Selbstkritik

Titelbild An dieser Stelle mal ein ausdrückliches Lob: Die treffendste Spiegelkritik macht immer noch der Spiegel selbst. Wie die taz schreibt, gab es nach dem Erscheinen der Titelgeschichte zum Thema Familie bei der montäglichen Blattkritik “Empörung, Fassungslosigkeit und schlichte Scham”:

Die Titelgeschichte wurde von allen Seiten als “rein ideologisch”, “weitgehend faktenfrei” oder als “gedruckte Jesuitenpredigt” abgekanzelt. Auch Redakteure des Berliner Büros hatten ihr Entsetzen formuliert. Der Geist der 50er-Jahre und “biologistische Weltsichten” machten sich breit.

Besser könnten wir das auch nicht beschreiben.

Es bröckelt auch der ehemals legendäre Ruf der Dokumentationsabteilung des Spiegel, deren Aufgabe es ist, alle Artikel auf Faktentreue zu überprüfen. Die taz zählt ein paar Schnitzer aus der gleichen Spiegel-Ausgabe auf:

Der neue Bundespräsident ist plötzlich erst “seit einem Dreivierteljahr” im Amt (Seite 30), für Arbeit ist neuerdings Wirtschaftsminister Glos zuständig (S. 22) und der Fraktionsgeschäftsführer der Union heißt jetzt Rüttgers statt Röttgen.

Und in zwei dieser drei Fälle liegt die taz sogar richtig und der Spiegel hat sich echte Faktenfehler erlaubt. Nur der Glos-Vorwurf ist weit hergeholt, denn auf Seite 22 der Spiegel-Ausgabe heißt es: “Die Große Koalition wollte neue Arbeitsplätze schaffen. Stattdessen verschärft sie die Probleme sogar. Der zuständige Ressortchef, CSU-Wirtschaftsminister Glos, ist komplett überfordert, sein SPD-Kabinettskollege Müntefering ratlos.” Und auch wenn Müntefering für Arbeit zuständig ist, so ist es keinesfalsch falsch, wenn der Spiegel schreibt, dass Glos als Wirtschaftsminister auch für das Schaffen von Arbeitsplätzen zuständig ist. Aber der taz eilte ja auch noch nie der Ruf voraus, eine ausgezeichnete Dokumentationsabteilung zu haben.

2 Gedanken zu „Selbstkritik

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