„Verbesserung der Moderation im SPIEGEL ONLINE Forum“

Spiegel-Online-Foristen sind verärgert über eine ihrer Ansicht nach intransparente und teilweise willkürliche Moderationspraxis. Auf einen offenen Leserbrief vom 18. Juni hatte Werner Theurich, verantwortlich für die SpOn-Foren, geantwortet und dabei die „manchmal etwas strenge“ Moderation verteidigt: „Wir bemühen uns, so viel Freiheiten wie möglich zu lassen, aber auch so streng wie nötig zu sein – nie kann man es allen recht machen.“

In den Forums-Richtlinien (Netiquette) heißt es seit 20. Juni: „Die Redaktion behält sich vor, Beiträge, die werblichen, strafbaren, beleidigenden oder anderweitig inakzeptablen Inhalts sind, zu löschen bzw. sie nicht freizuschalten. […] Benachrichtigungen über nicht freigeschaltete bzw. gelöschte Beiträge können aufgrund der großen Zahl der täglichen Beiträge nicht erfolgen.“

Eine Diskussion über die Moderationspraxis ist bei Spiegel-Online nach Kritikerangaben nicht erwünscht, 79 Aktive haben sich daher in einem eigenen „Forum SPONtanum“ zusammengetan. Wir dokumentieren einen weiteren offenen Leserbrief dieser Gruppe an die Spiegel-Online-Chefredaktion, eingereicht von Wolfgang Hoffmann.

Sehr geehrter Herr Büchner,
sehr geehrter Herr Ditz,

vielen Dank für die Beantwortung unseres Anschreibens vom 18.06.2008 zu Ihrer Begrüßung als neue Chef-Redakteure durch Herrn Theurich, der für die Redaktion Spiegel Online erfreulicherweise noch am gleichen Tag Stellung genommen hat.

Leider enthält die Antwort der Redaktion SPON Online nur eine nette Umschreibung der derzeitigen Form der Moderation, die inhaltlich keines Falls den Kern der Ursache dieses Problems betrifft.

1. Doch vorab müssen wir bemerken, dass wir über eine Zahlenangabe etwas irritiert sind, die uns als ein Fehler in der Darstellung erscheint.

Es wird als grundlegendes Argument für diese Art der Moderation angeführt, dass bis zu 3.000 Beiträge am Tag einlaufen würden und das suggeriert unseres Erachtens auf den Monat bezogen ein etwas zu massiges Mengengerüst, denn:

Noch im März 2008 hat die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung in dem von uns zitierten Artikel vom 17.03.2008 mit der Quelle: Angaben der Verlage, zu Spiegel Online ausgeführt:

„Spiegel Online: 15.000 bis 18.000 Kommentare monatlich – gebündelt in Foren, nicht unter den einzelnen Artikeln. Ein Redakteur und mehrere Aushilfen prüfen sie „in der Regel“ vor der Veröffentlichung.“

Die darin angegebene Personal-Ausstattung zur Moderation spricht für sich. Jedoch wirft die Anzahl der postings nach Angaben des Verlages ein völlig anderes als das geschilderte Bild ab – entweder ist die Zahl in der FAZ falsch oder die Angabe in Ihrer Antwort?

2. Auch das wirklich charmante Werben um Verständnis für eine Moderation im Spiegel Online Forum, die tatsächlich – ganz bewusst und nicht versehentlich – Benutzer-unfreundlich betrieben und mit einer willkürlichen Zensur die Meinungsfreiheit traktiert, ist keine inhaltliche Antwort auf unser Anschreiben zur Moderation im SPON-Forum vom 04.02.2008 erfolgt.

3. Wir möchten Sie bitten, dass seitens der Redaktion Spiegel Online inhaltlich Stellung genommen wird zu den von uns aufgeführten und analysierten Themen

· Zusammenfassung der Diskussion

· Was kann man kurzfristig im Café ändern?

· Was kann man langfristig ändern?

· Motivation

4. Das von Spiegel Online verwendete vBulletin-System Version 3.6.4 (Deutsch) stellt sehr wohl Funktionalitäten zur Begründung von Maßnahmen der Moderation bei Änderung oder Löschung von postings bereit, aber diese Optionen werden bewusst nicht als Standard der Moderation eingesetzt.

Wir sind zu einem Dialog mit Ihnen über die Art der Moderation im Spiegel Online Forum zur Erhöhung der Akzeptanz und Transparenz bereit, wenn der willkürlichen Zensur der Meinungsfreiheit bei der Moderation nachhaltig Einhalt geboten wird.

Mit freundliche Grüßen

Das Forum SPONtanum.
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