Lesebeute: Momo, Reichstagsbrand, Sonneborn

  • Ein nicht existentes Heft wird eingestellt – auch mal was. “Momo”, was da werden sollte ein neues Kulturmagazin aus dem SPIEGEL-Hause, wird’s nicht geben. Die Süddeutsche macht dafür mangelnde Unterstützung durch Stefan Aust verantwortlich.

    Das Hamburger Abendblatt wartet mit einem tiefsinnigen Wortspiel auf:

    “Doch, eigentlich ein Trauerspiel, denn die “grauen Herren” im “Spiegel” haben einem vielversprechenden Produkt die Zeit genommen.”

    Und die Welt meint, der neue Geschäftsführer Mario Frank habe auf eine Machtprobe verzichten wollen. Ulrike Simon:

    “Schließlich ließen Aust und der in die Mitarbeiter KG strebende Hauptstadtbüro-Leiter Gabor Steingart keine Gelegenheit aus – auch nicht die 60-Jahr-Feier – um Frank klar zu machen: Ein Geschäftsführer, der um den „Spiegel“ neue Titel aufbauen will, schwächt aus Renditedenken das Magazin, handelt also gegen den Willen Rudolf Augsteins.”

    Was Thomas Knüwer sehr amüsant weiterspinnt:

    “Stimmt das so, müsste die politische Landkarte im Journalismus neu geschrieben werden. Denn bisher galt ja gerade Steingart als fast schon neoliberal. Wenn er aber glaubt, mit neuen Produkten ließe sich kein Gewinn erzielen, sie schwächten grundsätzlich das Unternehmen, dann müsste man ihm wohl ein neues Etikett anheften: “neosozialistisch”, zum Beispiel.”

  • Ausführlich schildert Sabine Pamperrien in der Netzeitung nochmal die Auseinandersetzung um die historische Aufarbeitung des Reichstagsbrands im SPIEGEL, aufgehängt an einem neuen juristischen Zug, interessanterweise ohne Namen der Beteiligten zu nennen.
  • Hilfen zum effizienten Lesen von SpOn gibt Peter Giesecke bei netzausfall, um uns philosophisch zu entlassen:

    “Diese Fokussierung auf Spiegel Online (an dieser Stelle wie auch in anderen Medienblogs), dieses hyperkritische Korinthenkacken entspringt doch der Verlegenheit, kein anderes Newsportal zu haben, mit dem man sich auf angenehmere Weise beschäftigen kann. Lesend. Zustimmend. Die konsequente Spiegel-Online-Lesestrategie, wäre es, das Newsportal zu wechseln. Wenn es denn Spon-Alternativen gäbe.”

  • “Junge Welt” und “Jungle World” sind zu verwechseln, wie ein auf SpOn laufender Perlentaucher-Beitrag zeigt – eine Korinthe des Telegehirns.
  • Die mediale Destruktion Edmund Stoibers ist auch bei SpOn aufgefallen – die Frankfurter Rundschau zitiert Thomas Mrazek.
  • Spiegelkritik ist auch ein wesentlicher Bestandteil der erstmals filmisch aufbereiteten Medien-Wochenschau von Blogmedien, u.a. festgemacht an der späten Thematisierung der Folter im irakischen Gefängnis Abu Ghraib, von der SPIEGEL bereits Monate vor dem ersten Bericht wusste. Stefan Aust ist dazu so zu verstehen, dass es einfach an Bildern mangelte: “Wenn wir zum Beispiel die Fotos gehabt hätten, wäre ein Titel die Folge gewesen“.
  • Was Manfred Bissinger (ehem. Chef “Woche”) zu einer Unterlassungsforderung von SPIEGEL-Seite zu sagen hat, wollten wir gerne wissen. Bissinger möchte sich derzeit aber dazu leider nicht äußern.
  • Spiegel-Gespräche werden autorisiert – d.h. vom Interviewten in der Druckfassung abgesegnet. Thomas Knüwer überrascht die Offenbarung.

    Seiner Schlussfolgerung muss man nicht zustimmen: denn gerade SPIEGEL-Gespräche werden durch die Bearbeitung, die Straffung, Ordnung und Pointierung lesbarer. Für Entlarvungen taugen Print-Interviews eher nicht.

  • SPAM-Chef Martin Sonneborn hat Telepolis ein ausführliches Interview gegeben. Wer unsere beiden SPAM-Kritiken (eins und zwei) gelesen hat, sei darauf ergänzend verwiesen.
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