Fossiler Humor

Warum uns SPAM nicht gefällt? Weil es einfach liederlich gemacht ist. Nur darum.
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Eine völlig unbedeutende, von kaum einer Redaktion übernommene Agenturmeldung, mehr Grundlage ist nicht. Dazu ein Foto von Hildegard Hamm-Brücher. Und eine Anspielung auf die FDP, der sie mal angehörte. Fertig ist die Spiegel-Online-Satire. Mag sein, dass irgendwer das lustig findet. Was wir für ausgeschlossen halten: das irgendwer einen Sinn in dem Beitrag zu sehen vermag.

Lesebeute: Zu wenig Krawall am 1. Mai

  • “Mehr als pflichtschuldig scannt die Redaktion den ganzen 1. Mai über das Geschehen. Klar, an einem nachrichtenarmen Feiertag gibt es nicht viele andere Themen. Doch an diesem Tag führt Spiegel Online seine Leser in die Irre: dadurch, dass ein absolutes, dazu noch regionales, B-Thema hochgejazzt wird und die Berichterstattung eine falsche Tendenz bekommt.” Die Klickhuren-Kritiker vom “Werkkanon” finden schon wieder was bei SpOn daneben – und nicht nur eine Geschichte: “Ein klassischer Teaser, wie er sich eingebürgert hat – Appetithäppchen hinwerfen, auf Reizwörter setzen (Randale), reißerisch ans (spröde) Thema rangehen. Am Ende der umgeschriebenen und – gemessen am Teaser – aufgeblasenen Agenturmeldung steht dann übrigens, dass es in diesem Jahr viel friedlicher war als sonst.”
  • Gabor Steingarts SpOn-Werbung fürs neue Buch “Weltkrieg um Wohlstand” kritisiert ausführlich der spiegelfechter.
  • Stefan Reinecke (taz) hat der Spiegel-Titel “Mekka Deutschland” nicht so doll gefallen. “Erst Flüchtlinge, dann Ausländern, jetzt Muslime. Immer geht es gegen die Fremden, die Anderen, die uns irgendwie bedrohen. So ändern sich die Feindbilder und bleiben sich doch gleich.” Schön auch seine Interpretation: “Die Republik schläft – nur die Spiegel-Redaktion wacht und eilt zur Alarmglocke, um die schlafmützigen Liberalen aufzuwecken, ehe die Muslime vollends die Macht im Staate übernommen haben.”

  • Die vom Spiegel ausgemachte Islamisierung Deutschlands war natürlich auch in einigen Blogs Thema. Der Pantoffelpunk hat dazu auch gleich ein eigenes Cover entworfen.
  • Eine unstrittige Anforderung an Journalismus ist “Vollständigkeit”: Wer mit der Berichterstattung zu einem Thema anfängt, kann nicht nach Belieben zum nächsten hüpfen und seine Leser mit unvollständigen und daher ggf. falschen Meldungen sitzen lassen. Passiert aber immer wieder, vor allem online. Die jungeWelt kritisiert es am Beispiel der unvollständigen SpOn-Berichterstattung über die Festnahme vermeintlicher irakischer Terroristen in Griechenland.
  • Dass es eine Aufgabe des Journalismus sein könnte, nicht nur beliebige Häppchen zu servieren, sondern ein Thema auch mal rund zu machen, meint wohl auch Chat Atkins, wenn er auf SpOn zeitgleich von der “Todeszone des Klimawandels” und vom Märchen Klimakatastrophe liest.
  • Als eine Art Leserbrief sei auf Albrecht Müllers Kritik am Spiegel-Artikel “Wirtschaftswunder 2.0” (23. April 2007) verwiesen.
  • Korinthe (36): “Birne” keine SPIEGEL-Erfindung, sagt Titanic

    Gabor Steingart kommentiert die USA-Reise unserer Bundeskanzlerin. Und kommt dabei zwangsläufig auf Helmut Kohls Spitznamen “Birne” zu sprechen, den ihm – und nun wirds strittig – “SPIEGEL-Leute (…) verpasst hatten”.
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    Doch diese Taufpatenschaft reklamiert die “Titanic” nun lautstark für sich, die bereits sehr früh im letzten Jahrhundert Kohl als Birne be- und gezeichnet haben will – und sich nun wundert, dass Steingart nicht bei den SpOn-Titanic-Experten von SPAM nachgefragt hat.
    Eine Schnellsuche im Spiegel-Archiv stützt jedenfalls die Titanic-Auffassung von der Ersttäterschaft.

    Mit Dank an den Schalker Anwalt.

    Spiegel Online ist “Qualitätsboulevard”

    Dass der “Quote” vor allem bei Online-Produkten oft die Qualität geopfert wird, meint das Gutachten “Klicks, Quoten, Reizwörter: Nachrichtensites im Internet” der Friedrich-Ebert-Stiftung. Darin heißt es:

    “Zehn Artikel wiegen nicht die Reichweite einer hoch frequentierten
    Bildergalerie auf. Besonders erfolgreich sind Fotostrecken, die auf den später zu analysierenden Aufmerksamkeitsfaktoren beruhen: Prominenz, Klatsch, Sex, Tratsch, Superlative. Nicht nur die boulevardeske »Bild.de« verdankt einen großen Teil ihrer Klickerfolge halbseidenen Bildergalerien. Selbst Websites wie »FAZ.NET«, »wiwo.de« oder »Spiegel Online« schaffen ein Grundrauschen an Reichweite durch Galerien.”

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