Tchibo-Aktion endete ohne Platzverweis

37 Minuten haben sie ihr gegeben. So lange haben sie Kirsten Brodde vor der Hamburger Tchibo-Filiale am Rathausmarkt stehen lassen, mit einem selbstgemalten Schild in der Hand. […] Dann aber war Schluss: Drei freundliche Hamburger Polizisten teilten der Bloggerin und Textilhandelsexpertin Brodde mit, dass Tchibo kein Interesse an ihrer Meinungsäußerung direkt vor der eigenen Filiale habe, und verwiesen sie damit des Ortes.

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So berichtet Spiegel-Online über eine nette Protest-Inszenierung gegen Billigtextilien bei Tchibo. Platzverweis wg einer Meinungsäußerung? Da hätte die Recherche einsetzen sollen, denn noch darf jeder in Deutschland seinen Protest auf ein T-Shirt drucken (lassen). Nicht selten sieht das die Polizei anders – und überschreitet dann ggf. ihre Kompetenzen – ein klarer Fall für die Presse. Doch die Aktivistin berichtet in ihrem Blog anders von dem Vorfall:

Weil ich alleine war, hält die Hamburger Polizei das jetzt nicht für eine unangekündigte Demonstration, sondern für eine freie Meinungsäußerung. Über das Versammlungsrecht bin ich belehrt worden.

Und die Polizei Hamburg teilt auf Anfrage mit:

Entgegen der Darstellung bei Spiegel-Online wurde Frau Dr. B. kein Platzverweis von der Polizei erteilt. Dies war auch nicht erforderlich, da Frau Dr. B. in einem Gespräch mit dem Polizeibeamten mitgeteilt hatte, dass sie ihre Aktion ohnehin in diesem Augenblick beenden wollte.

2 Gedanken zu „Tchibo-Aktion endete ohne Platzverweis

  1. Habt Ihr beim Kopieren eine Ziffer verloren oder stand bei SpOn tatsächlich erst, die Frau habe „7 Minuten“ (Sieben) demonstriert?

    SpKr: Sorry und thanks, war Kopierfehler.

  2. Natürlich hatte Tschibo kein Interesse an ihrer Meinungsäußerung. Doch inwiefern ist das relevant? Trotzdem ist es doch ihr gutes Recht dort auf der Straße zu stehen, solange sie will! Die Straße gehört doch schließlich nicht Tschibo. In Deutschland herrschen ja diesbezüglich die reinsten Wild-West-Methoden: wer an etwas Anstöß nimmt und Geld und Einfluß besitzt, der ruft mal ebend den Sheriff; dieser vertreibt seinen Widersacher vom Platz (bald auch gleich aus der Stadt?).
    Wenn es gegen die Interessen von Wirtschaft, Kirche und Staat gerichtet ist, dann ist es hierzulande mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung vorbei, denn wir leben inzwischen in einem Polizeistaat!
    Laßt Euch das nicht bieten!
    Wie wäre es z.B. in Zukunft für HartzIV-Opfer mit gestreifte T-Shirts im KZ-Look? Mit einem gelben Davidsstern darauf, darin die Inschroft „HartzIV“ – und damit dann vor den HartzIV-Behörden?
    Oder T-Shirts mit dem Aufdruck „Wenn ein Mensch unter einer Wahnvorstellung leidet, dann nennt man es Geisteskrankheit. Wenn viele Menschen unter gleicher Wahnvoorstellung leidenm, dann nennt man es Religion“ – und damit dann vor den Kirchen?

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