Finnische Hakenkreuze

Den Bezug zum Nationalsozialismus beim “Kult um das Hakenkreuz”, den der Spiegel (51/2007, S. 116) bei den Finnen ausgemacht hat, können wir nicht nachvollziehen. Der Spiegel schreibt, dass ein Ring mit Hakenkreuz der Ladenkette R-Kioski ein Verkaufsschlager sei. Zwar schreibt das Magazin recht distanziert:

“Die Verwedngung der von den Nazis missbrauchten Rune ist bei den Finnen nicht ungewöhnlich”,

hält dies aber dennoch für “Nazi-Insignien”. Dabei hat das Hakenkreuz, das heute noch in einigen Orden und Emblems in Finnland vorkommt, seinen Ursprung in prähistorischen Symbolen und keinen Bezug zu nationalsozialistisch geprägtem Gedankengut.

Archäologische Ausgrabungen in Finnland haben gezeigt, dass das Hakenkreuz bzw. die Swastika als Motiv bereits in der Eisenzeit benutzt wurde. Später ist es oft als Dekorationsmotiv bei Textilien und auf Holzgegenständen aufgetreten. Das Hakenkreuz war insbesondere auf verschiedenen Holzgegenständen Teil eines magischen Zeichens, das vor dem Bösen schützen sollte. In ganz Skandinavien war das Hakenkreuz das Symbol für aufgehende Sonne und Glück.

Im unabhängigen Finnland zu Beginn des 20. Jahrhunderts haben mehrere Institutionen das Hakenkreuz in ihrem Emblem benutzt, so z.B. der Verband finnischer Krankenschwester, die Lotta Svärd -Bewegung (unbewaffnete freiwillige Hilfstruppen von Frauen, die hauptsächlich sanitäre und auf Verpflegung und Kommunikation bezogene Aufgaben wahrnahmen) und die finnische Armee.

Die finnischen Luftstreitkräfte übernahmen das Symbol 1918, als der schwedische Graf Eric von Rosen während des finnischen Bürgerkrieges Finnland das erste Flugzeug schenkte, auf dessen Tragflächen er ein aus seinem Familienwappen entnommenes aufrecht stehendes blaues Hakenkreuz aufmalen ließ. Später wurde dieses Symbol auch auf gepanzerte Fahrzeuge des finnischen Heeres übertragen. 1945 wurden diese Symbole aus den Emblems der finnischen Streitkräfte wegen der Assoziation zum nationalsozialistischen Hakenkreuz entfernt. Die Standarte der finnischen Präsidentin enthält es noch heute.

Die Verwendung des Hakenkreuzes im Ring der Kriegsveteranen hängt mit einer nach dem finnischen Winterkrieg 1940 durchgeführten Goldsammelaktion zusammen, mit der die Anschaffung von Jagdflugzeugen finanziert werden sollte. Viele Finnen haben damals ihre goldenen Eheringe gegen Eisenringe eingetauscht, die mit einer heraldischen Rose oder mit dem Emblem der Luftstreitkräfte, dem Hakenkreuz, verziert waren.

Die finnische Botschaft hat nach unseren Informationen eine Stellungnahme an den Spiegel geschickt, die im aktuellen Heft (52/2007) aber noch nicht veröffentlicht ist.

7 Gedanken zu „Finnische Hakenkreuze

  1. Schön und gut, aber sollte Finnen trotzallem nicht klar sein, dass man das Hakenkreuz heutzutage zumindest in Europa ganz klar mit den Nazis verbindet? Es ist ja nicht so, dass der Durchschnitts-Finne noch nie vom Holocaust gehört hätte…

  2. Auch wenn das Hakenkreuz vor dem Nationalsozialismus nicht als Symbol für ebenjenen galt, so ist es doch durch die massenhafte Verwendung in der NS-Zeit als offizielles Symbol inzwischen meines Erachtens untrennbar mit diesem verbunden. Ich denke jedenfalls, wenn ich es sehe, nicht an den Hinduismus. Ich kann daher auch nachvollziehen, dass das Hakenkreuz in Deutschland strafrechtlich als NS-Symbol bewertet wird.

    Wenn Leute in Finnland sich als Mode-Accessoires ein Hakenkreuz zulegen, finde ich: Das ist befremdlich – und auf jeden Fall ein Thema für den Spiegel.

  3. Alles recht und richtig, es ging aber bei dem Eintrag nicht um Politik, sondern ausschließlich um Kritik an der verkürzten und damit unrichtigen Darstellung.

  4. Aber trotzdem bin ich mir nicht sicher, ob die Finnen Teile ihrer kulturellen Identität über Bord werfen sollten.
    Hakenkreuze finden ist freilich immer wieder ein schönes Thema, wenn ein Medium nichts zu schreiben hat. Die Inder sind ja bekanntermaßen auch alle Nazis…

  5. Auch wenn ich mir als Finne keinen Hakenkreuz Ring anstecken würde, finde ich gut, dass in dieser Kritik endlich einmal getrennt wird, zwischen der Bedeutung in Finnland damals und der heutigen Assoziation mit dem Nationalsozialismus. Ich finde, man kann natürlich kritisch betrachten, dass sich Finnen wirklich diesen Ring kaufen, aber auf der anderen Seite sollte der Spiegel die Bedeutung richtig darstellen und ggf. erwähnen, dass wohl nicht jeder Finne gleich an Nazis denkt, sondern seine eigene Geschichte kennt. Die meisten Deutschen kennen die finnische Geschichte jedenfalls nicht!

  6. Es ist schon wieder so, das wir anderen Völkern ihre Kultur vorschreiben wollen zum Kotzen wenn das Hakenkreuz dort ein Glückssymbol ist und das seit der Eisenzeit und es als Hoheitszeichen der Luftwaffe bereits 1918 also lange vor Hitler eingeführt wurde so ist es in Ordnung.Unser deutsches besserwisser und Gutmenschen gehabe ist zum kotzen entspricht aber auch dem Wesen unserer Medien wir sollten uns um unsere Kultur kümmern da ist genug zu tuen. Mit freundlichen Grüßen Olt. a.D Meinhardt Rudolf Müller

  7. Nicht zu sehr aufregen, Müller.
    Mir als Halbfinnen ist eine gewohnheitsmässige Verwendung der Swastika dort in den letzten 40 Jahren nie aufgefallen. Die Swärd-Gruppe war paramilitärisch und im höchst grausamen finnischen Bürgerkrieg Teil der Weißen, deren Traditionslinie heute vor von extrem Rechten verherrlicht wird. Für die Finnen ist das schon wenigstens aufgrund ihrer Allianz mit den Nazis im 2.WK ein genausowenig harmloses Symbol wie für uns. Und die Greueltaten der Deutschen beim Abzug nach dem Seitenwechsel sind auch noch bestens in Erinnerung.
    Und sowohl diese Phase wie auch die des Bürgerkrieges sind in Finnland durchaus polarisierend. Sich heute demonstrativ mit der Swastika zu schmücken ist durchaus ein klares und bewusstes, ziemlich weit rechtes Statement. Andererseits ist der Artikel auch schon wieder 10 Jahre alt und die Swastika-Begeisterung längst passe. War eher was für Jugendliche, die provozieren wollten.

    Ihre heilige Erregung ist also leicht übertrieben.
    Eipä kestä. Ole hyvä!

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