Bohlens Psyche bei “Spiegel Online”

Ein Gastbeitrag von Stefan Niggemeier

Dass ein Medium wie „Spiegel Online“ die Meldung der „Bild am Sonntag“ übernimmt, dass Dieter Bohlen, der gerade erst bei einem Raubüberfalls gefesselt wurde, durch einen glücklichen unglücklichen erstaunlichen Zufall nun in einer RTL-Werbekampagne für „Deutschland sucht den Superstar“ gefesselt zu sehen ist, das kann ich irgendwie verstehen.

Was ich nicht verstehen kann: Dass ein Medium wie „Spiegel Online“ den Artikel der „Bild am Sonntag“ quasi komplett abschreibt, inklusive des fast vollständigen Zitates einer RTL-Sprecherin, die „Bild am Sonntag“ befragt hat, inklusive der fast vollständigen Ferndiagnose eines Psychologen, den „Bild am Sonntag“ gefragt hat, inklusive des Schlusses, bei dem Bohlen sagt, dass er der „Bild am Sonntag“ nichts sagt — und unter Hinzufügung eines bizarr staatstragenden Vorspanns, den vermutlich selbst die „Bild am Sonntag“ abwegig gefunden hätte:

Es ist schwer genug, einen Raubüberfall zu verarbeiten — nun ist Dieter Bohlens Heilungsprozess auch noch durch eine Werbekampagne bedroht: In einem RTL-Spot ist der Produzent laut „Bild“ gefesselt zu sehen. Ein dummer Zufall, der einem Experten zufolge Bohlens Psyche schaden könnte.

Ich meine, wenn „Spiegel Online“ beim Ab- und Umschreiben von „Bild am Sonntag“-Artikeln nicht einen eigenen Anruf tätigt, keine einzige andere Quelle nutzt, kein eigenes Hintergrundwissen einfließen lässt und nicht wenigstens einen Hauch von Distanz oder Ironie hinzufügt… warum setzen die nicht einfach einen Link zu Bild.de? Es wäre auch im Sinne der Leser — die „Bild“-Version enthält mehr Informationen, ist aber um 20 Prozent kürzer.

Der „kress“-Report berichtet übrigens, dass „Spiegel Online“ zum 1. April 2007 eine neue Ressortleiterin für das Vermischte-Ressort „Panorama“ bekommt: Patricia Dreyer, zur Zeit Unterhaltungschefin bei „Bild“. Ihr Name stand u.a. über dem Artikel „Deutsche Film-Diva in Wahrheit Porno-Star“, mit dem die „Bild“ ihre Schmutzkampagne gegen Sibel Kekilli begann.

Dreyers Engagement ist für „Spiegel Online“ sicher Teil einer Qualitätsoffensive. Dass man in Zukunft mal eigene idiotische Promigeschichten hat, und nicht die der „Bild am Sonntag“ aufblasen muss.

3 Antworten zu “Bohlens Psyche bei “Spiegel Online””

  1. [...] Obwohl, abgeschrieben wird wohl schon länger … Zu Mister Wong hinzufügen [...]

  2. Maren Heinke sagt:

    Die Meldung ist peinlich. Unten drunter steht ase – und wenn man dann ins Impressum schaut, verbirgt sich dahinter kein Panorama-Redakteur, sondern eine Wirtschafts-Redakteurin. Findet die den Bohlen so scharf, dass sie DAS nötig hat? Peinlich!

  3. [...] Stefan Niggemeier schrieb zu diesem Thema auch den Beitrag “Bohlens Psyche bei Spiegel Online” [...]

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