Der Dudenhöffer-Streit

Spiegel zieht Behauptungen aus Artikel über Autoexperten zurück

Der Spiegel-Verlag hat drei Behauptungen aus einem Artikel über den Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer zurückgezogen. In dem Fünf-Spalter wird die Unabhängigkeit des Akademikers angezweifelt. Doch die Entstehungsgeschichte der Story über den „Professor und das Geld“ ist seltsam.

Erschienen ist der Artikel „Wie unabhängig ist der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer wirklich?“ im Spiegel 25/2006 vom 21. Juni, die Autoren: Dietmar Hawranek und Jörg Schmitt. Auf die Beschwerde Dudenhöffers gegen die dortigen Aussagen reagierte der Spiegel-Verlag schließlich mit einer Unterlassungserklärung: Drei Stellen werden inzwischen bei Auslieferungen der Nummer geschwärzt; sie betreffen nach Spiegel-Aussagen aber nur Randaspekte. Auch wird ein Teil der Anwaltskosten Dudenhöffers übernommen, bereits am 17. Juni veröffentlichte der Spiegel einen Leserbrief Dudenhöffers, in dem er den über ihn erweckten Eindruck als „in ärgerlicher Weise falsch und nicht hinnehmbar“ zurückweist.

Tenor des Spiegel-Artikels: Dudenhöffer trete als unabhängiger Autoexperte auf, stehe aber tatsächlich im Sold von DaimlerChrysler:

„Dudenhöffers Firma wurde im vergangenen Jahr zu einem wesentlichen Teil von nur einem Autokonzern finanziert – DaimlerChrysler. 2005 überwies der Konzern exakt 396 314 Euro an das Privatunternehmen des Professors.“

Tatsächlich ist Dudenhöffer nicht nur Professor für Marketing und Unternehmensführung an der FH Gelsenkirchen, sondern auch einer der Geschäftsführer der B&D Forecast GmbH, an der er mit 40 Prozent beteiligt ist. Im Spiegel wird aus dieser Beteiligung allerdings hartnäckig „Dudenhöffers Firma“.

Im Weiteren werden verschiedene positive Aussagen Dudenhöffers über DaimlerChrysler zitiert. Die Spiegel-Autoren ziehen daraus den Schluss:

„Dudenhöffer muss sich fragen lassen, ob seine euphorischen Äußerungen auch etwas zu tun haben mit Zahlungen des Autokonzerns an sein Unternehmen.“

Zudem:

„Auch Konkurrenten in der Branche fällt auf, wie positiv Dudenhöffer sich zu Daimlers Prestigemarke Mercedes-Benz äußert.“

Die Behauptung ein „hochrangiger Automanager“ habe Dudenhöffer „ironisch als Doktor Daimler“ bezeichnet, wurde allerdings fallengelassen.

Daneben wurden zwei weitere Behauptungen zurückgezogen: Zum einen die, Dudenhöffer schreibe Kommentare für „Auto Bild“. Zum anderen die, Porsche und Volkswagen „vergeben keine Aufträge an Dudenhöffers Firma“. Für die Autoren ein Grund, dass „Dudenhöfer mit Porsche und Volkswagen oft so hart ins Gericht geht.“ Doch: „Aufträge vom VW-Konzern“ gebe es sehr wohl, widerspricht Dudenhöffer.

Auf Anfrage von Spiegelkritik schildert der Hochschullehrer auch die Vorgeschichte des Artikels als seltsam: so habe er im Vorfeld des Artikels zweimal versucht mit einem der Autoren Kontakt aufzunehmen, eine Antwort aber nicht erhalten. Stattdessen sei am Mittwochnachmittag (16. Juni) vor dem Erscheinungsdatum des Artikels ein umfangreicher Fragekatalog von Seiten des Spiegels gefaxt worden – nur: nicht an seine Fax-Adresse, sondern an die des benachbarten Fachbereichs sowie an das Dekanat der Fachhochschule. Fristsetzung für die Antwort der Fragen: 24 Stunden – der Donnerstag war in Nordrhein-Westfalen ein Feiertag (Fronleichnam). Allerdings habe, so Dudenhöfer, einer der Spiegel-Autoren seine Frau angerufen mit der Frage, ob das Fax angekommen sei. Schließlich habe man ein persönliches Gespräch vereinbart; es fand am folgenden Freitagnachmittag in Gelsenkirchen über mehr als zwei Stunden statt.

Der Gelsenkirchener Hochschullehrer behauptet weiter, er habe in dem Gespräch mehrere Vorwürfe ausräumen können, die in den gefaxten Fragen zum Ausdruck kamen. Waren die Fragen, etwa zu angeblichen, zweifelhaften Nebenverdiensten Dudenhöffers, demnach nur ins Blaue gestellt? „Dass sich Journalisten Fragen aus den Fingern saugen, kann man ausschließen“, sagt Spiegel-Justitiar Dietrich Krause zum Gebaren seines Hauses. Einer der angefragten Spiegel-Autoren wollte sich nicht offiziell zu den Vorgängen äußern, der andere war unerreichbar.

Thema im Spiegel-Artikel ist auch das gestörte Verhältnis zwischen dem Unternehmen Porsche und seinem ehemaligen Mitarbeiter Dudenhöffer. Von „Verfolgungseifer“ des, so Dudenhöffer in seiner Vita, ehemaligen „Leiter Marketing-Strategien & Research bei Porsche“ ist die Rede. Dagegen berichtet das Magazin „Werben und Verkaufen“,
Porsche habe nach Bekanntwerden der Unterlassungsforderung zweijährige Gespräche mit einer Partnerfirma von B&D Forecast abrupt abgebrochen. „Auf Druck von oben“, wie der zuständige Porsche-Mitarbeiter erklärt habe. Auch unterstellt „Werben und Verkaufen“ eine zweifelhafte Nähe von Porsche und Spiegel: „Umgekehrt macht auch der Spiegel dem Aust-Freund Wiedeking Freude. Auf fast zwei Seiten zerpflückten Journalisten – einer davon Hawranek – einen prominenten Kritiker Wiedekings: Ferdinand Dudenhöffer“

Gestritten wird über die Wertschöpfung beim Porsche Cayenne: Zu welchen Anteilen wird er in Deutschland hergestellt? Porsche sagt zu 55 Prozent, Dudenhöffer kommt in seinen Berechnungen nur auf 33 Prozent. Für den Spiegel steht allerdings fest:

„Die Berechnungsmethode des Professors ist erstaunlich. ‚Unterstellen wir’, schreibt Dudenhöffer, dass ‚zwei Drittel der in Bratislava verbauten Zuliefererteile nicht aus Deutschland kommen.’ Auch der in Deutschland gefertigte Motor werde ja mit Teilen aus dem Ausland gebaut. ‚Unterstellen wir’, so Dudenhöffer, ‚dass ein Drittel dieser Zuliefererwertschöpfung jenseits deutscher Grenzen erfolgt.’ So unterstellt der Professor hier mal was und da noch was – wie man das macht, wenn man wenig weiß und viel sagen will. Sehr wissenschaftlich klingt das nicht.“

Als Beleg dienen die zwei zitierten Aussagen Dudenhöffers – die sich etwa auch in einem Beitrag von ihm für den Rheinischen Merkur finden: allerdings sind sie dort in einen größeren Zusammenhang gestellt und mit einer Reihe von Beispielzahlen belegt.

Nicht nur auf diese Weise wird Dudenhöffer eher abfällig in seiner Tätigkeit als Hochschullehrer dargestellt. So ist ständig einfach von „dem Professor“ die Rede, der „weiß was Journalisten wünschen – ein wenig Hintergrund, ein paar Zahlen, ein flotter Spruch.“ Auch das Klischee vom „umtriebigen Wissenschaftler“ fehlt nicht. Da passt es gut hinein, dass „Dudenhöffer in schnoddrig badischem Tonfall seine Meinung zum Besten gibt.“ Der Dialekt, auch schon mal an anderer Stelle erwähnt, scheint sich im persönlichen Gespräch gut heraushören zu lassen – nur Dudenhöffer selbst will es besser wissen: nicht badischen, sondern pfälzischen Tonfall habe er.

8 Antworten zu “Der Dudenhöffer-Streit”

  1. Es war schon lange nötig, Herr Prof. Dudenhöffer zu beobachten. So wie er in den Medien auftritt, wirkt er auf mich nicht seriös. Das wurde mir klar, als er erst die Probleme bei VW auf das VW-Gesetz in Niedersachsen zurückführte, wenig später aber bei nicht unter solchen Gesetzen arbeitenden Konkurrenten, die die gleichen Probleme hatten, nicht erklärte, wie das passieren konnte. Antworten hat er natürlich trotzdem parat gehabt, aber nur für Leute mit schlechtem Gedächtnis. Eine Nähe zu einem bestimmten Unternehmen habe ich zwar nicht bemerkt, eher zu einer Branche. Darin ähnelte er schon vor dem SPIEGEL-Bericht m.E. Herrn Prof. Raffelhüschen (Versicherungswirtschaft). Das Hamburger Magazin hat vielleicht nicht perfekt gearbeitet, der Riecher wird wohl richtig gewesen sein.

  2. tobias sagt:

    Mir war der Dudenhoefer schon immer sehr suspekt in seinen Vorlesungen. Ich habe immer schon geahnt das seine Weste wahrscheinlich sehr oft gewaschen wurde; dies beweist auch der juengste Skandal an der FH Gelsenkirchen.

  3. […] Automobilexperte Dudenhöffer erwirkt UnterlassungserklärungDer Dudenhöffer-Streit […]

  4. […] Interessant noch dieser Artikel aus dem Manager-Magazin. Der Fairness halber aber auch noch dieser Link zu diesem […]

  5. Norbert Heinrichs sagt:

    Es ist erstaunlich wie Herrn Dudenhöfer es schafft bei jeder Kleinigkeit seine Weisheiten zum besten zu geben. Er hat 2008 meinem Arbeitgeber keine Chance mehr nach dessen Insolvenz eingeräumt.
    Ende 2009 nach Übernahme eines Finanzkonsortiums fand er die Entwicklung „interessant“. Nur das auch durch diese Äußerung die negative
    Berichterstattung es deutlich schwieriger gemacht hat einen Käufer zu finden scheint Ihn nicht zu interessieren. 300 meiner Arbeitskollegen wurden letzlich über einen Sozialplan entlassen. Dies hat mit Ihm nichts zu tun aber er sollte sich bevor er seine „Expertenmeinung“ kundtut vor Augen halten dass auch er sich irren kann.

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