Vom Nutzwert des Wirtschaftsjournalismus

Themenwellen werden am Journalismus ja oft kritisiert. Irgendwoher schwappt es in die Redaktionen, wird dort kräftig aufgeschaukelt, versendet und versandet. Halbwegs abgeschlossen wird ein Thema nie. Nun also Nokia, der Stellenabbau und – das ist mal ein neuer Aspekt – die Subventionen.
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Die Fragen, die nun (vom Journalismus) gestellt werden, sind berechtigt. Aber die Antworten helfen uns so lange nicht weiter, wie die Berichterstatter immer wieder die Seite wechseln. Denn unparteiisch sind sie natürlich nie – wie sollte das auch gehen.

In der klassischen Wirtschaftberichterstattung wird aus Unternehmenssicht geschaut. Positive Nachrichten sind satte Gewinne. Was das Unternehmen freut, freut auch den Wirtschaftsjournalisten – und lässt ihn gleich den Aktienkauf empfehlen.

Dabei könnte man natürlich schon bei jeder Bilanzpressekonferenz den Blick des gesellschaftsverantwortlichen Journalisten aufsetzen, der nun dieser Tage mit Nokia ins Gericht geht, und beklagen: Was, so viel Gewinn macht ihr? Dann investiert ihr offenbar zu wenig, stellt zu wenige Menschen in Lohn und Brot und habt all die Subventionsmillionen zu Unrecht erhalten!

Auch könnt sich der Verbraucher- oder “Nutzwertjournalist” zu Wort melden mit der Klage, offenbar habe Nokia überhöhte Preise für seine Produkte gefordert und den armen User übervorteilt, anders ist ja ein Überschuss von 1,3 Milliarden EUR in drei Monaten nicht zu erklären.

Aber Partys versauen Journalisten nur ungern, solange sie mitfeiern können. Nun aber, da der Kaviar künftig in Rumänien gereicht werden soll, heult die Meute auf, sieht nicht mehr ein hoch-profitables Unternehmen, sondern ein Fiasko – und lässt mir neuen Heilsplänen wieder genau jene zu Wort kommen, die für das ausgemachte Subventionsdebakel gesetzgeberisch verantwortlich sind.

Cui bono?

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