Gleichheit vor dem Spiegel

Das Spiegel-Gespräch mit Ursula von der Leyen (18/2008, S. 27-30) hätte ich wirklich gerne gesehen. Oder zumindest gehört. Denn es ist über weite Strecken geil. Schon der Einstieg:

SPIEGEL: Frau Ministerin, wir sind wegen der Gleichberechtigung da.

Von der Leyen: Zwei Männer, die wegen der Gleichberechtigung kommen. Das finde ich schon mal gut.

Oder so entspannte Dialoge wie:

SPIEGEL: Eine Umfrage hat ergeben, dass mehr als die Hälfte der deutschen Frauen mit Til Schweiger ins Bett wollen. […]

Von der Leyen: Ins Bett gehen ist Sex, und Sex hat mit körperlicher Attraktivität zu tun. Insoweit kann ich das mit Til Schweiger verstehen. […]

Wie souverän die Bundesministerin da wohl geblinzelt haben mag? Oder musste ihr Pressereferent als kleine Eselsbrücke ein Abziehbildchen von Schweiger hochhalten? Nun, es wird geheim bleiben, auch künftig, denn der Spiegel plant leider nicht, solche schönen Interviews auch in Ton und Bild zur Verfügung zu stellen. Die Gespräche seien ja “in der Regel auch viel länger als gedruckt”, verweist die Sprecherin Anja zum Hingst auf das häufiger diskutierte Procedere bis zum gedruckten Werk.

Interessiert hätte mich das Interview-Ambiente auch bei der Begegnung mit Stephan Weidner (18/2008, S. 168f). Denn aufgrund der schriftlichen Fassung kann ich nichtmals erahnen, mit was sich dieser jüngerschaftsreiche Stümper für den Kulturteil empfohlen hat. Und welchen Erkenntnisgewinn die Spiegel-Redaktion von dem Termin und seiner zweiseitigen Heftpräsentation erwartet.

Vielleicht hätten die männlichen Politikredakteure mit dem Gründungsmitglied der Böhsen Onkelz Weidner sprechen sollen, um auf das Wesentliche zu kommen. Immerhin verdanken wir Lyriker Weidner Sexologisches wie diese Verse:

Herr, ich bin schuldig
ich habe es getan
ich habe sie verdorben
und es war nicht das erste Mal
frag mich besser nicht,
sonst muss ich lügen
ja, ich habe sie entweiht
und es war mir ein Vergnügen

ich ließ ihre Lippen bluten
ich nahm ihr den Verstand
ich hörte dich zwar rufen
doch der Teufel gab mir seine Hand

wir ham’s getan, wie man es tut
im Stehen und im Liegen
und wenn wir einmal Engel sind
dann fick ich dich im Fliegen

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