Es drohen viele Jahre Gefängnis

16. August 2014

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Da dachten wir erst, die Ösis sind genauso dösi – aber es war nur eine Ösi-Meldung in einer vorbildlich preußischen Postille. In gewohnter Manier wird darin für eine Lappalie (blanker Busen in leerer Kirche) orakelt: ” [Der Frau] drohen bis zu sechs Monate Haft oder eine Geldstrafe wegen ‘Herabwürdigung religiöser Lehren’.” Das Schreiben Journalisten gerne: jemandem droht eine hohe Strafzahlung oder knallharter Knast. Vier Jahre Knast für Nackt-Selfie (USA), zehn Jahre Gefängnis für Diebstahl (Malaysia), und als absoluter Klassiker drohen täglich irgendwelchen armen Würstchen “250.000 Euro Ordnungsgeld oder ersatzweise sechs Monate Ordnungshaft”.

Merkwürdig, dass viele Journalisten das nicht merkwürdig finden, sollte die Welt wirklich so alptraumhaft sein und Richter so brutal strenge Väter – aber immer natürlich “im Namen des Volkes”? Weiterlesen »

Handelnde Personen ausgeschlossen

15. August 2014

Wenn Deutschland gegen Argentinien gewinnt, ist das sprachlich eine geläufige Flapsigkeit. Jeder weiß, dass die Fußballnationalmannschaft gemeint ist, die da bei einem von der Fifa organisierten Turnier mitgespielt hat. Und zumindest die Fans wissen auch, wer genau auf dem Feld stand.

Wenn Deutschland Argentinien mit Sanktionen droht, ist die Sache schon weit weniger eindeutig. Klar, es wird um Politik gehen, vermutlich, aber vielleicht sind mit „Deutschland“ auch Wirtschaftsverände gemeint? Aber wenn die Politik agiert – wer ist das genau? Ein Minister, der gerade spricht, ein Staatssekretär, der im Hintergrund gewirkt hat, Ministerialbeamte, die sich seit Jahr und Tag mit Sanktionen beschäftigen, oder das Parlament bzw. genauer einzelne Abgeordnete dort, die für oder gegen eine bestimmte Politik gestimmt haben?

Es ist – gerade für Journalisten – schön und einfach, Organisationen handeln zu lassen. Eben ein ganzes Land, gar die Europäische Union oder den ganzen afrikanischen Kontinent – das klingt gut und griffig.

Aber in Wirklichkeit verschleiern diese Kraftbegriffe sehr viel – und nicht selten in eigentlich unerträglicher Weise. Das lässt sich an Kirchenthemen besonders deutlich zeigen (gerade weil es dafür unter Journalisten wenig Fans gibt). Ein Beispiel:

Matthias Drobinski hat gerade über das neue Verfahren der Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge geschrieben – und warum das zu Kirchenaustritten führt.

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Mich flöskelt

11. August 2014

Floskelwolke-Starttag
Ist die “großartige Floskelwolke” nicht derzeit die beliebteste Floskel hypebarer Journalisten? Weiß man nicht, jedenfalls erfährt man es nicht bei Floskelwolke.de, denn die hat ja ein erschreckend einfaches Konzept: es werden nicht etwa Floskeln aufgrund ihrer Redundanz, Häufigkeit, Sinnlosigkeit oder sonst etwas erkannt, sondern es werden per päpstlichem Sekret “50 Floskeln und Phrasen” von den Wolkenmachern Sebastian Pertsch und Udo Stiehl zusammengestellt. Dieser Index “basiert auf der langjährigen Redaktionserfahrung der beiden Nachrichtenredakteure.” Sapperlot!
Man kann es schon länger oder immer dem Forschungsbetrieb fern stehenden Journalisten nicht oft genug sagen: Daten an sich sagen gar nichts, Muster, Cluster und Schäfchenwolken haben nicht den geringsten Aussagewert – wenn man nicht vorher Hypothesen aufstellt, warum welche Datenstruktur zu erwarten ist und woran das liegen könnte! Weiterlesen »

Sind Kinderpornos Kunst?

06. August 2014

* Was sollen Meinungsumfragen zeigen? Meinungen vermutlich. Dass die Ergebnisse wesentlich von der Fragestellung abhängen, ist bekannt. Was noch nicht jedem bekannt ist: Meinungen über Tatsachen sind irrelevant. “Sind Dienstage Ihrer Ansicht nach Werktage?” “Ist Angela Merkel deutsche Bundeskanzlerin?” Oder eben auch: Ist Die ZEIT eine Zeitung?

* Mit dem richtigen Maß an Distanz und Nähe hatte es Simone Schmollack von der taz nicht so bei der Vermeldung einer bundesweiten “Razzia”. “Kinderpornoring aufgeflogen” titelt das Blatt definitiv falsch. Denn was es zu diesem Zeitpunkt vermutich gab, waren Hinweise, die den zuständigen Gerichten für die Genehmigung von Hausdurchsuchungen genügten (die Berichterstattung auch anderer Zeitungen schweigt dazu, obwohl man bei der gleichzeitigen Durchsuchung von 125 Wohnungen in 13 Bundesländern als Journalistin vielleicht doch auch einen Blick auf die Rechtsgrundlage werfen und sich ggf. zwei Gedanken über die Verhältnismäßigkeit machen sollte ). Was immer die Fahnder nun beschlagnahmt haben (die Rede ist von 260 Computern, 850 externen Speichermedien wie Festplatten, 150 mobilen Geräte wie Tablets und Smartphones und rund 7500 CDs oder DVDs): es wird nicht nur deren Auswertung noch lange dauern, sondern es haben Gerichte (in öffentlichen Verhandlungen) zu prüfen, ob und ggf. wer sich strafbar gemacht hat. Deshalb gibt es bislang keine Täter, sondern nur Verdächtige bzw. Beschuldigte, allerdings hoffentlich nicht allzuviele nur “mutmaßlich Beschuldigten“, wie die taz schreibt.

Zum Thema Kinderporno siehe auch:
Medien-Hype um Edathys Kinderpornos (auch im aktuellen Fall wird nicht angedeutet, um was es sich genau handeln soll)

* Dass auch der Teaser einer Meldung ausgewogen sein müsse, habe das Landgericht Köln entschieden, meint Mandanten-Lobbyist Ralf Höcker. Der hatte eine Einstweilige Verfügung gegen BILDplus erwirkt, weil ihm der Werbetext vor der Bezahlschranke zu einseitig war. Höcker:

“BILD muss seine Anreissertexte demnächst also entweder ausführlicher formulieren oder darf gewisse Inhalte überhaupt nicht mehr hinter einer Bezahlschranke verstecken.”

Eine solche Grundsatzentscheidung ist aus einer Einstweiligen Verfügung sicherlich nicht herauszulesen. Zudem wird der Beschluss zurecht auch kritisiert. Es wäre ein weiterer Baustein im Bollwerk der Privatzensierer, wenn nun durch Richterrecht explizite Vorgaben für Teaser (und dann als nächstes wohl auch Überschriften) gemacht würden. Wenn es zu einem Hauptsacheverfahren kommt, sollten sich die beteiligten Richter auch endlich mal selbst beschränken und sich nicht als Sprachgutachter versuchen (wie praktisch immer), sondern Sachverständige dazurufen. Denn aus journalistischer Sicht ist an dem BILDplus-Teaser nichts zu beanstanden, der da lautete: “Peinlich, peinlich, Herr Politiker! Kontrolleure erwischten den ehemaligen Grünen-Landtagsabgeordneten Daniel Mack (27) als Schwarzfahrer. Doch dabei bleibt’s nicht – jetzt ermittelt die Frankfurter Polizei gegen den Kommunikationsberater.” (zit. nach Meedia) (Zur Qualität und ggf. Unzulässigkeit der BILD-Berichterstattung in diesem Fall insgesamt äußern wir uns hier nicht!) Ausführlicher ist der Fall z.B. beim Darmstädter Echo zu lesen.
Aber fragen wollen wir denn doch noch, ob sich Ursula Scheer denn das Kölner “Urteil” wirklich durchgelesen hat, das sie in der FAZ interpretiert.

* Gerne gelesen haben wir, dass die satirische Wanderhure nicht mehr weg sein muss. Sie genießt Kunstfreiheit.

* Dass der DJV immer noch die “Bild-Leserreporter” als Bedrohung des Journalismus’ sieht, wundert allein ob der Hartnäckigkeit. Bringt nicht jede Lokalzeitung – auch außerhalb des Sommerlochs – gerne Leserfotos von Tieren, Gewittern und Schilderwäldern – vom wichtigen Zulieferbetrieb Feuerwehr (2; 3) ganz abgesehen?

 

Der dito-Spam

20. Juli 2014

Facebook-Beiträge deutschsprachiger Medien werden seit einigen Stunden mit einem standardisierten Protesttext konfrontiert:

Ich spreche mich hiermit gegen die Pro-israelische Berichterstattung deutscher Medien aus. Ich spreche mich hiermit gegen die Verharmlosung des Genozids an den Palästinensern aus… (Forts. unten *)

Die Redaktion von Süddeutsche.de hält diese Copy&Paste Kommentare schlicht für Spam:

sz-spammingMan mag es in der Tat etwas nervig finden, wenn sich plötzlich unter allen möglichen, thematisch weit entfernten Artikeln der immer gleiche Kommentartext findet**? Aber: ist das nicht die typische Form von Massenprotest (und nach Spam-Bots sieht es nicht aus)? Auch wenn dieser Protest “gesteuert” ist (Campaigner würden wohl von “initiiert” sprechen) und die meisten Poster die deutschsprachige Berichterstattung wohl gar nicht kennen. (Kampagnenbild;

Es ist die digitale Form der “Protestpostkarte”, die sonst sackweise im Kanzleramt und bei anderen Macht- oder Konzernzentralen eingeht.

Die Süddeutsche Zeitung vermisst die “inhaltliche Auseinandersetzung”. Nun, die will man bei solchen Protestaktionen doch nun tatsächlich nicht individuell führen. Ob Breife zur Freilassung politischer Gefangener (mit vorgegebenem Text von amnesty international) oder ein Protestklick bei einer campact-Aktion: wer da mitmacht, zeigt auf einfache, schnelle Art und Weise seine Meinung.
Verbannen (verbergen) kann man die Kommentare gerechtfertigter Weise überall dort, wo sie gar nicht zum Thema passen (der Aufruf taucht auch bei Coca Cola und vielen anderen auf), – weil es genügend passende Anknüpfungsartikel gibt. Aber neben sicherlich vielen Fake-Accounts, die da augenblicklich “kommentieren” schließen sich ganz offensichtlich auch reale Menschen dem Protest an. Das sollte man nicht einfach gedanklich blocken.

Über die Einseitigkeit der deutschen Berichterstattung zum neuen Krieg in Gaza mag man streiten. Was aber unstreitig sein dürfte: dass es den kommerziellen = professionellen Medien in den letzten Jahrzehnten nicht gelungen ist, über den Grundkonflikt so zu informieren, dass man nicht bei jeder Gelegenheit wieder alles neu durchkauen müsste, als gäbe es den Israelisch-Palästinensichen-Konflikt erst seit drei Tagen. Dass man in jeder Debatte die gesamte Bandbreite von Meinungen dazu antrifft zeugt wenig von der ewig beschworenen “Orientierungsleistung” der Medien. Und manches, was sie publizieren, wirkt auch eher orientierungslos. So wie der (augenblickliche) Ärger der SZ-Leute.

*=Der vollständige Protesttext:

“Ich spreche mich hiermit gegen die Pro-israelische Berichterstattung deutscher Medien aus.
Ich spreche mich hiermit gegen die Verharmlosung des Genozids an den Palästinensern aus.
Fakten und Beiweise hierzu, werden von den Medien bewusst unter den Tisch gekehrt. Ohne Erfolg.
Israel hat erneut Phosphorbomben eingesetzt.
Der Einsatz von Brandwaffen gegen Zivilpersonen bzw. in einer Art und Weise, in der es leicht zu sogenannten “Kollateralschäden“ kommen kann, ist entsprechend den Zusatzprotokollen von 1977 zu den Genfer Abkommen von 1949 verboten.
Diese Protokolle hat Israel NICHT unterzeichnet. Warum nicht?!
Israel verstößt somit auch gegen die Chemiewaffenkonvention.
Ich fordere die Medien und die deutsche Regierung auf, nicht länger in MEINEM NAMEN zu sprechen.
Ich teile nicht die Ansicht der Bundesregierung, dass Israel sich bloß “verteidige”.
Ich spreche mich ganz klar gegen diese Lüge aus.
Ich lasse mich nicht länger manipulieren und zum Narren halten.
Ich bin aufgewacht und euer Plan fruchtet nun nicht mehr.”

**= Man nennt es wohl auch Flashmob
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Updates:

tagesschau.de sieht es wie sueddeutsche.de auf Facebook (Sonntag, 23 Uhr):
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Eppendorfer Mindestlohn

15. Juni 2014

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Einen Artikel von Josh Groeneveld und Paul Middelhoff über den Mindestlohn leitet der Spiegel (24/2014, S. 30) so ein:

“Der geplante Mindestlohn zwingt Theater, Verlage und Musiklabels, Praktikanten angemessen zu bezahlen. Viele halten das für nicht finanzierbar.”

 

Nur eine Korinthe? Eine sprachliche Ungenauigkeit? Oder wieder mal das Eppendorf-Syndrom?

Mit dem geplanten Gesetz wird ja gerade keine “angemessene” Vergütung festgelegt, sondern eine Vergütungspflicht mit Untergrenze. Wenn Firmen, auch im kulturellen Bereich, eine angemessene Vergütung für nicht bezahlbar hielten, dass gäbe es dort tatsächlich ein Problem. Gibt es vermutlich auch – aber nicht beim Mindestlohn für Praktikanten.

Der Artikel selbst nennt dann ja auch Argumente, die eine deutlich geringere oder auch gar keine Vergütung von Praktikanten für angemessen halten.

Was ist angemessen? Für unser Journalistenbüro, das über viele Jahr Studierenden Praktika von meist zwei Monaten Dauer angeboten hat, ergäben sich reine Lohnkosten von 2720 EUR. Hinzu kommt die meist recht aufwendige Betreuung, das Erläutern von journalistischen Abläufen, das gemeinsame Planen von Recherchen, die Textbesprechungen etc. – oder auch einfach nur der nette Plausch, der aber leider vom Erwirtschaften abhält. Den Stundensatz des Praktikumsbetreuers wird man wohl deutlich über dem Mindestlohn ansetzen dürfen, und wenn wir dafür mal nur 40 EUR pro Stunde bei durchschnittlich sicherlich einer Stunde Betreuungsaufwand täglich einsetzen, kostet ein achtwöchiges Praktikum schon 4320 EUR, ohne Abgaben, ohne Kostenbeitrag zur Infrastruktur – und ohne Krankentage.

Wir haben Praktikanten immer in Projekte eingebunden, aber bei keinem – ob Auftragsartikel, Internetprotal, Zeitschrift oder Buch – sind jemals durch Praktikanten Beiträge oder Dienstleistungen entstanden, die auch nur im Ansatz diesen Betrag eingebracht hätten – was angesichts der realen Einkommensverhältnisse freier Journalisten auch nicht verwunderlich sein dürfte. Dass wir nicht “angemessen” bezahlen wollen, ist eine böse Unterstellung.

 

Krautreporter

13. Juni 2014

Sie schaffen es ja jetzt wohl (doch), die “Krautreporter”. Aber eine der Fragen, die man da stellen muss: Warum ist es so knapp? Sie wollten nur 15.000 Abonnenten, und sie wurden von einer unglaublichen Medienaufmerksamkeit unterstützt. Beschallung, Bedruckung und Verbytung auf allen Kanälen quasi – und dann nur 15.000 Menschen, die es interessiert? Was sagt das über den Journalismus? Wir sammeln Beiträge dazu, einstweilen: Die Überaufklärer.

Reaktion Rainer Stadler  (NZZ):  “Ich befürchte allerdings, dass die Initianten den Aufwand unterschätzen, der nötig ist, um ein gut gemachtes digitales Hintergrundmagazin zu realisieren. [...] Hier entsteht weiterer Journalismus im Dauerprovisorium. Das ist allerdings durchaus zeitgemäss. Denn das Internet hat ziemlich alle alten Sicherheiten zertrümmert.”

Selbstkritik Carolin Ströbele und Kai Biermann (Zeit.de): “Die Krautreporter nun haben diese Kräfteverteilung ein wenig aus dem Lot gebracht. Auf einmal steht dort eine Reihe von selbstbewussten Autorinnen und Autoren, die sagen: Meine Arbeit ist etwas wert. ”

Kommentar Roland Pimpl (Horizont): “Was würde zu diesem Getöse der Medien wohl Krautreporter Stefan Niggemeier sagen, bekanntlich der Erfinder und Linienrichter des reinen, des wahren Journalismus, wenn seine geliebten Massen- und Fachmedien dieses Bohei etwa um einen Schokoriegel in der Pre-Launch-Phase getrieben hätten? Aber, Journalisten schreiben nun mal mit am liebsten über Journalismus – und das haben die Krautreporter mit Bravour ausgenutzt. ”

Kritik Patrick Gensing (tagesschau.de): Wer sich die Mühe macht, wird weitere Geldgeber finden, die 20.000 oder 10.000 Euro in die Krautreporter investierten. Wer das ist, bleibt unklar. Daraus ergibt sich aber, dass es bislang weniger als 15.000 reale Unterstützer gibt, aber mehr als 16.000 Mitgliedschaften verkauft wurden.

Übellaunig zeigt sich Christoph Kappes (carta): “Informationswege sind unsere Informationsallmende. [...]  und es ist nicht weit bis zum distinguierten Vorwurf “digitaler Bettelei”. Trotzdem sollten informationsökologische Kosten eigener Handlungen der Allgemeinheit nur in Grenzen aufgelastet werden, ganz wie im Umweltschutz. Die Regel „Mehr Geld durch mehr Getöse“ halte ich jedenfalls für asozial.

 

Ausländerfeinde mit Abitur

08. Juni 2014

“Korinthen” sind bei uns dem Spiegel vorbehalten, aber an diesem klassischen Patzer konnten wir nicht vorbeisehen.  Bei Cicero lesen wir:

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6,8% der Ausländerfeinde haben Abitur, 20,8% hingegen haben kein  Abitur. Und die restlichen 72,4%? In der entsprechenden Studie der Universität Leipzig steht denn auch etwas anderes:

Auslaenderfeindlichkeit-Studie-LeipzigDas ist natürlich etwas ganz anderes. 6,8% der befragten Menschen mit Abitur haben (nach Definition der Studie) ausländerfeindliche Einstellungen.

 

 

Wie groß ist der Einfluss der Politik auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk?

19. Mai 2014

SPIEGEL wirbt weiter für Klamauk-Partei

16. Mai 2014

Sonneborn ist klug, Sonneborn kann satirisch sein, Sonneborn ist der langweiligste Politik-Kabarettist Deutschlands. So. Nachdem wir ihn mit dem K-Wort maximal beleidigt haben dürften (wobei: vielleicht ) die Frage ans Publikum:

Könnte es sein, dass angesichts der tatsächlich möglichen Finanzgeschäfte Sonneborns Partei (sorry, für ihn natürlich mit extra Apostroph: Sonneborn’s) nicht mehr ganz so ungestüm auf Spiegel.de für sich werben dürfen sollte? Denn ganz gleich, welches Kasperle-Theater er oder seine Getreuen mit Abgeordnetenmandat und Vergütung machen wollen – diese Ressourcen stehen dann anderen Komikern nicht mehr zur Verfügung.

Weder der Spiegel-Verlag noch eine der Parteien wollte sich dazu zeitnah äußern.

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Davon ganz ab ist es aber schon traurig zu sehen, wie der Partei-Klamauk Satire entpolitisiert hat. Als Sonneborn und Konsorten vor 10 Jahren mit ihrer Idee loslegten, konnte man das noch als Frontalkritik am Parteienwahnsinn verstehen: Inhaltsleere, Karrieregeilheit, Medieninszenierungen, Führer- und Untergebenenstrukturen…

Aber heute, da Martin Sonneborn eben unter anderem bei Spiegel.de volles Rohr seine Parteienkomödie spielen darf, während der Rest der Nachrichtenwebsite ungerührt weiter der Politiker Speichel leckt und jedwede “Systemkritik” in bester Nachäffung der namengebenden Zeitschrift ignoriert, wird wohl niemand mehr politische Satire in der Spam-Partei sehen können. Es ist Klamauk, eben gerade nicht ernst zu nehmen: lustig, lustig, trallallallala.
Allein für den Dusseljournalismus  ist zu wünschen, dass Sonneborn durch wundersame Fügung (oder gerne auch wieder mal: Bestechung) die nötigen Stimmen bekommt (gut, bei der letzten Bundestagswahl waren es nur 39.388, also deutlich weniger als Käufer der Illustrierten “Titanic”), um ins Europaparlament einzuziehen. Nicht nur die BILD wird sich dann ganz furchtbar aufregen über diesen Missbrauch demokratischer Rechte, die Verhohnepipelung eines Parlaments (oder einer Quatschbude, je nach Stimmungslage), die Verschwendung von Steuergeldern…

Update 26. Mai 2014:
Wir hatten die Pressesprecher der Parteien CDU, SPD, FDP, Grüne, Linke, Piraten und AfD dazu befragt, was sie von dieser satirischen Werbung für eine reale Satirepartei halten. Die FDP teilte nach 5 Tagen mit: “Die FDP konzentriert sich auf ihren Wahlkampfendspurt und wird dazu deshalb keine Stellungnahme abgeben.” Die andeeren Parteien machten das offenbar ebenso – ohne es mitzuteilen.

Spiegel.de bezeichnete am Tag vor der Wahl “Die PARTEI” noch als Spaß. Sechs Stunden nach der Wahl heißt es bei der tagesschau.de: “Es ist zwar knapp – aber nach jetzigem Stand der Hochrechnung von infratest dimap könnte die politsatirische “Die Partei” von Frontmann Martin Sonneborn ins Parlament mit einem Sitz einziehen.”