Verdrehen für die Quote

Spiegel-Online entdeckt Blümchen-Sex

Bei aller Liebe für Boulevardeskes, auch im Hardcore- Wissenschafts-Journalismus: „Penis“ ist ausschließlich ein primäres Kopulationsorgan. Dementsprechend ist auch die populäre Kurzform „Sex“ falsch, weil sie eben nicht allgemein für „sexuelle Fortpflanzung“ steht.

Ohnehin steht die große Frage im Raum, nach welchen Nachrichtenkriterien es diese – korrekt geschrieben: langweilige – Meldung hier her bringt. Selbstbefruchtungen gibt es allerlei – und wer genügend ethologische Unkenntnis mitbringt, kann vor lauter Wonne über Befruchtungsmethoden sogar ein Buch schreiben.

Spiegels Puff-Freuden – Gut, dass wir drüber schreiben können

Der Kniff bei SpOn, immer wieder unter das Niveau der BILD-Zeitung zu sinken, ist ganz einfach: Man schaue BILD und mache daraus irgendwas. Da taugt dann auch das BILD-Outing von Otti Fischer, mal in einem Bordell gewesen zu sein, um einen recht schwachen Reportage-Ersatz-Text zu posten.

Und so erfahren wir zunächst zweifelhafte Plattitüden – Prostitution sei legal, Dildos gebe es bei Karstadt – und man spricht gossig vom Puff. BILDblog würde darauf verwiesen, was denn eigentlich ein Geständnis sei, das SpOn von Fischer vernommen haben will.

Aber da wir ja hier nicht für die Spiegel-Gruppe, sondern für altkluge Besserwisser schreiben, nur drei Tipps, was in diesem Zusammenhang etwas mit Journalismus zu tun haben könnte:

  • Wo sind die 40.000 Zwangsprostituierten, die wir zur WM erwartet haben?
  • Was bringt mir als legalem Freier „der geschützt hinter dem Haus liegende Parkplatz“, wenn die Polizei Razzia macht und ich nackend nach dem nun dringend benötigten Personalausweis oder Reisepass (nebst… und so weiter) suchen muss (und solche Razzien gibt’s derzeit überall)?
  • Und warum sollte der „Puffbesucher“ nicht schweigen – sondern wem was erzählen?
  • Gewinn-Maximierern Fragen stellen

    Die „wütenden Proteste“ gegen Arbeitsplatz-Abbau trotz gigantischer Gewinne sind immer wieder gerne ein Thema der Medien. Aber nur, weil die falschen Fragen gestellt werden. Schließlich zeichnet Journalismus nicht das Kolportieren, sondern das Recherchieren = Fragen stellen aus. Und da darf man auch ohne Neoliberalismus-Quatsch mal überlegen: Sind vielleicht Millionen- oder gar, wie bei der Allianz, Milliarden-Gewinne einfach ein Zeichen dafür, dass diese Konzerne von ihren Kunden zu viel Geld kassieren? Und – aber nur als Tipp unter Kollegen: Wäre das nicht eine attraktive und völlig „belastungsfreie“ Einnahmequelle für den Staat, mal etwas anzubieten, was auch von zahlungskräftigen und -willigen Bürgern nachgefragt wird?
    Das Gebläse der Politiker („betriebsbedingte Kündigungen verbieten“) nur weiterpusten – das kann jedes Anzeigenblättchen.