Mal wieder: Horror-Märchen um “Volksdroge Cannabis”

Eben hab ich mir mal den Artikel “Hanf-Republik Deutschland” auf spiegel online durchgelesen. Da werden mal wieder Märchen verbreitet – bestes Zitat ist dieses:

Doch das Gras “made in Germany” birgt Gefahren. Längst nicht alle Cannabis-Konsumenten ahnen, wie berauschend dieses Gewächshaus-Grünzeug wirken kann. “Durch die professionelle Bewirtschaftung der Plantagen, und weil die Pflanzen oft aus genmanipuliertem Saatgut stammen, kann die Wirkstoff-Konzentration der Indoor-Drogen bis zu vier Mal höher sein als bei herkömmlich angebautem Marihuana. Die Suchtgefahr steigt dadurch extrem an”, warnt LKA-Sprecher Scheulen.

Das Gerücht vom Cannabis mit “viel höheren THC-Konzentrationen als in der Zeit der 68er” hält sich hartnäckig. Der deutsche Hanf-Verband hat zu diesem Märchen eine interessante Zusammenstellung erstellt. Únd bereits im Jahr 2004 hat die EU-Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht in ihrem Suchtbericht festgestellt (PDF, 2MB), dass

“Die in den Massenmedien verbreiteten Behauptungen, dass sich die Cannabisstärke in den letzten Jahrzehnten um das Zehnfache oder mehr erhöht hat, werden durch die beschränkt vorliegenden Daten aus den USA oder Europa nicht bestätigt.”

Die Stärke von Cannabis, Seite 90

Man will mit diesen aus dem Nichts gegriffenen Horror-Geschichten womöglich Eltern, die früher mal gekifft haben, die Toleranz gegenüber ihren kiffenden Kindern madig machen.

Dabei ist die progressive Suchtforschung längst der Auffassung, dass die Drogenprohibition nicht der richtige Weg ist. Die Kriminalisierung junger Menschen schadet – denn Schweigen macht einsam! Süchtig werden junge Menschen vor allem, wenn sie mit niemand über eventuelle Probleme mit der Droge sprechen können.

Dazu kommt: Mir kann kein ernstzunehmender Drogenforscher und schon gar kein Drogengebraucher erzählen, dass man bei einer viermal höheren Wirkstoffkonzentration nicht einfach dazu übergehen könnte, die viertel Menge Gras in den Joint zu bröseln.

7 Gedanken zu „Mal wieder: Horror-Märchen um “Volksdroge Cannabis”

  1. Ein Spiegel-typisches “Warnen”, credits by LKA(!)-Staatsdiener Scheulen. Cannabis, ein echtes Uralt-Thema, daß sich natürlich jederzeit wieder einsetzen lässt, um ein paar Seiten zu füllen,nun ja,kennt man ja.(Bald kommt beestimmt mal wieder was über Urmesnchen, Hitler, Russland/Putin etc.)
    Und daß die Drogenprohibition des Staates rein gar nichts bringt, erkennt man spätestens dann, wenn man einige Zeit mit H- und Alk-Leuten gearbeitet hat, wohingegen Gras pillepalle ist, aber es ist eben gesellschaftlich nicht akzeptiert wie Alkohol.

  2. Ehrlich gesagt, ich habe so etwas Gutes wie den ‘schwarzen Afghanen mit Schimmel’ aus meiner Jugend (70er Jahre) nie wieder verlötet. Da wussten wir doch noch, woher der Ausdruck ‘stoned’ kommt. Später kam die Zeit des ‘grünen Straßentürken’ – und dann hatte ich davon auch die Schnauze voll.

    Preisfrage: Wenn Cannabis nachweislich nicht süchtig macht, wie viel ‘süchtiger’ macht dann ‘viel stärkeres Cannabis’?

  3. Ich rauche seit meinem 17. Lebensjahr Cannabis. Ich bin 56 Jahre alt.

    Wäre Cannabis eine Einstiegsdroge, müsste ich inzwischen längst zu harten Drogen gegriffen haben. Weit gefehlt!!

    Mir hilft Cannabis gegen Schmerzen, ich verwende es gegen das “Restless-Leg-Syndrom”, damit ich einschlafen kann und es hat mich während einer längeren Chemotherapie sehr unterstützt.

  4. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass Canabis nicht im Laufe der Zeit effektiver gezüchtet wird. Diese Droge ist aber so oder nicht harmlos. Dennoch bin ich für eine Legalisierung und Ausgabe in Apotheken.

  5. Die zitierte Aussage aus dem Suchtbericht widerspricht der SPIEGEL-Aussage doch gar nicht und ist somit auch nicht dazu geeignet, diese Aussage zu widerlegen.

  6. Folgenden Interessanten Dialog habe ich auf abgeordnetenwatch.de gefunden.

    19.02.2007
    Frage von
    Robert Schubert

    Sehr geehrter Herr Gysi,

    wie stehen Sie und Ihre Partei zur Legalisierung bzw. entkriminalisierung von Marihuana?

    Danke für Ihre Antwort

    MfG
    R. Schubert
    06.03.2007
    Antwort von
    Dr. Gregor Gysi

    Bild: Dr. Gregor Gysi

    Sehr geehrter Herr Schubert,

    ich bin für die Legalisierung von Haschisch, nicht aber von Marihuana. Haschisch macht nicht abhängig, ist so schädlich wie Alkohol, also brauchen wir diesbezgüglich kein Verbot. Marihuana macht abhängig, ich will keine abhängigen Leute. Außerdem führt Marihuana zu Krebs.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Gysi

    Ergänzung vom 07.03.2007
    Sehr geehrter Herr Schubert,

    pardon, es gab eine Namensverwechselung. Der synonyme Begriff für Haschisch ist Marihuana.

    Ergo gelten meine Argumente für die Aufhebung des Verbots von Haschisch selbstredend auch für Marihuana. Meine restliche Argumentation bezieht sich nicht auf Marihuana, sondern auf schwere, abhängig machende Drogen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Gysi
    http://www.abgeordnetenwatch.de/dr_gregor_gysi-650-5874-5.html#fragen

  7. Also, diese Diskussion in den Massenmedien die offensichtlich für die Desinformation des ahnungslosen Bürgers zuständig sind, geht mir echt auf den Keks.
    Ständig ist die Rede von “genmanipulierten Marihuana”, aber Fakt ist: Das gibt es einfach nicht!Die Sorten von heute sind einfach durch ZÜCHTUNG so Gehaltvoll, und nicht durch, (siehe Soya in fast allen Nahrungsmitteln), durch Genmanipulation…
    Außerdem ist oben genannte Einstellung mehr als schwachsinnig, den Haschisch wird aus Marihuana hergestellt, das lernt man schon in der Schule, sowohl im Unterricht als auch von den dauerbreiten Nichtsnutzen in der Raucherecke…
    Legalisierung ist die einzige Möglichkeit den Verbraucher/Konsument effektiv vor den wirklichen Kriminellen und irgendwelchen Verschnittstoffen zu schützen, ganz abgesehen vom Jugendschutz…

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