist bezeichnend für die Spiegel-Redaktion, dass ein, für politische Stiftungen in Deutschland quasi alltägliches Promotionskolleg für die Verunglimpfung der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Partei DIE LINKE herhalten muss. Diese Art der auf Stimmungsmache zielenden Berichterstattung ist nicht nur ein Beleg der fehlenden journalistischen Sorgfaltpflicht, sondern zugleich ein Trauerspiel für die Medienlandschaft in unserem Land.

Zur Richtigstellung folgendes: Alle politischen Stiftungen in der Bundesrepublik Deutschland handeln auf der gleichen Rechtsgrundlage. Bei allen uns bekannten Promotionskollegs sind es die jeweiligen politischen Stiftungen, die über ihre Auswahlgremien über die Stipendien entscheiden. Auch bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung entscheidet der Auswahlausschuss über die Aufnahme ins Kolleg. Und es ist selbstredend, dass die Rosa-Luxemburg-Stiftung, wie die übrigen politischen Stiftungen auch, mit Universitäten zusammenarbeitet. Was daran fragwürdig sein soll, scheint nur der Spiegel-Redaktion nicht schleierhaft zu sein.

Die Verunglimpfung der Rosa-Luxemburg-Stiftung, aber auch der Universität Siegen durch unsachliche und unseriöse Berichterstattung kann nicht hingenommen werden. Eine Berichtigung dieser Darstellung wäre das mindeste, was die Spiegel-Redaktion für die Wiederherstellung ihrer Glaubwürdigkeit tun müsste.

Update 20. August:
Tatsächlich gab es auf den Internetseiten der Uni Siegen zunächst eine Ausschreibung mit dem Satz „Die Bewerberin/ der Bewerber sollte sich den Zielen der Stiftung verbunden fühlen.“

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Gestern hatte Pressesprecher Ullrich Georgi noch mitgeteilt:
„In der vergangenen Woche hatte sich tatsächlich ein Kollege von SpOn bei uns mit einer Anfrage zur Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung gemeldet. Diese Anfrage haben wir an den verantwortlichen Prof. weitergeleitet, der hat sich darum allerdings offenbar nicht gekümmert.
Wegen der Querelen um die Wahl eines Rektors der Uni Siegen haben wir keine Zeit gehabt, uns intensiv mit der Anfrage zu beschäftigen, so dass ich erst am 16. 8. dem Redakteur von mir aus eine Antwort habe zukommen lassen, nachdem klar geworden war, dass der betreffende Prof. das nicht gemacht hatte.
Der Hinweis auf die mangelnde Sorgfaltspflicht bei der Recherche bezieht sich auf den Umstand, dass ein Blick auf unsere Homepage genügt hätte, um den Text der inkriminierten Stellenanzeige zu studieren. Dann hätte sich die Anfrage zu diesem Punkt von selbst erledigt.“

Die gestern noch vorhandene Pressemitteilung „Zeitungsente im Sommerloch“ ist aus dem Angebot verschwunden:

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Update 21. August:
Der Pressesprecher der Universität Siegen, Ullrich Georgi, erklärt uns die Panne heute wie folgt:

„Nachdem sich herausgestellt hatte, dass meine Pressemitteilung auf
nicht ganz korrekten Angaben seitens der beteiligten Hochschullehrer beruhte, habe ich diese sofort zurückgezogen und dem Kollegen von SpOn
gegenüber mein Bedauern hinsichtlich der ungerechtfertigten Vorwürfe ausgedrückt.
Tatsächlich war es offenbar so, dass eine erste Version der Stellenausschreibung an drei verschiedenen Stellen auf den Internetseiten der Universität Siegen eingestellt worden war, die den von SpOn zitierten Passus enthielt.

Bereits unmittelbar nach dem ersten Erscheinen des Stellenangebots sind die
betroffenen Wissenschaftler auf die unzulässige Formulierung hingewiesen worden und haben diese auch umgehend korrigiert. Bedauerlicherweise ist dabei offenbar eine der drei Stellen, an denen die Ausschreibung platziert war, übersehen worden, so dass tatsächlich die – zu Recht – inkriminierte Version bis zum letzten Wochenende auf einer unserer Seiten zu finden war.
Diese Zusammenhänge sind mir allerdings erst im Laufe des vergangenen Montags und Dienstags klar geworden. Bei der Abfassung der Meldung war ich
– nach entsprechenden Auskünften aus den betroffenen Fachbereichen – der felsenfesten Überzeugung, dass SpOn eine Entwurfsfassung des Ausschreibungstextes „zugespielt“ worden war, mit der Absicht, der Universität und der LINKEN „eins auszuwischen‘. Selbst wenn die Motive von der geschilderten Art gewesen sollten, beruhen sie – leider – auf einem Fehler Unsererseits, so dass man sich zwar ärgern, die Tatsachenbehauptung jedoch nicht vehement hätte dementieren können.
Von den eigenen Leuten nicht korrekt informiert worden zu sein, ist mir in über 30jähriger Tätigkeit als Pressesprecher noch nicht vorgekommen, offenbar lernt man immer noch dazu.“

4 Gedanken zu „Uni dementiert linke Gesinnungspflicht – und räumt Fehler ein

  1. Im google Cache findet sich noch die Stellenausschreibung in alter Version auf den Seiten der Uni Siegen.

    Siehe http://74.125.39.104/search?q=cache:jrdsEEGDTe8J:www.fb1.uni-siegen.de/philosophie/promo/stellenausschreibung.html+%22den+Zielen+der+Stiftung+verbunden+f%C3%BChlen%22&hl=de&ct=clnk&cd=6&gl=de

    Der Text wurde also nachträglich geändert und es handelt sich bei dem von der Pressestelle genannten Link entgegen der Behauptung der Pressestelle der Uni Siegen NICHT um den unveränderten Originaltext.

    Der Spiegel hat also korrekt recherchiert und die Informationen direkt von der Internetseite der Uni Siegen!

  2. Nachtrag; Offenbar hat die Uni Siegen inzwischen einen Rückzieher gemacht und den Artikel „Zeitungsente im Sommerloch“ wieder gelöscht.

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