Lesebeute: Beim Spiegel wird endlich Fußball gespielt

  • Die Landesanstalt für Medien NRW (LfM) hat Schleichwerbung bei Spiegel-TV beanstandet. Wie üblich, wurde dies erst einmal als Pressemitteilung hinausposaunt, bevor der „Beanstandungsbescheid“ formuliert ist, weshalb im Moment auch nicht einmal die LfM ihre Kritik genauer darlegen kann. Auch Spiegel-TV erfuhr “ die Entscheidung aus der
    Zeitung“, versichert unsgegenüber aber: „In einer Dokumentation von 100 Minuten wurde einige Sekunden lang ein mit Firmenlogo versehenes Fahrzeug gezeigt, das Spinat abholte. Es gab
    selbstverständlich keine Einflußnahme auf die Berichterstattung.“

  • Dass freie Abgeordnete nicht zwingend den CDU-Kandidaten zum Ministerpräsidenten wählen, zumal wenn sie mal einer rechteren Fraktion angehört haben, verwunderte den Spiegel und dies Stefan Niggemeier.

    Dass neben SpOn auch zig andere Online-Medien einen Eklat ausmachten, wo keiner war, veranlasste Niggemeier in einer späteren Betrachtung zu dem Fazit:

    „So also funktioniert der Qualitätsjournalismus im Internet, von dem die Verlage so schwärmen: Ein Agenturkorrespondent, der sich nicht ganz klar ausdrückt, ein Online-Leitmedium [Spiegel-Online], das im Schlagzeilen- und Klickrausch den größtmöglichen Verstärker mit Verzerrer einschaltet, und Dutzende Kopiermaschinen, die ohne Wissen, Recherche und jeden eigenen Gedanken hinterhertaumeln.“

  • Neue Chefredakteure bei Spiegel-Online sind die bisherigen Vize Wolfgang Büchner und Rüdiger Ditz.

    Ein Interview mit Büchner aus dem März findet sich bei/in/auf Peter Turi.

  • Mario Frank ist weiterhin als Geschäftsführer im Amt, aber die Liebe für ihn unter den Gesellschaftern wächst offenbar nicht. Nun hat Jakob Augstein bekundet, er unterstütze die ablehnende Haltung der Mitarbeiter KG, der etwas mehr als die Hälfte des Unternehmens gehört.
  • Eine verwirrende Diesel-Berichterstattung erläutert Fabian Seitz in Delengkal Weblog.
  • Ein Beispiel für die oft wenig distanzierte Berichterstattung des Spiegel kommentiert „Das rote Blog“.
  • Spiegel-Online hat eine digitale Seite 2 eingeführt. Hmm.
  • Ob mit den „gigantischen PR-Truppe“ die „Bush-Regierung“ vielleicht nicht nur, wie SpOn schreibt, die US-Medien in die Irre geführt hat, fragt nemetico.
  • „Für ihre Recherchen über Doping im Radrennsport haben vier SPIEGEL-Redakteure den renommierten Henri-Nannen-Preis erhalten.“ Bei solchem externen Lob gibt es keine Zurückhaltung in eigener Sache wie bei Chefredakteurssuchen; das zeigt auch der wöchentliche „Rückspiegel“ in seiner peinlichen Selbstverliebtheit.
  • Das sich gerade zum People-Magazin wandelnde „insight“ lässt auf zwei sehr knappen Seiten (Heft 5/2008, S.34 f) Rudolf Augsteins Spiegel-Schaffen Revue passieren.
  • Jakob Augstein hat den Freitag gekauft.
  • Reticon lobt die neue Kritik-Offenheit bei Spiegel-Online, Spiegelkritik nörgelt rum.
  • Oliver Gehrs hatte sich in der taz über die neuen Chefredakteure geäußert – es sei hiermit spät nachgetragen:

    „Die Angst, die Aust oder Steingart verbreitet haben, ist weg“, sagt ein Redakteur – und wie kuschelig es zugeht, zeigt auch der Betriebsausflug vom vergangenen Wochenende, auf dem Korrespondenten und Ressortleiter über das Heft plauderten und gemeinsam im Hamburger Norden Fußball spielten.

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