Energiemix beim Spiegel

07. Dezember 2014

Der SPIEGEL lässt sich von der Firma DONG Energy sponsern, die unter anderem Windparks betreibt, und macht gleichzeitig das gesetzlich verordnete Energiesparen als “Volkdsverdämmung” zum Titel-Thema. Das findet Volker Lilienthal gar nicht in Ordnung – der ausgerechnet die Rudfolf-Augstein-Stifungsprofessur inne hat. Mehr bei Cicero.

Nuhr irrelevant

29. Oktober 2014

Soll das die Qualität namhafter Zeitungen in Deutschland sein – wenigstens im Netz, konkret bei Facebook?
Dass jede Anmoderation in der Frage mündet “Was meint ihr dazu?”, weil sich das ein Communitymanager mal so ausgedacht hat – geschenkt, auch wenn darin schon ein massives Problem steckt: denn zum einen spricht die Frage dafür, dass sich die Redaktion selbst nicht viel Orientierungsleistung zutraut, zum anderen werden die vielen Leserkommentare kaum irgendwo ausgewertet, bearbeitet, genutzt.
Schlimmer ist allerdings, was man als Themen geboten bekommt. Ich nutzte Facebook überwiegend als Nachrichtenfeed. Doch die Erwartung, wenigstens die “Qualitätspresse” gebe Relevantes von sich, wird täglich enttäuscht. Gestern Vormittag hielten SZ und FAZ z.B. Folgendes für Weltnachrichten:

faz-geisterstadt

Brauchen Sie noch ein Weihnachtsgeschenk? Wie wäre es mit einer amerikanischen Geisterstadt? Passend zu Halloween kommt Johnsonville unter den Hammer. (FAZ)

Nach einer Pressekonferenz in Leeds wird der britische Premierminister David Cameron von einem Jogger fast über den Haufen gerannt. Der Mann wird sofort festgenommen, nach 15 Minuten jedoch ohne Anklage wieder freigelassen. (Süddeutsche Zeitung)

sz-polizistenmoerder

James Tully trägt Warnweste und Ausweis um den Hals. Sein Problem: Er sieht einem flüchtigen Polizistenmörder ähnlich und wird andauernd kontrolliert. Nun bekommt er deshalb sogar ein Auto geschenkt. (Süddeutsche Zeitung)

Liebe werdende Väter, bei der Geburt geht es nicht um Euch. Es geht um Eure Frauen und um Eure Kinder.
Also überlasst alle Dämlichkeiten bitte Robbie Williams.  (Süddeutsche Zeitung)

faz-laufband

Geht das ein bisschen schneller da vorn? Im spanischen Gijon wird ein neues Laufband getestet, das die Fluggäste deutlich flotter zum Gate befördern soll. (FAZ.NET – Frankfurter Allgemeine Zeitung)

 

Wer mich mit solchem Pipifaxkram behelligt wird doch nicht ernsthaft erwarten, dass ich ihm Nachrichtenkompetenz zuspreche? Es ist einerseits der Diebstahl von Aufmerksamkeit, von Zeit, ja auch von Nerven, und es ist andererseits die Nivellierung der Themen: im Prinzip kann man heute über alles berichten, auch über den sprichwörtlichen Sack Reis, es braucht nur einen kleinen unterhaltsamen Dreh.

Qualität von Medien kann man nicht an Einzelbeiträgen messen, sondern nur in der Summe des Veröffentlichten. Wer nicht die Kompetenz hat, mich mit Irrelevantem zu verschonen, kann zwangsläufig auch keine Kompetenz haben, Relevantes angemessen aufzubereiten, in der nötigen Tiefe zu bearbeiten.

Am Sonntag habe ich noch kurz überlegt, ob ich etwas zur Irrelevanz der Nuhr-Berichterstattung schreiben sollte. Allerdings war sie mir da nur in den üblichen Zirkeln aufgefallen. Am nächsten Tag hatte sich die Frage längst erübrigt. Wer sich für intellektuell hält, wurde in aller Erlauchtheit mit tiefschürfenden Qualitäts-Kommentaren versorgt, Heribert Prantl erläuterte zur Abwechslung mal wieder das deutsche Strafrecht (und wo “es” einen Fehler gemacht hat) – die ganze Maschinerie lief auf Hochtouren, so dass auch LeFloid mit seinem üblichen Unverstand das Thema aufgriff und so immerhin dafür sorgte, dass “Zeitungsleser” und Youtube-Gucker wieder auf einem “Informationsniveau” angekommen sind. Vater und Sohn könnten diskutieren – wenn es etwas zu diskutieren gäbe.

lefloid-nuhr

Ich versuche seit Jahren empirisch zu ermitteln, was Nachrichtenmacher für relevant halten. Es lässt sich bislang nicht konkreter fassen, als dass relevant ist,  was Journalisten für relevant halten. (Und die halten für relevant, was andere für relevant halten…)
Nach welchem Maßstab sonst sollte es eine Meldung wert gewesen sein, dass ein bis dahin völlig unbekannter “Hassprediger” den Kabarettisten Dieter Nuhr angezeigt hat?

Eine Anzeige an sich ist niemals ein journalistisches Thema, sie ist niemals ein Relevanzkriterium! Weil sie nichts anderes als eine Meinungsäußerung darstellt, die – entsprechend lanciert – auf besondere Publicity hofft. Damit haben wir mal wieder eine nicht nur völlig überflüssige, sondern auch völlig chaotische Diskussion bekommen über Religions- und Meinungsfreiheit, Islam und Christentum, und spätestens als sich die ersten Politiker zu Wort meldeten war klar: es gibt wie immer eine Kakophonie, sonst nichts.

Das einzige, was anspruchsvoller Journalismus hier hätte leisten können, wäre professionelles Ignorieren gewesen. Aber Prantl und LeFloid wollen beide – genau wie die Facebook-Seiten von Süddeutscher und FAZ – schlicht Aufmerksamkeit für sich. Da muss die Aufklärung schon mal über die Wupper.

(Timo Rieg)

PS: Mehr zu “Nuhr”

Los gings im Lokalteil der Neuen Osnabrücker Zeitung (1, 2). Obwohl Nuhr sich zunächst von dort beschossen sah, sollte er sich großzügig bedanken für diesen gigantischen PR-Support der Lokalhelden.

# stern.de kocht mal wieder auf, dass auch christliche Kirchen gerne gegen Satire klagen. Und gleich im ersten Satz der Ausweis präziser Sachkenntnis: “Die Klage eines Osnabrücker Muslims gegen den Kabarettisten Dieter Nuhr sorgt bundesweit für Empörung.” Es gibt keine Klage, und für die Empörung hat die mediale Aufbereitung gesorgt. Ansonsten wäre die Anzeige geblieben, was sie ist: eine Verwaltungsroutine.

# Die Wiener Zeitung macht im Islam das letzte Tabu aus, auch der Berliner Tagesspiegel und viele andere sehen in Dieter Nuhr plötzlich den letzten aufrechten Kabarettisten (was ihnen vorher offenbar selbst gar nicht aufgefallen war, dazu brauchte es Erhat Toka).

# Einigermaßen hilfreich äußert sich Kerim Pamuk im Hamburger Abendblatt (sogar frei zugänglich!):

“Spräche man umgekehrt ständig von “dem Christentum” und würde sämtliche Gruppen von den Katholiken, Protestanten, Zeugen Jehovas bis zu den wiedergeborenen Christen in einen Topf werfen, würde auch dem Letzen klar werden, wie hirnrissig die gnadenlose Vereinfachung “DER Islam” ist. [...]
Nur weil ein empfindsamer Betonkopf einen Kabarettisten angezeigt hat, geht das Abendland nicht unter. [...]
Vor allem verhindert das Gekeife der Erregten einen echten Diskurs, der dringend nötig wäre. “

Hinweise

23. Oktober 2014

* “Katzen in den Kochtopf” ist eine schön provozierende Überschrift. Der Beitrag darunter ist allerdings argumentativ äußerst schwach. Und was die taz damit beitragen will, ist auch unklar – jedenfalls ist Heiko Wernings Text keine große Satire.

* Medienkritik der anderen Art: “Unwürdiger Blumensex auf Kosten der Steuerzahlerinnen” (HV)

Buchkultur

17. Oktober 2014

Interessanter Tonfall beim großen Barsortiment KNV: was wir mal bestellt haben, interessiert uns nicht mehr, wenn ihr es uns nicht auf eigene Kosten hinterhertragt…

KNV-Annahme-verweigert

Investigative Ahnungslosigkeit

14. Oktober 2014

Investigativer Journalismus ist, wenn Journalisten jede Frage in der gewünschten Weise beantwortet wird. Investigativ ist ansonsten auch noch, wenn man beklagen muss, dass Fragen nicht in der gewünschten Weise beantwortet wurden (“investigativer Schmoll”). Als wenigstens noch behelfs-investigativ gilt, als Ersatz für die verwehrten Wunschantworten einen Darsteller des Vertrauens ins Fernsehbild zu setzen und ihn spekulieren zu lassen (“investigative Flipchart”).
Was man sich jedoch nach Genuss der beiden investigativen Kirchenfinanz-Reportagen “Vergelt’s Gott – Der verborgene Reichtum der katholischen Kirche” (ARD) und “Glaube, Liebe, Kapital – Die katholische Kirche und ihre Finanzen” (ZDF) als Zuschauer fragen darf: Was wollen Journalisten eigentlich mit Haushaltszahlen der Kirchen, wenn sie nicht im geringsten in der Lage sind, diese Zahlen einzuordnen? Wo beginnt beispielsweise “Prunk”, wenn einem egal ist, ob etwas einen Euro oder eintausend Euro kostet?
Natürlich kann es jedem passieren, dass er eine Tabelle beim schnellen Überfliegen falsch liest, weil dabei die Legende ignoriert wurde. Aber was soll man von einem Film halten, in den es trotz einer – vor allem aus dem Blickwinkel freie Print-Journalisten – oppulenten Mitarbeiterschar (Autoren: Nina Behlendorf, Nicolai Piechota; redaktionelle Mitarbeit: Stella Könemann, Redaktion: Annette Uhlenhut, Beate Höbermann; Produktion: Denise Bischoff, Delia Gruber; Leitung der Sendung: Claudia Ruete) folgende Behauptung schafft:

“Im bislang geheimen Bischöflichen Stuhl stecken 92 Millionen Euro. Das ist 500-mal mehr, als Limburg an Kirchensteuern kassiert.”

Wie wenig Ahnung von Kirche und Finanzen muss man haben, um an dieser Stelle nicht aus dem Halbschlaf geschreckt zu rufen: Das kann doch wohl nicht sein! Nämlich sowohl, dass das 500-Fache der jährlichen Mitgliedereinnahmen auf der hohen Kante liegt (woher soll das Geld kommen?) als auch, dass ein ganzes katholisches Bistum nur ein Fünfhundertstel von 92 Millionen Euro jährlich an Mitgliedsbeiträgen bekommt? Wo doch schon der gescholtene “Protzbau” zu Limburg über 30 Millionen Euro gekostet hat?

Leider musste man noch nicht einmal so investigativ sein, die Haushaltszahlen des Bistums selbst zu erfragen. Es reicht, die Reportage von ZDF-Zoom eine Minute zurückzuspulen, um den Fehler zu finden:

ZDF-Zoom-Fehler-Kirchensteuer

Wie üblich wurden in den Tabellen aus Gründen der Übersichtlichkeit ein paar Nuller weggelassen. Drei jeweils, wie der Legende zu entnehmen ist: “Angaben in T€”. Denn natürlich erhält das Bistum Limburg nicht nur 180.257 Euro Kirchensteuer pro Jahr, sondern 180 Millionen – und damit umfasst das ausgewiesene Vermögen des Bischöflichen Stuhls nicht mehr das 500-Fache, sondern nur noch die Hälfte der jährlichen Kirchensteuer.
Und jedes Kirchenmitglied zahlt im Schnitt nicht nur 28 Cent pro Jahr für seinen Verband, sondern – Achtung, komplizierte Verschiebung des Kommas um drei Stellen nach rechts – 280 Euro.

Update 16. Oktober:
Auf eine Anfrage von uns teilt die Redaktion mit: “Der von Ihnen angesprochenen Zahlenpatzer ist von uns ärgerlicherweise erst nach Ausstrahlung entdeckt worden – inzwischen haben wir die Korrektur-Version gefertigt.”
Zur eigenen Transparenz verweist ZDFzoom auf eine entsprechende Veröffentlichung. Danach kostet eine ZDFzoom-Produktion je nach Länge (30 oder 45 Minuten) zwischen 90.000 Euro und 130.000 Euro pro Ausgabe.

Lesebeute

30. September 2014

# Stefan Niggemeier kritisiert, dass der SPIEGEL eine Missbilligung des Presserats nicht publiziert. Es bestehe dazu zwar keine Pflicht, sei jedoch Ausdruck fairer Berichterstattung. Der Presserat hatte im SPIEGEL-Cover vom 28.Juli (“Stoppt Putin jetzt”) eine Verletzung von Persönlichkeitsrechten der abgebildeten Opfer des Fluges MH17 gesehen.

# Uns ging es zwar in erster Linie um Transparenz, aber die kritischen Fragen, die sich nun die Spiegel-Online-Redaktion öffentlich gestellt hat, waren in “Missing Link” schon angedeutet. Für Rechercheprofis haben die SpOn-Leute wenig Antworten gefunden. Sie müssen nicht die Verantwortung für Extremsportler übernehmen, sie gar aufhalten, wie es SpOn als Option durchspielt – sie sollten nur nicht überrascht sein, wenn es kein Happy End gibt. Das war auch vor vier Jahren bei Samuel Koch’s Wetten-dass-Unfall die einzig spannende Frage: wird ein Unfall gar nicht einkalkuliert, wenn jemand auf Sprungfedern über ein heranbrausendes Auto hüpfen will?

 

Missing Link

27. September 2014

Einen großen Vorteil, den Online-Medien gegenüber papiernen haben, lassen sie fast durch die Bank weg ungenutzt: nämlich bereits veröffentlichte Beiträge nachträglich durch hilfreiche Links versehen zu können.

Das hat Spiegelkritik schon vor Jahren bei Gegendarstellungen (und inhaltlich dem nahe kommenden Leserbriefen) moniert: Warum kann nicht vom kritisierten Artikel ein Link auf die Gegendarstellung oder Korrektur gesetzt werden? Der SPIEGEL sieht sich dazu seit Jahren technisch nicht in der Lage (wie wohl es angeblich “projektiert” war).

Fehlende Verlinkungen gibt es auch in umgekehrter Richtung, vom Aktuellen zur Vergangenheit. Das erweckt oft den Eindruck, die Redaktion wolle das Vorangegangene am liebsten ungeschehen machen.

So wie jüngst bei der “mit exklusiven Videos, Fotos und Berichten” auf Spiegel-Online begleiteten Extremsporttour “Double 8″, der Besteigung von zwei Achttausendern binnen sieben Tagen, die für zwei Bergsteiger tödlich endete. In der Unglücksmeldung räumt Spiegel-Online zwar direkt ein, intensiv über den Weltrekordversuch berichtet zu haben – setzt aber keinen Link mehr dahin.

mehr-tote-auf-sponAuch bei der eine Woche zuvor verfassten Ankündigung der Tour findet sich kein Update (anders als hier im Verlaufsbericht). Stattdessen wurde schon damals auf ältere Berichte von tödlichen Bergtouren verwiesen. Die Möglichkeit, dass so etwas auch gewaltig schief gehen kann, müsste den Redakteuren also durchaus gegenwärtig gewesen sein, als sie den kommerziellen Rekordversuch gepusht haben.

Rundfunkräte auslosen

26. September 2014

Die vom Bundesverfassungsgericht geforderte Vielfalt im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist nur mit der Auslosung von Bürgern zu gewährleisten, erklärt der Medienjournalist Timo Rieg in einem Essay der aktuellen Ausgabe von “epd Medien”.

Wo immer eine Menschengruppe zu groß ist, um in ihrer Gesamtheit etwas zu beraten, ist die Auslosung von einzelnen Stellvertretern das demokratischste Verfahren. Denn das Los ist unbestechlich, gerecht und blind wie Justitia. Das Los gibt jedem die gleiche Chance, es diskriminiert und privilegiert niemanden. Deshalb haben es schon die Erfinder der Demokratie vor 2.500 Jahren genutzt: sie haben Bürger ausgelost, die stellvertretend für alle miteinander Politik diskutiert haben. Sogar die meisten einzelnen Ämter wurden verlost. Um die Gefahr zufälliger Verzerrungen zu minimieren, muss die ausgeloste Gruppe nur groß genug sein. In der attischen Demokratie kamen in einer “Bule” genannten Versammlung 500 ausgeloste Bürger zusammen. Für einen repräsentativen Rundfunkrat dürfte ein Fünftel davon genügen.

Die Mitglieder des ZDF-Fernsehrats haben angekündigt, ab nächstem Jahr überwiegend öffentlich zu tagen. Damit will das Aufsichtsgremium dem Transparenzgebot des Bundesverfassungsgericht nachkommen. Die für die Zusammensetzung des Fernsehrats zuständigen Ministerpräsidenten hatten zurvor schon erklärt, den Anteil von Politikern und “staatsnahen” Funktionären etwas reduzieren zu wollen (das BVerfG hält maximal ein Drittel für vertretbar).

Das alles wird aber nicht dem gerecht werden, was das Karlsruher Gericht am 25. März 2014 gefordert hat, meint Rieg: nämlich die Vielfalt der Gesellschaft abzubilden. Derzeit bildeten die Mitglieder der Aufsichtsgremien in ARD und ZDF eine sehr homogene Gruppe: überwiegend männlich, im mittleren bis fortgeschrittenen Alter, formal gebildete, gut verdienend, überwiegend vom Steuerzahler finanziert oder zumindest bezuschusst.

Da sich die Ministerpräsidenten als Verantwortliche für den rechtlichen Rahmen derzeit wohl nicht auf eine strikte Beschneidung der Lobbygruppen einlassen, schlägt Timo Rieg vor, unabhängig von den etablierten Gremien ausgeloste Bürgergruppen über die selben Themen beraten zu lassen. Die Ergebnisse der “Bürger-Jurys” wären zwar unverbindlich, aber immerhin öffentlich diskutierbar.

Update: Eine Kurzvorstellung des Vorschlags ist bei Telepolis erschienen

Rigide redigierende Redakteure

25. September 2014

Warum beauftragen Redakteure eigentlich freie Journalisten? Weil sie selbst keine Zeit haben? Weil ihnen das Thema zu langweilig oder mühselig oder widerspenstig erscheint? Ein gutes Motiv wäre: Weil sie interessiert daran sind, was der Freie (m/w) an Fragen entwickelt und an Antworten findet, wie er Fakten einordnet und kommentiert, wie er das Ergebnis für die Leserschaft aufbereitet. Wenn Redakteure ihre Autoren ernst nehmen, müssen sie ihnen Raum geben – mindestens für die journalistische Darstellung, aber eigentlich auch für Themen: Warum entscheidet über jedes Thema die Redaktion, anstatt zu sagen: “Hier, Kollegin X, dieses Mal bist du dran, fünf Seiten zur freien Verfügung, wir sind wahnsinnig gespannt, was du ins Heft bringen wirst!”

Das verlangte allerdings ein hierarchieärmeres Berufsverständnis: Redakteure erziehen ihre Autoren nicht, so zu schreiben, wie sie selbst schrieben, wenn sie könnten, wollten, müssten – sondern sie suchen Autoren, die eigene Themen, Sichtweisen und Darstellungen ins Blatt bringen.

Der ganze Text (mit falsch hineinredigiertem Komma an entscheidender Stelle – dort steht nämlich: “Redakteure erziehen ihre Autoren, nicht so zu schreiben …”)

AGB für Freie Journalisten

24. September 2014

AGB – meine, deine, keine
Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) halten fest, was bei allen Verträgen gelten soll, soweit nicht explizit davon abgewichen wird. Alle größeren Firmen  haben eigene AGB, unter Geschäftsleuten werden sie automatisch Vertragsbestandteil, auch ohne ausdrücklich darauf hinzuweisen. Deshalb sollten Freie Journalisten die AGB ihrer Abnehmer genau prüfen und ggf. für ihren individuellen Auftrag Abweichungen verhandeln (z.B. bei Nutzungsrechten). Eigene AGB brauchen Freie in der Regel nicht, zumal in vielen Fällen nur wiederholt wird, was schon in den Gesetzen steht. Haben beide Vertragsparteien AGB und widersprechen sich diese, sind die betroffenen Regelungen unwirksam und es gilt, was im Gesetz steht. Das ist für Urheber meist gar nicht so schlecht.

Angemessene Vergütung
Journalisten steht für ihre Werke stets eine angemessene Vergütung zu (§ 32 UrhG). Angemessen ist, was als branchenüblich gilt oder in Allgemeinen Vergütungsregeln festgelegt ist. Da nicht immer schon bei Ablieferung eines Beitrags zu erkennen ist, was eine angemessene Vergütung ist, kann der Journalist ggf. später eine Nachzahlung verlangen, allerdings nicht bei Honoraren nach Tarifvertrag. Weiterlesen »