Korrektur

Jenny Hoch schreibt auf Spiegel Online:

Da reibt man sich überrascht die Augen: Die „Bild“-Zeitung will ab sofort zu ihren Fehlern stehen. In einer gesonderten Korrekturspalte auf Seite zwei sollen Irrtümer in der Berichterstattung aufgelistet und korrigiert werden. […] Im SPIEGEL-Streitgespräch mit Günter Grass vom 19. Juni hatte Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner dazu gesagt: „Wenn falsch berichtet worden ist, muss korrigiert werden. Und zwar nicht nur durch eine Gegendarstellung, sondern auch durch einen redaktionellen Widerruf.“ Er halte die amerikanische Einrichtung der Korrekturspalte am festen Ort für „ausgesprochen sinnvoll“.

Auf Spiegel Online dagegen werden Fehler meist stillschweigend (oder gar nicht) korrigiert. In jüngster Zeit ist hier jedoch eine Wende zu erkennen: Größere Korrekturen werden zunehmend transparent gemacht. Unter dem Text erscheint dann kursiv gedruckt ein Hinweis darauf, was ursprünglich im Artikel stand, und was daran falsch war.

Im gedruckten Spiegel fehlt eine Korrekturspalte völlig, dabei gäbe es auch hier durchaus Bedarf. Allein Spiegelkritik.de hat über eine Reihe von Fehlern im Spiegel geschreiben, von denen die Redaktion bislang noch keinen eingestanden und korrigiert hat. Im Umgang mit Fehlern hat sich beim Spiegel offenbar gegenüber den Achtzigerjahren wenig geändert. Wie es damals in einer Redaktionskonferenz zuging, beschreibt Michael Haller, Journalistik-Professor an der Universität Leipzig, in dem Beitrag „Deutschland: Unfehlbare Presse“ im Medienmagazin Message, Ausgabe 1/2004:

Es ging um einen gravierenden Fehler in einer Spiegel-Geschichte der Vorwoche, der einen geharnischten Brief eines Anwalts zur Folge hatte. Auf die Frage, ob wir den offensichtlichen Fehler nicht korrigieren sollten, meinte Chefredakteur Johannes K. Engel, das verunsichere die Spiegel-Leser. Man werde die Sache „wegdrücken in die Leserbriefspalte“. Dort wurde der auf ein paar Passagen eingedampfte Brief veröffentlicht.

Auch im Fall der Renate Valentin, die sich im Spiegel falsch zitiert sah (siehe unten), druckte der Spiegel lediglich einen Leserbrief ab, statt die Sache selbst richtigzustellen. Hier unsere Vorschläge, wie konkret die Beiträge in einer Spiegel-Korrekturspalte aussehen könnten:

Zum Spiegelkritik.de-Beitrag Bio-Bauern in Gefahr könnte die Korrektur im Spiegel so aussehen:

In der Ausgabe vom 26. Juni 2006 hatte DER SPIEGEL über die Situation der Biobauern in Deutschland geschrieben. In einer Grafik hatten wir den Anteil der ökologisch bewirtschafteten Agrarfläche in verschiedenen Staaten miteinander verglichen. Durch unsere Auswahl der miteinander verglichenen Länder und die Überschrift „Schlusslicht Deutschland“ konnte der Eindruck entstehen, als sei der Anteil der Öko-Anbaufläche in Deutschland so niedrig wie nirgendwo sonst. Richtig ist, dass Deutschland im internationalen Vergleich in der Spitzengruppe liegt. Die Redaktion entschuldigt sich für diesen Fehler.

Zum Spiegelkritik.de-Beitrag Das Institut und das Geld könnte die Korrektur im Spiegel so aussehen:

Wenn DER SPIEGEL in der Vergangenheit Mitarbeiter des Institutes der deutschen Wirtschaft in Köln wiedergegeben oder interviewt hat, konnte dabei häufig der Eindruck entstehen, es handele sich um Experten, die unabhängig von Partikularinteressen forschen und veröffentlichen können. Richtig ist, dass das Institut der deutschen Wirtschaft von Unternehmern und Arbeitgeberverbänden finanziert und geleitet wird. Die Redaktion wird bei ihrer künftigen Berichterstattung auf diese Tatsache hinweisen und entschuldigt sich für den Fehler.

Zum Spiegelkritik.de-Beitrag Ein Blick ins Gesetz erleichtert die Rechtsfindung könnte die Korrektur im Spiegel so aussehen:

In der Ausgabe vom 12. Juni 2006 hatte DER SPIEGEL über einen möglichen Parteispendenskandal in der NPD geschrieben. In dem Artikel hieß es, wenn die Bundestagsverwaltung bei ihrer Prüfung zu dem Ergebnis komme, dass die Partei gefälschte Spendenquittungen ausgestellt habe, drohe „die Rückzahlung sämtlicher Staatszuschüsse aus den betroffenen Jahren“. Richtig ist, dass der NPD lediglich die Rückzahlung eines kleinen Teils ihrer Staatszuschüsse droht. Die Redaktion entschuldigt sich für diesen Fehler.

Zum Spiegelkritik.de-Beitrag Falsche Anreize könnte die Korrektur im Spiegel so aussehen:

In der Ausgabe vom 12. Juni 2006 hatte DER SPIEGEL ein Interview mit Rainer Wend, dem wirtschaftspolitischen Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, abgedruckt. Durch die Formulierung unserer Fragen konnte dabei der Eindruck entstehen, als gäbe es Einzelfälle, in denen ein Haushalt mit Kindern mehr Geld erhält durch den Bezug von Hartz IV als durch Arbeit. Richtig ist, dass gering verdienende Arbeiter und Angestellte einen Anspruch auf aufstockendes Hartz IV haben und dadurch immer ein höheres Einkommen haben als Menschen, die nicht arbeiten und nur von Hartz IV leben. Die Redaktion entschuldigt sich für diesen Fehler.

Zum Spiegelkritik.de-Beitrag Jetzt neu: Alter Wein! In neuen Schläuchen! könnte die Korrektur im Spiegel so aussehen:

In der Ausgabe vom 15. April 2006 hatte DER SPIEGEL darüber geschrieben, wie der Direktor des Vancouver Maritime Museum vor fünf Jahren bei einem Urlaub in Panama zufällig auf ein U-Boot stieß. In dem Artikel hieß es, „jetzt ist klar“, dass es dabei um ein U-Boot des ausgewanderten deutschen Konstrukteurs Julius Kröhl handelte. Richtig ist, dass dies bereits seit mehr als zwei Jahren klar ist. Die Redaktion entschuldigt sich für diesen Fehler.

Zum Spiegelkritik.de-Beitrag Gezieltes Schreiben könnte die Korrektur im Spiegel so aussehen:

In der Ausgabe vom 20. März 2006 hatte DER SPIEGEL über Schreibunterricht in der Grundschule berichtet und die Methode „freies Schreiben“ vorgestellt. In dem Artikel stand, dass Renate Valentin, die Leiterin der Abteilung Grundschulpädagogik an der Humboldt-Uni Berlin, den Bildungssenator der Hauptstadt aufgefordert habe, das freie Schreiben in seinem Machtbereich zu unterbinden. Richtig ist, dass Renate Valentin das freie Schreiben in der richtigen Kombination mit anderen Methoden für einen wichtigen Bestandteil des Erstunterrichts im Schriftspracherwerb hält. Die Redaktion entschuldigt sich für diesen Fehler.

Zum Spiegelkritik.de-Beitrag Selbstkritik könnte die Korrektur im Spiegel so aussehen:

In der Ausgabe vom 6. März 2006 hatte DER SPIEGEL den Namen des Unions-Fraktionsgeschäftsführers Norbert Röttgen fälschlich mit „Norbert Rüttgers“ wiedergegeben. In der gleichen Ausgabe hieß es, Bundespräsident Horst Köhler sei „jetzt seit einem Dreivierteljahr im Amt“. Richtig ist, dass Köhler zum damaligen Zeitpunkt bereits mehr als doppelt so lange im Amt war. Die Redaktion entschuldigt sich für die Fehler.

Mit Dank an Michael B. für den Hinweis auf den Beitrag von Michael Haller in „Message“.

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